Tag 28 (17.11.2019)

Der Tag begann heute mit einer Enttäuschung. Als ich nach dem Aufstehen das Rollo öffnete, änderte sich das Licht im Schlafzimmer nicht wirklich. Von halbwegs dunkel auf grau. Wer Wettervorhersagen liest, den traf das nicht ganz überraschend. Außerdem ist November. Und der ist per Definition grau. Zumindest von oben.

Leider setzten sich die Enttäuschungen fort, was nicht wirklich abzusehen war, da ich schon besseres erlebt hatte. Die ausführliche Enttäuschung findet ihr hier. Zugegeben war ich aber auch schon vorher ein wenig enttäuscht, aber auch das war fast erwartbar. Beim Durchforsten der Speisekarte achtete ich natürlich auf meine Ernährungsrichtlinien. Ihr erinnert Euch? 50+x% Gemüse, 25% Eiweißträger, 25-x% Kohlenhydratbeilage. 18 Gerichte stehen auf der Karte des Restaurants plus einem, das als „Tagesangebot“ auf einem Tischkärtchen angepriesen wurde. Davon waren sechs (in Zahlen: 6) überhaupt nur mit Gemüse, wobei ich ein Letscho und einmal Rote Bete als Matjesbeigabe wohlwollend mitgezählt habe. Nicht mitgezählt habe ich Röstzwiebeln, die sowieso nicht in der nötigen Menge vorhanden sein würden (von anderen Gründen mal ganz abgesehen) und ein Preiselbeer-Birnen-Kompott, das zu einer Hähnchenbrust gereicht wird, wegen kohlenhydratliefernder Süße. Sicher ist bei den Gerichten auch immer noch ein kleines Salatbouquet drauf …

Wer die Speisekarte des Bergrestaurants kennt, der wüsste vielleicht noch ein Positiv-Argument. Eins der Gerichte ist ein „Vegetarischer Kartoffel-Gemüse-Auflauf“. Selbst, wenn er mit Käse überbacken ist, fehlt ein bisschen der Eiweißträger, und da vermutlich die Kartoffeln in der Mehrzahl wären, kann ich den leider auch vergessen.

Dabei sah der Zander wirklich gut aus (und war es auch).

Also war es dann zum Abendbrot an mir, es besser zu machen. Und es war besser, wenn auch nicht sehr gut. ;-)

Im Topf sehen wir hier eine Kartoffeln, zwei gelbweiße Möhren (von neulich noch) und eine Rettichkugel. Alles geachtelt, gesechszehntelt oder anderweitig grob klein geschnitten.

Ein wenig Wasser und etwas Salz kommen mit in den Topf und alles wird darin gegart.

Das sind die fertigen Bestandteile, noch trocken (und die Möhre recht bissfest).

Ein ordentlicher Schuss Milch ist die Basis für die weiteren Entwicklungen in Richtung Kartoffelbrei. Da sollte man vorsichtig sein und sicherheitshalber lieber etwas weniger als zu viel Milch in den Topf geben. Sonst wird das Endergebnis zu flüssig. Ich gab zu viel Milch hinein.

So sah der Kartoffelbrei nach dem Stampfen noch etwas flüssig aus. Daran änderte auch die hineingeriebene Muskatnuss und die Petersilie nichts. Zu wenig Kartoffel für zu viel Milch. Man konnte es aber etwas köcheln lassen, es dickte etwas nach.

So zerlief der Kartoffelbrei (von Stampfkartoffeln wage ich nicht zu schreiben) auf dem Teller etwas, was dazu führte, dass es nach mehr aussieht als es letztendlich war. Die beiden Bratheringsfilets passten aber wunderbar dazu und ergänzten den Gemüse-Kartoffel-Brei aufs angenehmste.

Und morgen früh gibt’s wieder Quark mit Früchten. Vermutlich Himbeeren. Es gibt aber auch eine neue Mischung.

Zwischenruf der Enttäuschung

Sonntags Mittags wird Essen gegangen. Vattern und ich halten das seit einiger Zeit so und haben auf diese Art schon eine ganze Reihe von Restaurants besucht. Die Auswahl ist eine bunte Mischung aus altbewährtem und ab und zu kommt was neues hinzu. Wo es uns gefällt, sind wir öfter, wo nicht, da nicht. Die Erfahrung zeigt, dass es einigen anderen auch so geht, denn ohne vorherige Reservierung ist zumindest Sonntagmittag kaum irgendwo ein Platz zu finden.

Heute hat es ein Restaurant geschafft, von der Kategorie „immer mal wieder gern“ auf „vorläufig nicht mehr“ herabzufallen. Ich bin maßlos enttäuscht. Aber sowas darf einfach nicht passieren, zumal ich das gleiche Gericht am gleichen Ort schon mal viel besser gegessen hatte. Aber heute … Nee.

Kommen wir zur Frage, was ihr bei der Beilage erwartet:

Petersilienstampf. Ich biete mal folgende Varianten an:

  • gestampfte Petersilienwurzel, gewürzt und mit Sahne verfeinert
  • gestampfte Mischung aus Kartoffeln und Petersilienwurzel
  • gestampfte Kartoffeln mit viel gehackter Petersilie drin

Nichts von dem (auch keine denkbaren Zwischenstufen) fand sich auf meinem Teller! Absolut nichts. Und das ohne Änderungsansage. So ist es nicht verwunderlich, dass mein Teller so wieder in die Küche zurück ging:

Dabei hatte ich mich ein bisschen auf die Stampfkartoffeln gefreut. Aber was wurde auf dem Teller kredenzt? Ein schleimiges, fehlaromatisches Etwas, das stark nach Tütenflockenherkunft schmeckte. Bäh. Ich gehe nicht in ein Restaurant Essen, um dann schlechtkantinöse Zutaten auf dem Teller zu haben.

Dabei war der Fisch gut zubereitet.

Der erste Blick ließ mich noch frohlocken, aber bei der ersten Gabel Flockenpürree …

Tut mir leid, aber das Bergrestaurant wird vorläufig nicht mehr besucht und ist von der Liste guten Läden gestrichen. Schade für den sehr netten Service dort. Aber die Küche hat’s versaut.

Welsfilet „au four“ (22.09.2019)

Auf Wunsch einer einzelnen Dame ging’s heute noch mal Fisch essen. Sie hatte schon einiges von der Gaststätte gehört, war selber aber noch nie da gewesen. Das stellte sich bei einer der letzten Familienfeierlichkeiten heraus, und so wurde entschieden: beim nächsten Mal kommste mit; und das war eben heute. Spannendes Detail am Rande: Die Dame isst keinen Fisch …

Mein Essen brachte dem geneigten Auge fast nur Gelbtöne, wenn nicht ein wenig Grünzeug mit dabei gewesen wäre: vom kräftigen Gelb der Zitrone (kam wieder in die Cola) über das pastellnere Gelb der Stampfkartoffeln (übrigens sehr lecker!!!) und das Braun der Röstzwiebeln zum weißgelb des Käses, mit dem der Fisch und das darauf befindliche Ragout fin überbacken war. Letzteres war übrigens kein 08/15-Zeug aus dem 5-l-Eimer, sondern es bestand „fleischlich“ ebenfalls aus Wels, genau wie das Fischfilet unten drunter. Das Wels-Ragout-fin kann man auch vorspeislich bestellen und dann pur genießen.

Neben den bereits gelobten Kartoffeln war auch der Rest wunderbar zubereitet. Der Fisch war saftig, das Ragout fin nicht zu viel und nicht zu wenig, der Käse sozusagen auf den Punkt. Wenn es denn was zu meckern gab, dann, dass die Stiele vom Babymangold zu lang waren und alles weit über der Gabel Begrenzung hinausragte und damit kaum zu händeln war. Jammern auf sehr hohem Niveau. ;-)

Wels mit Sonderwunsch (25.08.2019)

Heute gab es mal wieder Fisch, und damit dabei trotzdem etwas Abwechslung auf den Teller kommt, kann man nur froh darüber sein, dass es dafür einige spezialisierte Anbieter in der Region gibt. Nun sind wir aber auch Flächenland, so dass der Weg doch ein Stück hinaus aus der Stadt führte, aber das geht ja auch – dank eigenem Pkw. Wer auf den ÖPNV angewiesen wäre, den sei ein Besuch nur während der Schulzeit anzuraten. Es gibt zwar eine Haltestelle fast direkt vor der Gaststätte, die wird aber entschieden schlechter bedient als die Gäste in der Gaststätte. Und dabei hat diese eine Größe, die verträgt auch Busladungen Hungriger. Wie schrieb ich es doch auf Twitter: „Großbeköstigungsanstalt“, was jetzt keine Kritik, sondern nur eine sachliche, wenn auch pointierte Feststellung ist. Unterstellt: da weiß man, was man tut.

Da man sich für die Salatbeilage am entsprechenden Büfett selber bedient, wirkt der Teller etwas aufgeräumter. etwas Grünzeug schmeichelt aber nicht nur dem Auge. Noch etwas verdeckt findet sich aber auch noch „geschwenkter Spitzkohl-Mangold-Salat“, was ich zuvor nicht uninteressant und hinterher recht lecker fand; leicht angegartes Gemüse wurde mit etwas Sahne besoßt. Dazu im Original Salzkartoffeln. Da meine Bindung zur Erdfrucht weniger intensiv ist als anderswo behauptet, fragte ich nach der Abwahlmöglichkeit. Das ging, und so wählte ich Stampfkartoffeln, was sich beim Anblick des Tellers und die nachfolgende Vergaumung als gute Wahl herausstellte: die Mischung aus geschmorten und Röstzwiebeln passten wunderbar dazu, genau wie das sahnierte Gemüse.

Aber fällt Euch was auf? Ich habe es mal etwas weiter in den Fokus gerückt: Der Fisch ist wunderbar gebraten , aber warum liegt er wieder mal mit der Hautseite nach unten auf dem Teller??? Schade um deren schöne Knusprigkeit!

Und dabei sieht die Hautseite auch sehr schön aus. Natürlich hat man dann das Problem, wie man die Zitronenspalte richtig anwenden soll. Auf der Hautseite nutzt der Saft auch nichts (wenn überhaupt). Unter dem Aspekt der sauren Südfrucht ist das Servieren mit Haut unten also durchaus sinnvoll. Aber da die Anwendung der Zitrone auf Fisch grundsätzlich diskussionswürdig ist, nehme ich beispielsweise zum Fisch immer Cola, da habe ich eine sinnvolle Verwendung der Zitronenspalte und der Fisch kommt unverfälscht und mit knuspriger Haut oben in die Futterluke.

Alles in allem jammere ich aber gerade mal wieder auf hohem Niveau. Wer mal ein paar mehr Spezialitäten vom Wels probieren möchte (der Fisch auf den Bildern ist übrigens auch einer), dem sei ein kleiner Ausflug empfohlen. Es gibt ihn auch als Gyros, als Schnitzel, geräuchert, sauer eingelegt oder als „au four“. Natürlich finden sich auch Klassiker wie Zander, Aal, Hecht oder die Forelle auf der Speisekarte. Und vermutlich hilft eine vorherige Reservierung, falls doch mal ein Bus Hungriger vor der Tür steht …

Gebratener Zander mit Krabbensoße (11.08.2019)

„Das erste Haus am Platze“ ist auch nicht mehr das, was es mal war. Wobei sich natürlich die Frage stellt, ob die besuchte Gaststätte den Anspruch erhebt oder je erhoben hat. Lage und Ambiente sprechen dafür; aber spätestens die Wahl beim Cappuccino zwischen Milchschaum und Schlagsahne spricht dagegen. Immerhin, bei der Cappuccino-Bestellung wurde nicht nachgefragt und die richtige Variante gebracht, wobei der Milchschaum die Konsistenz von „aus einem Stück geschnitten“ hatte. Aber das nur nebenbei.

Eine Gaststätte ist aber auch immer nur so gut wie ihre Gäste, deren Verhalten manchmal auch eher als eigentümlich zu bezeichnen ist. Am Nebentisch wurde unter anderem Latte Macchiato bestellt. Nach dem Essen ist sowas ja eigentlich ein Zeichen dafür, dass man nicht satt geworden ist. Im aktuellen Fall kann ich das aber nicht einschätzen, da die beiden nicht dort gegessen hatten. Am Rande: Die Portionsgröße der Hauptgerichte ließ ein hungriges Verlassen des gastlichen Ortes auch definitiv nicht zu. Eher im Gegenteil.

Zurück zum Latte Macchiato. Wir kennen das: Milch und Milchschaum kommen in ein Glas und dann wird mit aller Vorsicht und handwerklicher Kunst des Barristas (oder des Vollautomaten) Espresso hineingetröpfelt, so dass sich zwischen dem Milchschaum oben und der heißen Milch unten eine milchkaffeebraune Melange des koffeinhaltigen Wohlgeschmacks bildet. Kämen jetzt noch geschmackserweiternde Sirupe dazu und wurde Vollmilch verwandt, hat so ein Getränk gern mal den Kaloriengehalt eines leichten Hauptgerichtes.

Es schien aber die naturalistische Variante des italienischen Klassikers zu sein. Perfekt geschichtet und bereit, drei Genüsse zu liefern: cremig, kräftig, milchig. Wozu wird sonst der ganze Aufwand mit der Schichtung veranstaltet? Aber nein! Erstmal alles umrühren. Da hätten sie sich doch gleich einen Café au lait bestellen können! Banausen!

Zu essen gab es übrigens auch etwas. Wobei ich doch sehr darüber nachgrübeln muss, ob wenigstens ein Bestandteil richtig gut war. Oder zumindest selbst hergestellt. Ehrlich gesagt bin ich mir mittlerweile nicht mal mehr beim Kartoffelpüree sicher, ob es das nicht auch portionsweise eingeschweißt aus der Großküche gibt.

Das Gemüse muss man nur ansehen, um festzustellen, dass da die Küche nur der Erwärmer war. Die Hollandaise kam mit Sicherheit aus der Fabrik und die sogenannte Krabbensoße war Hollandaise mit Krabbeneinlage. Wobei ich gar nicht mal darauf geachtet habe, ob es wirklich Krappen waren oder nicht die entschieden preiswerteren kleinen Eismeergarnelen.

Kommen wir zum Fisch. Das Zanderfilet präsentiert sich in einer dünnen Panade. Warum? Jemand, der mit einem Zanderfilet richtig umgehen kann, braucht das nicht. Wer das Ergebnis etwas absichern will, kann die Hautseite gern mit etwas Mehl bestäuben, dann ist die Sache mit der Knusprigkeit sicherer. Es geht aber auch ohne. Apropos: Knusprig. Unter dem Gesichtspunkt ist eigentlich das Gericht schon falsch konzipiert und offensichtlich falsch angerichtet. Da versucht man erst in der Küche, dem Fisch eine knusprige Haut zu geben, und dann überschüttet man die mit Soße (Konzeptfehler) und legt sie auf dem Teller nach unten (Anrichtefehler). Fälscher gehts ja schon gar nicht mehr. Nun mag der Einwand kommen: Vielleicht sollte er ja gar nicht knusprig. Doch, sollte er. Zum einen ist das der Zweck der eigentlich auch dafür unnützen Panade, und zum zweiten war er auch knusprig.

Die Unterseite, die eigentlich die Schauseite hätte sein sollen, war nämlich gar nicht so schlecht gelungen. Schön gebräunt und knusprig. Zumindest an den Enden, wo keine Soße hingekommen war. Wobei das bei der Panade auch keine Kunst ist, da muss man sich schon sehr blöd anstellen, das nicht hinzubekommen. Beim naturellen, unpanierten Fischfilet ist es schon etwas schwieriger, es geht aber auch. Und dann kann man die Hautseite auch stolz präsentieren und die Soße, wenn überhaupt nötig, in einem kleinen Dip-Schälchen anbei servieren. Die „Krabbensoße“ war ansonsten eine der überflüssigsten Zutaten auf diesem Teller. Das Gemüse war besoßt, die Stampfkartoffeln brauchten keine Soße und das Fischfilet wurde durch die Soßenfeuchtigkeit nur verdorben.

Vernichtendes Fazit: Man sollte Restaurantleistungen nicht von einer Einrichtung erwarten, die sich Café nennt.