Plan und Wirklichkeit (ergänzt)

Da wirste ja früh auch mal wach ohne das sonst so sinnvolle Koffein. Meine Idee war heute, sowieso etwas über Kaffee zu schreiben; das mache ich dann später oder nächstes Wochenende. Der heutige Wachmacher wird Ihnen präsentiert von expertentesten.de (absichtlich nicht verlinkt). Von denen bekam ich eine E-Mail, die mich auszeichnete. Irgendwas mit „Bester Foodblock“ und so. Es gibt übrigens 1236 beste Foodblogs in Deutschland … Sicher nicht alle, aber alle aktiven?

Nach den Geschehnissen auf einem anderen Foodblog in einem vergleichbaren Fall war ich natürlich ein wenig sensibilisiert. Aber so eine Klick&Link-Sammlung mache ich schon grundsätzlich nicht mit. Oder ich lass mir mal ein Siegel einfallen für den „Besten Suchmaschinenoptimierer in eigener Sache“  mit den Kategorien „Nervigkeit“, „Unprofessionalität“, „Schlechteste Nutzung der Serienbrieffunktion“ usw.

Mein heutiger Kreislaufanreger hat da sehr gute Chancen, ganz weit oben zu rangieren, spätestens in den letzten beiden Punkten. Diese E-Mail bekam ich heute Nacht:

E-Mail (Link fürt zu größem Bild)

Gleich die erste Zeile (und die Anrede natürlich auch) zeichnet den Absender in den beiden Kategorien aus. Das hätte der Praktikant bei mir im Büro besser hinbekommen. Und nicht nur das. Selbst auf der Webseite des Linkeinheimsers nur Blödsinn:

Webseiten-Ausschnitt (Link zum Vergrößern)

Dieses kleine Bildchen vorneweg ist definitiv nicht von meiner Webseite. So sah die nie aus. Sieht man sich übrigens die ganze Liste an, darf man doch erstaunt sein, wie viele Blogs sich untereinander ähneln. ;-)

Das gab eine gepfefferte Antwort:

Sehr geehrte Frau {{Nachname}},

bitte entfernen Sie sofort den Link zu meiner Webseite von der Ihrigen. Ich habe Sie weder darum gebeten noch haben Sie vorher nachgefragt. Außerdem werde ich Ihre durchsichtigen und unprofessionellen Machenschaften nicht unterstützen. Wenn ich mir allein die E-Mail, in dem die Serienbrieflücken nicht mal ausgefühlt sind und teilweise nur die Platzhalter enthalten, ansehe …
Am Montag werde ich prüfen, ob der Link auf meine Webseite noch in Ihrem Listing enthalten ist und je nach Ergebnis weitere Schritte einleiten.

Mit freundlichen Grüßen

Der Herdnerd

P.S.: Bei dem Namen – hätte ich nicht da unter D eingeordnet werden müssen?! Ich sach ja: unprofessionell.

Das {{Nachname}} steht natürlich nur hier in der Veröffentlichung. Genau wie auf den Bildern weiter oben habe ich ihren Nachnamen unkenntlich gemacht. Da hoff‘ mann, dass die Schreiberin der Zeilen als kleine Angestellte unter 3 Geschäftsführer/inne/n nicht wirklich für die Idee verantwortlich war.

Da bin ich ja mal gespannt, wie viele Foodblogs sich das Siegel ans Revers heften und den durchsichtigen und unprofessionellen Blödsinn des SEO-Fishings unterstützen. Sicher einige. Mal sehen, ob ich die dann bei mir auf der Seite „Andere Kochblogs“ dann ausliste. Redaktionelle Freiheit.

… … … …
(Zeit vergeht, dieser Beitrag und auch die beklagte Webseite sind noch offen und der Blick wandert hin und her.)

Bisher hatte ich ja nur auf die Liste geguckt, die die auf ihrer Seite veröffentlich haben, und dort auch nur den Bereich „H“. Aber der Eingangstext oben drüber ist ja noch schöner. Mal von kleinen orthografischen und grammatikalischen Fehlern abgesehen (macht ja jeder mal), ist der Inhalt an sich hochspannend. Unter der Überschrift „Inhaltliche Qualität“ (eines der Bewertungskriterien) steht unter anderem: „Stimmen die Fakten, sind die kommunizierten Inhalte auf einem sauberen sprachlichen Level, sitzt die Zeichensetzung?“ Da freue ich mich darüber, dass jemand mal die in meinem Blog verbreiteten Fakten geprüft hat. Vielleicht sollte ich genau unter diesem Aspekt das Siegel doch verwenden … Immerhin stimmen 9 von 10 meiner verbreiteten Fakten.

Scrollen wir dann weiter nach oben, lesen wir, dass nicht nur 1236 sondern „stolze 8652“ Blogs geprüft wurden. Eine recht umfassende Aufgabe, überall die Fakten zu prüfen. Das muss ja selbst bei einem zahlreichen Team längere Zeit gedauert haben. Allein ich habe bisher 756 Beiträge online (dies ist der 757.), die einzeln geprüft wurden. Andere haben mehr. Selbst, wenn so viel durch ein „70-köpfiges Team“ alles überprüft wurde und es sicher elektronische Unterstützung gab, eine Mammutaufgabe. Monate intensiver Tätigkeit. Oder? „Nach mehrstündiger Vergleichsarbeit haben wir … 8652 Blogs verglichen und evaluiert.“ Ups …

Prädikat: „Lächerlich.“ Ich mach erstmal Frühstück.

Ergänzung

Bei einem langweiligen Fernsehabend habe ich mir mal die Blogliste genauer angesehen. Bisher bin ich bis „G“ gekommen. Natürlich habe ich keine Strichliste geführt, aber gefühlt sind ein Fünftel der Blogs offline (nicht erreichbar, Domain zu verkaufen, Seite deaktiviert u.a.). Ein anderer, nicht unwesentlicher Teil, sind keine Food- u.a. Blogs. So findet sich selbst eine Seite wie facebook.com in der Liste. Außerdem gibt es Doppel- und Dreifach-Einträge von Blogs. Unprofessionell²².

Gästebetreuung? Aber frühstens, wenn sie hier sind

Auf der Suche nach einer Idee für die Sonntagsspeisung zu zweit klapperte ich einige Webseiten von Restaurants der Region ab, um mich unter anderem von den Speisekarten zu einer Reservierung verführen zu lassen. Was man dabei allerdings erlebt, ist mit dem Wort „Desaster“ manchmal schon wohlwollend umschrieben.

Wobei: Es gibt auch positive Beispiele. Ich erinnere mich an Webseiten, da waren sogar einige Gerichte der Karten abgebildet und man konnte gleich per Kontaktformular Plätze bestellen. So stelle ich mir das vor. Andere haben ihre Standard-Speisekarte zumindest im Netz, und beim Angebot von Tagesgerichten oder einer speziellen Mittagsversorgung gibts ein Link auf eine PDF-Datei. Das ist zwar nicht die hohe Kunst, aber akzeptabel. Und gerade auch bei Läden mit täglich wechselnder Karte (Gibts sowas überhaupt in der Region?) ist eine Web-Veröffentlichung für den sich interessierenden Gast durchaus sinnvoll.

Aber was erlebt der Suchende? Webseiten, die mindestens wochenlang schon „under construction“ sind, oder Webseiten, die als einzelne Seite irgendwo anders mit untergeschlüpft sind und nicht nur optisch aus der Frühzeit des Internets stammen, als dieses wirklich noch „Neuland“ war. Am schlimmsten sind aber die Seiten, die zumindest noch so wirken, als ob sie halbwegs aktuell sind. Okay, fehlende bzw. nicht befüllte Unterseiten hätten mich stutzig machen können, aber dann ein Reservierung per Webformular anbieten und nicht drauf reagieren, weil vermutlich die Benachrichtungs-E-Mail irgendwo versandet ist.

Nun mag d/ie/er eine oder andere Gastwirt/in meinen, dass sich sowas wie eine Webseite nicht lohnt, darüber generiert man keine Gäste. Der Laden läuft auch ohne. Dann mag das so sein, und wenn die Stammkundschaft oder die Leute per Mundpropaganda ausreichen, um den Laden zu füllen, dann Glückwunsch. Aber mit den Webseiten, die man manchmal recht lieblos gepflegt findet, lockt man auch keine neuen Gäste, die sich vorher informieren wollen, was sie erwartet, in den Laden. Und wer keine Reservierung per Formular/E-Mail anbieten kann/will, der soll das auch auf die Webseite schreiben und nicht doch dort anbieten, dann aber nicht beachten, wenn da die ersten Tage nach Einrichtung nix passiert.

Gerade in einer Zeit, wo es vielen gastronomischen Einrichtungen offensichtlich recht gut geht (ich schließe es daraus, dass es sich als immer sinnvoller erweist, vorher reserviert zu haben, wenn man irgendwo hin will, und Gäste ohne Reservierung aus Platzmangel abgewiesen werden), ist es wichtig, potenzielle Besucher/innen ausreichend zu informieren, um eine qualifizierte Auswahl möglich zu machen. Eine schnelle Reservierung via Internet ist dabei doch ein schöner Service, auch wenn es zur Zeit noch nicht so viele sind, die das nutzen werden. Aber gerade dann ist es wichtig, die vereinzelt eintrudelnden E-Mails zu bemerken, um zeitnah reagieren zu können.

Firmen, die einem dabei helfen, ein schönes, einfaches System für die Webseite ins Netz zu stellen, gibt es einige. Wer selber ambitioniert ist, kann es auch selber mit WordPress oder anderen CMS versuchen. Zur Not kann man sich auch irgendwo untermieten, muss dann aber sehen, wie lange der Hauptmieter noch aktiv ist und das System noch gepflegt  wird.

Immerhin: Wenn, dann lieber gar keine Webseite als eine schlechte Webseite. Und wer so ein Rudiment im Netz zu stehen hat, sollte es lieber rausnehmen, als Gäste zu frustrieren.

P.S.: Das ganze gilt übrigens auch für Facebook-Seiten. Da warte ich auch noch auf die Bestätigung für eine Reservierung zu einem Geburtstag von vor ein paar Jahren …