Welsfilet „au four“ (22.09.2019)

Auf Wunsch einer einzelnen Dame ging’s heute noch mal Fisch essen. Sie hatte schon einiges von der Gaststätte gehört, war selber aber noch nie da gewesen. Das stellte sich bei einer der letzten Familienfeierlichkeiten heraus, und so wurde entschieden: beim nächsten Mal kommste mit; und das war eben heute. Spannendes Detail am Rande: Die Dame isst keinen Fisch …

Mein Essen brachte dem geneigten Auge fast nur Gelbtöne, wenn nicht ein wenig Grünzeug mit dabei gewesen wäre: vom kräftigen Gelb der Zitrone (kam wieder in die Cola) über das pastellnere Gelb der Stampfkartoffeln (übrigens sehr lecker!!!) und das Braun der Röstzwiebeln zum weißgelb des Käses, mit dem der Fisch und das darauf befindliche Ragout fin überbacken war. Letzteres war übrigens kein 08/15-Zeug aus dem 5-l-Eimer, sondern es bestand „fleischlich“ ebenfalls aus Wels, genau wie das Fischfilet unten drunter. Das Wels-Ragout-fin kann man auch vorspeislich bestellen und dann pur genießen.

Neben den bereits gelobten Kartoffeln war auch der Rest wunderbar zubereitet. Der Fisch war saftig, das Ragout fin nicht zu viel und nicht zu wenig, der Käse sozusagen auf den Punkt. Wenn es denn was zu meckern gab, dann, dass die Stiele vom Babymangold zu lang waren und alles weit über der Gabel Begrenzung hinausragte und damit kaum zu händeln war. Jammern auf sehr hohem Niveau. ;-)

Fleischspieß ohne Zentralgräte (30.07.2019)

Der Fleischerimbiss offerierte tagesgerichtlich heute Fleischspieß in Zigeunersoße und da ich das noch nicht hatte, die Kollegen aber auch was von dem Stand mitgebracht haben wollten, griff ich zu und kam ohne Spieß in der lockeren Mittagsrunde an.

Normalerweise bin ich ja ein Verfechter der exakten Verwendung von Eigennamen und Begriffen auch im kulinarischen Bereich. Warum der Fleischspieß nicht Schaschlik hieß, erschloss sich mir nicht so ganz. Wahrscheinlich sollte ich mir mal die Schaschlik-Definition zu Gemüte führen.

Am offenbar fehlenden Spieß, also dem zentrierenden Holzstab, sollte es aber nicht liegen. Der wurde durch die Verkaufskraft fachgerecht entfernt, weil er nicht in die Packung passte.

Über die beigelegten Bratkartoffeln verlieren wir mal kein Wort. Aber das wusste ich vorher.

Kein griechisches Gazpacho (26.07.2019)

Heute habe mal – hitzebedingt – richtig aufwendig gekocht. Aber so richtig! Mit allem Pi-Pa-Poh.

Auch wenn es gar nicht so aussieht. Aber das hat man ja manchmal, da reißt man sich in der Küche fast ein Bein aus und dann kommt das auf dem Teller – oder wie hier in einer kleinen Schüssel – nicht wirklich rüber. Zumindest optisch nicht. Kulinarisch gesehen ist da viel Leckerness auf dem Bild.

Nunja, zugegeben. Gaaanz so aufwendig war’s dann doch nicht. Ich hatte noch Soße von neulich übrig, die stand gut gekühlt im Kühlschrank. Daneben stand ein Becher Joghurt, den ich flugs, aber vorsichtig einrührte. Also Teile davon. Soße 3, Joghurt 1. Kräuter oben drauf, fertig. ;-)

Typischer Fall von „Gute Grundzutaten, wenig Arbeit“.

Deja vü

Leber mit Stampfkartoffeln und Zwiebeln und Apfel hatte ich zwar diese Woche schon mal (oder letzte, wie man’s nimmt), auch wenn es diesmal völlig anders aussieht.

Da ich heute etwas später aß, ließ die Temperatur etwas zu wünschen übrig, es war aber am Anfang der Verspeisung noch angenehm. Die Leber lag dabei natürlich etwas zu lange warm, was einer Auf-den-Punkt-Garung systembedingt widersprach. Diese Rahmenbedingungen berücksichtigt, war sie eigentlich erstaunlich gut.

Erstaunlich gut ist auch die Beurteilung der Stampfkartoffeln, die im Unterschied zu anderen Lieferanten oder Kantinen aus richtigen Kartoffeln hergestellt war und nicht aus Flocken.

Im großen und ganzen widerspricht die Optik dem Genusserlebnis, letzteres war besser, als es nach dem Bild zu vermuten wäre.

Apropos Bild. Da es heute auch noch eine rohkostige Beilage gab, kann ich ein gestern erwähnte Eigenheit auch optisch nachreichen.

Möhrenrohkost mit Mandarine.

Spaghetti tonnonara

Tunfisch gehört nicht zu meinen Lieblingsspeisen. Da liegt es in der ähnlichen Kategorie wie Mais. Wobei ich vom Mais eigentlich jede mir bekannte Verarbeitungsform esse, nur nicht die gelben Körner. Beim Tunfisch ist es ähnlich, nur anders. Frischen (also wirklich frischen – Sushi-Qualität) habe ich sogar schon mal roh gegessen. Frisch aus der Pfanne mit rohem Kern auch schon. Beides esse ich sicher mal wieder. Tunfischsalat – richtig zubereitet – ist auch lecker. Womit man mich aber jagen kann, ist Dosentunfisch, auch, wenn er aus dem Glas kommt.

Dosentunfisch gibt es in zwei Sorten (wenn man mal die ganzen unterschiedlichen Qualitäten abstrahiert): in Wasser/Saft eingelegte und die in Öl. Hier wollen wir mal nur die in Öl eingelegten betrachten, die sich auch wieder unterteilen: Olivenöl und andere Öle. Und da es sowohl Tunfisch als auch Olivenöl in unterschiedlichsten Qualitäten gibt, gibt es dies auch bei den Dosenfischen. Feinschmecker und gute Köche habe ich schon davon schwärmen gehört, dass sie in ihren Speisekammern Tunfischdosen nach Jahrgang sortiert eingelagert haben. Je mehr das Olivenöl in den Fisch einzieht, desto leckerer wird er. Den Langzeittest habe ich vor einiger Zeit auch schon mal gemacht. Tunfisch in Olivenöl hinten im Schrank versteckt und kurz nach Ablauf des MHD probiert. Die Dose lag mehrere Jahre in meinem Schrank. Das Ergebnis: s.o. Was ich aber sehr erstaunlich finde: Gibt man etwas Remoulade dazu und mischt das gut durch, wird es richtig lecker. Weitere Zutaten verbessern noch das Ergebnis.

Nun ist Remouladensoße auch eher der große Holzhammer, was eine Geschmacksverbesserung betrifft. Was schmeckt nicht besser, wenn man ein wenig Remouladensoße darauf gibt? Erdbeerbaisers vielleicht. Aber jede Art von herzhaftem Sandwich wird doch mit so einem Klecks Remoulade verfeinert. Das folgende Rezept kommt trotzdem ohne aus, obwohl einige Bestandteile der Soße auch hier vorkommen.

Viel mehr braucht man für ein leckeres Mittag nicht. Wobei ich noch ein zweites Ei und noch ein weiteres Zwiebelchen verarbeitet habe. Es könnte auch ein recht preiswertes Essen sein, wenn der Tunfisch im Glas nicht knapp 10 € gekostet hätte.

Wer dem Rezept folgt, wird feststellen, dass es bei einem häufig missbrauchten Klassiker geklaut wurde. Der wesentliche Unterschied liegt im Tunfisch, der im Original ein Guanciale – luftgetrocknete Schweinebacke ist. Der Unterschied ist aber so gravierend (auch in der Zubereitung – Tunfisch ist nunmal keine Schweinebacke), dass ich für dieses Gericht niemals den Originalnamen missbrauchen würde. Ich bin ja auch kein Sahnepanscher. ;-) Ein paar andere „Fehler“ sind auch noch drin. Deswegen „Spaghetti tonnonara“.

Während im Nudeltopf das Wasser langsam heiß wird, verquirle ich zwei Eier (die ganzen, ohne Schale) miteinander und würze das ganze schon mal mit Pfeffer.

Dann wird eine ordentliche Portion Parmesan gerieben. Die Menge, die ihr hier seht, habe ich anschließend nochmal dazu gegeben und alles glatt gerührt.

Nach dem Salz kommen die Spaghetti ins kochende Wasser.

Dies ist auch der Zeitpunkt, wo ein wenig die Konzentration steigt. Während man normalerweise sagt: „Die Soße wartet auf die Pasta.“ ist das bei dieser (wie auch bei der originalen Vorlage) eine Timingfrage. Da die eigentliche Soße erst mit den Spaghetti entsteht, ist hier alles ein wenig komplizierter.

Wenn die Spaghetti im Topf sind, ist es Zeit, die Pfanne anzuheizen. Als Fett habe ich das Öl aus dem Tunfischglas genommen. Mehr Aroma geht nicht. Sollte zu wenig Öl drin sein, kann man noch mit etwas Olivenöl nachhelfen. Der Fisch sollte noch nicht mit rein und wird auch wieder rausgefischt. Der ist trocken genug, der muss nicht mitbraten.

Ins Öl kommen die klein gewürfelten Zwiebeln. Sie sollten glasig werden, aber nicht vordergründig bräunen. Wenns doch passiert, ist es aber auch nicht soooo schlimm. Sanfte Hitze ist angesagt. Die Zwiebeln sollten so weit sein, wenn die Spaghetti al dente sind.

Diese Pinzetten sind schon praktisch. Man kann auch mal einen Spaghetto aus der Menge herausfischen, um zu sehen, wie weit er ist …

Apropos: Die Zwiebeln sind soweit, die Spaghetti auch, jetzt muss zügig gearbeitet werden.

Zuerst den Tunfisch in die Pfanne, der soll eigentlich nur warm werden. Dabei wird er ein wenig zerrissen.

Alles wird schön mit den Zwiebeln gemischt.

Schon kommen die Spaghetti aus dem Topf direkt in die Pfanne. NICHT(!) abtropfen lassen. Das kann ruhig in die Pfanne kleckern. Zur Not gibt man noch einen Schuss Kochwasser extra mit in die Pfanne.

Das Nudelkochwasser ist wichtig. Aber man sollte auch nicht übertreiben. Ich habe ca. eine kleine Tasse voll mit in die Pfanne gegeben.

Dann kommt die Parmesan-Ei-Masse über die Spaghetti und alles muss sofort durchgerührt werden …

… bis die Soße bindet. Wichtig ist, vorher die Hitze unter der Pfanne abzuschalten, sonst könnte es Rührei geben.

Und schon ist das Essen auch schon fertig. Wenn ich mir die Aufnahmedaten der Bilder ansehe, stelle ich fest, dass zwischen dem ersten und dem letzten Bild keine 30 Minuten waren. Das kommt aber durchaus auch durch das Fotografieren selbst. Letztendlich ging das Gericht auch wieder so schnell zuzubereiten, wie das Spaghetti-Kochen dauert inkl. des Aufkochen des kalten Wassers.