Planung und etwas Zeit gleich lecker

Es ist Sommer. Dieser Tage mal so richtig. Und da bekommt man Lust auf leichte Sommerküche. Und mir gelüstet es nach … Gulasch. Manchmal ist es schon komisch. Aber man kann den Gelüsten ja ruhig mal nachgehen, vor allem, wenn abschließend sooo was leckeres dabei heraus kommt. Allerdings braucht es doch etwas Planung und etwas Zeit, aber: Was macht der Herd an einem heißen Samstag, wo einem beim Hausputz sowieso eher nach was leichtem ist? Richtig: Er langweilt sich. Also gibt man ihm eben was zu tun.

Man kann Gulasch natürlich mit dem Fleisch kochen, was in den Läden als Gulaschfleisch verkauft wird. Aber dann ist es kacke (um mal eine gerade in Mode gekommene Floskel zu bemühen). Man kann aber auch zur Fleischtheke seines Vertrauens gehen und nach einem Blick in die Auslagen und dem nicht erblicken des Gesuchten eine Bestellung aufgeben. Dabei muss man irritierte Blicke der Fachkraft hinterm Tresen mal gekonnt ignorieren. Die Bestellung lautet: Zwei Rinderbeinscheiben, ca. 6 cm dick.

Wenn man diese in der Hand hält und in seiner Küche hat, gehts auch schon los. Ein kleiner Tipp dazu: Man sollte nicht abends mit dem Zubereiten anfangen, außer, man ist ggf. Spätschläfer. Aber das nur nebenbei. Die Beinscheiben werden im rohen Zustand grob zerteilt. Das Fleisch wird vom Knochen gelöst und in 3 oder 4 große Brocken zerteilt, Sehnen, Haut und sonstiges kann alles dran bleiben.

Der Rest ist erst mal kein Geheimnis, das habe ich mit dünneren Beinscheiben schon mal gemacht. Zwiebeln anbraten, wieder raus aus dem Topf, Fleischbrocken und Knochen anbraten, Tomatenmark mit Paprika anbraten, Mit etwas Wasser ablöschen. Zwiebeln wieder in den Topf, alles gut vermengen und Deckel drauf. Entgegen des Originals habe ich dann nach einer Viertelstunde nicht mit Wasser aufgefüllt, sondern mit klein geschnittenen Tomaten und roten Spitzpaprika. Und eine halbe Chilischote habe ich auch noch mit hinein geworfen. Einmal aufkochen und dann bei kleinster Hitze leicht vor sich hin simmern lassen. Alle halbe Stunden mal umrühren und die Schärfe prüfen. Sollte sie zu heftig werden, ist es Zeit, die Chilischote wieder zu entfernen.

Irgendwann, so nach 4 oder 5 Stunden, wenn das Fleisch so zart ist, dass man es mit einem Löffel teilen kann, nimmt man die Fleischbrocken aus der Soße und zerteilt sie in halbwegs mundgerechte Stücke (oder noch etwas größer). Dabei werden auch Hautreste und andere unschöne Teile entfernt. Die Soße im Topf wird hingebungsvoll mit einem Pürierstab bearbeitet und alles abgeschmeckt. Danach kommt das Fleisch wieder in den Topf und kann noch etwas ziehen. Man könnte es auch anrichten. Oder eindosen und zwischenlagern. Das habe ich Samstagabend gemacht. Und heute, zwei Tage später, wurde getafelt.

Gulasch im Topf

Mit Teigwaren habe ich es ja nicht so, also kamen gute gekaufte Gnocchi in den Topf und wurden in 2 Minuten lt. Vorschrift gegart. Nebenher darf das Gulasch bewundert werden:

So cremig ...

Fleischig und schön viel Soße. Ein richtiges Mecklenburger Gulasch. 😉 Und in der kalten Form mit einer interessanten Eigenschaft:

Der ist fast stichfest

Das Gulasch ist fast schnittfest. Das könnte daran liegen, dass die Soße im wesentlichen aus Zwiebeln und etwas püriertem Gemüse besteht. Es könnte auch an den beiden Knochen von den Beinscheiben liegen, deren Mark sicher auch ein wenig zur Bindung beitrugen. Und an den ausgekochten Sehnen und Häuten des Beinscheibenfleisches. Kein Mehl und keine Tüte kann dieses wunderbare Mundgefühl – so rein und intensiv – erzeugen.

Aber erwärmen sollte man das Gulasch trotzdem wieder. Dabei wird es auch flüssiger.

Der Gulasch blubbert schön im Topf

Und dann wird nur noch angerichtet.

Gulasch auf Gnocchi

Auch wenn die Fleischbrocken in den Gulasch für ein vornehmes Essen noch zu groß sind, Messer und Gabel sind hier nicht das Besteck der Wahl. Da reicht ein Löffel; für die Gnocchi und die Soße sowieso, aber auch das Fleisch lässt sich wunderbar mit der Löffelkante zerteilen … Einfach nur lecker.

Manches muss ich nicht verstehen, oder?

Der Landvolk Presse Dienst des Landvolk Niedersachsen Landesbauernverband e.V. veröffentlichte unlängst eine Pressemitteilung, die letztendlich vor dem Verzehr von Rohmilch warnt. So heißt es in der Pressemitteilung (die auch durch andere Webseiten verbreitet wurde):

Rohmilch vor dem Verzehr immer abkochen

Rohmilch ist eine Form der Milch, die so nur direkt ab Hof angeboten wird. Einige Höfe haben entsprechende “Milchtankstellen” installiert, wo interessierte Verbraucher sich selber Milch zapfen können. Die Bauern sind verpflichtet, den Hinweis mit dem Abkochen an den Ausgabestellen gut sichtbar anzubringen.

Nun meine Frage: Warum kaufe ich Rohmilch, wenn ich sie zu Hause abkochen muss und ich dann keine Rohmilch mehr habe?

Wenn ich Milch trinken will, die leichte Kondensmilcharomen hat, dann kaufe ich H-Milch oder ESL-Milch, bei Rohmilch möchte ich doch den ursprünglichen Geschmack und nicht den nach dem “vor dem Verzehr unbedingt gut abkochen” sicher vorhanden Einheitsgeschmack.

Lecker aus dem Fahrradkeller

Da glaubt man, eine gute Idee zu haben, und im Nachhinein ist sie doch etwas überlegenswert. Oder es mangelte nur ein wenig an der Ausführung in der besonderen Situation. Na, hinterher ist man immer schlauer. Deswegen bitte nicht wundern, dass die Aufnahme diesmal etwas halliger klingt als sonst. Aber wenn man mit ungewohnter Technik arbeitet …

Eine der zu Grunde liegenden Ideen war, dass wir bei unserem kleinen Restauranttest unsere Eindrücke möglichst frisch in eine Audiodatei pressen, um es möglichst authentisch rüber zu bekommen. Angedacht war, dazu zu den Restaurantbesuchen ein Mikro mitzunehmen und gleich auf der Heimfahrt (aber nicht gleich in der Gaststätte!) ein lauschiges Plätzchen zu finden und die Bewertung aufzunehmen. Frisch vom Tisch also.

Aber vielleicht ist es doch besser, das Ereignis doch etwas sacken zu lassen, eine Nacht drüber zu schlafen (oder mehr) und dann etwas geläuterter darüber zu philosophieren, wie gut Vorspeise, Hauptgericht, Dessert, Kaffee und Service waren. In der Radiosendung und auch in unten anhängender Audiodatei (ist ja die gleiche Aufnahme, nur ohne Musik) befindet sich so ein frischer Eindruck. Zwischen abschließendem Bezahlen und Aufnehmen lag keine halbe Stunde.

Aber schon aus Sicht des Zeitpunktes der Niederschrift dieser Worte hat sich meine Meinung schon in einigen Punkten etwas relativiert. Was nicht heißen soll, dass meine unten zu hörenden Meinung falsch geworden ist, nur möchte ich – nicht mehr im Suppenkoma – einen Punkt etwas herausstellen, der zwar kurz erwähnt wird, dem ich aber als Kritikpunkt größere Bedeutung beimessen möchte. Die Portionsgröße. Ich weiß, es ist mein Lieblingsthema.

Punkt 1 (und das ist durchaus positiv vermerkt, weil es nicht selbstverständlich ist): Laut Speisekarte gibt es alle Speisen auch in einer “Seniorenportion”*. Leider habe ich keine gesehen, aber selbst, wenn man von 2/3 der normalen Portionsgröße ausgeht, vermute ich selbst hier eine Übergröße.

Punkt 2: DIE PORTIONEN SIND (mal wieder) EIN ANSCHLAG AUF DIE GESUNDHEIT. Ein Bauarbeiter, der den ganzen Tag mit einer Schubkarre Zement in den 4. Stock karrt (ohne jede motorisierte Hilfe) verbraucht dabei nicht mehr Energie, als eine normale Portion liefert. Gerade auch bei Bratkartoffeln, was naturgemäß nicht die kalorienärmste Zubereitungsform der leckeren Knollen ist, sollte man auf eine bewusste Dosierung achten. Ich habe ca. die Hälfte von dem gegessen, was ich auf dem Teller hatte und die Portion, die wieder zurück in die Küche gegangen ist, wäre in einem halbwegs kalorienbewussten Restaurant auf 2 Tellern gelandet.

Aber genau das ist der Punkt, und deswegen soll diese Kritik auch nicht überbewertet werden, sondern als kleine Ergänzung zum Audiofile einfließen: Man muss ja einen Teller nicht leer essen. Sicher: Es ist schade um die wieder zurückgehenden und damit entsorgten Lebensmittel, aber irgendwie müssen wir die Wirte doch mal dazu bringen, endlich vernünftige Portionen auf die Teller zu bekommen. Die sollen lieber eine Dessertkarte (nicht nur eine Eiskarte) in ihr Portfolio mit aufnehmen, falls wider Erwarten doch mal jemand nicht satt geworden ist. Oder vielleicht kann man sich mal ein Nachschlag-System einfallen lassen? Oder dreht das “Senioren-Portion”-System doch einfach um. Bietet grundsätzlich kleinere, vernünftige Portionen an und gegen einen kleinen Aufpreis einen zusätzlichen Schlag mit auf den Teller.

So, nun zum Audio. Viel Spaß. 18

Weitere Infos zum Radhaus Jürgenstorf gibt es hier.

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*) Nebenbei bemerkt: An dieser Stelle schreibe ich mal einen Preis aus für einen sinnvollen neuen Begriff für “Seniorenportion”, weil dieser den Sinn nicht trifft. Stellt sich die provokante Frage, ob diese Portion minderdentalfreundlich püriert ist, oder geschmacksbeeinträchtigt überwürzt? Oder eben einfach nur kleiner, was gemeinhin damit verbunden wird. Aber auch als Nicht-Senior möchte man manchmal nicht so viel essen und eine kleinere Portion bestellen …

Gute Zutaten, ein wenig Zeit, lecker

Manche Sachen sind eigentlich zu einfach, um sie hier zu verbloggen, aber manchmal ist ein Basisrezept, dass sich in einige Variationen auch schon hier im Blog findet, doch immer wieder lecker. Und man kann es eben so einfach variieren. Aber, wie immer bei einfachen Gerichten, es kommt auf die Qualität der Zutaten an. Davon lebt das Gericht.

Edelstahlpfanne mit Deckel

Wobei das mit den “guten Zutaten” eigentlich schon beim Kochgeschirr anfängt. Häufige Leser diesen Blogs werden schon die eine oder andere Pfanne gesehen haben, aber letztendlich ist die gute alte Edelstahlpfanne für viele Sachen doch das beste. Selbst Keramik- oder Steinpfannen können mir da gestohlen bleiben. Beschichtete brauche ich eigentlich nur für zarte Brataufgaben, wenn ich kein Fettbad veranstalten möchte.

Pfanne und Öl erhitzen

In der Pfanne wird gut erhitzbares Öl erhitzt.

Hackfleisch anbraten

Dann kommt Hackfleisch dazu, hier Mischhack in Bioqualität, meine Alternative für den Fleischer, dessen Tiere hinterm Haus äsen. 😉 Das Hack wird kräftig angebraten.

Angebratenes Hackfleisch

Bräunen und krümeln sollte es. Dann ist es gut.

Gurkenstücke dazu

Die Gurkenstücke (Salatgurke, wer mag, kann die Schale auch teilweise oder ganz entfernen. Ich empfehle aber, das vor dem Kleinschneiden zu machen.) werden in den Bratresten angeschmort, können ruhig etwas Farbe nehmen.

Gurken auch angebraten

Gurke, leicht angeschmort. Aber ich mag ja bei Schmorgurke ein wenig Tomate mit dran.

Tomaten dazu

Also kommen noch geviertelte Cocktailtomaten mit dran. Für Anhänger der feinen Küche: Tomaten vor dem Vierteln enthäuten.

Salzen und Pfeffern

Der Pfanneninhalt wird gesalzen und gepfeffert.

Paprika dazu

Etwas Paprika als Gewürz schadet auch nicht.

Tomatensoße dazu

Da ich noch eine angefangene Packung meiner Tomatensoße hatte, habe ich davon noch etwas hinzu gegeben. Alternativ würde ich etwas Tomatenmark mit anrösten und dann untermischen.

Gut unterrühren

Die Soße gibt die Feuchtigkeit, bei der Verwendung von Tomatenmark kann man mit ein wenig Wasser ablöschen, damit es nicht anbrennt.

Das muss nun schmoren

Dann wird alles gut durchgemengt. Die Gurke ist aber noch recht knackig. Also:

Zeit lassen und schmurgeln

Deckel drauf und alles bei kleiner Hitze vor sich hin schmurgeln lassen. Ab und zu umrühren. Je nach gewünschtem Verkochungsgrad von Gurke und Tomate kann das gut 20 oder 30 Minuten dauern.

Lecker. Besser als Schmorgurken

Man serviert das Schmorgemüse mit Kartoffeln oder auch Gnocchi. Zur Not gibt’s Brot. 😉

Die Varianten sind vielfältig, aber es ist so einfach: reines Rinder- oder Schweinehack, vielleicht auch mal Lammhack, Zucchini statt Gurke, zum Schluss noch ein paar Feta-Würfel, oder nur Tomatenmark statt Tomaten, oder kleingehackte Zwiebeln vor der Gurke hinzu geben, …

Tipp mit Risiko

Manchmal, wenn man neben dem Kochen auch ein wenig nachdenkt, kommt man ja auf die sonderbarsten Sachen. Oder auch mal auf einen praktischen Tipp so wie diesen hier. 😉

Es stellt sich die Frage: Wenn man ein Steak richtig schön formvollendet zubereitet, was macht man eigentlich mit der heißen Pfanne, wenn das Fleischstück zum vollenden im Ofen liegt? Ganz einfach: Bratpaprika.

Steak mit Bratpaprika

Diese grünen Schoten habe ich neulich mal entdeckt und finde sie durchaus lecker und interessant. Sie werden einfach nur mit etwas Öl (und/oder den Bratresten vom Steakzubereiten) in eine heiße Pfanne gegeben und dort unter gelegentlichem Umrühren gebraten. Zum Schluss kommt noch grobes Salz drauf und fertig. Zum Essen ergreift man sie am Stiel und beißt von vorne ab.

Eine kleine Warnung sei aber noch gemacht: Die Paprika sind teilweise recht scharf, wenn man so will: chillig. 😉 Allerdings erkennt man das erst, wenn man abgebissen hat. Also viel Spaß beim Genuss und beim Nervenkitzel.