Zwischendurch ein Käffchen

Natürlich sollte ich sowas nicht trinken – spätestens der Zuckergehalt ist für einen ehrlichen Genuss viel zu hoch, aber ich mag sie trotzdem, die kalten Milchkaffeegetränke, die eigentlich alle Discounter und Supermärkte in einer großen Vielfalt anbieten. Große Vielfalt? Naja, nicht wirklich. Sie war schon mal größer. “Espresso Macchiatto”, “Latte Macchiato” (auch in weniger süß oder Karamell oder Vanilla), “Cappucino”, “Intenso”, “Zero” – gab es mal in einem Discounter in Hausmarke. Die beiden letzten scheinen verschwunden (die mochte ich mit am liebsten), Karamell und Vanilla sind sowieso nur Aktionssorten. Der “Latte macchiatto weniger süß” hat immer noch mehr Zucker drin als der “Espresso Macchiatto” und ist mir genau wie der “Cappuccino” zu süß. Und wenn man nachmittags gern mal was selbst bereitetes zu sich nimmt, merkt man schnell, dass die Namen auf den Verpackungen doch mehr Wunschdenken als Wirklichkeit sind.

Aber morgens, in der Phase zwischen “noch nicht ganz wach” und “huch, ich muss los” ist so was trinkfertiges schon praktisch. Und spätestens, wenn man immer mal woanders einkauft, bekommt man auch noch etwas Vielfalt … Nein. Die Hausmarken von Netto (mit und ohne Hund), Lidl, REWE, Aldi & Co. kommen alle aus der gleichen Molkerei. Und die echten Marken, die man in einigen Häusern findet, schmecken nicht, da sie im Ggs. zu den Hausmarken mit Aromastoffen und anderen Mittelchen arbeiten. Erstaunlich, aber wahr: die preiswerteren Hausmarken sind besser als die echten Marken.

Aber warum schreibe ich das alles? Beim Wochenendeinkauf entdeckte ich neben den gewohnten Bechern eine neue Sorte. Also rein in den Einkaufswagen damit und getestet: einen Schluck probiert, Zutatenliste gelesen, noch einen Schluck probiert. Hm. (Nicht Mmmh!). Schade um den “guten” Kaffeeextrakt. Der erlitt das gleiche Schicksal wie das Salz im Salted Caramel: Es schmeckt dadurch nicht salzig, aber anders. So auch bei dem Milchkaffee, der keiner war. Es schmeckte nach Hafer, aber nicht wie purer Haferdrink.

Das koffeinhaltige Kaffee-Getränk auf Haferdrinkbasis lie´ß vor allem den Kaffeegeschmack vermissen. Dafür schmeckte es überschwenglich nach Hafer, für den schon ein recht starker Kaffee gebrüht werden müsste, um dagegen anzukommen. Aber “gebrühter Kaffee” aus Kaffeeextrakt??? Vielleicht muss man, wenn man so viel Kaffee hineingibt, dass es auch danach schmeckt, einen ähnlichen Koffeinwarnungsaufkleber anbringen wie er auch auf Energy-Drinks gehört. Und wer morgens sein Porridge (formely knows as Haferschleim) mag, trinkt vielleicht auch dieses Getränk gern. Es schmeckte auch nicht mal nach Muckefuck (sicher der Trink-Kälte geschuldet). Dieses Aroma hatte ich seinerzeit mal bei meinen Versuchen mit Haferdrinks (Barista-Edition) für den selbst zubereiteten heißen Milchkaffee festgestellt.

Die Zutatenliste ist natürlich auch mindestens doppelt so lang wie die der Hausmarkenkaffeegetränke. Aber das liegt in der “Natur” der Sache. Fazit (geschmacklich): Kann man mal trinken, muss man aber auch nicht. Oder so viel trinken, bis einen das Haferaroma nicht mehr stört. Aber dann hat man einige Zucker-Kilos mehr drauf als vorher.

Vegetarisches aus Milch – und die Erkenntnis

Langsam komme ich wohl dahinter, wo der Fehler bei den Fleischnachahmerprodukten liegt. Also neben der blöden Idee des Nachahmens als solches. Aber der Reihe nach. Was mit einem Stich Butter in der Pfanne anfängt, kann eigentlich nichts schlechtes sein.

Butter schmelzenEtwas Rapsöl ist auch mit dabei. Es soll etwas vorsichtig und ggf. auch mit Geschmack gebraten werden. Da bietet sich Butter als Bratfett geradezu an. Und für paniertes darf es auch gern etwas mehr sein.

BratenWir sehen hier die Nachahmung eines Cordon Bleus, aber in vegetarisch, was u.a. dazu führt, dass man den Kochschinken weggelassen hat.

Ein Huhn und eine Schwein
wollen ein Bistro aufmachen.
Schwein: “Was bieten wir zu Essen an?”
Huhn: “Rührei mit Speck.”

Der Witz illustriert das Problem beim Grundkonzept. Der Käse (und es ist wirklich ein Milchprodukt) bleibt drin, der Schinken aber nicht. Außerdem besteht das drumrum (und ich meine noch nicht die Panade) im wesentlichen aus Milch. Genauer: Magermilch. Und Sonnenblumenöl. Und Weizenmehl. Das könnte fast eine Mehlschwitze sein, oder eine Bechamel. Damit es aber nicht zu soßig wird, gibt es noch etwas Struktur vom Hafer und ein paar andere konsistenzgebende Sachen.

Frisch gebratenEtwas puristisch – so ganz ohen Beilagen. Aber es soll ja auch kein vollwertiges Gericht daraus werden. Eher ein Test. Schauen wir also mal rein.

Die Optik stimmtErstaunlich, aber es deutet sich ein wenig Struktur an. Wenn man mal die fehlende Kochschinkenscheibe ignoriert, sieht es dem (industriell hergestellten) Original recht ähnlich.

Käse im FleischersatzDer Käse fließt auch ein wenig aus dem Stück. So weit, so gut. Wenn man mal das Salz in der Beschreibung ignoriert, schmeckt das ganze nach gebratener Panade, und wenn man etwas Käse mit erwischt hat, liefert der auch noch einen Beitrag. Der innere Rest ist geschmacklich nicht beteiligt. Das sonstige Mundgefühl, in das unter anderem die Konsistenz einfließt, ist mit “uninteressant” sehr wohlwollend beschrieben. Der bekannte Ernährungstipp, jeden Bissen 32 mal zu kauen, macht hier definitiv keinen Spaß.

Die Erkenntnis: Irgendwie erinnert mich das Teil an die Cordon-Bleu-Teile, die in manchen Discounterkühltruhen ihre Zeit fristen und bei denen es eigentlich egal ist, ob sie aus Hähnchen- oder aus Schweinefleisch bestehen, da dieses im Herstellungsprozess bis zur Ununterscheidbarkeit denaturiert ist. Und genau hier liegt das Problem: Offensichtlich orientieren sich die Entwickler und Hersteller der Ersatzprodukte nicht an den richtig guten Originalen, wenn sie irgendwas nachbauen, sondern an den industriellen Abarten, die auch schon nicht in einen Einkaufskorb gehören sollten. Minderwertiges Junkfood, deren charakteristisches Merkmal sich leider nicht im Preis ausdrückt.

Dabei können die gefüllten Schnitzel(chen) doch so lecker sein. Neben dem Cordon Bleu gehören ja auch die Saltimbocca (mit Schinken und Salbei, dabei nackig (ohne Panade) und aus Kalb) in diese Reihe. Oder Rouladen…

Gekochtes Hackfleisch im Vergleichstest

Nachdem im Subnetmask-Blog Hackfleisch in der heimischen Küche selbst eingeweckt wurde, ergriff ich mein Portmonee und versuchte, das Thema von der anderen Seite aufzurollen: Gekochtes und eingemachtes Hackfleisch gibt es auch im Supermarkt. Das Teste ich mal im Vergleich dagegen. Dazu bedarf es allerdings einer wichtigen Vorbemerkung: Ich mag eigentlich kein Hackfleisch.

Wobei diese Aussage in ihrer umfassenden Verallgemeinerung natürlich nicht stimmt. Es gibt bestimmte Formen von Hackfleisch, die ich ganz gern esse, aber viele eben nicht. Und es ist kein System darin. Mit einem schönen frischen Mett- bzw. Hackbrötchen kann man mich schon hinter dem Ofen vorlocken, und auch Königsberger Klobse esse ich ganz gern. In dem Zusammenhang muss ich zugeben (Und ich bin nicht stolz darauf!), dass ich schon mal eine Dose Königsberger kalt mit Genuss verzehrt habe … Die gebratene Form als Frikadelle oder Bulette ist dann aber wieder nicht so mein Ding, genau wie Hackbraten, außer, er ist recht klein, mit Weißkohlblättern umwickelt und nennt sich Kohlroulade. Dann esse ich ihn wieder gern.

Und wer jetzt denkt, dass die Grenze “mag ich” und “mag ich nicht” zwischen rohem/gekochtem und gebratenem Hack liegt, der sei enttäuscht. Meine Mutter selig briet den länglichen Klops in der Kohlroulade auch immer etwas an. Andererseits ist das Hack in Dose, Glas und Plastik auch eher gekocht als gebraten und die mag ich wieder nicht so.

Tag 1

Fangen wir beim Test mit dem plastikummantelten Hackfleisch an. Diese Version habe ich erst kürzlich erstmalig entdeckt und gleich mal mitgenommen. In den Plasteschälchen gibts auch Tee- oder Leberwurst und das Hack kommt von der gleichen Firma.

Gekochtes Hackfleisch in Aspik und PlastikDer große Vorteil der Schale: Sie lässt sich stürzen und dann liegt der Klops auf dem Brett.

Gekochtes Hackfleisch in AspikDas Gelee drumrum sieht etwas blass aus, bei den Produkten, die ich bisher aus dem Glas hatte (wir kommen weiter unten noch darauf), hatte es etwas mehr Farbe. Und was am Aussehen fehlte, fehlte auch am Geschmack. Für mich ist das Zeuch meist noch das beste am ganzen Produkt.

Gekochtes Hackfleisch in Aspik - AnschnittEin leichter Rosaton liegt über dem Fleisch, der Fettanteil ist gut zu erkennen. Ein positives neben der leichten Entnehmbarkeit hat dieses Produkt noch: Die meisten anderen hatten ein sehr ähnliches Aroma drin, von dem ich leider nicht weiß, wo es her kommt, dass aber für mich das Hauptargument fürs geschmackliche Nichtgefallen ist. Dieses Aroma fehlte hier. Das schien aber auch zum Grundkonzept in jeder Richtung zu gehören: Das Produkt schmeckte nach wenig. Im Biss war es angenehm fest, im Mundgefühl erwartet strukturiert. Schauen wir mal, was die nächsten Tage bringen.

Tag 2

Es ist Kümmel. Vermutlich ist es Kümmel. Oder Kümmel hat seinen Anteil an dem Aroma, dass ich bei gewecktem Hackfleisch nicht mag. Aber fangen wir am Anfang an.

Heute gibts Hackfleisch aus dem Glas. Das war an der Öffnung leider enger als im Körper, so dass eine Befreiung wie gestern nicht möglich gewesen ist. Gibts das Fleisch also in Tranchen.

Gekochtes Hackfleisch, pikant, im GlasDer obere Teil sieht eher grau aus, was aber relativ normal zu sein scheint. Das innere schimmerte dann auch rosa.

Ein Stück gekochtes Hackfleisch, pikant, im GlasImmerhin ist es nicht übertrieben rosa, es könnte also allein durch den perfekten Garpunkt zu dieser Farbe gekommen sein. Immerhin: Die Zutatenliste umfasst 3 Punkte. Das spricht für das Produkt. Hackfleisch, Salz, Gewürze. Letzteres ist zwar ein Sammelbegriff, aber auch der hat Grenzen, wenn er richtig angewendet wurde. Keine Pökelsalze, keine Farbstoffe, … Respekt. Die Anhaltinger Firma scheint es drauf zu haben.

Gegartes HackepeterDie Konsistenz ist etwas weicher als beim vorherigen Produkt, dafür schmeckte es nach mehr. Der sichtbare Kümmel wird seinen Anteil daran haben, aber leider ist das vermutlich genau das Aroma, dass ich an diesen Produkten nicht mag. Vermutlich ist auch noch etwas Paprika dabei.

Das AspikDas Aspik hat einen leicht orangenen Schimmer. Und schmeckt ebenfalls würziger. So stelle ich mir das vor, wenn nicht dieses Fehlaroma im Fleisch wäre. Fehlaroma im Sinne von: Aroma, dass ich nicht mag.

Morgen gibt es wieder was aus dem Glas. Da esse ich aber mindestens zwei Tage dran. Da ist dann aber noch mehr Aspik dabei. Mmmmhhhh.

Tag 3

Ein Tag, der von einigen Überraschungen geprägt war. Durchaus auch positiven. Nach dem Deckelploppen schaute ich in viel Aspik und wenig Fleisch.

Gegartes Schweinefleisch in AspikDass ich im Allgemeinen das Aspik lieber mag als das Fleisch, hatte ich schon erwähnt? Schön war auch, dass wenig Fett oben drauf rumschwamm. Das Glas war eigentlich so aufgebaut, dass man mit etwas gutem Willen vermutlich auch alles am Stück heraus bekommen hätte, ein wenig Hitze hätte vermutlich geholfen. Da es aber das größte Glas im Vergleich war, habe ich die entsprechenden Versuche unterlassen, war doch abzusehen, dass ich nicht alles mit einmal vertilgen würde.

Gegartes Schweinefleisch in AspikDer Inhalt kam grobfaseriger daher, war es ja auch schon laut Etikettenaufdruck kein Hackfleisch. Leicht rosa sah es auch aus. Und über die Zutatenliste möchte ich nicht nachdenken, es wahr wohl die längste der drei Produkte.

So naturalistisch wie gestern gehts eben nicht immer. Drei Zutaten … Ha! Auch wenn eine Sammelzutat “Gewürze” dabei war. Bei Einhaltung geltender Regularien darf man sich sicher sein, was alles nicht drin ist.

Bei diesem Glas war eine bunte Mischung der üblichen Verdächtigen enthalten. Ich muss aber auch zugeben, dass es das geschmacklich beste Produkt dieser kleinen Testreihe war. Sollte ich mich erinnern, wo ich es her hatte und sollte es dort nicht nur Angebotsware gewesen sein, könnte ich mir vorstellen, das wirklich nochmal zu kaufen. Vermutlich auch wegen der fleischähnlicherem Konsistenz, weil: Hackfleisch war es nicht wirklich. Und die “komische” Würzung, wo ich ja jetzt den Kümmel als Hauptverdächtigen ausgemacht habe, war auch nicht dominant. Haben die ganzen Inkredenzien aus der Industrieküche also doch ihr gutes. Immerhin stand eine bekannte Würstchenmarke mit auf dem Glas, so ähnlich, wie auch mal auf den Kartons einer bestimmten Staubsaugerbeutelmarke das Logo oder zumindest der Schriftzug eines bekannten Kaffeefilterherstellers stand.

Fazit

Gegartes Hackfleisch in Glas oder Dose (egal, ob Weißbleich oder Plastik) ist nicht mein Ding. Sobald es etwas gröber wird, scheint es interessanter zu werden. Geschmack bekommen die Hersteller wohl beim Hackfleisch nur über die Würzung hinein und dabei verwenden sie Aromen, die ich nicht mag. Ein vor längerer Zeit stattgefundener Selbstversuch brachte hervor, dass auch ohne über Salz und Pfeffer hinausgehende Gewürzbeimengung im Hackfleisch beim Garen im Glas kein Produkt herauskommt, dass mir schmeckt, obwohl es mehr Geschmack auswies als obige Beispiele. So bleibe ich dabei: das einzige gekochte Hackfleisch schmeckt mir als Königsberger Klops. Selbst bei Burgern würde ich ein Steakbrötchen vorziehen. Es geht aber auch nix über ein gutes Mettbrötchen. So behandele ich Hackfleisch genau entgegengesetzt wie bspw. Mais. Während ich bei dem alles verarbeitete recht gern esse außer die kleinen gelben Murmeln selbst, nehme ich beim Hackfleisch lieber nur die Urform ohne Verarbeitung.

Von der Sonneninsel macht’s Tut – Oh! (Mein Senf dazu) (aktualisiert)

Irgendwo las ich neulich, ich glaube, es war beim Nordboten, dass es den guten Tutower Senf wieder gibt. Wobei diese Aussage so verkürzt ist, dass sie falsch ist. Aber der Reihe nach. Fangen wir mit einem Horrorbild an …

Tutower Senf und Pommernsenf á la Tutow… und steigen wir in einen Vergleichstest ein, der eigentlich keiner sein kann.

Legen wir strenge Maßstäbe an, kann es diesen Test eigentlich gar nicht geben. Den neuen als “Tutower ORIGINAL” zu bezeichnen, ist aber doch etwas zu sportlich, um es nicht trotzdem zu wagen. Aber sie haben durchaus auch eine Gemeinsamkeit: Sie kommen beide nicht aus Tutow. Während der neue im Glas von Deutschlands Sonneninsel Usedeom den Weg in des Herdnerds Küche fand, ist der andere vermutlich nicht mal aus Stavenhagen (wohin die Herstellung nach dem Aus des Originalabfüllortes gewandert ist). Die letzten erhältlich gewesenen Chargen – soweit die Gerüchte – sollen wohl anderswo produziert worden sein.

Bleiben wir noch kurz bei den strengen Maßstäben und der Unvergleichbarkeit. Setzt man die MHDs ins Verhältnis und vermutet einen ähnlichen Abstand zwischen der Herstellung und Abfüllung, dann trennt die beiden ein Alter von ca. 9 Monaten. Dies spielt insofern eine Rolle, als dass Senf – lasst es mich positiv ausdrücken – weiter reift, was dazu führt, dass er mit der Zeit milder wird und nicht mehr so stark “beißt”. Als (ganz) alter Tutower-Fan hat man immer mal wieder festgestellt, dass der frisch gekaufte Senf unterschiedlich scharf war. Da kann man vor allem zu früheren Zeiten durchaus der Meinung sein, dass da die Becher manchmal etwas zu früh in den Handel kamen, weil frühere Chargen schon ausverkuft waren. Die Folge ist, dass der Schärfegrad in der Bewertung nicht als Hauptkriterium eingehen kann.

Nun aber die Deckel auf und die Löffel raus.

Tutower Senf und Pommernsenf á la TutowJaaa, ich weiß. Der Senf im orangen Becher ist schon ein paar Tage offen. Das wirkt sich auch auf den Geschmack aus. Ich werde auch das berücksichtigen.

Der erste Blick zeigt den großen Unterschied zwischen den beiden: Der neue Senf kommt gröber daher. Das wirkt sich später auch auf das Mundgefühl aus. Die feine Konsistenz des Klassikers ist schon etwas anderes. Die Zukunft wird zeigen, wie gut die körnige Variante am Würstchen hängen bleibt. Beim weich gekochten Frühstücksei dürfte sich die spürbare Senfsaat auf der Zunge aber durchaus bemerkbar machen.

Der Blick auf die Zutatenlisten zeigt große Ähnlichkeiten. “Senfkörner” vs. “Senfsaat” und “Wasser” vs. “Trinkwasser” sind vermutlich nur Unterschiede in der Bezeichnung der gleichen Zutaten. Wobei schon allein die unterschiedliche Herkunft des verwendeten Wassers geschmackliche Unterschiede begründen kann. Ehemalige “Nordbräu”-Trinker, die das Bier sowohl aus Neubrandenburger wie auch aus Lübser Zeiten kennen, wissen, was ich meine. Aus eigener Erfahrung (ich trinke ja kein Bier) könnte ich nur aus meiner Cola-Zeit die alte Erkenntnis hervorkramen, dass mir Anfang der 1990er Jahre die Stralsunder Abfüllung der rot-weißen Markencola nicht so gemundet hat wie die Berliner Abfüllung.

Und einen großen Unterschied gibt es noch: Im Pommernsenf ist Meerrettich drin. Das ist meiner Erinnerung nach eine Eigenheit, die der Klassiker nie hatte. Nicht umsonst stand auf den Etiketten der Plastebecher unter dem großen “Meerrettich” immer noch das Wort “Geschmack”, zu früherer Zeit wurde es sogar als Eigenheit der verwendeten Senfsaat verklärt. Da ich schon mal einen Senf mit zugegebenem Meerrettich eines anderen Herstellers probierte und den schrecklich fand, war ich skeptisch bzgl. der Usedomer Abfüllung.

Jetzt aber die Löffel in den Mund und kosten. Der frische Pommernsenf mit dem echten Meerrettich drin hat ordentlich Wumms, mein Nase war danach wieder frei. Da war der Tutower Senf (mittlerweile) etwas milder. Die Erinnerung ergab aber, dass die Schärfe bei frischem Tutower durchaus erwartbar war. Das Gefühl auf der Zunge war natürlich unterschiedlich. Der Klassiker ist etwas cremiger, der neue ein Hauch flüssiger mit spürbarer Senfkörnereinlage. Der Geschmack ist unter Berücksichtigung der unterschiedlich reifen Schärfe durchaus vergleichbar, wobei dem neuen etwas Abrundung im Geschmack fehlte, aber da bin ich optimistisch, dass das im Laufe der Lagerung noch etwas besser wird. Aber die Aromatik erinnert doch deutlich an das Original.

Fazit: Der Pommernsenf ist der würdige, aber edle Nachfolger für den Tutower Senf, der sicher auch ein wenig unter seinem Discounterimage litt. Als 10-l-Senfeimer für Imbissbuden wird es den neuen vermutlich nie geben, zumindest nicht zur freien Kundenverfügung; die schätzungsweise über 150 € Investition durch den Imbissbudenbetreiber will gut überlegt sein. ;-) Immerhin ist der neue Senf ca. zehnmal so teuer wie der alte. Dafür kommt er im Glas daher und hat richtigen Meerrettich als Ingredienz. Verschwenderisch damit umgehen ist also nicht. Dazu kann man dann auch mal ein gutes Würstchen vom Fleischer kaufen oder die guten Bioeier. Die Kombination damit werde ich sicher in der nächsten Zeit ausgiebig nutzen. Ein Update dieses Artikels ist also abzusehen.

Aktualisierung: Kombi mit dem Frühstücksei

Wenn er etwas milder wäre, kombinierte er sich besser mit dem wachsweich gekochten Ei. Die im Vergleich mit dem Klassiker körnigere Konsistenz bleibt natürlich spürbar, stört aber nicht. Es ist einfach nur etwas anders. Um es philosophisch zu betrachten: Es ist wie im echten Leben, alles entwickelt sich immer weiter. Das ist ein Grundgesetz. Ob die Veränderung positiv oder negativ zu bewerten ist, weiß man immer erst hinterher, aber man kann ihnen immer die Chance geben, sie gut zu finden.

Um der Hoffnung Ausdruck zu geben: Vielleicht ist er beim nächsten oder übernächsten “Sonntagsfrühstück”, dass bei mir immer sonnabends stattfindet, schon etwas milder und nicht mehr so bissig. Immerhin ist die Schärfe aber in diesem Zusammenhang gut dafür, dass sich der Senf länger hält. ;-) Man nimmt einfach weniger.

Verbotene Früchte schmecken am süßesten

Beim letzten Einkauf fiel mir eine kleine Flasche in die Hand, die zuvor meine Aufmerksamkeit im Regal des Supermarktes erregte. Es ist eine Colasorte, die ich noch nicht kannte. Nun ist Cola ein Getränk, dass mir zwei Frauen verboten haben, aber ich griff trotzdem zu, denn es wirkte wirklich interessant. Zumal zwei von den drei wesentlichen Werbeaussagen das Colaverbot aushebelten:

  • 0% Zucker
  • 0% Aspartam
  • 0% Phosphorsäure

Hinzu kam “natürliches Koffein” aus grünen Kaffeebohnen. Das Wort “Green” fand sich dann auch im Namen der Cola, sie bot aber die übliche Farbe, da hat man augenscheinlich aus der großen Pleite mit dem grünen Ketchup oder der weißen/klaren Cola gelernt … ;-)

Die Farbe ist die gleiche wie üblich, der Zucker wurde durch eine Mischung aus Steviolglycaside und Sucralose, mit allen Folgen. Die positive: Die Cola hat kaum Kalorien: 0,6 kcal/100ml gegenüber 42/43 der beiden üblichen großen Marken. Die negative: Die Süßstoffe sind hemmungslos überdosiert, selbst im kalten Zustand ist die Cola ekelhaft süß. Hinzu kommt das Fehlaroma durch die Steviasüße. Da nutzen auch die Wein- und Apfelsäuren nichts, die die Stellvertretung für die Phosphorsäure angetreten haben, da sie völlig untergehen.

Vor einiger Zeit hatte ich mal eine Cola getrunken, die zwar Zucker im üblichen Maße aber keine Phosphorsäure enthielt. Die war anders und vermutlich grüner, auch wenn die Packung eher rot und blau war. Aber das grüne Image – wenn man sich die Webseite ansieht – soll eine gewisse “Natürlichkeit” durch die überhaupt nicht künstliche Stevia-Süße widerspiegeln und unterschlägt relativ konsequent den zweiten Süßstoff. Beide Colas haben gemeinsam, dass sie nicht wie einer der Klassiker schmecken; was die rot/blaue durch vielfältige Zitrusaromen durchaus noch interessant macht, lässt die grüne durch übertriebene Süße und kaum sonstigen Geschmack wieder in die Versenkung verschwinden. Ich trinke kein Image, ich trinke Cola. Wenn ich mich aus den Regularien für meine Ernährung rausschummle. Und nur, weil da grün drauf steht (bzw. “green”), macht es das Getränk nicht besser.

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