KW15 – Verspätet, besoffen, Hamburger Hering und Karl Lauterbach

Aus Feiertagsgründen gibt es diesen Beitrag mit einem Tag Verspätung. Aber vielleicht ist der Feiertag auch nicht allein schuld daran. *hicks* Fürchte ich doch, über Ostern zur Schnapsdrossel geworden zu sein. Immerhin etwas über einer Flasche geistreichen Getränkes floss – zugegeben: mit ein wenig Genuss – meine Kehle runter, verbunden mit einem kleinen irritierenden Quiz auf Twitter, das dann hier auch aufgelöst werden soll.
Rätseldrink 1Mit diesem doch sehr schlechten Bild und der Frage “Was ist das?” fing alles an. Zugegeben, das Foto ist quasi ohne Licht entstanden und sollte in jedem Fall irritieren, was wundervoll funktionierte: Eine angebotene Lösung war Tee mit Milch. Zugegeben, die Farbe würde stimmen (zumindest, wenn ich Tee mit Milch trinke, sieht das auch so aus), allerdings nehme ich dafür eine größere Tasse. Wer sich an KW12 erinnert, der wird die Espressotasse wiedererkennen, und als solches ist da ja nicht viel drin.
Rätseldrink 2Zur allgemeinen Irritation gab es dann noch das Bild. Rechts das gleiche Getränk in einem anderen Glas, links mein selbsterstellter, gesiebträgerter Milchkaffee. Farblich durchaus ähnlich. Aber auch nur. Heiß und kalt, alkoholisiert und alkoholfrei, …
Rätseldrink 1 (a)Langsam komme ich durcheinander. Ist das noch das erste, oder schon das zweite Rätsel? Optisch doch sehr ähnlich, und die Größe ist auch wieder irritierend.
Rätseldrink 2 (a)Hier mal das gleiche im Zusammenspiel mit dem dekonstruierten Milchkaffee. Es ist eben immer wieder eine Frage, in welcher Reihenfolge Milch mit Schaum und Kaffee in den Becher kommen. Hier war erst die Milch drin und dann kam der Kaffee (genauer: der Caffe) hinzu, oben war erst der Caffe im Glas und dann kam die frisch aufgeschäumte Milch mit Schwung hinterher.
Aber was ist im kleinen Glas. BSK vs. RCC. Oben die Salzkaramell-Variante eines bekannten irischen Sahnelikörs auf Whisky-Basis, unten eine Creme Cappuccino einer bekannten Kräutermarke, bei der man froh sein kann, dass der Kräuter nicht die Basis des Sahnelikörs wurde. Salzkaramell und Cappuccino waren – wenn überhaupt – nur als Hauch spürbar, beim Cappucchino natürlich nicht der Geschmack eines formvollendet hergestellten Kaffeegetränks, sondern eher an die Aromatik dieser Zucker-Milchpulver-Instandkaffee-Mischungen erinnernd, denen man aus unerfindlichen Gründen auch den Namen “Cappuccino” gegeben hat. Beides schnabbuliert sich aber gut weg, aber einmal reicht dann vermutlich auch.
Der Ostsersonntag brachte dann eine kleine Tour ins hiesige Umland und bunte Speise auf den Teller.
Zander mit Bratkartoffeln auf PfannengemüseNeben den Bratkartoffeln findet sich ein sehr farbenfrohes Pfannengemüse auf dem Teller, nebst einem Salatbouquet und panierten gebratenen Zanderstücken. Natürlich mit Zitrone auf der Panade. Wozu macht man diese denn erst knusprig?
Meinte Rüdiger Hoffmann nicht immer: “Ich weiß gar nicht, ob Sie’s wussten, aber …” … in meiner beruflichen wie privaten Umgebung gibt es einige studierte Sozialpädagogen. Und sowas färbt manchmal auch ab. Immer dieses “erst dreimal loben, dann einmal tadeln”, wenn ich es mal sehr grob zusammenfassen darf. Naja, versuchen wir es mal und sprechen über den sehr angenehmen Service in dem Restaurant. Aufmerksam, höflich, auf die Gäste zugehend, aber nicht aufdringlich, lustig, aber nicht albern. Einfach nur gut. die Bratkartoffeln wirkten selbst gemacht, das Gemüse war schön würzig und der Feldsalat knackig, aber nicht sandig. Das Wasser war gut gekühlt, der Cappuccino lecker und aufbauend und in einer sehr schicken Tasse. Fisch und Tüfften hätten vermutlich auch Karl Lauterbach geschmeckt. Beim Zander versuchte ich ganz gegen meiner sonstigen Intuition mittels der Zitrone noch ein bisschen was zu retten, aber habt ihr schon mal Zitronenstückchen in Form zarter, saftiger Fischfilets gegessen?
Nun weiß ich, dass in dem Haus ziemlich viel selbst gemacht wird, hauptsächlich die fleischlichen Sachen. Ich hatte beim Studium der Karte an der Tür auch etwas ins Auge gefasst, dass sich dann auf der Oster-Karte im Gastraum leider nicht wiederfand. Also wich ich auf den Fisch aus, was leider doch zu sehr viel fremder Tk-Ware auf meinem Teller führte.
Brathering "Hamburger Art" mit StampfkartoffelnDer Ostermontag brachte neben viel Sonne auch einen sauren Brathering “Hamburger Art” mit Stampfkartoffeln. Letztere waren mit vorher angebratenen und dadurch gebräunten Zwiebeln etwas aufgewertet, das Ei kam mit einem metallenen Garnierring in die Pfanne und wurde bei sanfter Hitze darin gegart. Der gesäuerte Brathering ist hier Convenience aus dem Hause Albrecht, ein etwas besseres Produkt als so manches andere. Man muss es nur bekommen. Dass es gut ist, wissen offensichtlich auch andere.
So gehts jetzt gut gesättigt und etwas feiertagsentspannt in die kurze Arbeitswoche. Mal sehen, was die so bringt.

KW10 – Unerhört, unvernünftig, aber gut

Wobei “unerhört” als Empörungswort gemeint ist. Von bestimmten Wochenendaktivitäten hoffe ich mal, dass sie erhört bzw. gehört worden sind. Aber das gehört nicht hierher. Es war ein arbeitsreiches Wochenende,  das wenig Platz für große Kulinarik bot. Wobei das auch wieder nicht stimmt. Ich verheddere mich da gerade gedanklich.
KrokusseNein, ich steige nicht in die Safranproduktion ein. Obwohl …
KrokusseAuch wenn sie eine gewisse Ähnlichkeit mit den Krokussen haben, die man gemeinhin als Quellen für Safran anerkennt, standen die hier abgebildeten eher “nur” schick in der Gegend rum. Die rechts im Hintergrund auf dem unteren Bild unscharf zu sehenden sind übrigens die auf die obigen Bild. Beides hat mit meiner Samstagstätigkeit zu tun, aber eher nur geografisch, da besagte Beschäftigung vermutlich so ca. 50-100 m neben diesen Krokussen stattfand. Und da dies alles auch in die davorliegenden Wochentage ausstrahlte, habe ich die Idee für eine kleine kulinarische Frechheit auf die kommende Woche verschoben …
Der Sonntagmittag brachte klassisches, mit einem kleinen Touch Finesse. Aber erstmal etwas leichtes, kleines vorneweg.
Doppelte Kraftbrühe mit Gemüse und EierstichIrgendwie war mir nach einem kleinen warmen Süppchen. Das ist eine klassische Doppelte Kraftbrühe, allerdings aus Wild. Mit wildem Wurzelwerk und wildem Eierstich. 😉 Sieht gut aus, schmeckt gut, tut gut. Und bereitet einen auf das kommende vor. Und das es dieser Vorbereitung  bedurfte, hatte ich nicht mal geahnt.
Roulade mit Himbeerrotkohl und KarftoffelstampfWeil es irgendwie am Größenvergleich fehlt. Die Stampfkartoffeln waren übrigens mit einem Eiskugeldingens portioniert …
Roulade mit Himbeerrotkohl und KarftoffelstampfWorauf ich hinaus will: Die Roulade war riesig. Vermutlich, weil es auch die letzte war, die sie noch hatten – wie ich später mitbekam. Die “normalgroßen” sind wohl eher verkauft worden. Wenn ich die Gästinnen betrachte (so im Nachhinein), die sich auch für die Roulade interessiert hatten, und diese eine “Damenportion” bestellt hätten, hätte man diese Roulade gut teilen können und es wäre für beide eine ausreichende Portion gewesen.
Aber lecker war sie. Auch der Rotkohl, mal nicht mit Äpfeln, sondern mit Himbeeren, war auch sehr schön. Vom Kartoffelpüree und der Soße ganz zu schweigen. Wenngleich … ein wenig Jammern auf hohem Niveau muss aber doch sein. Eine langsamere Garung der Roulade hätte ihr vermutlich gut getan. Aber gut, dass hinreichend viel Soße auf dem Teller war, so war es dann doch gut. Die Roulade war übrigens klassisch gefüllt. Ob jetzt die Zwiebeln, der Speck und die Gurke bio waren, kann ich nicht sagen, das Fleisch war es nach Auskunft des Service aber. Und auch noch regional. Ich habe mal auf der (Land-)Karte nachgemessen. Zwischen diesem Teller und dem Stall liegen Luftlinie ca. 6-7 km. Das muss auch erstmal jemand nachmachen. Dazu Gemüse der Saison. Was will man mehr?! Naja, insgesamt vielleicht etwas weniger … Aber kann es Gutes zu viel geben?

KW4 – Hans’ Neue und DIY

Die Bonner Riegels haben die Welt mit einem neuen Nachwerk versorgt, dass von großen Ambitionen in Richtung Nachhaltigkeit spricht. Immerhin haben sie die Pressformen für die Cola-Flaschen-Vorlagen jetzt für ein weiteres Produkt genutzt. Statt des ungesunden Softdrinks nahm man sich hier ein anderen Flaschenprodukt zum Vorbild: Kakao, vermutlich auf Sojadrink-Basis. Neumodisches Zeuch also. Der süße Süßschaumträger kommt in zwei Farben daher und enthält immerhin 0,9% entöltes Kakaopulver. Da braucht man sich nicht wundern, dass die kleinen Gemeinheiten mal wieder etwas überaromatisiert schmecken. Eine typische Aktionsware: Produziert, damit es interessierte Kunden einmal zum Ausprobieren kaufen und dann wieder in der Versenkung verschwinden lassen.

Kommt ein Reh mit Fellproblemen zum Hausarzt. Wohin wird es überwiesen?
In eine Reha(ar)klinik.

Der Witz stellt eine Überleitung zum eigentlich wichtigen dar, dem heutigen Sonntagsessen. Da Vattern zur Zeit in einer Rehaklinik weilt, die ein strenges Corona-Management fährt, gibt es dort weder ein Rein noch ein Raus. Er ist dort also gut versorgt (es gab wohl sowas wie eine griechische Roulade/Boulette – also sowas mit Feta-Füllung – heute). Als er es mir erzählte, hatte ich den Eindruck: Begeisterung klingt anders. 😉
Damit war ich auf selbstständige Möglichkeiten zurückgeworfen. Ich überlegte im Vorfeld bereits auf Burgerbraterei oder Pizzaservice, aber dann habe ich mich doch anders entschieden.
Gebratenes Welsfilet an Rosenkohl und Kartoffelbrei mit RöstzwiebelnIn Anlehnung an andere Bratfisch-mit-Stampfkartoffel-Gerichte der jüngsten Vergangenheit ließ ich zwei Welsfilets nach Packungsaufdruck auftauen (genauer: antauen), putzte eine handvoll Rosenkohl und schälte ein paar Kartoffeln, die dann auch noch gewürfelt wurden.
Der Rosenkohl wurde in wenig Wasser mit Salz und Kümmel al dente blanchiert und dann beiseite gestellt. In einem Topf wurde in reichlich Butter eine gewürfelte Zwiebel angeschwitzt und leicht angebräunt. In der Mikrowelle garten unterdessen die Kartoffelwürfel und das gesalzene und gepfefferte Welsfilet briet in der Pfanne. Als ich den Fisch, gut angebräunt, einmal umdrehte, kamen noch die Rosenköhler mit in die Pfanne. Die Zwiebeln in der Butter wurden mit etwas Milch abgelöscht und die gegarten Kartoffelwürfel dazu gegeben und gestampft. Mit weiterer Milch erhielten sie die perfekte Konsistenz.
Gebratenes Welsfilet an Rosenkohl und Kartoffelbrei mit RöstzwiebelnEin wenig fehlte der kleine Klecks Krautsalat, aber man kann nicht alles haben. Vielleicht denke ich am kommenden Sonntag daran, mir welchen zu kaufen.

KW 48 – Arbeitsteilung

Soße ist wichtig. Gerade auch bei Schmorgerichten. Un das Wetter ist zur Zeit was für Schmorgerichte, man muss sie ja nicht unbedingt selbst machen (wobei die dann doch meist ein μ besser sind als das, was man anderswo bekommt). Aber manches möchte man auch gar nicht selbst zubereiten. Rinderbacke zum Beispiel. Oder Portweinsoße. Oder gekochte Möhren. Würde ich mir nicht selbst zubereiten.
Warum würde ich mir nie gekochte Möhren selbst zubereiten? Die Antwort ist einfach: Ich unterteile Essen in mehrere Kategorien:

  • Ess’ ich nicht.
  • Ess’ ich, aber gibts auch was anderes?
  • Ess’ ich, mach ich mir auch selbst.
  • Ess’ ich, mach ich mir aber nicht selbst.

In die letzte Kategorie fallen gekochte Möhren. Nicht so schlimm wie Mais, aber selbst kochen würde ich es mir auch nicht.
Rinderbäckchen, glasierte Möhrchen und Kräuterstampf
Dafür sind beim Essen aber ganz schön viele Möhren auf dem Teller. Ich hatte wohl nicht ganz richtig auf die Karte geschaut. Kann man nix machen. Aber sie waren ganz gut, nicht verkocht, teilweise sogar noch al dente (rohe Möhren mag ich sehr, aber auch nur im Stück). Die Portweinsoße war sehr aromatisch, das Kartoffelpüree vielleicht ein kleines bisschen wässrig, aber trotzdem wohlschmeckend und die Bäckchen zart, wie es sich gehört. Was will man mehr?!
Zumal es wohl nicht so einfach war, eine gastliche Stätte für diesen Sonntag zu finden. Vattern (im Allgemeinen für die Reservierung zuständig) hat wohl mehrere Orte probiert aber nur andauernde Freizeichen in den Leitungen zu hören bekommen. Schauen wir mal, wie das am kommenden Sonntag ausgeht. Ich besorg’ schon mal die Testtermine, damit es da auch wieder recht reibungslos läuft.

KW 44 – We are back(en)

Schön, dass wir heute wieder unterwegs waren, um zu Mittag zu speisen. Und es hat sich gelohnt. Nicht, dass wir uns auch selbst köstlich versorgen könnten. Aber die Profis haben dann doch etwas mehr drauf. Und die Speisekarte zeigte auch noch ein paar Sachen, die man gar nicht alle auf einmal essen könnte. So sind wir für kommenden Sonntag wieder beim gleichen Restaurant zum Essen angemeldet.
Ochsenbacke mit Karfoffel-Sellerie-Stampf, Gemüse und PilzenZart geschmorte Ochsenbäckchen, genauer gesagt die Tranchen davon mit einer köstlichen, separat servierten Soße, kleine Wildpilze, ein Klecks Kartoffel-Sellerie-Stampf und ich schwebe im kulinarischen 7. Himmel. Das schöne daran ist, dass – auch wenn es nicht so aussieht – die Ernährungsrichtlinien eingehalten werden. Zumindest besser, als in vielen, vielen anderen Gerichten, die auf den ersten Blick ähnlich aussehen. Auf dem Teller verbirgt sich ein großer Anteil glasierten Wurzelgemüses. So muss das!
Und glasiertes GemüseDer kleine Trick mit dem Tranchieren. Es war “nur” eine Ochsenbacke auf dem Teller, das aber in drei völlig ausreichenden Scheiben, und darunter dann eine ganze Menge an leckerem Würzelgemüse.
Das Gericht hatte nur einen Makel: So viel Soße, aber kein Löffel dabei … 😉

KW38 – Wahlen, Inneres, Überhang

Einige meinen, die Woche fängt mit Sonntag an, spätestens Montag ist es dann aber soweit. Mein kulinarisches Wochenstarthighlight hat seine Anregung aber noch vom Sonntag, insofern schließt die letzte Woche den dieswöchigen Montag mal mit ein.
Tomatensalat
Schöne Tomaten, einfach nur klein geschnitten, dazu gehackte Zwiebel sowie etwas Salz, Pfeffer und Zeit – mehr braucht es eigentlich nicht für einen leckeren Salat. Natürlich darf’s auch etwas mehr sein: wenig Zucker, ein Spritzer Balsamico, etwas Olivenöl und ein frischer Mozzarella werten etwas auf, inkl. der Würfelung der Kugel, die 3D-Version der Quadratur des Kreises. In kulinarisch.
Tomatensalat, Brötchen.Hier zeigt sich mal wieder: Gerade bei einfachen Gerichten kommt es sehr auf die Qualität der Zutaten an. Das galt übrigens auch für’s Sonntagsgericht, wo die Idee mit dem Tomatensalat her kam.
Kartoffelstampf, Geflügelleber, Zwiebel, Apfel, TomatensalatSaftige Geflügelleber, tolles Kartoffelstampf und … ein wunderschöner Ausblick.
Krüseliner SeeAuch andere Gegenden haben schöne Seen, an denen man gut speisen kann. Nach der Pleite vom letzten Sonntag eine sehr angenehme Abwechslung.
Käffchen in der Krüseliner SeeschänkeUnd ein lecker Käffchen gab es auch. Es lohnt dann doch manchmal, über den Tellerrand zu schauen. Die Terrasse, auf der ich da saß, war zwar noch im Mecklenburgischen, das gegenüberliegende Seeufer (s.o.) ist schon Brandenburg. Es ist der perfekte Ausflugsort für Radler und Wassersportler, eine Gesellschaft mit Pferdeanhänger war diesmal auch mit dabei. Für Pkws stellen die beiden Zufahrtswege eine kleine Herausforderung dar, der brandenburgische etwas mehr, der mecklenburgische etwas weniger, aber doch auch.

Manchmal kommt einiges zusammen – Wild gegessen und gejammert, auf hohem Niveau

Da hat sich heute mal eine Situation ergeben, persönliches Interesse traf auf interesante Angebote und im Hinterkopf ein Austausch über’s Thema. So ergriff ich die Chance und aß Leber zum Mittag. Nicht das erste mal am aufgesuchten Orte, aber das letzte ist schon etwas her, irgendwas war da …
Wildleber, Röstzwiebeln, KräuterstampfDrei große Stücken Wildleber, vermutlich Wirdschwein, könnte aber auch Damwild gewesein sein. Dazu etwas leckerste Soße, Kräuterstampfkartoffeln und Röstzwiebeln. Und ein Petersiliendreiblatt. Meine Vitamin B12-Speicher sind wieder aufgefüllt und sehr angenehm wars auch. Und schön zubereitet.
saftige WildleberDie Leber war sehr schön saftig und zart und wenn der JaBB nicht so weit im Süddeutschen wohnhaft wäre, ich hätte ihn einladen können, dass er mal was richtig tolles aus Innereien probieren könnte. 😉
Bei der Vorspeise zeigte sich leider, dass in der langen Auszeit doch noch ein paar Fertigkeiten einschlafen waren.
Wildcarpaccio, versteckt unter RaukeWas sich hier wie ein Salatteller geriert, ist ein leicht übersäuertes Wildcarpaccio, bei dessen Vinaigrette ein bisschen weniger Essig mehr gewesen wäre. Der feine Geschmack des sowieso nur hauchfeinen Fleisches ging da leider völlig unter. Und bei meiner “Vorliebe” für Rauke hätte davon auch etwas weniger dabei sein können, aber das kann man ja keinem vorwerfen. Wenn ich öfters da wäre, was sich kulinarisch lohnen würde, dann hätte es sicher weniger geben, aber nur wegen des Carpaccios 40 km fahren, da stimmen dann doch auch Aufwand, Nutzen und Ökologie nicht. 😉
Am nächsten Sonntag freue ich mich schon auf roten Fisch. Und es ist kein Seelachersatzsimulation.

Herrentagsessen – nur für Herta

Wenn man mal ein paar Klischees bedienen möchte, dann kann man am Ende eines Herrentages schon mal komisch gucken. Und da ist man sich manchmal nicht sicher, ob man in einen Spiegel oder auf einen Teller guckt.
Stampfkartoffeln, SpiegeleiIch glaube, ich habe da was im Auge … 😉
Stampfkartoffeln und Spiegelei. Natürlich ein Trivialgericht, aber weil in anderen Blogs auch die letzte Zeit ein paar Portionen Kartoffelstampf erkocht wurden, hier meine Variante, ohne viel Hexenzeug, aber einiges sollte schon beachtet werden.
Punkt 1: Vor dem Garen habe ich die Kartoffeln geschält und gewürfelt. Es waren übrigens mehlig kochende Kartoffeln. Dann wirds am Ende schön schlotzig.
Punkt 2: Die Kartoffelstücke habe ich gedämpft. Für ein paar Euros gibt es solche Dampfeinsätze für Töpfe, die sich auf unerschiedliche Durchmesser anpassen. Man kann aber auch den Dämpfeinsatz des Thermomixes oder ein Sieb in einem Kochtopf nehmen. Das treibt man solange, bis die Kartoffeln gar sind.
Punkt 3: Stampfen. Aber nicht zu doll. Ich habe einen Becher Schlagsahne eingearbeitet (auf 3 große – nicht backkartoffelgroße – Kartoffeln).
Punkt 4: Salz, Pfeffer, Muskat, ich hatte auch noch ein eine angeschwitzte Schalotte gedacht. Und: Kurkuma. Aber vorsichtig. Gibt den Kartoffeln eine schöne Farbe, wenn sie etwas blass (auch durch die Sahne) daherkommen. Und etwas Tk-Grün (Petersilie, Schnittlauch, …)
Punkt 5: Beim Einrühren der Gewürze: Effektiv, aber nicht zu intensiv. Ansonsten bekommen man schnell auch etwas schleimiges, auch ohne Pürierstab.
Stampfkartoffeln, SpiegeleiFür die Spiegeleier ist eine Antihaftpfanne schon eine tolle Erfindung, vor allem, wenn man sie sanft garen möchte, da man die angebratenen Stellen minimieren möchte. Sie sind in Butter mit einem kleinen Schuss Rapsöl gebraten. Nur sollte man die Zeit des Anrichtens mit einplaen, wenn man eine schwere Pfanne verwendet. Da bräunt auch im ausgeschalteten Zustand noch was nach. 😉

Zart, weich, geschmackvoll

Mir fällt da gerade ein alter Witz ein: Wie heißt Oma auf Chinesisch? Kannkaumkaun.
Der ist schlecht, ich weiß. Aber irgendwie bin ich auch gerade chinesische Oma. Ein recht knuspriges Brötchen, ungeschickt gegessen, brachte einen Dentalbruch, so dass ich im Moment nur auf der Backupseite kauen kann, aber das auch nicht richtig. Da ist es schön, dass es Restaurants gibt, die Speisen auf der Karte haben, die – zumindest vom Ansatz her – auch nur auf Felge genossen werden können, ohne bei der Zubereitung final alles durch einen Blender schicken zu müssen.
Schmorbraten mit Kartoffelstampf ist so ein Gericht, Champignons sind auch nicht so kauintensiv und die mitgekochten Frühlingszwiebeln auch nicht.
Schmorbraten vom Wildschwein in Bratenjus auf Champignon-Frühlingszwiebel-Gemüse an KräuterstampfEine sehr leckere Angelegenheit. Und wir lernen, dass man mit einem Eisportionierer nicht nur Eiskugeln machen kann. 😉
Und außerdem: Wenn man Rucola nicht mag, sollte man ihn mal frittieren. Wie vieles ändert Frittieren einiges und macht Rucola richtig lecker. Genau wie Pommes, die ja auch besser specken als rohe Kartoffelstäbchen.
Eigentlich wollte ich hier auch gleich noch einen kleinen selbstgemachten Gulasch präsentieren, aber das Fleisch weigert sich, weich zu werden. 🙁 Man soll eben doch alte Gepflogenheiten nicht über Bord werfen und einfach mal was kaufen, wo Gulaschfleisch draufsteht. Das wird nix. Ich kaufe normalerweise für Gulasch Fleisch, wo Rinderbeinscheibe drauf steht. Geht besser.

Fisch am Sonntag (31.05.2020)

Vattern hatte einen Tisch reserviert und so fuhren wir ein wenig nach außerhalb, um Sonntagmittag ein leckeres Mahl einzunehmen. Dabei war ich von Grübeleien und Zweifeln befallen. Leider war die Gaststätte beim letzten Besuch eher negativ aufgefallen und ich wollte sie eigentlich meiden, aber die 2. Chance hat natürlich auch jeder. So grübelte ich, was ich wohl am besten bestelle. Bestelle ich mir etwas anderes von der Karte? Oder nehme ich doch mein Lieblingsgericht, voll bewusst mit dem Risiko der Wiederholung der Enttäuschung, inkl. theatralischem Abgang.
Aber wie immer das Leben so spielt, gibt es natürlich noch weitere Varianten von dem, was dann so passiert. Punkt 1: Es gab eine neue Karte. Punkt 2: Es gab eine Spargelkarte. Punkt 3: Aber auch bekannte Gerichte von früher fanden sich auf der neuen Karte, unter anderem mein gebratener Zander mit Petersilienstampf. Da ging also die schwierige Entscheidungsfindung weiter. Aber das Schicksal in Form des Umfeldes mischte mit, und als Vattern’s Essenentscheidung zwischen zwei Gerichten schwanke und eins davon der Zander war, lenkte ich sein Interesse verstärkt auf diesen (es war sowieso seine 1. Wahl), und ich bestellte dann einen Mecklenburger Wels mit Spargel. So ging ich nicht das Risiko ein, das Flockenpürree ungegessen in die Küche zurückgehen zu lassen, konnte aber doch auch sehen, ob es das überhaupt noch gab.

Mecklenburger Wels unter Kräuterkruste, Spargel, Sauce Hollandaise, Salzkartoffeln
Mecklenburger Wels unter Kräuterkruste, Spargel, Sauce Hollandaise, Salzkartoffeln

Der Fisch war lecker, die Kruste zwar nicht ganz so krustig, wie sie hätte sein können, aber der Spargel war auf den Punkt und die Kartoffeln auch. Alles in allem ein leckeres Essen, das weit ab von einer Enttäuschung war. Insofern ist zumindest dieses Gericht ein Indiz dafür, die Gaststätte wieder ins Portfolio der Sonntagsmittagsessensstellen mit einzubeziehen. Aber nicht das einzige.
Gebratenes Zanderfilet mit Petersilienstampf
Gebratenes Zanderfilet mit Petersilienstampf

Auch der Zander auf dem Platz mir gegenüber war wunderbar gelungen und der Petersilienstampf bestand aus richtigen Kartoffeln und nicht irgendwelchen Flocken. Damit wurde bestätigt: The Return Of The Mountain. 😉