28 Dimensionen

Jeder hat irgendwo eine Schwachstelle, oder auch zwei. Oder drei. Eine meiner kleinen Verlockungen, denen ich schlecht widerstehen kann, ist die Kombination aus Würstchen und Käse. Das gute für Cholesterinspiegel und Gewicht ist, dass es Käsewürstchen in guter Qualität nicht zu geben scheint. Ich suche nicht aktiv nach ihnen, aber was mit bisher so in Reichweite gekommen ist, enttäuschte doch im wesentlichen.

Bockwurst mit Käse, Wiener mit Käse, Knacker/Mettenden mit Käse, Cabanossi mit Käse, alles das habe ich schon probiert und wurde doch meist immer wieder enttäuscht, spätestens beim Blick auf die Zutatenliste. Eine der mich in dem Zusammenhang anspringenden Fragen: Kann man keine Käsewürstchen herstellen, in denen auch Käse drin ist und kein Schmelzkäse? Sicher, letzterer lässt sich einfacher verarbeiten. Aber ich möchte mal richtigen Käse (und auch keinen Analogkäse) im Würstl.

Dieser Tage erwarb ich einen etwas untypischen Vertreter der Käsewürstchenpopulation: Diesmal war der Käse nicht in Tropfenform enthalten, sondern Fleischbrät und Schmelzkäsestrom umwanden sich spiralförmig. Das spricht für einen erhöhten Käseanteil (immerhin 24% Schmelzkäseanteil im Gesamtprodukt), aber eben auch wieder nur Schmelzkäse. Mich stört meistens schon die Konsistenz.

Ein kleines Quiz für zwischendurch: Welche der drei folgenden Zutaten würdest Du am wenigsten in einem Käsewürstchen erwarten: Bambusfasern, Maiseiweiß oder Kartoffelstärke?

Beim flüchtigen Durchzählen der Zutatenliste komme ich beim vorliegenden Käsewürstchen auf 28 Zutaten, wobei einige Sammelbezeichnungen wie „Gewürze“ die Zahl künstlich klein halten. Immerhin sind im Fleischbrät 95% Schweinefleisch und – Hurra! – Vitamin C als Antioxidationsmittel drin. Vielleicht helfen sie ja beim Überwinden meiner aktuellen Erkältung. 😉 Immerhin scheint das Würstchen wirklich geräuchert (und nicht nur mit Flüssigrauch besprüht) zu sein und in einem echten Saitling zu stecken. Die Bissprobe war durchaus als angenehm zu bezeichnen (kaltes Würstchen).

Auf dem Bild ist natürlich ein richtiges Stück Käse abgebildet. Und es steht daneben auch noch: „mit besonders viel Käse“. Es ist aber kein Käse, was dort gelblich durch den Saitling scheint, sondern eine nicht genauer definierte Masse, die undefinierten Käse enthält, der durch Schmelzsalze egalisiert wurde. Das nach Packungsbeilage erwärmte Würstchen zeigte dann erwartungsgemäß eher eine Füllung mit Käsesoße als Käse, vermutlich stabilisiert durch die Kartoffelstärke, die mit verarbeitet wurde (was das oben gespielte Quiz teilweise löst).

Lothar Kusche, der „Tucholsky der DDR“, hatte in einem seiner Texte (ich müsste jetzt länger suchen, um die genaue Stelle zu finden) für das Boulettenbraten empfohlen, in die Mitte des noch rohen Hackfleischklopses ein kleines Stück Käse zu geben und ihn erst dann zu braten. Nicht, dass der Klops dann explizit nach Käse schmecken würde, aber der sich auflösende Käsekern veredelt die Frikadelle auf das Köstlichste.

Kartoffelfasern sind übrigens auch noch als Verdickungsmittel enthalten. Genau wie Bambusfasern. Und das Maiseiweiß (genauer: „hydrolysiertes Pflanzeneiweiß (Mais)“) ergänzt die Cabanossi-Wurstmasse. Die Lösung des Quizzes lautet also: Alle drei Zutaten sind im Käsewürstchen enthalten. Ob sie wirklich notwendig sind, bleibt dem Hersteller überlassen. Aber das ist ja ein Grundprinzip: Je industrieller die Herstellung, desto abwegiger die Zutaten. Bratwurst habe ich ja schon mal selber hergestellt, vielleicht sollte ich mich auch mal an einer Brühwurst probieren und zeigen, dass es auch ohne Maltodextrine, Dextrose, Diphosphate, Molkepulver, Natriumcitrat, Natriumphosphat, Polyphosphat, Natrium-Carboxymethylcellulose u.a. geht.

Rückwärtskäse?

Neulich aß ich einen Backcamembert eines bayerisch-oberfränkischen Herstellers, der sein Produkt zwar unter einer Handelsmarke vertreibt, aber mutigerweise seinen Firmennamen trotzdem auf die Verpackung schreibt.

Es bewahrheitete sich mal wieder die alte Weisheit: Qualität hat ihren Preis. Das Produkt war billig. Ich weiß nicht, was sich da in der Panade befand, aber geschmacklich kann es kein Camembert gewesen sein.

Reinste Milchverschwendung. Aber immerhin kam er heiß aus dem Ofen.

Geschmacksrätsel

Gestern knabberte ich ein paar Kartoffelchips. Die ganze Zeit habe ich überlegt, welche Geschmacksrichtung ich wohl erwischt hatte. Etwas ölig-traniges war auch dabei, wie bei Discounter-Chips, war aber eine Markenware.

Irgendwann habe ich mal die Tüte ins Licht gehalten und geguckt. Da stand „Unverfälschter Genuss“ drauf. Und Olivenaroma. Und Olivenpulver. Klingt beides sehr naturalich. Mit „mit Olive“.

Dann lieber mein mediterranes Kartoffelstampf mit Oliven.

Der blaue Gordon

Zwischen Theorie und Praxis liegen bekanntlich manchmal Welten. Und so wundert einen gar nichts mehr, was so in den Supermarktregalen landet.

Eigentlich mag ich Cordon bleu ganz gern. Man faltet ein Schnitzel und legt zwischen die beiden Schichten etwas Käse und Kochschinken. Anschließend wird alles klassisch paniert und gebraten. Fertig. Selten greife ich auf fertige „Zagreb-Schnitzel“, wie sie auch genannt werden könnten, zurück. Da gibt es auch gute. Wenn auch selten.

Neulich erwischte ich das genaue Gegenteil davon: Bei dem Ding war eigentlich nichts echt. Geschredderte Hähnchenbrust als Umhüllung um Putenformfleisch und Schmelzkäse geformt. Laut dem oben verlinkten Artikel und dem darin zitierten „VG Stuttgart, Urteil vom 9. Februar 2012, Az. 4 K 2394/11“ hätte es gar nicht als Cordon Bleu bezeichnet werden dürfen. Aber ich habe es so gekauft. Am 29.12.2015.

Italien. Das Land der Kulinarik. Die mediterrane Küche, die Paste, die Pizza und die vielen anderen leckeren Gerichte. Man möchte eigentlich fast dahin ziehen, um ständig dort zu essen. Wie komme ich jetzt darauf? Das sogenannte Cordon Bleu ist dort fabriziert worden. Bäh! Pfui. Ich bin enttäuscht.

Lebenszeichen dicker Hals

Leute, glaubt keiner Werbung! Letztendlich wird Euch nur Scheiße als Bonbon verkauft. Und alte Rezeptklassiker werden nebenher auch gleich mit verunglimpft.

Billige Zutaten werden zusammengerührt, mit einem positiven Image versehen und sollen an den Mann (bzw. die Frau) gebracht werden. Darüber hinaus sollen diese hochverarbeiteten Produkte auch noch ihre natürlichen, aber dadurch eben wenig gewinnträchtigen Vorlagen verdrängen.

So gibt es unter der dem Namen einer bekannten Margarine-Marke ein Sahneersatzprodukt. Wenn mich einer fragen sollte: völlig unnötigerweise. Und dann soll laut Werbung mit dieser Nahrungssimulation auch noch ein Rezeptklassiker zubereitet werden, in den gar keine Sahne oder etwas vergleichbares gehört: Spaghetti alla Carbonara.

Das ergibt eine doppelte rote Karte: Platzverweis und Spielsperre bis dorthinaus. Und alles andere ist nur Schinken-Sahne-Soße. Produkte der Marke kommen mir nicht mehr ins Haus. Punktum.