Fehler, die man immer wieder macht

Mein Fehler ist ja, dass ich häufig zu gut von anderen Menschen denke. Das betrifft abstrakte Leute wie Wursthersteller aus dem Sachsen-Anhaltinischen genauso wie ganz konkrete 100-Euro-Schuldner aus dem Brandenburgischen. Und immer mal wieder falle ich eben auf diese Menschen herein.

Bei einer bekannten Firma aus der Nähe von Blankenburg (Harz), Quedlinburg und Oschersleben – bekannt für ihre Wurstspezialitäten – entdeckte ich neulich für mich neu eine glasverhüllte und wurstwasseraufgegossene Krakauerquadriga. Die Neugierde spüle schnell die Skepsis ob der Verpackung hinweg und ließ mich das Glas in den Einkaufswagen legen. Heute kam es dann endlich zur Verkostung.

Als ob ich es nicht hätte besser wissen müssen: Die Wurst schmeckte genau so wie jede andere glas- oder dosenverpackte ihrer oder einer anderen Art. Ich bin ein großer Freund der Krakauer, speziell zwar eher der Aufschnitt-Variante, aber auch die kleine Zwischendurchversion lehne ich nicht ab. Nur stellt sich auch heute mal wieder die Frage: Warum verderben die Hersteller diese leckere Köstlichkeit?

Meine Frage an die Leser: Habt ihr eine Variante gefunden, Dosen- oder Glaswurst, egal ob Bockwurst, Wiener oder eben auch Krakauer irgendwie in eine Köstlichkeit zu verwandeln, wie sie die frischen Varianten bei geeigneter Herstellung sind? Aber bitte nicht nach dem Prinzip: Eine Dosenbockwurst mundet besonders, wenn man sie vor dem Verzehr gegen eine frische austauscht.

Ein Punkt sei noch erwähnt, frei nach dem Motto: „Ehre, wem Ehre gebührt“: Das Würstchen war relativ knackig. Vielleicht ein Produktionsfehler … 😉

Jetzt geht’s um die Wurst

Die Überschrift ist ausnahmsweise mal wörtlich zu nehmen. Wobei es durchaus um spezielle Arten von Wurst geht, die zwar auch etwas gemeinsam haben, aber genau da liegt eben das Problem. Der Charakter der Wurst lässt sich von zwei Seiten eingrenzen.

Zum einen geht es um die Art von Wurst, die dafür gemacht ist, sie mit Senf, Ketchup oder anderen Würzsoßen zusammen im kalten oder heißen Zustand zu verzehren. Bockwurst, Wiener Würstchen, Frankfurter, Hot-Dog-Würstchen sowie Mischformen sind wohl die bekanntesten, Lung(en)wurst, Knacker, Mettenden, Kohlwurst, Rindswürstchen, Rauchwurst u.ä. gibt es auch.

Allen diesen Würstchen ist gemein, dass es sie beim Fleischer (quasi) frisch oder eingeschweißt gibt, die alternative Verkaufsform ist die im Glas oder in der Büchse; einige sind auch im Plastikschlauch mit „Wurstwasser“ erhältlich. Damit wäre dann auch die andere Eingrenzung erwähnt: die Lagerung und der Verkauf quasi trocken oder im Wasser schwimmend.

Kommen wir zur wichtigen Frage in dem Zusammenhang: Warum gibt es die nasse Verpackung überhaupt? Es fällt auf, und damit beantworte ich die Frage pro forma fast schon, dass die eingeglasten und eingedosten Würste länger haltbar sind. Das scheint der einzige Vorteil zu sein, der aber durch die ständige Verfügbarkeit von Frischware nicht wirklich maßgeblich sein kann.

Unabhängig davon, wie es der geneigte Leser und potenzielle Kommentator sieht: Es gibt KEINEN kulinarischen Grund für diese Haltbarmachung von Würsten. Ich bin noch nicht dahinter gekommen, ob die unangenehme Geschmackskomponente bei Glas- und Dosenwurst eine von den Herstellern gewünschte Komponente im Wurstwasser oder in der Wurst ist, oder ob diese Fehlnote erst bei der Herstellung der Sterilität entsteht. Vielleicht habe ich die Konserven auch einfach zu frisch gegessen und kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatums schmecken die Dinger besser, so gut abgelagert.

Vielleicht gibt es ja auch nur einen Hersteller für das Wurstwasser, dass dann alle Abfüller verwenden, denn dieses Aroma ist in quasi allen Produkten enthalten, die ich bisher probiert habe – Markenprodukte, Nonames oder Bioware. Alles einfach nur Bäh. Deswegen brauche ich hier auch keine Namen zu nennen. Und wenn es nur der Geschmack wäre: Auch die Konsistenz der meisten Würstchen in Glas und Dose ist eher was für zahnlose, für die Haferschleim eine Delikatesse ist. Aber das ist bereits eine andere Geschichte.