Früher war es nicht so schlecht

Sich Packungen von sogenannten Lebensmitteln anzusehen, sollte eigentlich jedermanns Hobby sein. Nur der informierte Kunde ist ein guter Kunde, zumindest aus Sicht des Kunden selber. Aber es gibt ja auch Lichtblicke, vor allem, wenn da noch alte Erinnerungen hochkommen.

Ostalgie pur versprach die Verpackung eines Softeises. Erinnert sich noch jemand an das Zeichen? Es spielt augenscheinlich auf ein DDR-Gütezeichen an, dass sehr gute Qualität versprach. Da darf man also einiges erwarten.Wer erinnert sich nicht wehmütig an das eine oder andere Produkt, dass man heute in der Qualität gar nicht mehr bekommt.

Auch die Herstellerfirma schmückt sich mit einem entsprechenden Spruch:

 

Hinter diesen Schildern verbarg sich übrigens ein Softeis. Cremig, sahnig, fruchtig, schokoladig und frisch in eine Waffel oder (zur Not) in einen Plastebecher abgefüllt und dann sofort gegessen. In unserer Region gibt es Softeis verkaufende Eiscafés, die jeden Sommer (und darüber hinaus) viele Menschen sogar dazu anregen, 20 bis 25 km mit dem Fahrrad zu fahren, um der Genüsse habhaft zu werden. Milch, Sahne, Zucker, Ei und die geschmacksgebenden Zutaten vereinigen sich zu einer beliebten Köstlichkeit.

Milch, Sahne, Zucker, Ei, Vanilleschote und Kakao hätte ich auf der Zutatenliste erwartet. Jeder Löffel der seltsamen Speise bestätigte die Erwartung, dass das, was da in dem Becher war, alles andere als ein Softeis war. Immerhin sind 1,5% kastriertes Kakao-Pulver enthalten, vermutlich im wesentlichen zu färbenden Zwecken.

Und sowas schmückt sich dann mit dem Qualitätssiegel. Da wird auch noch die letzte positive Erinnerung an die DDR in den Dreck gezogen. Schade, dass die DDR niemanden mehr wegen Rufschädigung verklagen kann. Lohnenswerte Verhandlungen gäbe es dann sicher zur Genüge.

Meine Stille Angst ist nur, dass diese Zutatenliste einfach nur zu ehrlich ist. Vielleicht ist es schon längst üblich, sozusagen der Sieg der Lebensmitteltechnologie über die natürliche Ernährung, Speise- und Softeis nicht mehr aus den klassischen Zutaten herzustellen, sondern solche Kunstmischungen zu verwenden. Die Moral dieser Geschichte ist also die immer wieder wiederholte: Achtet auf die Zutatenliste und kauft nicht, was Kram enthält.

Jetzt geht’s um die Wurst

Die Überschrift ist ausnahmsweise mal wörtlich zu nehmen. Wobei es durchaus um spezielle Arten von Wurst geht, die zwar auch etwas gemeinsam haben, aber genau da liegt eben das Problem. Der Charakter der Wurst lässt sich von zwei Seiten eingrenzen.

Zum einen geht es um die Art von Wurst, die dafür gemacht ist, sie mit Senf, Ketchup oder anderen Würzsoßen zusammen im kalten oder heißen Zustand zu verzehren. Bockwurst, Wiener Würstchen, Frankfurter, Hot-Dog-Würstchen sowie Mischformen sind wohl die bekanntesten, Lung(en)wurst, Knacker, Mettenden, Kohlwurst, Rindswürstchen, Rauchwurst u.ä. gibt es auch.

Allen diesen Würstchen ist gemein, dass es sie beim Fleischer (quasi) frisch oder eingeschweißt gibt, die alternative Verkaufsform ist die im Glas oder in der Büchse; einige sind auch im Plastikschlauch mit „Wurstwasser“ erhältlich. Damit wäre dann auch die andere Eingrenzung erwähnt: die Lagerung und der Verkauf quasi trocken oder im Wasser schwimmend.

Kommen wir zur wichtigen Frage in dem Zusammenhang: Warum gibt es die nasse Verpackung überhaupt? Es fällt auf, und damit beantworte ich die Frage pro forma fast schon, dass die eingeglasten und eingedosten Würste länger haltbar sind. Das scheint der einzige Vorteil zu sein, der aber durch die ständige Verfügbarkeit von Frischware nicht wirklich maßgeblich sein kann.

Unabhängig davon, wie es der geneigte Leser und potenzielle Kommentator sieht: Es gibt KEINEN kulinarischen Grund für diese Haltbarmachung von Würsten. Ich bin noch nicht dahinter gekommen, ob die unangenehme Geschmackskomponente bei Glas- und Dosenwurst eine von den Herstellern gewünschte Komponente im Wurstwasser oder in der Wurst ist, oder ob diese Fehlnote erst bei der Herstellung der Sterilität entsteht. Vielleicht habe ich die Konserven auch einfach zu frisch gegessen und kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatums schmecken die Dinger besser, so gut abgelagert.

Vielleicht gibt es ja auch nur einen Hersteller für das Wurstwasser, dass dann alle Abfüller verwenden, denn dieses Aroma ist in quasi allen Produkten enthalten, die ich bisher probiert habe – Markenprodukte, Nonames oder Bioware. Alles einfach nur Bäh. Deswegen brauche ich hier auch keine Namen zu nennen. Und wenn es nur der Geschmack wäre: Auch die Konsistenz der meisten Würstchen in Glas und Dose ist eher was für zahnlose, für die Haferschleim eine Delikatesse ist. Aber das ist bereits eine andere Geschichte.

Wenn die Technik was empfiehlt

Vor einigen Tagen verblogte ich recht technischen Kram über die Eigenheiten von Blogzugriffsstatistiken bei RundumGenuss, mittlerweile habe ich mich mal genauer informiert, was es mit dem dort beschriebenen auffälligen Suchbegriff so auf sich hat. Um es kurz zu machen: Die aufgewandte Aufmerksamkeit stand in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Liebe und Verliebtheit müssen sehr schön sein, der diensthabende Koch des Hauses schien, wenn man den Klischees glauben schenken darf, stark in dieser Gefühlsregung zu stecken. Das Fleischgericht, welches sich auf meinem Teller befand, war derart versalzen und zerwürzt (kein Tippfehler), dass man es eigentlich zurückgeben hätte müssen. Bestellt hatte ich eigentlich eine „Gyros Pfanne“ mit Tzatziki, Pommes und Salat. Auf dem Teller fand sich dann aber sogenanntes „Pfannengyros“, also geschnetzeltes Schweinefleisch, das wohl nach Gyrosart gewürzt sein sollte und das vermutlich erst beim Servieren das erste mal einen Drehspieß (wenn auch nur für Döner) von weiten zu sehen bekam.

Gyrosfleisch vom Drehspieß hat eine eigene, typische Konsistenz, die mit roh geschnetzeltem Fleisch in einer Pfanne nicht herzustellen ist. Discounter (nicht nur) bieten fertig vorgewürztes Fleisch „geschnetzelt, nach Gyrosart gewürzt“ öfter mal an, das Fleischgericht auf meinem Teller ähnelte sehr stark einem eigenen, wenn auch lange zurück liegenden und letztendlich gescheiterten Versuch, dem Inhalt einer solchen Plastepackung eine verzehrbare Form zu geben. Der Begriff Gyros kommt von Kreisel oder Runde, im konkreten Fall heißt es wohl gedrehter Grillspieß. Das Pfannengeschnetzelte negierte das Grillen und das einzige, was sich eventuell gedreht hat, war der Magen.

Auf dem gegenüber stehenden Teller fand sich übrigens ein Jägerschnitzel. Diese Begrifflichkeit hat augenscheinlich wenig eindeutiges, verbinde ich doch eigentlich damit eine panierte und gebratenen Jagdwurstscheibe, dazu gibt es  Tomatensoße und Nudeln (keine Pasta!). Man kann aber auch, und das haben wir dann gelernt, ein paniertes Schweineschnitzel mit einer „Jägersoße“ so nennen, einer Soße, die im wesentlichen aus Sahne, Champignons und Würze besteht. Nehmen wir mal die Höhe des Trinkgeldes als Qualitätsmaß für den Wohlgeschmack des Essens, spricht eine bis auf den Cent abgezählt bereitgehaltene Geldmenge meines Gegenüber Bände.

Werfen wir nochmal einen Blick auf die Speisekarte: 25 Dönergerichte, 6 Salate, 8 Baguettes, ein Pizzabrot, 51 Pizzen in 3 Größen, 9 Schnitzelgerichte, 2 Currywurstgerichte, 13 Hähnchengerichte, 2 Pfannengerichte, 20 Pastagerichte, 3 „Gyros“-Gerichte, 18 Auflaufgerichte, 2 Hamburger und 2 Cheeseburger. Bei der Auswahl ist das Wort „Grill“ im Namen des Anbieters natürlich treffend gewählt. 264 Gerichte, von denen 36 mit etwas gutem Willen vom Grill kommen könnten (Hähnchen- und Dönergrill mal als Grill mitgezählt). Ob der Hackfleischbratling im Hamburger, die Currywurst oder die Hähnchenbrust wirklich vom Grill kommen oder doch eher wie das „Gyros“ aus der Pfanne, könnte bei einem weiteren Besuch getestet werden. Also werde ich es nie erfahren.

 

Vorsicht vor dem Pommernteufel

Bei einer von mir normalerweise gemiedenen Fleischerei erstand ich unlängst ein paar „feurig scharfe Pommernteufel“, in der Proportion einer Bockwurst, aber nur gut fingerlange Würstchen, deren Bissfläche ein wenig an leckere Krakauer in Naturdarm erinnert, aber sonst nichts mit ihnen gemein hat.

Unter der Voraussetzung, dass diese Pommernteufel entweder unge- oder gekocht verzehrt werden, waren die getesteten Exemplare einfach nur bäh.

  • feurig: nein
  • scharf: nein
  • lecker: nein
  • schleimig: ja
  • knorplig: ja (unvorsichtigen schwungvollen Kauern könnte es eine Krone kosten)

Ich habe auch noch nie ein so getrübtes und verflocktes Würstchenkochwasser gesehen wie diesmal (zumindest nicht bei der gleichen Anzahl der Würstchen). Zu schade um den Senf, der das Verkosten begleitete.

Armes Würstchen

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich mag keine Würstchen aus Glas oder Dose. Dabei ist es ziemlich egal, ob es Wiener, Bockwürste, Frankfurter, Krakauer, Hot-Dog-Würstchen oder sonstwelche sind. Die sehr knackigferne Konsistenz, das unter anderem daraus entstehende Mundgefühl, das teilweise mit „schleimig“ recht zutreffend umschrieben wird, und der Geschmack ergeben ein Triumvirat des Nichtkulinarischen, dass durch die potenziell jahrelange Lagerung der Brätphallie im Wurstwasser auch nicht besser wird.

Unter diesem Gesichtspunkt hatten die getesteten Bio-Tofuwürstchen im Glas von vornherein kaum eine Chance. Das letzte Quentchen davon vergeigten sie fast schon, bevor sie überhaupt zum Geschmackstest kamen. Aber der Reihe nach. Laut Etikett habe ich die Tofuwürstchen „in einer beschichteten Pfanne unter mehrmaligem Wenden 3-5 Minuten goldbraun gebraten oder in einem Topf mit kochendem Wasser erwärmt“. Ich habe beides gemacht, es waren ja genug Würstchen da.

Der Eindruck, den die kochenden Würstchen machen, stimmt: Sie sehen sehr blass aus, fast wie Bratwürste mit ganz leichter Currynote. Das Wurstwasser übrigens vermittelte einen säuerlicheren als gewohnten Eindruck, was am zugesetzten Tomatenmark oder der Sojasoße liegen könnte (erstaunlich, dass beide nicht färbend in Erscheinung traten). Das Wasser kochte, als Bratunterstützung dienten ein paar Tropfen Olivenöl, die durch die Tofuwürstchen dankbar aufgenommen wurden. Nach 5 Minuten wurde angerichtet.

Es gibt Bockwürste (frisch), die sind einfach nur lecker, sie brauchen zum Verzehr weder Senf, Brötchen noch vorherige Erwärmung. Bei den Sojadingern war letztendlich jede Mühe umsonst. Als Senfträger – für alle Senfliebhaber – sind sie geschmacklich sehr gut geeignet, geben sie davon doch eher wenig dazu. Das trifft vor allem für die gekochte Version zu. Senffrei probiert drängt sich mir der nicht ganz stimmende Vergleich mit gut durchfeuchteten Bierdeckeln auf, zumal es die Untersetzer nicht in Würstchenform gibt. Das Braten zauberte zwar durch die Maillard-Reaktion noch ein paar zusätzliche Aromen in die Würstchensimulation, wirklich geholfen hat es aber auch nicht.

Es mag Menschen geben, die aus medizinischer Sicht sowas essen müssen. Für alle anderen gilt: Schade um den Senf.