1. Platz ohne Bedeutung

Lieferserviceportale schossen ja mal wie Pilze aus dem Boden, mittlerweile hat sich der Markt wohl schon ein wenig bereinigt. Aber es scheint doch immer noch mehrere zu geben, so dass ein bekannter Nachrichtensender einen Vergleichstest machen konnte. Vom Testsieger habe ich unlängst eine E-Mail bekommen:

Lieferando.de belegt den 1. Platz beim großen Test der Lieferservice-Portale vom Deutschen Institut für Service-Qualität im Auftrag von n-tv.

Wir überzeugten in allen untersuchten Bereichen als Einzige mit der Note “sehr gut” und setzten uns damit als Testsieger gegen neun Konkurrenten durch.

Der Test ist eigentlich genauso sinnfrei wie die Portale selber (großstädtisches Umfeld vielleicht mal außen vor gelassen). Warum?

  1. Die Portale leben auf Kosten der Lieferservice, die müssen Prozente abdrücken für wenig Gegenleistung.
  2. Kein Portal hat wirklich alle Anbieter, das heißt, die Suche über mehrere Apps oder Webseiten geht trotzdem weiter.
  3. Kein Portal hat irgendwas mit dem Essen selber zu tun, dessen Qualität das einzige Kriterium sein sollte, weil es das einzige ist, was mit dem Menschen wirklich in Berührung kommt.
  4. Kein Portal hat Einfluss, auf die Gerichte, auf die Auslieferer, auf den damit verbundenen Service. Nichts.
  5. Lustig sind Portale, die auf Restaurants u.ä. verweisen, die es z.T. seit Jahrzehnten nicht mehr gibt (Pizza-Taxi.de hat sowas im Angebot, selbst das Gebäude ist vor Ewigkeiten abgerissen und durch eine Versicherungsagentur ersetzt worden. Oder wie wäre es mal mit einem Besuch in der Broiler-Bar?).
  6. Spaßig wird es, wenn der Auslieferer den Besteller bittet, das nächste mal doch bitte telefonisch zu bestellen und nicht per Internet …

Die Auswahl in Neubrandenburg ist sowieso eher übersichtlich, aber wenn ich mir die beim o.g. Testsieger ansehe, gibt es 5 Lieferservice. Angeblich. Die Recherche in meiner Menü-Karten-Ablage unter meinem Wohnzimmertisch ergab 15 unterschiedliche Anbieter, wobei ich bei zweien ihre mittlerweile Nichtexistenz unterstelle und mind. eine Umbenennung (und ggf. Einstellung des Lieferservice) vermute. Und einer der im Internet angegebene ist dafür nicht mit dabei.

Also: Die Auswahl umfasst höchstens die Hälfte der möglichen, gerade auch die (regionalen) Big-Player sind nicht dabei. Und sowas nennt sich Testsieger. Im Abzocken? Man muss sich also nur die passenden, wenn auch unwichtigen Kriterien für einen Test zusammensuchen, um sich feiern zu können.

Greifen wir doch mal ein Beispiel heraus. Einer der im Portal ausgewiesenen Lieferservice hat einen Mindestbestellwert von 8,- €. Dafür bekommt man zum Beispiel eine 30 cm Pizza mit Mozzarella oder eine Calzone Hawaii oder ein Zigeunerschnitzel mit Sättigungsbeilage. 19% MwSt., 15% Vermittlungsgebühr abgezogen, bleiben 5,28 €, Der Koch bekommt Geld, der Fahrer bekommt Geld, das Auto kostet Geld, die Hütte um den Koch herum kostet Geld und die Zutaten wollen auch noch bezahlt werden. Ich frage mich schon immer, wie sich das rechnet ohne Selbstausbeutung und billigste, minderwertige Zutaten.

Kiss me, Stev’

Es grünt so grün, wie Stevia-Blüten blüh’n. Seit einiger Zeit ist dieser “natürliche” Süßstoff als genau das zugelassen und es gibt mittlerweile einige Produkte, in denen Teile – was durchaus chemisch zu sehen ist – der Pflanze enthalten sind. Bis zu 450 mal soll die Stevia-Süße intensiver sein als Zucker.

Ein großer Brausehersteller brachte jetzt eine Variante seiner koffeinhaltigen Limonaden auf den Markt, bei der Teile des Zuckers durch Steviolglycoside ersetzt wurden. Das drückt sich durchaus im Energiegehalt der Cola aus: 27 statt 42 kcal pro 100 ml sind schon mal ein Anfang.

Ansonsten gilt: Wer’s mag. Wenn man den Vergleich mit den anderen Cola-Produkten aus gleichem Hause macht, darf man feststellen: Auch diese schmeckt anderes als das Standard-Produkt. Aber das ist bei den Light- und Zero-Versionen sowie den coffeinfreien ja genauso, auch wenn die Werbung gern etwas anderes behauptet. Die einzige echte ist eben die normal. Alle anderen schmecken anders.

Gutes Fleisch erkennt man an …

Na, die Fortsetzung des Spruchs in der Überschrift ist ja allgemein bekannt. Und auch, wo er her kommt. Die Macht der Werbung – ein ganz eigenes Thema. Versuchen wir mal eine Fortsetzung.

… Reismehl im irischen Hackfleisch.

Nee, das klingt nicht gut. Vielleicht mal was lustiges:

… Kichererbsenmehl im Burgerbratling.

Neee, auch nicht gut. Vielleicht ein Sicherheitsaspekt:

Natriummetabisulfid zur Konservierung.

Nein. Auch das klingt nicht gut. Aber das alles ist in bestem irischen Hackfleisch zur Zubereitung von zwei Hereford Burgern enthalten, neben Salz, Pfeffer und Stärke. Stellt sich die Frage, was es da drin alles soll und ob das wirklich für die Qualität spricht. Einfache Antwort: Nein.

Und dann soll man die Bratlinge auch noch 16-18 Minuten grillen oder braten. Ich versuchte letzteres und sah die schwindende Güte in der Pfanne, die Rindfleisch-Klopse verloren sichtbar an Größe.

Viele Hamburger habe ich ja noch nicht gemacht, aber wenn man richtig gutes Hackfleisch vom Fleischer des Vertrauens holt, dann passiert das alles nicht und es schmeckt auch um ein Vielfaches besser. Finger weg von Burger-Rinderhack, wo mehr drin ist als Rinderhack.

Vielfalt hat ihren Preis

Es ist schon eine Weile her, dass ich mal eine Speisekarte eines Essenbringdienstes “auseinander genommen” habe. Das mag an der steigenden Qualität dieser Druckprodukte liegen … *prust* … oder doch auch daran, dass lange nichts mehr ins Haus flatterte. Aber, der geneigte Leser wird es schon erahnen, es kam mal wieder was. Wobei: Was auf den ersten Blick wie ein Menü- und Bestellzettel aussieht, entpuppt sich als reines Menü, wird man doch gleich auf der Titelseite ins Grillrestaurant eingeladen. Es liegt beinahe um die Ecke.

Das Angebot dreht sich viel um drehendes Fleisch, dass mit einigen Standards und interessanten Kreationen aufwartet, frei nach dem Motto: Man kombiniere vorhandene Grundzutaten mal zu was völlig neuem. Und es ist doch manchmal erstaunlich, was man mit Dönerfleisch alles kombinieren kann: Döner Hawaii (da wundert es mich, dass noch niemand Döner Florida anbietet: statt Ananas kommt Pfirsich hinein), Nudeln mit Dönerfleisch, Baguettes mit Dönerfleisch, Spaghetti mit Dönerfleisch und Sahnesoße, Dönerschnitzel mit Metaxa-Soße, Dönercalzone und natürlich auch Pizza mit Döner.

Es gibt sogar eine Gyros-Calzone, und da sie das einzige Gyrosgericht ist, stellt sich mir (eigentlich nicht) die Frage nach der Qualität des Gyros: auch vom Drehgrill oder doch nur das sogenannte Pfannengyros als Simulation? Außerdem sollte man wohl sicherheitshalber nach den aufgedruckten Nummern bestellen, zu leicht ist das Dönerschnitzel mit einem Schnitzeldöner verwechselt und man hat das falsche Gericht im Bauch.

Apropos Schnitzel. Hier gilt es bei der Bestellung doppelt aufzupassen. Unter der Überschrift “Schnitzelgerichte” und der Bestellnummer 32 kann man ein Schnitzel mit Pommes und Salat für 6,50 Euro erwerben. Hat man nicht so viel Geld dabei, sei die Kategorie “Fleischgerichte” und die Bestellnummer 43 empfohlen. Dort gibt es ein Schnitzel mit Pommes und Salat für 5,50 Euro. Wahrscheinlich muss man wirklich mal in den Laden gehen, um hier den Unterschied zwischen den beiden Gerichten zu erfahren.

Wer wirklich hungrig ist und wirklich satt werden möchte, der ist hier im Grill auch besonders richtig. Wozu gibt es schließlich Sättigungsbeilagen. Und wenn eine nicht reicht, nimmt man eben zwei. So sind die Nummern 14 (“Nudeln mit Dönerfleisch und Pommes”) und 16 (“Nudeln mit Dönerfleisch, Pommes und Salat”) sehr empfohlen. Das erinnert mich doch ein wenig an einen hiesigen Pizzaservice, der mal eine Pizza Pommes mit Schnitzel und Sauce Hollandaise anbot.

Ein paar Kleinigkeiten wären noch zu bemerken – die gemischte Orthografie-Platte mit viel Tunfisch und Cheeseburgern sowie die folgende Unlogik: Hamburger 2,80, Cheeseburger 3,00, aber beide mit Cola und Pommes ergänzt 5,50 Euro – aber da niemand perfekt ist, soll hier mal geschwiegen werden. Montag bis Samstag ist von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Ein großer Parkplatz begleitet den Grill, so dass man sich sein Essen auch gut vom Aspendos-Grill in der Burgholzstraße am roten Netto mit nach Hause nehmen kann.

Wenn, dann richtig: Kennzeichnungen

Zur Freude alle Kunden müssen eine Reihe von Zutaten von abgepackten Lebensmitteln auf der Verpackung angegeben werden. Dass es zwischen der Abbildung auf der “Schauseite” des Etikettes und den wirklichen Bestandteilen manchmal leichte Diskrepanzen gibt, ist allgemein bekannt. Der Blick auf die Zutatenliste hilft da meisten, auch wenn diese manchmal doch etwas klein gedruckt ist.

Für die Interessen der Verbraucher auch in diesem Lebensbereich treten die Verbraucherzentralen ein. Was die Kennzeichnung von Lebensmitteln u.a. betrifft, gibt es das Internetportal lebensmittelklarheit.de, über dessen Ambitionen es unter anderem auf der Webseite heißt:

Die Umsetzung des Projekts erfolgt durch den Verbraucherzentrale Bundesverband und die Verbraucherzentrale Hessen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen der Initiative “Mehr Klarheit und Wahrheit bei der Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln” finanziell gefördert.

Aber, wenn man die Artikel verfolgt, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass so manches mal doch etwas über das Ziel hinausgeschossen wird. Nichts gegen eine exakte Beschriftung der Verpackungen, aber bei manchen Forderungen … Naja.

Unter der Überschrift “Bier, alkoholfrei” wird u.a. die Forderung aufgemacht, dass alkoholfreies Bier auch wirklich alkoholfrei zu sein hat. Dazu muss man wissen, dass große Teile dieser Bierart bis zu 0,5% Alkohol enthalten können. So fordert lebensmittelklarheit.de entsprechend seiner Ideale:

Daher sollte der tatsächliche Alkoholgehalt deutlich aus Sicht der Verbraucherzentrale im Sichtfeld erkennbar sein.

Wenn, dann aber bitte konsequent! Die Forderung sollte nicht nur für Bier, sondern für ALLE Lebensmittel aufgemacht werden, egal, wie hoch der Alkoholgehalt ist und ob er bei der Herstellung oder Lagerung entstanden ist oder bewusst als Zutat zugegeben wurde. Mancher Verbraucher würde sich dann über den Alkoholgehalt mancher Lebensmittel wundern, der z.T. weit über dem von <0,5%-alkoholfreiem Bier liegt.

  • Kefir bis 2%
  • Apfelsaft bis 0,4%
  • Traubensaft bis 1%
  • reife Banane bis 1%
  • Brot bis 0,3%
  • Sauerkraut 0,5%