Adel rotiert – Was sagt der Fürst dazu

Wo wir doch gerade bei Zutatenlisten sind. Der alte Fürst Pückler – genauer: Fürst Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau – hat das nach ihm benannte Eis zwar nicht erfunden, aber immerhin ist es nach ihm benannt. Heutzutage ist das eine geschichtete Kaltspeise aus Schokoladen- und Erdbeer- oder Himbeer- mit Vanilleeis. Soweit, so nachlesbar.

Neulich sah ich in einem Katalog ein ebenfalls aus drei Eisschichten bestehendes Eis, dass mich sehr interessierte. Leider machte mich der Preis-Menge-Quotient nicht stutzig, so dass ich es kaufte. Kulinarisch leider ein Fehler, der sich vermutlich hätte vermeiden lassen, gäbe es die Zutatenliste auch vorher zu lesen. Hier im Bild ist auch gut zu sehen, warum man sie auch gern als das Kleingedruckte bezeichnet. Viel Spaß beim Entziffern.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Liste relativ lang ist, immerhin sind drei Eissorten in der Packung vereinigt: Joghurt-Eis pur, Joghurt-Eis Waldfrucht und Joghurt-Eis Pfirsich. Nehmen wir mal die Liste auseinander.

Grundlage des Eises scheint eine Masse aus Milch (entrahmt und eingedickt), Joghurt (fettarm), Zucker, pflanzlichem Fett, Zuckersirup und weiteren Hilfsstoffen zu sein. Interessant ist hier vor allem das pflanzliche Fett, ersetzt es doch das wertvollere Milchfett und fügt vor allem dem puren Joghurteis seine Aromen bei. Apropos: Bei den anderen beiden Schichten war dank des Fruchtgehaltes und den Aromen (immerhin mehr Aroma als Waldfrüchte) wenig von diesem pflanzlichen Fett zu spüren, aber eben das pure Joghurteis war deswegen eher kulinarisch ungenießbar. Da half auch nicht die beigeführte Säuerung.

Aber da sieht man es mal wieder. Die wertvollen Stoffe werden entzogen und anderswo teurer verkauft. Andere, vor allem billigere Ersatzstoffe sollen sie ersetzen, was aber immer auf die Qualität schlägt. Das ursprüngliche Fürst-Pückler-Eis war ein Sahneeis mit zugesetzten Früchten oder Konfitüren, eher ein sogenanntes Halbgefrorenes, was am Sahneanteil lag. Das, was die Industrie heute anbietet, ist z.T. einfach nur Schund. Dabei gibt es auch Alternativen. Von einem bekannten internationalen Eishersteller las ich mal, dass er ein Eis herausgebracht hat, das aus genau 5 Zutaten besteht. Die Serie sollte diese fünf auch irgendwie im Namen tragen. Wenn man sich dann überlegt, dass ein gutes Grundeis schon aus 4 Zutaten besteht (Sahne, Milch, Ei, Zucker), darf man gespannt sein. Ich habe es allerdings noch nirgends gesehen.