Sommerliches Anfang April

Die Tomate ist ein typisches Sommergemüse, dass in unterschiedlichen Qualitäten mittlerweile ganzjährig angeboten wird. Das wunderschöne Samstagswetter brachte mir die Lust auf die rote Frucht, und im entsprechend aufgesuchten Lebensmittelladen wurden sie farbintensiv und wohlriechend angeboten. Das lockte. Zu Hause angekommen, steckte ich nochmals die Nase in die umhüllende Plastiktüte, der ebenso wie im Laden den losen Früchten der paradiesische Wohlgeruch entströmte.

Sehen sie nicht auch lecker aus? Mich beschleicht allerdings mittlerweile der Verdacht, dass uns Konsumenten Einzelhandel oder/und Züchter etwas beschummeln. Der angenehme tomatige Duft verflog sehr schnell beim Abwaschen der zum Verzehr gedachten Früchte, so dass der böse Hintergedanke der Parfümierung der Früchte – nicht das erste Mal – so leicht nicht wieder verdrängt werden konnte.

Reif, zumindest das, was einer darunter versteht, der jährlich auch eine Tomatenpflanze auf seinem Balkon groß zieht, war auch nicht das Wort, dass mir im Zusammenhang mit den Früchten einfiel. Die Konsistenz beim Achteln der Tomaten erinnerte eher an eine unreife Kiwi. Vermutlich ist die Sorte eher auf Lagerfähigkeit als auf Geschmack gezüchtet.

Geschmacklich war dann aber doch noch etwas herauszukitzeln, es bedurfte allerdings schwerer Geschütze in Form von Flor de Sal, frisch gemahlenem Pfeffer, förmlich hingehauchten Schalottenscheiben und je einem dünnen Strahl Crema Di Balsamico und toskanischem Olivenöl.

Sollte kein Crema Di Balsamico im Haus sein, kann man für diese Aufgabe auch etwas Balsamico-Essig mit ein wenig Zucker verrühren. Das Ergebnis ist allerdings etwas flüssiger als die Crema Di Balsamico, die besser an den Tomatenachteln haftet. Apropos flüssig: Wie ich neulich mal aufschnappte, kann man davon ausgehen, dass Olivenöl unter 10 €/l im Allgemeinen nicht das ist, was man erwarten darf, egal, welche Begrifflichkeiten sich auf dem Etikett finden. Bei Balsamico-Essig ist das ähnlich. Die 0,7-l-Flasche für unter einem Euro ist also nicht nur flüssig, sondern überflüssig.

 

Latte to go (2) – Der Test

Wie ich an anderer Stelle schon angekündigt habe, jetzt aber terminlich konkretisiert, habe ich heute den Test gemacht: Latte to go, aber nicht umgerührt. Das Ergebnis vorweg: Es geht. So konnte ich den Milchschaum, den kräftigen Kaffe-Geschmack des Espresso und das zunehmend Süße der karamellsirupunterlegten Milch so genießen, wie ich es wollte.

Aber: Leider können zwei Menschen noch keinen Auflauf bilden; wenn hinter dem Tresen mehr Personal verfügbar gewesen wäre, dann hätte es den vermutlich gegeben. So ist vermutlich doch der Wortwechsel interessanter:
Ich: Bitte einen großen Latte Macchiato mit Karamell nicht umgerührt zum Mitnehmen.
Bedienung 1 (zu mir): Nicht umgerührt?
I: Ja, bitte.
B1->B2: Ein großen Latte mit Karamell, aber nicht umrühren!
B2->I: Hier trinken oder mitnehmen?
I->B2: Zu mitnehmen.
B1->B2 (etwas später): Nicht umrühren!

Was wäre eigentlich passiert, wenn ich jetzt zusätzlich „… aber bitte nur 2 Schub Karamellsirup.“ statt der üblichen 4 bestellt hätte? So unumgerührt wird es zum Schluss doch sehr süß. 😉

…, aber irgendwas ist ja immer

Als gelernte DDR-Bürger wissen wir natürlich, was Tschai ist, auch wenn wir es besser erkennen, wenn es in kyrillischen Buchstaben daher kommt. Der Russischunterricht leerte uns früh, dass sich hinter dem Wort Tee verbirgt, der gern aus einem Samowar kommen durfte und in Teegläsern mit metallenen Geflechten im unteren Drittel und daraus hervorstehendem Henkel serviert wurde. Aufenthalte bei den Freunden brachten einem das Getränk auch kulinarisch näher.

Der moderne Genießer kennt unter ähnlichem lautendem, aber minimalistischer geschriebenem Namen ein weiteres Getränk: Chai. Auch dies ist ein Tee, kommt aber von noch weiter weg und beeinhaltet nicht nur – wenn überhaupt – klassischen Tee, sondern auch zahlreiche Gewürze. Aber wie zum Beispiel in Indien jede Hausfrau ihre eigene Currygewürzmischung hat, DAS Curry gibt es also nicht, ist das beim Chai nicht unähnlich. Kardamom, Zimt, Ingwer, Pfeffer, Nelken, Muskat, Kakao, Anis, Lakritze und vieles anderes mehr können Bestandteil dieser Gewürzmischung sein.

Getrunken wird der Chai mit Milch und Zucker oder Honig. Je nach Würzmischung und persönlichem Geschmack ist der ein Hochgenuss, man kann natürlich auch mit eigenen Mischungen experimentieren, aber die ersteren fünf genannten Gewürze gehören fast immer dazu. Im Teebeutel sind aber auch verschiedene Sorten von einigen Herstellern käuflich zu erwerben, ein Durchprobieren lohnt sich, wenn man sowas mag.

Unlängst fielen mir unter dem Namen Chai zwei Instantgetränkepackungen eines bekannten Herstellers (immerhin haben Hape Kerkeling und früher auch Mike KRÜGER für ihn und seine Produkte geworben) in die Hände. Neugierig, wie ich manchmal bin, probierte ich beide.

Wer einen breiten Pulvermilchgeschmack mag, der fast keinen Platz lässt für die feinen Aromen der Gewürze, dem werden diese Getränke zusagen. Aber der lässt sich auch Pulvermilch mit Kaffeeextrakt in schaumiger Aufschlemmung als Espresso mit Milchschaumhaube verkaufen.

Damit will ich nicht sagen, dass man das nicht trinken sollte, gelegentlich schmeckt das wirklich so schlecht nicht. Aber es hat mit dem namengebenden Originalgetränk genausowenig zu tun wie der Pulver-Cappuccino aus gleichem Haus (wie auch aus vielen anderen Häusern) mit dem italienischen Caffè-Klassiker.