Zweischneidiges in Rot

Stichwort: Zusatzstoffe im Essen. Die Meinungen darüber gehen bekannterweise durchaus auseinander. Mein Standpunkt ist da eher der, dass eigentlich nichts davon hinein gehört. Sollte doch was drin sein, muss das wirklich sehr gut begründet sein. Gewinnmaximierung, bei den meisten Zusatzstoffen ein Hauptgrund, gilt da natürlich nicht.

Seit einiger Zeit fällt mir ein Stoff auf, der grundsätzlich von einigen Zweifeln erhaben scheint. Ein Extrakt aus Roter Bete kann imho nicht schlechtes sein, bei dem Image, dass die Herkunftsfrucht so hat. Aber vielleicht müssen wir da unterscheiden zwischen der Qualität des Zusatzstoffes und dem Zweck seiner Verwendung.

Wer kennt sie nicht: Knacker, Mettenden, Zwiebelmett, Pfefferbeißer und die weiteren Vertreter aus der Reihe der Fleischwaren, die aus Hackfleisch unterschiedlichster Quellen (meint: Schwein, Rind, Pute, …) bestehen und mehr oder weniger stark geräuchert, gepökelt oder/und gereift sind. Zwiebelmett kommt dem rohen Hackfleisch noch am nächsten, die klassischen Mettenden haben dann schon ordentlich Pökel und Rauch abbekommen. Alles andere liegt dazwischen. Und wenn man es nicht so genau nimmt und Dauerwürste mit in die Reihe aufnimmt, gehören Salamis u.ä. auch noch mit dazu.

Hier haben wir mal eine handelsübliche „Frühstücksknacker“ als ein Beispiel von vielen als Demonstrationsobjekt genommen. Warum man zum Frühstück schon sowas essen soll (und dann auch noch kalt – s.u.) bleibt Geheimnis des Herstellers. Mit etwas Geschick bekommt man sie auch ohne gefährliches Werkzeug (Messer, zweischneidig) geteilt.

Entgegen der Erwartung zu einem solchen Produkt und ebenfalls auch entgegen des äußeren Anscheins bringt das Bild, vor allem sichtbar an der linken Bruchstelle, doch eine kleine Überraschung: Das Würstchen scheint erstaunlich mager zu sein. Der erwartete, meist sehr gut sichtbare Fettgehalt ist hier (und wenn man an anderen Stellen guckt, wiederholt sich der Eindruck) doch recht gering. Der Gechmacks- oder besser der Mundgefühlstest deutet aber doch einen unverändert hohen Fettanteil an. Haben hier Lebensmitteltechnologen gewirkt?

Letztere Frage ist mit Sicherheit mit „Ja“ zu beantworten. Die Frage ist nur wie und wo. Der Blick auf die Zutatenliste, die immer eine Pflichtübung sein sollte, hilft vielleicht.

Lösen wir der Vollständigkeit halber die E-Nummern auf: E301 ist Natriumascorbat (Vitamin C), E412 Guarkernmehl, E415 Xanthan, E325 Natriumlactat, E270 Milchsäure und E250 Natriumnitrit, was Bestandteil des Pökelsalzes ist. Schade ist nur immer, dass man am „Rauch“ nicht wirklich erkennt, ob die Würstchen wirklich geräuchert oder mit Flüssigrauch behandelt sind. Die Konsistenz spricht allerdings gegen den echten Rauch.

Notwendigkeit hin oder her, die Aufgaben der Stoffe kann man sich ableiten. Antioxidationsmittel und Konservierungsstoff für Haltbarkeit und Aussehen, Verdickungsmittel für Konsistenz und Mundgefühl, der Rest ist Trägermaterial für die Zusatzstoffe (meint: das Fleisch) oder Geschmacksgeber. Nur: Welche Aufgabe hat das Rote-Bete-Extrakt?

Positive Antwort: Die Verwendung von Natriumnitrit im Pökelsalz ist nicht unumstritten, vor allem, wenn zu viel verwendet wird. Theoretisch könnte man es ganz weglassen, wenn dann nicht alle Fleischwaren in diversen Graustufen in den Regalen liegen würden statt im angenehmer anzusehenden Rot. Vielleicht wird ja in den Produkten weniger Pökelsalz verwendet und der höhere Grauanteil durch das doch sicher gut färbende Rote-Bete-Extrakt aufgefangen.

Negative Antwort: Färben ist gut. Und wenn man Teile des im Produkt enthaltenen Fettes mit dem Extrakt färbt, sieht es wie mageres Fleisch aus …

Im Idealfall liegt die Antwort wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Deswegen ist es wichtig, nicht nur die Zutatenliste zu lesen, sondern auch die Nährwerte. Knapp ein Viertel des Wurstgewichtes kommt vom Fett, Eins der Würstchen (50g) liefert schon 7% der täglich benötigten Energiemenge. Aber morgens kann man ja entsprechend eines alten Ernährungsklischees reinhauen: Morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettler.

Wie gesagt: Das arme Würstchen diente nur als Beispiel. Guckt mal auf die Zutatenlisten und staunt, wo überall Rote-Bete-Extrakt drin ist. Es scheint das Zuckerkulör der Fleischwirtschaft zu sein.

Salatgurke mit Zwiebelmett und Tomate

Wie ich gestern schon andeutete, habe ich mal was mit Zwiebelmett gekocht. Die Ausgangssituation sah so aus:Die Tomaten werden halbiert, die Gurke in dicke Scheiben geschnitten, die dann geviertelt werden. Das Zwiebelmett pressenw ir aus der Hülle, zerzupfen es und braten es in einer heißen Pfanne etwas an.

Hat das Mett farbe angenommen, kommen die Tomaten und Gurken dazu.

Unter leichtem Rühren wird alles gut angeschmort und mit wenig Salz (das Zwiebelmett ist ja gewürzt) und etwas Pfeffer gewürzt. Dann kommt der Deckel drauf.

Die Hitze wird heruntergedreht, so dass alles ca. 20 Minuten leicht vor sich hin schmurgeln kann. Ab und zu wird alles gut durchgerührt. Wenn es danach wie folgt aussieht, ist die meiste Arbeit getan.

Die Schmorgurke wird abgeschmeckt und mit gehackten Kräutern versehen. Etwas Dill wäre ideal, aber auch Petersilie und Schnittlauch sind gut dafür. Und weil die Gurke for two war, kann man alles in zwei Schüsselchen abfüllen.

Guten Appetit. Wie schon angedeutet, ist diese Schmorgurke recht pikant. Nimmt man frisches Hack als Grundlage (unbedingt zu empfehlen), kann man das mit etwas Cayennepfeffer oder Chili (ja, ich weiß, dass ist eigentlich beinahe das gleiche) simulieren oder weglassen.

Man könnte ja auch frisches Hackfleisch nehmen

… aber Zwiebelmett und seine Abarten haben natürlich einen Vorteil: Sie sind länger haltbar. Allerdings ist man manchmal doch sehr verwundert, was da dann so alles drin ist. Bei einem Kochversuch (die Fotokochstory werde ich wohl morgen abend fertig machen) habe ich neulich mal sowas verwendet. Gekauft hatte ich das Stück, weil es recht fettarm aussah. Das Etikett gab allerdings keine genauen Nährwerte an. Die wären noch interessant gewesen.

Schaut man sich die Zutatenliste etwas genauer an, liegt die Vermutung auf der Hand, dass doch ein wenig das Produkt geschönt wurde, vor allem, was das Vorspiegeln eines geringen Fettgehaltes betrifft. Außerdem erklärt sich mit der Zutatenliste auch eine Pikants des gekochten Gerichtes, die es ohne Zugabe von schärfenden Gewürzen außer einer Spur Pfeffer trotzdem erreichte.

Aber hier jetzt erstmal die originale Liste zum in Ruhe durchlesen:

 

Das Paprikaextrat scheint im erwärmten Zustand ordentlich Bums zu erzeugen. Im originalen Zustand habe ich leider versäumt, das Mett zu probieren. Außerdem hat Paprikaextrakt eine färbende Wirkung. Der davor stehende Rote-Beete-Saft ist sicher aus dem gleichen Grund zugesetzt worden. Da stellt sich die Frage, warum Zwiebelmett mit rötenden Substanzen versetzt wird. Die Antwort liegt auf der Hand. Ihm wird ein besseres Aussehen gegeben. Und wenn sich die kleinen Fettkügelchen im Mett auch noch fleischfarben umstylen, ist das ein nicht ungewollter Nebeneffekt.

Außerdem habe ich mit dem Essen auch noch etwas für meine Gesundheit getan. Ascorbinsäure ist nichts anderes als Vitamin C, was gern mal unsere Abwehrkräfte stärkt. Sicher: Es ist künstlich hergestellt. Da es aber als Antioxidations- oder auch Konservierungsmittel in Nahrungsmitteln gern verwendet wird, stellt sich hier mal wieder – eigentlich nicht – die Frage nach dem Sinn von Vitamin-C-Präparaten in der Erkältungsvorbeugung und -behandlung. Den gleichen Effekt haben u. U. auch Zwiebelmett, manche Würste und andere Produkte. Außerdem schmecken sie besser als die künstlich aromatisierten Vitamintablettendrinks oder Erkältungskapseln oder so.