Einfaches auf chic

Wenn man zum Abendbrot einfach nur ein Würstchen mit Senf und dazu einen kleinen Salat essen möchte, dann kann man das natürlich tun. Aber wenn man gerade noch eine Pfanne auf dem Herd zu stehen hat und tief im Kühlschrank ein Glas Original englischer Pickles, dann kann auch was anderes draus werden.

Bärentatzenburger

Das halbe Doppelte wird aufgeschnitten – man könnte es auch noch etwas toasten – und die untere Hälfte mit etwas aus dem Pickle-Glas bestrichen/belegt. Darüber kommen ein paar Feldsalate, die natürlich vorher gründlich gewaschen und wieder getrocknet worden sind. Die „Bärentatzen“ und etwas Senf ergänzen den Burger, der oben mit der anderen Brötchenhälfte abgeschlossen wird.

Nun steht nicht in jedem Kühlschrank ein Original-Pickles-Glas. So kann man unten aufs Brötchen auch eine andere Soße der eigenen Wahl streichen. Da ich die säuerliche Note aber sehr angenehm fand, kann man dann den Feldsalat mit einem kleinen Dressing anmachen oder noch etwas Balsamico-Creme oder -Essig mit auf den Salat bringen.

Bleibt noch die Frage, was die Bärentatzen eigentlich sind? Dafür nehme man eine handelsübliche Bockwurst, teile die in drei etwa gleich große Teile, die man dann wiederum der Länge nach halbiert. Diese Schnittfläche sollte möglichst eben sein. An den Enden werden jeweils noch zwei kleine Schnitte platziert. Dann kommen die Stücke auf der Schnittfläche in die heiße Pfanne und werden angebräunt, einmal umgedreht und sind dann verzehrfertig.

Bärentatzen

Ganz einfach also. Und dann doch mal was anderes. Guten Appetit.

Schade um den Senf

Immer wieder falle ich doch darauf herein, langsam sollte ich es gelernt haben. Viel zu oft denke ich einfach zu gut von den Menschen und so tappe ich immer wieder in den gleichen Fehler. Erfreulich nur, dass der (finanzielle) Schaden bisher überschaubar blieb. Trotzdem ist es mir langsam leid, so viel, wie ich auch Varianten probiert habe, das Ergebnis ist doch immer wieder das selbe.

Die fleischverarbeitende Industrie lockt in der Werbung mit einer neuen Variante eines seiner Produkte. Die „von allen das beste“ enthaltenen Würstchen im Glas gibt es jetzt auch neu als „Dicke“, die man gemeinhin auch als Bockwürste annehmen können, haben sie doch fast das Format (etwas kleiner sind sie wohl). Es ist zu befeiern, dass – wie die Kostprobe ergab – hier nicht das beste von den anderen Würstchen drin war, so dass sie es behalten konnten.

Was habe ich alles mit Würstchen aus Glas und Dose angestellt?! So früh wie möglich gegessen, kurz vor dem Ablaufdatum verspeist, im Vorratsschrank oder im Kühlschrank gelagert und dann heiß, bei Zimmertemperatur oder gekühlt probiert. Selbst die Erwärmungs-Varianten in Wasser, dem Wurstwasser und einer 1:1-Verdünnung desselben wurde durchgespielt.

Die „Dicken“ sind allerdings die Krönung. Natürlich nicht geschmacklich. Da gleichen sie all den anderen wurstwassergelagerten Exemplaren, egal, ob Bio oder konventionell hergestellt. Das typische Fehlaroma findet sich allenthalten und lässt immer wieder die Frage nach dem Sinn eines solchen Produktes aufkommen. Spitze waren die diesmal getesteten in der Kategorie „Cremigkeit der Wurstmasse“. Nur leider sollte weder eine Bockwurst, auch keine Frankfurter oder Wiener und schon gar nicht eine Krakauer oder Knacker cremig sein. Das Mundgefühl bescheinigte aber sowohl im zimmerwarmen wie auch im erhitzten Zustand beinahe Streichfähigkeit der Wurstmasse.

Knapp ein und ein dreiviertel Jahre wäre das Glas bei angemessener Haltung noch lagerfähig gewesen. Darin und in der damit verbundenen Versorgungssicherheit in Notfällen scheint die einzige Qualität zu liegen. Wenn ich mich an Franks Ernährungskurs richtig erinnere und das Etikett des bauchigen Glases fehlerfrei entzifferte, leistet es bei der Fettversorgung einen guten Beitrag für einen Tag bei einer fünfköpfigen Familie und dank des enthaltenden Antioxidationsmittel (Ascorbinsäure = Vitamin C) wird auch noch etwas für die Gesunderhaltung des Menschen in diesen Notsituationen getan.

Jetzt geht’s um die Wurst

Die Überschrift ist ausnahmsweise mal wörtlich zu nehmen. Wobei es durchaus um spezielle Arten von Wurst geht, die zwar auch etwas gemeinsam haben, aber genau da liegt eben das Problem. Der Charakter der Wurst lässt sich von zwei Seiten eingrenzen.

Zum einen geht es um die Art von Wurst, die dafür gemacht ist, sie mit Senf, Ketchup oder anderen Würzsoßen zusammen im kalten oder heißen Zustand zu verzehren. Bockwurst, Wiener Würstchen, Frankfurter, Hot-Dog-Würstchen sowie Mischformen sind wohl die bekanntesten, Lung(en)wurst, Knacker, Mettenden, Kohlwurst, Rindswürstchen, Rauchwurst u.ä. gibt es auch.

Allen diesen Würstchen ist gemein, dass es sie beim Fleischer (quasi) frisch oder eingeschweißt gibt, die alternative Verkaufsform ist die im Glas oder in der Büchse; einige sind auch im Plastikschlauch mit „Wurstwasser“ erhältlich. Damit wäre dann auch die andere Eingrenzung erwähnt: die Lagerung und der Verkauf quasi trocken oder im Wasser schwimmend.

Kommen wir zur wichtigen Frage in dem Zusammenhang: Warum gibt es die nasse Verpackung überhaupt? Es fällt auf, und damit beantworte ich die Frage pro forma fast schon, dass die eingeglasten und eingedosten Würste länger haltbar sind. Das scheint der einzige Vorteil zu sein, der aber durch die ständige Verfügbarkeit von Frischware nicht wirklich maßgeblich sein kann.

Unabhängig davon, wie es der geneigte Leser und potenzielle Kommentator sieht: Es gibt KEINEN kulinarischen Grund für diese Haltbarmachung von Würsten. Ich bin noch nicht dahinter gekommen, ob die unangenehme Geschmackskomponente bei Glas- und Dosenwurst eine von den Herstellern gewünschte Komponente im Wurstwasser oder in der Wurst ist, oder ob diese Fehlnote erst bei der Herstellung der Sterilität entsteht. Vielleicht habe ich die Konserven auch einfach zu frisch gegessen und kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatums schmecken die Dinger besser, so gut abgelagert.

Vielleicht gibt es ja auch nur einen Hersteller für das Wurstwasser, dass dann alle Abfüller verwenden, denn dieses Aroma ist in quasi allen Produkten enthalten, die ich bisher probiert habe – Markenprodukte, Nonames oder Bioware. Alles einfach nur Bäh. Deswegen brauche ich hier auch keine Namen zu nennen. Und wenn es nur der Geschmack wäre: Auch die Konsistenz der meisten Würstchen in Glas und Dose ist eher was für zahnlose, für die Haferschleim eine Delikatesse ist. Aber das ist bereits eine andere Geschichte.

Knackig ist was anderes

Es gibt eine Reihe von Produkten, die landläufig in den unterschiedlichen Regionen auch jeweils anders heißen. Manchmal gibt es dann auch noch kleine Variationen in den Rezepten, aber eigentlich ist es doch (fast das gleiche). Berliner heißen vielorts Berliner, nur nicht in Berlin, da heißen sie Pfannkuchen. Die Wiener heißen in Wien Frankfurter und in Frankfurt (Main) Wiener. Gefüllte Nudelteigtaschen heißén im schwäbischen Maultauschen, in Italien Ravioli und im fernen Osten Wan Tan. Und wenn man hier eine Mettwurst bestellt, bekommt man etwas, was im südostdeutschen Raum als Salami bezeichnet wird, dort bekommene Mettwurst würde hier als Teewurst bezeichnet. Usw. usf.

Wenn ich hierorts eine Knacker bestelle, habe ich eine relativ feste Vorstellung davon, was ich dann bekomme. Ein rot-braunes Würstchen im Bockwurstformat, dass mit einer hackfleischartigen Masse gefüllt und geräuchert ist. Besonders delikat sind die dann noch luftgetrockneten, aber die sind kaum zu bekommen. Weitläufiger wird diese Wurst auch als Mettenden bezeichnet. Ein hiesiger Discounter bietet nun „Knacker“ in einer Form an, die so gar nichts mit der beschriebenen Art zu tun hat. Feines Fleischbrät in Eigenhaut und kerzengerade gewachsen sind die ersten Eindrücke. Was auffällt, ist der festere Anbiss des Würstchens, der aber bei keiner, wie auch immer getesteten Abbeißart eine gewisse Knackigkeit hervor rief.

Vielleicht muss man sie ja erhitzen. Sollte sich dabei was anderes ergeben als im kalten Zustand, würde ich hier noch ergänzen.