Verpasste Chancen

Unter dem Label „Limonade“ werden eine Reihe industriell hergestellter Getränke erzeugt, die mit erfrischender Durstlöschung bzw. mit gesunder Ernährung so wenig zu tun haben wie nur irgendwas. Sicher: Es mag ein paar positive Ausnahmen geben, die sind dann aber meist elitärer, als sie es normalerweise sein müssten. Aber auch die Massenhersteller bringen immer mal wieder was neues heraus, dass man sich wohlwollend ansehen kann.

So hat jetzt eine große Saftmarke drei Limonaden auf den Markt geworfen, die die Chance auf eine positive Erwähnung beim Herdnerd hätten. Als Orange+Lemongrass, Pink Grapefruit+Cranberry und Limette+Zitrone sollen sie das Käufer- und Trinkerherz erfreuen und natürlich auch die Zunge zu Freudensprüngen hinreißen. Allein, vermutlich im Bestreben, doch wieder so massentauglich wie möglich zu werden, wird der mögliche eigene Charakter und ggf. das positive Image doch wieder um Längen verfehlt.

Was positiv auffällt, sind die hohen Anteile von Fruchtsaft in den Limonaden. Mindestens 18% bei Orange und Grapefruit, mindestens 10% bei Limette sind zu verzeichnen. Da können sich die Mitbewerber aber eine dicke Scheibe abschneiden. Gesüßt wird mit Rohrzucker; das allerdings wieder in einem Maße, dass den bisherigen Vorteil ins Gegenteil verkehrt. Die Limetten+Zitronen-Variante hat dadurch mehr Kalorien als eine herkömmliche Cola (oder ein herkömmlicher Orangensaft).

Rohrzucker hat eine eigentlich positive Eigenschaft. Sicher, er ist genauso Träger sinnloser Energie wie normaler Haushaltszucker, aber er besitzt außer seiner Süße eben noch einen Eigengeschmack. Und da bei der Zugabe des Rohrzuckers zu den Limos eben doch übertrieben wurde, schmeckt man in einem Fall sogar den Rohrzucker raus, womit ich nicht nur die Süße meine. Bei Zimmertemperatur sind die drei Limos beinahe ungenießbar süß, im kalten Zustand – unser Geschmacksempfinden für Süße ist temperaturabhängig – geht’s. Das soll erfrischend sein?

Neben dem Übermaß an Zucker gibt es dann noch ein paar kleine Fauxpas: Der Hersteller konnte sich nicht zurückhalten, auch noch zusätzlich zu aromatisieren. Lemongras liegt zum Beispiel nur als Aroma aber nicht als echte Zutat vor. Dafür sind in der Limo sogar noch konzentrierter Mandarinen- und Grapefruitsaft enthalten. Immerhin. Alle anderen namensgebenden Zutaten sind auch nochmal als Aroma vertreten.

So hat Granini mit Die Limo zwar einen schönen Ansatz, aber die Ausführung lässt noch zu wünschen übrig. Einfach mal die Hälfte des Zuckers weglassen. Das kann doch nicht so schwer sein. Ich trinke doch auch schon seit Jahren Fruchtschorlen aus Saft im Verhältnis 1:4, die sind doch lecker. Auch kalt.