Antagonisten

Aus unserer ständigen Reihe „Wortsalat mit Quasselsoße an roten Beten“ heute die Episode: Man guckt eben doch nicht ungestraft Fernsehwerbung. Dazu ein paar einführende Worte. Die kleine Vorsilbe „un-“ verkehrt den Sinn eines Wortes in sein Gegenteil. Aber es gibt Ausnahmen; manchmal haben diese Antagonisten auch eigene Begriffe. Ein typisches Beispiel ist das Wortpaar „Feuer“ und „Wasser“. Aber es gibt mehr:

lecker – bäh
pflanzlich – tierisch
frisch – alt
chemisch – natürlich
usw. usf.

Und dann gibt es plötzlich eine Firma, die Feuer und Wasser vermischt, um im Bild zu bleiben. Ein antagonistisches Pärchen würde mir übrigens noch einfallen: Margarine und Butter. Ok, ganz spontan ist diese Idee nicht, die erwähnten Wortpaare orientieren auch schon darauf. Aber jetzt habe ich sie in der Wewrbung entdeckt: Margarine mit 21% Butter. Das Image des pflanzlichen Brotaufstrichs völlig pervertierend wird hier auf der Suche nach breiteren Käuferschichten ein geschmacklicher GAU produziert.

Butter mit zugesetztem (Raps-)Öl gibt es bekannterweise schon etwas länger. Das macht sie auch gekühlt streichfähig. Der Ölanteil liegt hier bei etwa 15%. Diese Aufstriche gibt es auch in einer sogenannten „Light“-Version (worin sich die Leichtigkeit ausdrückt, verstehe ich nicht), wo Teile der Butter durch ein nicht näher definiertes pflanzliches Fett ersetzt werden. Nachteil: Das schmeckt schon deutlich nach Margarine. Bei der neuen Margarine mit Butterzusatz nähert man sich jetzt aus der anderen Richtung.

Die Margarine mit Butter schmeckt laut einem Pressetext „lecker“ und „… enthält auch gutes Pflanzenöl und ist auch gekühlt streichzart.“ Was ist gut an Pflanzenöl? Um es in einen streichfähigen Zustand zu versetzen, ist eine chemische Behandlung notwendig. Nur die wenigstens pflanzlichen Fette sind bei Zimmertemperatur fest, die einen haben aber einen deutlichen Eigengeschmack (Kokosfett), die anderen werden umweltbedenklich erzeugt (Palmfett). Also ist wohl doch Chemie in der Margarine. Außerdem hat dieses Streichfett normalerweise keinerlei Vorteile gegenüber Butter, was den Fett- oder Kaloriengehalt betrifft. Natürlich gibt es auch Sorten, die unter 85% Fettgehalt liegen. Reingemischtes Wasser hilft da bei dieser Schönung sehr. Nur: Wasser und Öl verbinden sich eher nicht, also werden auch noch Emulgatoren hinein gemischt, was die „Gutebutter“ (frei nach Jochen Malmsheimer) alles nicht braucht.

Bei all den guten Zutaten müsste übrigens Margarine entschieden billiger als Butter sein. Der Blick ins Supermarktregal wirft dann doch die Fragen auf, was am realen System falsch läuft …

Butter vs. Margarine

Was sind nicht alles schon für Schlachten geschlagen worden zwischen den Anhängern von Butter auf der einen Seite und von Margarine auf der anderen. Wirklich gewonnen in diesem Zweikampf zwischen dem fettigen Extrakt einer Drüsenausscheidung und dem chemisch gehärteten billigsten Pflanzenfett unklarer Herkunft hat eigentlich keiner.

Augenscheinlich arbeitet man sich auf einen Kompromiss zu.

Butter schmeckt eben doch besser. 😉

Gute Butter – schlechte Butter

Die gute Butter – ein naturbelassenes Produkt unserer Landwirtschaft – steht als Brotaufstrich und auch als Koch- und Backzutat in einem nicht so positiven Ruf. Die Frage ist: Warum? An den gesundheitlichen Wirkungen kann es nicht liegen. Aber das soll hier nicht Thema sein.

Die Butter hat im wesentlichen nur einen Nachteil: Frisch aus dem Kühlschrank schmeckt sie zwar am besten, ist aber auch am wenigstens streichfähig. Aber da waren die Molkereien erfinderisch: Sie rühren etwas Rapsöl mit in die Butter. Das wiederum ist aus mehreren Gründen praktisch: Die Butter kommt streichfähig aus dem Kühlschrank. Außerdem kann man sich beim Braten den Schuss Öl in die Butter sparen, um ein vorzeitiges Anbrennen derselben zu vermeiden, denn es ist ja schon drin.

Unter den Marken einer dänischen Molkerei und einer irischen Butter gibt es seit einiger Zeit dieses Produkt im Markt. 70% Butter wird mit 19% Rapsöl, etwas Wasser und Milchsäurekulturen versetzt und abgefüllt. Etwas teuerer als normale Butter ist es dann schon, wobei der Preis sicher der Verarbeitung und Verpackung geschuldet ist. Das Wasser und das Öl, beides preiswerter als Butter, sollten das Produkt eigentlich verbilligen.

Deutschlands Discounter Nr. 1 hat jetzt auch eine Butter mit Rapsöl herausgebracht: Mælkebøtte®. Die teuere Zutat Butter ist hier aber auf knapp 46% runtergefahren, das Rapsöl liegt auch bei knapp 19%. Wasser und Milchsäurekulturen sind auch hier enthalten, Den wesentlichen Fehlanteil bildet ein undefiniertes pflanzliches Fett zu fast 19%. Da wird dann der Verbraucher wieder über die Ladentheke gezogen, ist das neue Produkt auch nicht preiswerter als die Markenprodukte, bei den anderen Discountern angeboten.

Der hohe Ölanteil wirkt sich natürlich auch auf den Geschmack aus, der sich damit immer mehr den öligen Aromen billiger Margarinen annähert. So werden hier eine Überteuerung mit einem schlecht gemachten Produkt vereinigt, was eigentlich gar nicht zum anbietenden Discounter passt. Naja, jedem Einkäufer passiert mal ein Fehler, bleibt zu hoffen, dass das Produkt schnell wieder aus den Regalen verschwindet.

Was lernen wir also auch wieder hier: Immer auf die Zutatenliste gucken. Es steht zwar nicht immer alles drauf, aber das, was drauf steht, lässt meist auch schon tief blicken, manchmal auch das, was nicht drauf steht.