Privat als Image

Heute Teil 2953 der Reihe „Irreführung durch Werbung“.

Da nennt sich ein Werbungstreibender, der nicht nur in eigenem Namen Milchprodukte auf den Markt wirft, „Privatmolkerei“, verbunden mit entsprechend stimmungsvollen, anheimelnden Bildern.

Dann googelt oder bingt man mal die Adresse in den Maps und schaltet das Luftbild dazu.

Ganz schön großer Industriebetrieb. Warum zeigen sie den nicht mal in der Werbung? Und dazu die Biochemie-Bude, die aus natürlichen Rohstoffen (Holz, Pilzkulturen, …) die Fruchtaromen herstellt?

Wahrscheinlich nicht so verkaufsfördernd.

Also on:

Süßes Pro und Contra in einem

Die bekannten Softdrinkhersteller nehmen ihre Verantwortung erst. Nachdem sie wegen des hohen Zuckergehaltes in ihren Getränken lange und intensiv kritisiert wurden, werden jetzt auch zuckerreduzierte Varianten verkauft. Und damit meine ich nicht die Light-, Maxx- oder Zero-Versionen, die eher als zuckerfrei gelten und die es schon länger gibt.

Auf Wunsch einer einzelnen Dame habe ich seit einiger Zeit meinen Wasserkonsum stark nach oben, dafür den Softdrink- und Saftverbrauch nach unten korrigiert. Das Zauberwort aus meinen Augen heißt in dem Zusammenhang „Schorle“, es ist zwar etwas nagetiv belastet, aber da mir Wasser pur einfach nicht schmecken mag, verschorle ich alles, was es zu verschorlen gibt. Mit erstaunlichen Ergebnissen.

Säfte zu verschorlen ist in dem Zusammenhang ein alter Hut, da brauchen wir nicht drüber zu rede. Aber auch Limonaden geben eine schöne Basis für leckere Schorlen, vor allem diejenigen, die in die fruchtige Richtung gehen. Schwerpunkt sind die Zitronenlimonaden, aber auch Bitterlemon, Ginger Ale u.a. eignen sich dafür, in gut gekühltem Zustand mit entsprechend temperiertem Sprudelwasser um das dreifache verlängert zu werden. Und sie eröffnen völlig neue Geschmackserlebnisse. Natürlich schmecken sie dann nicht mehr wie unverdünnt, aber trotzdem interessant. Nur bei Cola scheitert das Verfahren.

Bei meinen Einkäufen kam mir mal wieder eine Flasche klare Zitronenlimonade eines der großen Hersteller (des anderen) in die Hände, die ich unbesehen erwarb. Zu Hause entdeckte ich dann eine neue Information auf dem Etikett: „Jetzt mit weniger Zucker für einen großartigen erfrischenden Geschmack“. Und tatsächlich, der sonst übliche Kaloriengehalt von rund um 42 kcal/100ml liegt bei dieser Variante bei 29 kcal/100ml.

Die Flasche kam sofort in den Kühlschrank, und nachdem sie gut durchgekühlt war kam die Verkostung. Die Vorfreude auf eine fruchtig saure Limo war groß, genauso groß wie die anschließende Enttäuschung.

Bäääääääääähhhhhh!!!!

Das Gebräu ist genauso pappsüß wie das alte Original, nur wird der leicht limettige Geschmack, der sonst üblich ist, überdeckt von einem Fehlaroma, das seinen Ursprung in den Steviolglycosiden hat, einem Süßstoff, der irgendwas mit der Steviapflanze zu tun hat. Der andere große Softdrinkhersteller hat bekannterweise schon seit einiger Zeit eine Cola nach dem Prinzip im Programm, die den gleichen Makel ausweist.

In der Schorlenversion verliert sich das Fehlaroma ein wenig, aber wirklich weg geht es auch nicht. Da bleibt zu hoffen, dass es irgendwann wieder die Originalvariante der Zitronenlimonade gibt, die ansonsten nicht näher etikettierte Stevia-Version würde sonst von der Einkaufsliste gestrichen. Da empfehle ich lieber eine Halbierung der Menge aller Zutaten (außer Wasser und Kohlensäure). Das ergibt aiuf jeden Fall ein besseres Getränk. Oder die Absenkung auf ein Drittel … Wäre doch auch ein schner Weg zur Gewinnmaximierung: Zutatenaufwendungen gesenkt, Preis bleibt gleich, Gesundheitswert steigt. 😉 Halblight schmeckt nicht, wie ich 2011 schon schrieb, Ganzlight übrigens auch nicht.

Also on:

Früher war mehr Eier – Ein Text, der nichts mit Ostern zu tun hat. Fast nichts.

Klischees bzw. Standards über die Küchenausstattung gibt es viele. So besteht wohl mainstreamige Einigkeit, was unbedingt in eine Küche gehört, vor allem, wenn man an die Vorräte denkt. Salz, Pfeffer, Zucker, Milch und Butter im Kühlschrank, Öl noch irgendwo. Nudeln, Reis, ein paar Notfallkonserven, … Und nicht zu vergessen: Mehl und Eier.

Vor längerer Zeit kochte ich mal zusammen mit jemandem ein Rezept, wo irgendwie Mehl mit ran gehörte. Gut, dass mein Besucher noch einen Rest in seinem Küchenschrank hatte. Den brachte er mit und wir konnten die ein oder zwei Löffel, die das Rezept verlangte, entnehmen. Der Rest steht immer noch im Schrank. Ansonsten habe ich kein Mehl im Haus. Und ich brauche es auch nicht. Komisch.

Bei Eiern ist es ähnlich. Spontan gesehen habe ich nie welche im Haus. Außer, ich hatte mal wieder Lust drauf und habe mir welche gekauft. Nicht, dass ich sie nicht möglichen würde. So ein schönes Frühstücksei mit einem ofenwarmen Brötchen, auf dem kalte Butter anfängt zu verlaufen und dann eine Spur Senf dazu … Himmlisch. Aber ehrlich: Das Gericht, wenn man es so bezeichnen möchte, ist mir zu aufwendig, wenn es meinem Anspruch genügen soll. Außerdem sind die Brötchen nicht mehr so wie früher. Und die Butter und der Senf auch nicht …

Ab und an überkommt mich dann aber doch mal die Lust nach Eiern. Ich weiß nicht, ob es an der Jahreszeit liegt, aber ich könnte mal wieder welche kaufen. Es ist noch nicht dringend, aber man guckt schon mal. Vermutlich liegt es an Ostern, aber was der Einzelhandel im Moment feilbietet, ist unter aller Würde. Wenn überhaupt, dann nur 2-er Eier und die liegen teilweise schon mindestens eine oder zwei Wochen irgendwo rum.

Und alles nur M-Eier. Irgendwie waren die Eier früher größer. Ab und an finde ich auch mal L-Eier, aber irgendwie war früher mehr Platz zwischen Löffelrand und Eischale. Es war eben nicht alles schlecht … Naja, falscher Spruch. Dennoch: Der Gedanke bleibt. Und damit auch der Grund, weswegen ich kaum Eier im Hause habe.

Vielleicht ist es ja eine Grundphilosophie in mir: Produkte, die nicht mehr so gut sind, zu meiden. Offenbar bin ich da nicht sehr konsequent, von irgendwas muss man ja leben. 😉 Aber ein paar Sachen gibt es da mittlerweile schon.

Essen ist (nicht) da!

Werbung weckt bei uns Bedürfnisse, die wir ohne Werbung gar nicht hätten. So weit – so bekannt. Nur muss man bei der Werbung auch immer aufpassen. Das dargestellte Welten und die Wirklichkeit manchmal wenig miteinander zu tun haben, ist ebenfalls eine banale Erkenntnis.

Trotzdem versuchen es Unternehmen immer wieder. Und manche wagen sich damit auf verdammt dünnes Eis. Immerhin: Wenn eine Firma für ihre Produkte wirbt und dabei Erwartungen weckt, die die Produkte dann nicht erfüllen, ist es Pech für die Firma. Und für die über den Tisch gezogenen Kunden. Aber wenn eine Firma für Produkte wirbt, die sie eigentlich nur vermittelt und dabei auf „Hersteller“ vor Ort baut, dann kann das gut gehen, aber muss es auch?

Wer kennt sie nicht, diese Anbieter von Vermittlungsdiensten, die lokale oder regionale Anbieter zusammenfassen und damit auf einer Webseite oder einer App verfügbar machen (gegen eine „kleine“ Vermittlungsgebühr)? Und damit diese Vermittlungsdienstleister auch genutzt werden, machen sie Werbung, müssen dabei aber auf die Produkte der Vor-Ort-Firmen zurückgreifen. Bzw. auf ein Bild von diesen, dass jenseits jeder Realität liegt, zumindest in der breiten Masse.

Das Angebot lokaler Pizza- und Essenslieferdienste kennt man meist auch ohne die Vermittlungsdienste. Das hier 98% aufgewärmtes Convenience (also vorgefertigtes Industrieessen) serviert wird, ist ein offenes Geheimnis. Niedrigstes Speisenniveau mit übersichtlicher Auswahl (Ausnahmen bestätigen die Regel). Das man es durch Lieferando bestellen kann, macht es nicht besser. Und dabei findet man – bezogen auf die Heimatstadt dieses Blogs – nur einen Bruchteil verfügbarer Lieferdienste.

Die anderen Sammelanbieter sind da nicht wirklich besser, aber die Lieferando-Werbung geht mir – bei aller Witzigkeit, die aber nur beim ersten mal sehen witzig ist – heftigst auf den Geist, vor allem eben durch den Widerspruch zwischen dem geweckten Anspruch an die Qualität der gelieferten Produkte und der hiesigen Realität.

Oder war es die Lieferheld-Werbung? Man kommt ja völlig durcheinander. Letztendlich gilt dabei aber das gleiche. Auch bei Pizza.de, nur dass die weniger Werbung machen. Da wünscht man sich irgendwann was anderes: Wie wäre es mit einem Spontanlieferdienst, der einem (portionsgerecht) frische(!) Zutaten liefert, dass man sich sein Essen selber kochen kann?! Das wäre doch mal eine Idee. Okay, gibt es hier am Ort, wenn auch nicht als Spontanlieferdienst; aber mit ein bisschen Planung kann man den hiesigen Bioladen bzw. einen seiner Partner zu einer Anlieferung verführen.

P.S.: Die Bilder sind übrigens fast völlig zusammenhanglos im Text. Ich hatte sie noch übrig. In einer Pfanne wurde Biomischhack in Anwesenheit von etwas Knoblauch angebraten und dann mit gewürfelter gelber Paprika und den Stielen von Pak Choi vermischt, etwas weiter gebraten und dann mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt. Zum Schluss kamen die Pak-Choi-Blätter dazu, alles nochmal durchschwenken und lecker. Übrigens: Die Bilder werden in der falschen Reihenfolge gezeigt. 😉

Einmal geplatzter Kragen an Tzatziki (zweimal ergänzt)

(1. / 2. Ergänzung unten)

(03.09.2016) Um es kurz zu machen: In den letzten Tagen habe ich in zwei Koch-/Foodblogs Gerichte abgebildet und beschrieben gesehen, über die mir immer mal wieder der Kragen platzt. In letzter Zeit habe ich versucht, mich dementsprechend zurück zu halten, aber jetzt bin ich mal so weit, den entsprechenden Autoren jedwedes kulinarische Verständnis (unberechtigt, aber sehr emotional) abzusprechen.

Auf jeden Fall ist ein Verfall kulinarischer Standards festzustellen, wenn schlechtester Abklatsch eines im originalen sehr leckeren und relativ gut definierten Gerichtes als Höhepunkt hochgejubelt und mit einem produktbeschreibenden Begriff belegt wird, bei dem die vorgestellten Gerichte nichts, aber auch gar nichts mit dem ursprünglichen zu tun haben.

Entschuldigung, aber ich bin darüber etwas erregt, vielleicht, weil ich auch zu lange geschwiegen habe. Aber ich habe mich schon ein paar Mal darüber ausgelassen, da wollte ich eigentlich nicht schon wieder mit dem Thema nerven. Aber es kam dieser Tage geballt aus verschiedenen Richtungen, da musste ich schon aus Seelenhygiene heraus darüber schreiben.

Stichwort: Gyros. Auf einem Drehgrill(! – da kommt der Name übrigens her) wird ein Fleischspieß geröstet, bis er eine schöne Kruste bildet. Danach wird die äußere Schicht grob abgeschnitten, so dass sich wieder eine neue Kruste bilden kann. Der Fleischspieß besteht übrigens nicht im wesentlichen aus Hackfleisch wie beim Döner, sondern aus aufgespießten Fleischfladen. Aber auch der Schnitt ist ein anderer. Während beim Döner die äußere Schicht eher abgehobelt wird (also dünn abgeschnitten), ist das Gyros etwas dicker geschnitten. Kruste auf der einen Seite, saftiges Fleisch auf der anderen.

Ein weiterer Unterschied zwischen Döner und Gyros ist dann auch noch die Würzung, aber über die möchte ich mich nicht auslassen. Da hat vermutlich jede Familie ihre eigene. Das gleiche trifft auf die Mischung der Fleischsorten zu. In diesen beiden Punkten gibt es übrigens noch die meisten Berührungspunkte zwischen den oben angesprochenen Fleischgerichten aus den Blogs und einem „normgerechten“ Gyros. Aber eine ordentliche Kruste oder eventuell die dafür sinnvolle Anwendung eines Drehgrills ging den beiden Angeboten ab.

Allein die Tatsache, dass es einen Begriff wie „Pfannengyros“ überhaupt gibt, halte ich für extrem verwerflich. Ich mache den Lebensmitteleinzelhandel für diese Verwässerung des Begriffs hauptverantwortlich. Was dort zum Teil unter dem Namen angeboten wird, ist unter aller Würde. Sicher: Kaum jemand hat einen Drehgrill zu Hause zu stehen und der Wunsch nach dem Verzehr eines guten Gyros ist oftmals groß. Warum also nicht einen kulinarischen Krüppel anbieten, den der wohlwollende Koch zu Hause mit einer einfachen Pfanne zubereiten kann? Es ist ja so schön einfach. ABER EBEN KEIN GYROS! „Nach Gyrosart gewürztes Geschnetzeltes“ wäre der einzige sinnvolle Name, wenngleich etwas sperrig, aber wenigstens richtig und nicht Meister im Aufbau falscher Erwartungen.

In dem einen Blog wird übrigens eine kantinöse Version des Geschnetzelten beschrieben. Wer sich das Bild des Gerichte ansieht, wird schnell meinen Hauptkritikpunkt nachvollziehen können: Hellgraues Fleisch, vermutlich in eigenem Saft gegart, ohne jedwede Grillspuren und die damit normalerweise verbundenen Geschmackserlebnisse. Nichts. Gar nichts. Aber bei aller Kritik, hier ist etwas richtig gemacht worden: die Zwiebeln kamen erst auf dem Teller zum Fleisch.

Beim anderen Blog wurden die Zwiebeln schon vor dem Braten unters Fleisch gegeben. Dann wird zwar eine gute Eisenpfanne genommen, die man schön heiß hätte machen können, um das Fleisch richtig kross anzurösten, aber dann werden Zwiebeln dazwischen gemischt, die eher verbrennen und sich damit große Hitze in der Pfanne verbietet. Grilleffekt ade. Die Farbe des Fleisches kommt vom Paprika, der in einer zu heißen Pfanne auch eher verbrennt, also als Gyros-Würzung auch eher sparsam (eigentlich gar nicht) verwendet werden sollte. Ich will nicht ausschließen, dass am Ende ein wohlschmeckendes Fleischgericht herausgekommen ist. Die Zutaten und die Zubereitung sprechen dafür, dass es ein leckeres Geschnetzeltes geworden ist, aber eben kein Gyros.

Es gibt eine ganze Reihe feststehender kulinarischer Begriffe, unter denen man sich etwas vorstellen kann, wenn man von ihnen hört oder sie liest. Ein paar sind mittlerweile geschützt, so dass man wirklich auch das bekommt, was man erwartet (zumindest, wenn der Koch alles richtig macht). Das „Wiener Schnitzel“ gehört dazu (paniertes Kalbsschnitzel) oder Nürnberger Lebkuchen. Weitere Beispiele gibt es. Sauce Hollandaise wäre ein Kandidat dafür, auch geregelt und geschützt zu werden. Unter dem Namen wird auch viel Blödsinn verkauft. Oder eben Gyros. Ich könnte mich da für eine EU-Norm begeistern.

Ergänzung

(13.09.2016) Da gibt es einen schönen Spruch: „Immer, wenn Du denkst: ‚Schlimmer kann es nicht mehr kommen.‘, kommt es schlimmer. Und man fängt sich – vielleicht etwas übertrieben – an zu fragen, ob es Ignoranz (nicht gegenüber diesem Blog, sondern ganz allgemein) oder Gleichgültigkeit ist. Oder vielleicht auch noch was viel schlimmeres. Aber da schlägt mir doch vor einigen Tagen ein Kochblogbeitrag entgegen, der eine schallende Ohrfeige gegenüber all denen ist, für die Salz im wesentlichen NaCl mit einigen anderen Mineralsalzbeimengungen ist oder Milch ein Drüsensekret von Kühen, Ziegen und anderen Tieren ist.

Hausgemachtes Fastfood ist das Motto, unter denen das Grauen seinen Lauf nimmt. Wobei ich gleich zu Beginn betonen möchte, dass das fertige Gericht durchaus schmackhaft oder köstlich oder was auch immer sein kann. Das will ich nicht bestreiten (wobei ich da in einigen Details meine Zweifel habe). Es geht um die missbräuchlich verwendeten Begrifflichkeiten. Sehr positiv hervorzuheben ist vor allem das Bestreben, alles selber zuzubereiten, selbst Teile, die man kaufen kann. Aber eben nicht unbedingt muss. Das betrifft zum Beispiel auch die nicht einfache Gewürzmischung. Meine Hochachtung. Ehrlich. Immerhin ist das Nachbauen eines Döners – darum gehts – nicht so einfach, wie man denkt.

Nun mag sich der kundige Leser vielleicht fragen: „Gehts hier im Beitrag nicht eigentlich um Gyros?“ Und recht hat er. Aber es gibt die Verbindung. Weiter oben habe ich schon über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Döner Kebab und Gyros philosophiert. Die Gemeinsamkeiten sind augenscheinlich: die äußere Form (wenn man nicht so genau hinschaut) und die Zubereitung am Drehspieß. Sicher ist auch das eine oder andere Gewürz sowohl im einen wie im anderen. Aber ansonsten Summieren sich die Unterschiede.

Oder auch nicht. Im erwähnten Blogbeitrag steht oben drüber Döner, gewürzt wird übrigens mit einem selbst gemachten Gyrosgewürz. Als Fleisch wird Schweineschnitzel verarbeiten. Das spricht ebenfalls eher für Gyros, wird doch Schweinefleisch nur bei diesem Drehspießgericht verwendet. Dönerspieße bestehen aus Rind-, Kalbs-, Geflügel-, Lamm-, Hammel- und/oder Putenfleisch. Mit einem bisschen Bildung und dem Wissen um die Herkunft der Gerichte dürfte diese Zuordnung eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Aber nein, da wird ge-crossover-t bis es kracht. Wie wäre es, wenn Dürüms als Frühlingsrolle verkauft werden?

Wie gesagt: Das selbstgemachte Fladenbrot mit der Füllung aus nach Gyrosart gewürzten Geschnetzeltem, Salat, Soße, Gemüse ist vermutlich recht wohlschmeckend und eine schöne Idee. ABER ES IST KEIN DÖNER! UND KEIN GYROS!

2. Ergänzung

(17.09.2016) Nicht-Gyros scheint gerade Mode zu sein. Liebe Foodblogger, denkt doch bitte mal an meinen sowieso etwas zu hohen Blutdruck! 😉

Bisher war ich ja immer der Meinung, das zu oft unter dem Namen „Gyros“ bzw. „Pfannengyros“ ein „nach Gyrosart gewürztes Geschnetzeltes“ angeboten wird. Aber mittlerweile ist es manchmal nicht mal mehr das. Dieser Tage veröffentlichte ein Kochblog ein Gericht unter dem Namen „Pfannen Gyros“, das nicht mal mehr nach Gyrosart gewürzt wurde. Paprika, Rosmarin, Pfeffer.  Und Zwiebeln, die bereits unter das rohe Fleisch gemischt wurden und eigentlich beim Anbraten eher verbrennen, als dass das Fleisch die notwendige Behandlung erhielte, um auch ungedreht ein wenig gyrosähnlich zu werden. Aber wo bleiben die wunderbaren Aromen von Knoblauch, Oregano, Thymian, Kreuzkümmel oder Majoran? Namensmissbrauch auf ganzer Ebene. Was übrigens auch hier wieder nicht gegen das Gericht als solches spricht, stellt es doch in seiner marinierten Art eine der wenigen sinnvollen und schmackhaften Zubereitungsarten für Schweineschnitzelfleisch dar.

Besonders kurios wurde es aber dieser Tage noch woanders. Wobei ich das in zwei Sinn-Formen meine. Der kreative Umgang mit Standards ist ja durchaus positiv zu sehen. Und so ist Gyros mit Krautsalat in einer ungewöhnlichen „Teigtasche“ eine durchaus interessante Idee. Tzatziki war natürlich auch dabei. Das kann ich mit sehr lecker vorstellen. Wenn’s denn wenigstens Gyros gewesen wäre. Aber nein: Es war hier mal wieder ein schönes (keine Ironie) „Pfannengeschnetzeltes, nach Gyrosart gewürzt“. Die Würzmischung klingt wirklich gut und das Fleischgericht in der „Egg Waffle“ war und ist sicher lecker. Nur eben kein Gyros.

In dem Zusammenhang besonders lustig (voll Ironie) ist ein Satz in dem Blogbeitrag, der vermutlich im Sinn stand: Ich weiß, dass es nicht originalgetreu ist, also mach ich mal eine relativierende Bemerkung. Leider ging das völlig nach hinten los.

Ich verwende für mein Gyros Schweinefleisch, genauer gesagt Schweinenacken. Schwein ist natürlich nicht das für Gyros typische Fleisch, da wäre Lamm auf jeden Fall authentischer, aber da wir kein Lamm essen, weiche ich einfach auf Schwein aus.

Tja, da wurde mal wieder Gyros mit Döner Kebab verwechselt. Schweinefleisch ist DAS Fleisch für Gyros. Lamm, Rind und Hammel gehören eher in den Döner. Das kommt übrigens von der Herkunft. Gyros kommt aus dem eher christlichen Griechenland, der Döner aus der muslimisch geprägten Türkei. In letzterer wird traditionell kein Schweinefleisch gegessen. Anders als bei den Griechen.

Je länger ich mich mit dem Thema befasse, reift bei mir eine Idee, wie man ein sehr gyrosnahes Geschnetzeltes auch aus der Pfanne hinbekommen kann. Falls ich das mal irgendwo finde, werde ich es loben. Versprochen. Auch wenn es aus der Pfanne kommt. Deal? Warten wir also mal ab.