Unerkannte Feinschmeckerolympe

Eigentlich bin ich unwürdig, so einen Blog wie diesen zu machen oder überhaupt nur etwas über das Essen zu schreiben, zu sagen oder auch nur zu denken. Aber ich kannte (und kenne) Vitello Tonnato nicht. Das ist – für alle anderen Unwissenden – kein piemontesischer Koch, sondern ein „Klassiker der leichten italienischen Küche“, bekannt bereits seit dem 18. Jahrhundert. Wikipedia lässt sich kurz auch über das Gericht aus. Gegarte, erkaltete Kalbfleischscheiben werden mit einer Tunfischsoße (Majo mit Tunfisch püriert) überzogen.

Schön ist, dass deutsche Discounter ihre Kunden auch an die internationale große Gourmetküche heranführen wollen. So fand ich Vitello Tonnato unlängt bei einem meiner Wochenendeinkäufe, die mich uninspiriert durch die Regale und an den Kühlschränken vorbei schickte. Eine fast DIN A 4 große Verpackung mit wenig Inhalt erregte meine Aufmerksamkeit und ich griff zu. Das hat sich als beinahe sinnloses Unterfangen erwiesen, außer, man bezeichnet dieses Geschreibsel als Sinn.

Der Packung entnahm ich ein paar dünne fleischähnliche Scheiben und eine kleine weitere Verpackung, die die Tunmajo enthielt. Das kann man dann irgendwie auf einem Teller anrichten, ich habe es ehrlich versucht.

Kalb an Tunmajo

Vielleicht lag es ja am nebligen Wetter draußen und am nur griffbereiten Handy zum Fotografieren, dass das Bild irgendwie komisch rüberkommt. Dabei bin ich zur Abwechslung mal mit dem Objekt des Fotografierens aufs Küchenfensterbrett gezogen.

Kalb an Tunmajo

Nicht, dass einer glaubt, ich hätte Ewigkeiten für das Foto gebraucht, aber das Fleisch wellte sich gleich zu Anfang schon so. Aber da las ich, dass die Soße auch noch verstrichen werden muss.

Tunmajo auf Kalb

Ich weiß nicht. Besser sieht das auch nicht aus. Und ich weiß auch nicht, ob die empfohlenen Kapern oder die Zitrone optisch noch so viel rausgerissen hätten. Das Kalbfleisch war übrigens erwartet geschmackfrei, was durch die Majo etwas ausgeglichen wurde. Der Tunfischanteil war nicht unangenehm. Aber ansonsten sollte man sowas wirklich den Fachmännern im Fachbetrieb über- und frisch(!) auf den Tisch kommen lassen.

P.S.: Keine Angst. Ich schreibe trotzdem weiter.

7 Gedanken von Unerkannte Feinschmeckerolympe

  1. Einige (wenige) der Ergenisse der Googlebildersuche zu Vitello Tonnato sehe auch nicht viel besser aus. Hauptunterschied: Das Kalbfleisch ist meist auch als Fleisch erkennbar. Das Produkt hier sieht doch sehr nach Klebefleischaufschnitt aus.

    • Die Verpackung deutet wie immer nicht auf Klebfleisch hin. Was allerdings ein „Stabilisator“ beim Fleisch soll, wird ein ewiges Geheimnis des Herstellers bleiben. Vielleicht müssen ja die losen Fleischfasern stabilisiert werden. Das schabbelt ja nach dem Zusammensetzen manchmal etwas. 😉

  2. Uh, das klingt so, als hätte es genauso geschmeckt wie es aussieht – oder umgekehrt ;-). Ich hab hier mal ein Rezept vom Kollegen rausgesucht (auch wenn er das mit den Kapern da verbaselt hatte ;-)): http://bit.ly/YBaouc

    • So in etwa … Wobei ich schon schlechteres gegessen haben, bei dem man dann dachte: Hättste das mal nicht ausgepackt und die Umhüllung gleich mitgegessen … 😉

  3. Vitello Tonnato ist, wie Curries, ein Essen das meist besser schmeckt als es aussieht da farblich eher unauffällig. Ich sage nichts weiter.

    • Wenn es denn so gewesen wäre, hätte ich ja gar nichts gesagt. Ist es mir doch schon wie manchem anderen Hobbykoch ergangen, der eine wundervoll schmeckende Speise zweifelhaften Aussehens hinbekommen hat. Natürlich gibt es das auch mit umgekehrten Vorzeichen: Sieht toll aus, schmeckt aber im besten Fall nach nichts oder schlechter.

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