Lehre an Tüte

Es ist immer wieder interessant, mit einem gepflegten Halbwissen Verpackungen zu studieren. Bei einem Discounter fiel mir wie durch einen Zufall eine Tüte Kartoffelchips in die Hand, die gleich mehrfach auffällig war. Aber als Gourmet und Genießer fühlt man sich doch gleich angesprochen:

Ich wusste gar nicht, dass es Sonnenblumenöl jetzt auch in der Schale gibt. ;-) Ok, das Komma dazwischen soll wohl heißen, dass es die Kartoffeln waren, die nicht geschält wurden.

Viel interessanter sind im Allgemeinen die Rückseiten von solchen Verpackungen:

Die Nährwerte – Wer denkt beim Gourmet Genuss schon an Kalorien? – lassen wir mal rechts liegen und lesen mit Freude darüber nur feines:

Feine Würzmischung ohne künstliche Geschmacksverstärker … Mmmmmh. Lecker. Mal sehen, was denn so alles drin ist. Schwenken wir also mit dem Blick nach Links unten: Das natürliches Aroma auch aus Holzabfällen, verdaut von Schimmelpilzen, entstehen kann, lassen wir hier mal außen vor. Auch das Balsamicoessigpulver (Instant-Essig? Nes-Essig?) hinterfragen wir diesmal nicht. Aber genauso gesetzlich zugelassen wie sachlich falsch finden wir Hefeextrakt in der Zutatenliste. Es mag unter Umständen nicht künstlich sein, ein Geschmacksverstärker mit einem hohen Glutamatanteil ist es aber auf jeden Fall.

Witzig – und der ursprüngliche Auslöser des Kaufs – ist aber die Illustration auf der Vorderseite der Tüte. Also regelmäßiger utente di aceto, der allerdings kein Wort italienisch spricht, ist man doch sehr verwundert, über die grüne Beigabe zu den Chips. Dachte der Illustrator etwa, Basilikum hat etwas mit Balsamico zu tun, nur, weil es im gefühlten Wortstamm so ähnlich klingt? Hätte er sich nicht eher an der Zutatenliste orientieren können und die „feinste Würzmischung“ aus Salz, Zucker, Essig, Zitronensäure und Weinsäure, Zwiebeln und Knoblauch als Vorlage wählen? Vielleicht ja auch etwas Grün vom Knoblauch oder von der Kartoffel. Nicht umsonst diente das Grün des Erdapfels mit den zierlichen Blüten schon als Zierpflanze, bevor der unterirdische Teil der menschlichen Ernährung zugeführt wurde. Aber nein, es musste unbedingt Basilikum sein. Nicht umsonst hört man immer mal wieder gern den Begriff Basilikum-Essig, wenn doch eigentlich der Aceto Balsamico gemeint ist.

Ausgelassenes

Schon schlimm, wenn die Hand im Mund schneller ist als der Fotoapparat … So gibt es auch heute nichts zu sehen von einer kleinen Leckerei, die eine echte Sünde ist. Aber das Ausgangsprodukt kann ich noch zeigen. Es war dieser Speck – es gibt sicher auch andere, mit denen das geht – und allein die Bezeichnung, was ich mit ihm angestellt habe, treibt den Cholesterinspiegel in unmessbare Größen (oder eigentlich auch nicht). Gefühlt auf jeden Fall.

Profan ist es ein fetter, weißer Speck mit einer kleinen flachen Fleischkante, der nicht allzu stark gesalzen und auch nicht allzuheftig geräuchert ist. Die Rosmarinschicht kann man auch sehr gut mit eigenen, frischen Rosmarin simulieren, den man mit in die Pfanne legt. Wobei wir damit auch schon bei der Verarbeitung sind: Man schneide von diesem Stück Speck einige, nicht zu dünne Scheiben herunter (der Speck sollte ggf. gut gekühlt oder das Messer sehr scharf sein, sonst wird das schwierig) und lege diese in eine gut vorgeheizte, beschichtete, nicht zu dünne Pfanne. Immer dann, wenn sich die Scheiben anfängen zu wölben und die Mitten nach oben gehen, werden sie umgedreht.

Letztendlich sind die Scheiben nach einiger Zeit schön braun und nur noch etwa ein Drittel bis ein Viertel so groß wie vor ihrem Einzug in die Pfanne. Dann lässt man sie auf Küchenkrepp etwas abtropfen und kann sie als Speck-Chips weg knabbern. Aber Vorsicht! Nicht zu viele davon machen. Der Name des Gerichtes verheißt nichts gutes: Im Eigenfett frittierte Speckscheiben. Und nur fürs gute Gewissen sei erwähnt: Man kann damit auch wunderbar frische knackige Salate garnieren. Wichtig ist, dass das in der Pfanne zurückbleibende Speckfett auf geeignete Weise entsorgt werden sollte, von einer weiteren kulinarischen Verwendung würde ich aus gesundheitlichen Gründen abraten. ;-)

Eine Portion Ortho-Typo-Fehler-Suppe bitte

Manchmal ist es schon schade, wenn ein herausragendes und durchaus auch positives Projekt manchmal doch so undurchdachte Begleiterscheinungen hat.

Wenn der nebenstehende Menüplan nur im Internet gestanden hätte, wäre es vermutlich nicht mal so schlimm. Aber der Flyer sieht inhaltlich genauso aus.

Traurig: Wer zwanzig Ortho- oder Typografiefehler findet, hat einen mehr als ich. Schwerpunkte scheinen die Groß- und Kleinschreibung sowie fehlende Leerzeichen und die fälschliche Verwendung des kaufmännischen „&“ („und“) zu sein.

Höhepunkt ist aber wohl gleich die erste Suppe: Ich finde, in der Beschreibung findet sich ein eklatanter Widerspruch. Wobei ich natürlich weiß, dass es vegetarischen Hackfleischersatz gibt, aber die Geschichte des Anbieters lehrt mich, dass ich mit so etwas hier nicht zu rechnen habe.

Mein Suppenplan sieht für die Woche wahrscheinlich so aus:
Mo: Fischrahmsuppe
Di: Wirsing-Graupen-Suppe
Mi: Rote-Bete-Powertopf
Do: Gärtnergulasch
Fr: N.N.

Ist Fisch eigentlich vegetarisch?

Zugegeben: echten Kaviar, also den vom Stör, habe ich noch nie gegessen. Es ist aber auch aus verschiedenen Gründen schwer, an ihn heran zu kommen. Nicht zuletzt der Preis stellt doch eine gewisse Hemmschwelle dar. Preiswerte Varianten aus Seehasenrogen („Deutscher Kaviar“), Lachs- oder Forellenkaviar kenne ich zwar schon, die Begeisterung hält sich allerdings in Grenzen. Immerhin kann ich den Witz „Die Brombeermarmelade schmeckt ein wenig nach Fisch“ nachvollziehen.

Vor fast genau zwei Jahren habe ich schon mal zum Thema gebloggt, im damaligen Post Scriptum vegetarischen Kaviar erwähnt (Zusammensetzung siehe dort). Jetzt habe ich das Produkt auch mal getestet. Die Kügelchen erinnern in ihrer Festigkeit an Gummibärchen, der Geschmack geht eher ins salzige mit leicht fischigen Aromen. Mit preiswerten Kaviarersatzprodukten kann die Masse durchaus mithalten, fehlt ihr aber doch sozusagen die Eierschale. Während der echte Rogen eine feste Oberfläche und ein weicheres inneres besitzt, ist hier die Kugel eher gleichförmig. So ist das Mundgefühl eben doch ein anderes.

Wer also zum gekochten Ei gern etwas schwarzes fischiges möchte, ist mit dem Produkt durchaus angesprochen, wobei sich die Frage stellt, ob man, wenn man Eier ist, nicht auch Fisch und damit echten Rogen essen kann. Ansonsten gilt vermutlich das, was immer gilt: Das Original ist immer besser als das künstliche Imitat.