Hirsch’n’Chips

Neulich fand ich mich in einer Testsituation wieder, in der es um geschmacklich gleich gelabelter Kartoffelchips einer bestimmten Marke, aber unterschiedlicher Zusammensetzung, ging. Nun sind Kartoffelchips – aus Gründen – nicht mehr so präsent in meinem Nahrungsportfolio, aber wenn, dann nutze ich gern die etwas schärferen Varianten. Nachdem ich eine Weile “Wasabi-Erbsen” sehr gemocht habe, ging unter den Peperoni-Chips eigentlich nichts mehr. Die Paprika-Varianten waren mir zu süß und die Cheese/Onion zu schleimig vom Mundgefühl. Die “nur” gesalzenen hatte ich mangels kulinarischem Interesse gleich völlig ignoriert, aber genau um diese ging es beim Test. Es gab eine normale und eine leichte Variante, Unterscheidungspunkt dabei war die unterschiedliche Fettmenge, aber auch die Salzmenge variierte. Beim eigentlichen Test war das aber nicht bekannt, genau wie die Marke und worum es eigentlich ging. Das wurde erst sehr viel später aufgelöst. Es war eine Marke aus dem rot-blauen US-Cola-Universum.

Salzige Kartoffelchips fand ich plötzlich nicht mehr ganz so uninteressant und ich schaute mal, ob ich sie irgendwo beim Lebensmitteleinzelhandel entdeckte, um mal eine ganze Tüte intensiv zu testen und nicht nur zwei, drei Chips aus so einem Probierschälchen. Leider fand ich nur die eine Sorte. Der Tüteninhalt erinnerte aber nur wenig an das, was ich im Test gut gefunden hatte. Auch eine Zweitprobe, diesmal eine Discounter-Eigenmarke, enttäuschte, bis ich jetzt an eine Tüte eines bekannten deutschen Herstellers kam, die man wirklich essen konnte (also nicht die Tüte, eher den Inhalt). Die Deutschen können mit der Kartoffel eben immer noch besser umgehen als die fernen Amis (ich bin mir bewusst, dass auch deren Produkt zumindest in Europa, wenn nicht auch in Deutschland hergestellt wurde). 😉

Der Blick auf die Tüte – nach(!) dem Genuss des Inhalts – unterstrich aber mal wieder, dass ich zukünftige Genüsse doch sehr vereinzeln werde.

2 Kartoffeln, 90 ml Öl, 4 g SalzWenn man mal den Inhalt der Tüte laut seiner Beschriftung auseinandernimmt, sehen wir hier den Inhalt vor uns.

2 Kartoffeln, 90 ml Öl, 4 g SalzCa. 160 g Kartoffeln, 4 g Salz und etwa 90 ml Sonnenblumenöl. Und das heißt nicht, dass die 160 g in dünne Scheiben geschnittenen Kartoffeln in den 90 ml Öl frittiert wurden, das ist wirklich das Fett, was noch an ihnen dran hängt und das mitgegessen wird! Wenn ich aus den Kartoffeln einen Salat gemacht hätte bspw. mit einer Vignaigrette, wäre nur ein Bruchteil des Öls im Dressing. Bezogen auf die Menge der Kartoffeln. Selbst bei der Verwendung von Majonäse wäre weniger Öl an der Menge Kartoffeln als in den Chips. Die bestehen zu gut einem Drittel aus Öl. Das Foto beinhaltet nicht nur die Zutaten symbolisch, sondern auch ihre realen Mengenverhältnisse. Ich finds erstaunlich.

Und nebenbei: Der Standard-Durchschnittsmensch benötigt ca. 2000 kcal Energie pro Tag, ca. 1400 kcal allein für die Aufrechterhaltung der Grundfunktionen. Wer mehr zu sich nimmt, muss dafür sorgen, dass die Energie auch wieder verbraucht wird, sonst landet sie auf den Hüften und den anderen Körperteilen. Die Tüte Chips liefert übrigens ca. 1400 kcal. Dann hat man aber noch nicht die wertvollen Stoffe aus vernünftiger Nahrung. Kann man auch mal drüber nachdenken.

Sonntagsessen

In unserer autophilen* Zeit wird’s ja manchmal schwierig, wenn dann doch mal was dagegen gemacht wird. Wobei anzunehmen ist, dass das “dagegen” eher ein Nebeneffekt ist, unter dem dann aber leider einige zu leiden haben. Sicher ist es erstrebenswert, bspw. Innenstädte autofrei zu bekommen, um das Erlebnis “City” besser genießbar zu machen, aber wenn dann ein paar Fußlahme wegen eines zurückgebauten Parkplatzes plötzlich längere Strecken füßlings gehen müssten, nur, um warme Speisen einzunehmen … Da überlegt man dann doch zweimal, ob es nicht auch andere schöne Orte gibt.

Wobei das Essen durchaus angenehm ist. “Hausmannskost” heißt die Kategorie dazu, wenn ich mich nicht irre. Und es läuft wohl recht gut, wenn man das mal von den ganzen Reserviert-Schildern ableitet, die auf den Tischen rumstanden. Nun gibt es zwar den Spruch “Never change a running system.”, und wenn es gut läuft, warum sollte man. Da es aber beim Betreiber vor einigen Jahren (also mehr als 3) bereits zu einem Generationswechsel gekommen ist, hätte ich dezente Ansätze einer Aktualisierung der Karte erwartet. Sicher, es gab Änderungen, aber das lag wohl eher an der schlechteren Beschaffbarkeit bestimmter Zutaten. Aber sei es, wie es ist. Vielleicht sind auch die Gäste, die immer das gleiche Essen und diesbezüglich mit bestimmten Erwartungen Essen gehen, doch in der Überzahl, und ich gehöre mit meinen Wünschen auf “immer wieder mal was neues” zu einer Minderheit. Aber so hat jeder sein. Je stabiler die Karte, desto seltener mein Besuch.

Wobei der Hirschbraten durchaus sehr angenehm war. Zart, aromatisch, mit hand- und hausgemachtem Kartoffelbrei und frischen Champignons. Dazu gab es genauso leckere wie reichliche Wacholdersoße.

Hirschbraten Kartoffelstampf, SoßeDas war ein Gericht, dass man mit Wonne genießen konnte. Und, um auf hohem Niveau zu nörgeln: Halb so viel Kartoffelbrei hätte es auch getan. 😉 Hirschbraten Kartoffelstampf, SoßeIch weiß, das sieht jetzt nicht wie viel Soße aus. Aber es gab noch ein kleines Kännchen nebenher dazu. Und die Mischung dieser Soße mit dem Kartoffelbrei … i love it. Da fehlte eigentlich nur ein Löffel, um den Genuss perfekt essbar zu machen.

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*) meint nicht Selbstliebe, obwohl wir eine derartige Zeit auch haben

Harmonie der Zusammenstellung

Wenn man ein Gericht kochen möchte, das bspw. aus verschiedenen Gemüsesorten besteht, dann kann man sich den Überlegungen hingeben, was wie am besten miteinander harmoniert, sich aromatisch gegenseitig ergänzt, wessen Texturen am besten zueinander passen. Um ein möglichste breites Spektrum abzudecken, kann man natürlich auch versuchen, Gegensätze zu kombinieren, Kontrapunkte zu setzen, so dass man beim Essen hin- und hergerissen wird, auf dem Weg zum vollendeten Genusserlebnis. Oder: Man nimmt einfach das, was weg muss. 😉

Dabei sollte man sich aber gut über die unterschiedlichen Garzeiten Gedanken machen. Nichts ist schlimmer, als wenn das eine schon langsam verkocht, während das andere noch sehr al dente ist. Hinterher ist man schließlich immer schlauer. Und satt. Eine schöne Kombination.

Leer, aber gut erwärmt: die PfanneEntgegehn einer These, die ich kürzlich erst aufwarf, beginnt offensichtlich nicht jedes herzhafte Gericht mit Zwiebeln schneiden. Das hat in diesem Fall den Grund, dass noch einiges zwiebeliges dazukommt. Aber wir fangen diesmal mit einer gut, aber nur sanft erhitzten Pfanne an.

Speck in der PfanneIn diese kommt etwas gewürfelter Bacon. Leider ist der hier etwas fettarm geraten. Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch wegen des Geschmacks, wird das alles mit etwas Butter aufgepeppt.

Etwas Butter dazuSie ist übrigens auch der Grund für die dezente Hitze unter der Pfanne. Schmelzen soll sie schon, aber nicht verbrennen. Und es kommt ja jetzt nur noch Gemüse dazu, da kann man sanft was garen.

Kohlrabistücke dazugebenDas ist eine gewürfelte Kohlrabiknolle. Die kann man ruhig etwas länger angaren lassen, bevor die zweite Hauptzutat dazu kommt. Ansonsten … al dente und so.

Lauch dazugebenDer Lauch bringt neben seinen typischen Eigenheiten auch das zwiebelige mit. Kommt er doch botanisch auch aus der gleichen Familie. Hoffe ich mal. Das alles, was jetzt in der Pfanne ist, wird schön langsam geröstet und immer mal wieder (aber nicht zu oft!) durchgeschwenkt.

Alles gut durchschwenkenIrgendwann, wenn man wenig geschwenkt hat, zeigen sich erste Röstspuren.

Pfanneninhalt angebratenDas kann auch gern noch etwas verbreiteter der Fall sein. Ihr wisst ja: Maillard und Geschmack und so. Da gleich auch noch der große Geschmacksgleichmacher und -dämpfer dazu kommt, ist etwas zu viel Geschmack durchaus wünschenswert. Deswegen kam auch noch vor dem ganzen Schwenken Pfeffer und Knoblauch dazu. Salz erübrigt sich wegen des Bacons meistens.

Sahne ein wenig einköcheln lassenSo ein wenig Sahne (=1 Becher) schadet ja auch nie. Und da das ganze doch etwas flüssig (und der Kohlrabi noch recht bissfest) ist, lässt man das bei kleiner Hitze sanft vor sich hin köcheln, um die Sahne zu reduzieren und nebenbei die Kartoffeln für die Beilage zu garen.

Fast fertig, sahniges Kohlrabi-Lauch-GemüseIrgendwann hat der Pfanneninhalt die gewünschte Schlotzigkeit und wir können zur Finalisierung übergehen. Das heißt: abschmecken und …

Kräuter drüber, nicht nur für's Auge… Grünzeug drüber. Die Kartoffeln sind auch gar, werden mit Milch und Butter zerquetscht und sollten ein Kartoffelstampf ergeben.

Kohlrabi-Lauch-Gemüse an KartoffelstampfEs wurde allerdings etwas stückig. Offensichtlich hatte sich eine festkochende unter den mehligkochenden Kartoffeln versteckt.

Kohlrabi-Lauch-Gemüse an KartoffelstampfUnd so ein Klecks Kartoffelstampf ist doch immer wieder gern was feines, sonst wäre das ganze auch noch Lowcarb gewesen. Schmackhaft war es sowieso. Morgen gibts dann nochmal das gleiche. Und irgendwann zeige ich euch mal meine schnelle Variante, kleine Portionen Kartoffelbrei aus vieleicht nur einer oder zwei Kartoffeln in wenigen Minuten zuzubereiten. Am längsten dauert das Schälen …

 

Zum Tag der Einheit mit viel Herz gekocht

Es ist doch erstaunlich, aber es stimmt ja so fast: Jedes leckere Gericht fängt eigentlich mit Zwiebelschälen und -kleinschneiden an. Okay, in der süßen Küche vielleicht nicht, aber in der herzhaften. Vor allem, wenn man eine würzige Soße haben möchte, hilft die Zwiebel eine ganze Weile weiter.

Wie jedes gutes Gericht anfängt: ZwiebelnDass es in diesem Fall drei Schalotten sind, spielt da nicht wirklich eine Rolle, wobei eine “richtige” Zwiebel etwas mehr Wumms ins Gericht gebracht hätte, aber der Wumms ist ja als Wort zur Zeit ein wenig verbrannt. Also die feine Schalotte.

Wie jedes gutes Gericht anfängt: Zwiebeln gewürfeltWenigstens beißt sie nicht so dolle in den Augen und in der Nase. Das kann aber auch am scharfen Messer und dem Schneiden und nicht Quetschen der Zwiebelwürfel gelegen haben. Nebenbei wurden auch noch ein paar kleine Spitzpaprika klein geschnitten und ein paar Cocktailtomaten geachtelt.

Im Topf ist Öl und Hitze, damit kann man am besten anbraten.

Putenherzen anbratenBevor das große Rätselraten los geht: Der LEH bot Putenherzen feil, und weil ich die noch nicht hatte, hab ich sie mal ausprobiert. Man kann sie quasi wie Hähnchenherzen verwenden, manchmal sollte man sie aber halbieren oder vierteln. Vor allem, wenn man das dann beim Essen nicht machen möchte.

Zeigen sich die gewünschten Bratspuren, kommen die schon erwähnten Zwiebeln dazu.

Zwiebeln dazu gebenDiese werden ein wenig mit angeschwitzt, bis dann auch der klein geschnittene Paprika …

Paprika dazugeben… und die Tomatenachtel dazugegeben werden.

Tomatenachtel dazugebenSalz, Pfeffer, granulierter Knoblauch, Paprika nach Belieben, Kurkuma werden mit eingerührt, die Hitze nach unten gedreht und der Topf bedeckelt.

Topfinhalt schön vor sich hin schmurgeln lassen, mit DeckelDas lässt man dann eine Weile vor sich hin schmurgeln. Gut bedeckelt. Zwiebeln, Tomaten und Paprika sollen sich langsam auflösen, das Herzfleisch ist bzgl. des Garpunktes eher unkritisch.

Fast fertig, Flüssigkeit ohne Brühe oder WasserNach einer halben Stunde sieht das dann so aus. Ohne die Zugabe von Brühe oder Wasser und ähnlicher Tricks. Ich finde es immer wieder erstaunlich, was da z.T. für ein Zinnober mit getrieben wird. Neulich las ich mal von einer Kartoffelsuppe, die erst mit einem knappen Liter Brühe angesetzt, am Ende dann aber mit Mehl gebunden wurde. Warum? Gerade auch bei Kartoffelsuppe!

Man kann das auch noch ein wenig mehr einkochen lassen (bei geschlossenem Deckel). Damit kann man die Sämigkeit ein wenig steuern. Wem es doch zu plörrig geworden wurde, macht das Einkochen bei offenem Deckel. Ist ja genug Soße da.

Putenherzen in Paprika-Tomaten-Soße an KartoffelstampfAls Beilage habe ich einen Klecks Kartoffelstampf dazugegeben, Pasta, Reis oder Polenta hätten aber auch genauso gut gepasst. Und wenn die Soße fast ganz eingekocht ist, tuts auch ein Stück Brot …

Und so muss ein Teller aussehen, wenn’s geschmeckt hat (und kein Brot zum weiter wegputzen da ist):

So muss ein Teller aussehen, wenn's geschmeckt hat

KW30 – Umwelsendes Essen

Nun trage ich schon seit (mind.) 2 Wochen ein Rezept im Kopfe mit mir rum, aber irgendwie komme ich nicht dazu, es zuzubereiten. Es ist eine neu interpretierte nahöstliche Spezialität, die mich auch ein wenig an Heiligabend erinnert … Oder ist es eine deutsche Spezialität, die ich nahöstlich interpretiere? Wenn ich es irgendwann mal hinbekomme, werdet ihr es sehen. Immerhin habe ich es endlich geschafft, die neue Pfanne, die ich dafür verwenden möchte, aus dem Kofferraum in die Küche zu verbringen. Ein Discounterprodukt. Ich bin mal gespannt, ob sie die Zubereitung übersteht. 😉

Unter der Woche habe ich mich mit einfachem Imbiss-Essen über Wasser gehalten. Auf Arbeit war ich ztw. mit einem Praktikanten allein. Das ändert sich aber in der kommenden Woche, die ersten Urlauber kommen wieder und finden hoffentlich zu ihren Arbeitsplätzen. Das einzige kulinarische Highlight der Woche war das sonntägliche Mittag, zu dem es mal in den erweiterten Umkreis des Heimatortes ging. Vattern und ich waren diesmal auch nicht allein, der transportierende Pkw beförderte ca. 300 Jahre Lebenserfahrung mit sich. Verteilt auf vier Personen. Das könnt ihr euch aber selber auseinanderdividieren. Und: Nein, sooo alt bin ich noch nicht.

Wer übrigens mit dem Blick auf die Überschrift glaubt, ich bin meiner deutschen Sprache abtrünnig geworden, der verkennt die Wirklichkeit. Natürlich ist im Titel dieses Beitrages eine Anspielung aufs heutige Essen versteckt.

gebratenes Welsfilet, Spitzkohl, StampfkartoffelnV.l.n.r.: Neben der Zitronenspalte, die mein Sprudelwasser wunderbar aromatisierte, gab es Stampfkartoffeln (oben, mit Röst- und anderen Zwiebeln), Spitzkohl (mit Teriyaki aromatisiert) und zwei Fischfilets. Die roten Krümel waren sehr feste Geleewürfel, vermutlich aus roten Johannisbeeren. Und der Fisch war – ganz titellike – Wels. Sehr lecker übrigens. Wenngleich sich um das Fischfilet herum der Convenience-Anteil etwas erhöht hat (im Vergleich zum letzten Besuch). Das Salatbüfett (Salatbeilage nicht im Bild) zum Beispiel hätte man sehr ähnlich auch in jedem gutsortierten Supermarkt oder Discounter käuflich erwerben können. Krautsalat (weiß, rot), Möhrensalat, Gurkensalat gibt es dort genauso wie dargeboten. Melonenwürfel und ein nicht erkannter Salat (Sellerie mit Mais in Salatsoße könnte so aussehen) ergänzten das Angebot, genau wie eingelegter Blumenkohl. Letzteres habe ich so noch nicht im Einzelhandel gesehen, also wer weiß … Doch was selbst gemachtes?

Langsam wächst für mich der Wunsch, mal in so einen Katalog des Gastronomiegroßhandels zu sehen …

 

KW15 – Verspätet, besoffen, Hamburger Hering und Karl Lauterbach

Aus Feiertagsgründen gibt es diesen Beitrag mit einem Tag Verspätung. Aber vielleicht ist der Feiertag auch nicht allein schuld daran. *hicks* Fürchte ich doch, über Ostern zur Schnapsdrossel geworden zu sein. Immerhin etwas über einer Flasche geistreichen Getränkes floss – zugegeben: mit ein wenig Genuss – meine Kehle runter, verbunden mit einem kleinen irritierenden Quiz auf Twitter, das dann hier auch aufgelöst werden soll.
Rätseldrink 1Mit diesem doch sehr schlechten Bild und der Frage “Was ist das?” fing alles an. Zugegeben, das Foto ist quasi ohne Licht entstanden und sollte in jedem Fall irritieren, was wundervoll funktionierte: Eine angebotene Lösung war Tee mit Milch. Zugegeben, die Farbe würde stimmen (zumindest, wenn ich Tee mit Milch trinke, sieht das auch so aus), allerdings nehme ich dafür eine größere Tasse. Wer sich an KW12 erinnert, der wird die Espressotasse wiedererkennen, und als solches ist da ja nicht viel drin.
Rätseldrink 2Zur allgemeinen Irritation gab es dann noch das Bild. Rechts das gleiche Getränk in einem anderen Glas, links mein selbsterstellter, gesiebträgerter Milchkaffee. Farblich durchaus ähnlich. Aber auch nur. Heiß und kalt, alkoholisiert und alkoholfrei, …
Rätseldrink 1 (a)Langsam komme ich durcheinander. Ist das noch das erste, oder schon das zweite Rätsel? Optisch doch sehr ähnlich, und die Größe ist auch wieder irritierend.
Rätseldrink 2 (a)Hier mal das gleiche im Zusammenspiel mit dem dekonstruierten Milchkaffee. Es ist eben immer wieder eine Frage, in welcher Reihenfolge Milch mit Schaum und Kaffee in den Becher kommen. Hier war erst die Milch drin und dann kam der Kaffee (genauer: der Caffe) hinzu, oben war erst der Caffe im Glas und dann kam die frisch aufgeschäumte Milch mit Schwung hinterher.
Aber was ist im kleinen Glas. BSK vs. RCC. Oben die Salzkaramell-Variante eines bekannten irischen Sahnelikörs auf Whisky-Basis, unten eine Creme Cappuccino einer bekannten Kräutermarke, bei der man froh sein kann, dass der Kräuter nicht die Basis des Sahnelikörs wurde. Salzkaramell und Cappuccino waren – wenn überhaupt – nur als Hauch spürbar, beim Cappucchino natürlich nicht der Geschmack eines formvollendet hergestellten Kaffeegetränks, sondern eher an die Aromatik dieser Zucker-Milchpulver-Instandkaffee-Mischungen erinnernd, denen man aus unerfindlichen Gründen auch den Namen “Cappuccino” gegeben hat. Beides schnabbuliert sich aber gut weg, aber einmal reicht dann vermutlich auch.
Der Ostsersonntag brachte dann eine kleine Tour ins hiesige Umland und bunte Speise auf den Teller.
Zander mit Bratkartoffeln auf PfannengemüseNeben den Bratkartoffeln findet sich ein sehr farbenfrohes Pfannengemüse auf dem Teller, nebst einem Salatbouquet und panierten gebratenen Zanderstücken. Natürlich mit Zitrone auf der Panade. Wozu macht man diese denn erst knusprig?
Meinte Rüdiger Hoffmann nicht immer: “Ich weiß gar nicht, ob Sie’s wussten, aber …” … in meiner beruflichen wie privaten Umgebung gibt es einige studierte Sozialpädagogen. Und sowas färbt manchmal auch ab. Immer dieses “erst dreimal loben, dann einmal tadeln”, wenn ich es mal sehr grob zusammenfassen darf. Naja, versuchen wir es mal und sprechen über den sehr angenehmen Service in dem Restaurant. Aufmerksam, höflich, auf die Gäste zugehend, aber nicht aufdringlich, lustig, aber nicht albern. Einfach nur gut. die Bratkartoffeln wirkten selbst gemacht, das Gemüse war schön würzig und der Feldsalat knackig, aber nicht sandig. Das Wasser war gut gekühlt, der Cappuccino lecker und aufbauend und in einer sehr schicken Tasse. Fisch und Tüfften hätten vermutlich auch Karl Lauterbach geschmeckt. Beim Zander versuchte ich ganz gegen meiner sonstigen Intuition mittels der Zitrone noch ein bisschen was zu retten, aber habt ihr schon mal Zitronenstückchen in Form zarter, saftiger Fischfilets gegessen?
Nun weiß ich, dass in dem Haus ziemlich viel selbst gemacht wird, hauptsächlich die fleischlichen Sachen. Ich hatte beim Studium der Karte an der Tür auch etwas ins Auge gefasst, dass sich dann auf der Oster-Karte im Gastraum leider nicht wiederfand. Also wich ich auf den Fisch aus, was leider doch zu sehr viel fremder Tk-Ware auf meinem Teller führte.
Brathering "Hamburger Art" mit StampfkartoffelnDer Ostermontag brachte neben viel Sonne auch einen sauren Brathering “Hamburger Art” mit Stampfkartoffeln. Letztere waren mit vorher angebratenen und dadurch gebräunten Zwiebeln etwas aufgewertet, das Ei kam mit einem metallenen Garnierring in die Pfanne und wurde bei sanfter Hitze darin gegart. Der gesäuerte Brathering ist hier Convenience aus dem Hause Albrecht, ein etwas besseres Produkt als so manches andere. Man muss es nur bekommen. Dass es gut ist, wissen offensichtlich auch andere.
So gehts jetzt gut gesättigt und etwas feiertagsentspannt in die kurze Arbeitswoche. Mal sehen, was die so bringt.

KW10 – Unerhört, unvernünftig, aber gut

Wobei “unerhört” als Empörungswort gemeint ist. Von bestimmten Wochenendaktivitäten hoffe ich mal, dass sie erhört bzw. gehört worden sind. Aber das gehört nicht hierher. Es war ein arbeitsreiches Wochenende,  das wenig Platz für große Kulinarik bot. Wobei das auch wieder nicht stimmt. Ich verheddere mich da gerade gedanklich.
KrokusseNein, ich steige nicht in die Safranproduktion ein. Obwohl …
KrokusseAuch wenn sie eine gewisse Ähnlichkeit mit den Krokussen haben, die man gemeinhin als Quellen für Safran anerkennt, standen die hier abgebildeten eher “nur” schick in der Gegend rum. Die rechts im Hintergrund auf dem unteren Bild unscharf zu sehenden sind übrigens die auf die obigen Bild. Beides hat mit meiner Samstagstätigkeit zu tun, aber eher nur geografisch, da besagte Beschäftigung vermutlich so ca. 50-100 m neben diesen Krokussen stattfand. Und da dies alles auch in die davorliegenden Wochentage ausstrahlte, habe ich die Idee für eine kleine kulinarische Frechheit auf die kommende Woche verschoben …
Der Sonntagmittag brachte klassisches, mit einem kleinen Touch Finesse. Aber erstmal etwas leichtes, kleines vorneweg.
Doppelte Kraftbrühe mit Gemüse und EierstichIrgendwie war mir nach einem kleinen warmen Süppchen. Das ist eine klassische Doppelte Kraftbrühe, allerdings aus Wild. Mit wildem Wurzelwerk und wildem Eierstich. 😉 Sieht gut aus, schmeckt gut, tut gut. Und bereitet einen auf das kommende vor. Und das es dieser Vorbereitung  bedurfte, hatte ich nicht mal geahnt.
Roulade mit Himbeerrotkohl und KarftoffelstampfWeil es irgendwie am Größenvergleich fehlt. Die Stampfkartoffeln waren übrigens mit einem Eiskugeldingens portioniert …
Roulade mit Himbeerrotkohl und KarftoffelstampfWorauf ich hinaus will: Die Roulade war riesig. Vermutlich, weil es auch die letzte war, die sie noch hatten – wie ich später mitbekam. Die “normalgroßen” sind wohl eher verkauft worden. Wenn ich die Gästinnen betrachte (so im Nachhinein), die sich auch für die Roulade interessiert hatten, und diese eine “Damenportion” bestellt hätten, hätte man diese Roulade gut teilen können und es wäre für beide eine ausreichende Portion gewesen.
Aber lecker war sie. Auch der Rotkohl, mal nicht mit Äpfeln, sondern mit Himbeeren, war auch sehr schön. Vom Kartoffelpüree und der Soße ganz zu schweigen. Wenngleich … ein wenig Jammern auf hohem Niveau muss aber doch sein. Eine langsamere Garung der Roulade hätte ihr vermutlich gut getan. Aber gut, dass hinreichend viel Soße auf dem Teller war, so war es dann doch gut. Die Roulade war übrigens klassisch gefüllt. Ob jetzt die Zwiebeln, der Speck und die Gurke bio waren, kann ich nicht sagen, das Fleisch war es nach Auskunft des Service aber. Und auch noch regional. Ich habe mal auf der (Land-)Karte nachgemessen. Zwischen diesem Teller und dem Stall liegen Luftlinie ca. 6-7 km. Das muss auch erstmal jemand nachmachen. Dazu Gemüse der Saison. Was will man mehr?! Naja, insgesamt vielleicht etwas weniger … Aber kann es Gutes zu viel geben?

KW4 – Hans’ Neue und DIY

Die Bonner Riegels haben die Welt mit einem neuen Nachwerk versorgt, dass von großen Ambitionen in Richtung Nachhaltigkeit spricht. Immerhin haben sie die Pressformen für die Cola-Flaschen-Vorlagen jetzt für ein weiteres Produkt genutzt. Statt des ungesunden Softdrinks nahm man sich hier ein anderen Flaschenprodukt zum Vorbild: Kakao, vermutlich auf Sojadrink-Basis. Neumodisches Zeuch also. Der süße Süßschaumträger kommt in zwei Farben daher und enthält immerhin 0,9% entöltes Kakaopulver. Da braucht man sich nicht wundern, dass die kleinen Gemeinheiten mal wieder etwas überaromatisiert schmecken. Eine typische Aktionsware: Produziert, damit es interessierte Kunden einmal zum Ausprobieren kaufen und dann wieder in der Versenkung verschwinden lassen.

Kommt ein Reh mit Fellproblemen zum Hausarzt. Wohin wird es überwiesen?
In eine Reha(ar)klinik.

Der Witz stellt eine Überleitung zum eigentlich wichtigen dar, dem heutigen Sonntagsessen. Da Vattern zur Zeit in einer Rehaklinik weilt, die ein strenges Corona-Management fährt, gibt es dort weder ein Rein noch ein Raus. Er ist dort also gut versorgt (es gab wohl sowas wie eine griechische Roulade/Boulette – also sowas mit Feta-Füllung – heute). Als er es mir erzählte, hatte ich den Eindruck: Begeisterung klingt anders. 😉
Damit war ich auf selbstständige Möglichkeiten zurückgeworfen. Ich überlegte im Vorfeld bereits auf Burgerbraterei oder Pizzaservice, aber dann habe ich mich doch anders entschieden.
Gebratenes Welsfilet an Rosenkohl und Kartoffelbrei mit RöstzwiebelnIn Anlehnung an andere Bratfisch-mit-Stampfkartoffel-Gerichte der jüngsten Vergangenheit ließ ich zwei Welsfilets nach Packungsaufdruck auftauen (genauer: antauen), putzte eine handvoll Rosenkohl und schälte ein paar Kartoffeln, die dann auch noch gewürfelt wurden.
Der Rosenkohl wurde in wenig Wasser mit Salz und Kümmel al dente blanchiert und dann beiseite gestellt. In einem Topf wurde in reichlich Butter eine gewürfelte Zwiebel angeschwitzt und leicht angebräunt. In der Mikrowelle garten unterdessen die Kartoffelwürfel und das gesalzene und gepfefferte Welsfilet briet in der Pfanne. Als ich den Fisch, gut angebräunt, einmal umdrehte, kamen noch die Rosenköhler mit in die Pfanne. Die Zwiebeln in der Butter wurden mit etwas Milch abgelöscht und die gegarten Kartoffelwürfel dazu gegeben und gestampft. Mit weiterer Milch erhielten sie die perfekte Konsistenz.
Gebratenes Welsfilet an Rosenkohl und Kartoffelbrei mit RöstzwiebelnEin wenig fehlte der kleine Klecks Krautsalat, aber man kann nicht alles haben. Vielleicht denke ich am kommenden Sonntag daran, mir welchen zu kaufen.

KW 48 – Arbeitsteilung

Soße ist wichtig. Gerade auch bei Schmorgerichten. Un das Wetter ist zur Zeit was für Schmorgerichte, man muss sie ja nicht unbedingt selbst machen (wobei die dann doch meist ein μ besser sind als das, was man anderswo bekommt). Aber manches möchte man auch gar nicht selbst zubereiten. Rinderbacke zum Beispiel. Oder Portweinsoße. Oder gekochte Möhren. Würde ich mir nicht selbst zubereiten.
Warum würde ich mir nie gekochte Möhren selbst zubereiten? Die Antwort ist einfach: Ich unterteile Essen in mehrere Kategorien:

  • Ess’ ich nicht.
  • Ess’ ich, aber gibts auch was anderes?
  • Ess’ ich, mach ich mir auch selbst.
  • Ess’ ich, mach ich mir aber nicht selbst.

In die letzte Kategorie fallen gekochte Möhren. Nicht so schlimm wie Mais, aber selbst kochen würde ich es mir auch nicht.
Rinderbäckchen, glasierte Möhrchen und Kräuterstampf
Dafür sind beim Essen aber ganz schön viele Möhren auf dem Teller. Ich hatte wohl nicht ganz richtig auf die Karte geschaut. Kann man nix machen. Aber sie waren ganz gut, nicht verkocht, teilweise sogar noch al dente (rohe Möhren mag ich sehr, aber auch nur im Stück). Die Portweinsoße war sehr aromatisch, das Kartoffelpüree vielleicht ein kleines bisschen wässrig, aber trotzdem wohlschmeckend und die Bäckchen zart, wie es sich gehört. Was will man mehr?!
Zumal es wohl nicht so einfach war, eine gastliche Stätte für diesen Sonntag zu finden. Vattern (im Allgemeinen für die Reservierung zuständig) hat wohl mehrere Orte probiert aber nur andauernde Freizeichen in den Leitungen zu hören bekommen. Schauen wir mal, wie das am kommenden Sonntag ausgeht. Ich besorg’ schon mal die Testtermine, damit es da auch wieder recht reibungslos läuft.

KW 44 – We are back(en)

Schön, dass wir heute wieder unterwegs waren, um zu Mittag zu speisen. Und es hat sich gelohnt. Nicht, dass wir uns auch selbst köstlich versorgen könnten. Aber die Profis haben dann doch etwas mehr drauf. Und die Speisekarte zeigte auch noch ein paar Sachen, die man gar nicht alle auf einmal essen könnte. So sind wir für kommenden Sonntag wieder beim gleichen Restaurant zum Essen angemeldet.
Ochsenbacke mit Karfoffel-Sellerie-Stampf, Gemüse und PilzenZart geschmorte Ochsenbäckchen, genauer gesagt die Tranchen davon mit einer köstlichen, separat servierten Soße, kleine Wildpilze, ein Klecks Kartoffel-Sellerie-Stampf und ich schwebe im kulinarischen 7. Himmel. Das schöne daran ist, dass – auch wenn es nicht so aussieht – die Ernährungsrichtlinien eingehalten werden. Zumindest besser, als in vielen, vielen anderen Gerichten, die auf den ersten Blick ähnlich aussehen. Auf dem Teller verbirgt sich ein großer Anteil glasierten Wurzelgemüses. So muss das!
Und glasiertes GemüseDer kleine Trick mit dem Tranchieren. Es war “nur” eine Ochsenbacke auf dem Teller, das aber in drei völlig ausreichenden Scheiben, und darunter dann eine ganze Menge an leckerem Würzelgemüse.
Das Gericht hatte nur einen Makel: So viel Soße, aber kein Löffel dabei … 😉

KW38 – Wahlen, Inneres, Überhang

Einige meinen, die Woche fängt mit Sonntag an, spätestens Montag ist es dann aber soweit. Mein kulinarisches Wochenstarthighlight hat seine Anregung aber noch vom Sonntag, insofern schließt die letzte Woche den dieswöchigen Montag mal mit ein.
Tomatensalat
Schöne Tomaten, einfach nur klein geschnitten, dazu gehackte Zwiebel sowie etwas Salz, Pfeffer und Zeit – mehr braucht es eigentlich nicht für einen leckeren Salat. Natürlich darf’s auch etwas mehr sein: wenig Zucker, ein Spritzer Balsamico, etwas Olivenöl und ein frischer Mozzarella werten etwas auf, inkl. der Würfelung der Kugel, die 3D-Version der Quadratur des Kreises. In kulinarisch.
Tomatensalat, Brötchen.Hier zeigt sich mal wieder: Gerade bei einfachen Gerichten kommt es sehr auf die Qualität der Zutaten an. Das galt übrigens auch für’s Sonntagsgericht, wo die Idee mit dem Tomatensalat her kam.
Kartoffelstampf, Geflügelleber, Zwiebel, Apfel, TomatensalatSaftige Geflügelleber, tolles Kartoffelstampf und … ein wunderschöner Ausblick.
Krüseliner SeeAuch andere Gegenden haben schöne Seen, an denen man gut speisen kann. Nach der Pleite vom letzten Sonntag eine sehr angenehme Abwechslung.
Käffchen in der Krüseliner SeeschänkeUnd ein lecker Käffchen gab es auch. Es lohnt dann doch manchmal, über den Tellerrand zu schauen. Die Terrasse, auf der ich da saß, war zwar noch im Mecklenburgischen, das gegenüberliegende Seeufer (s.o.) ist schon Brandenburg. Es ist der perfekte Ausflugsort für Radler und Wassersportler, eine Gesellschaft mit Pferdeanhänger war diesmal auch mit dabei. Für Pkws stellen die beiden Zufahrtswege eine kleine Herausforderung dar, der brandenburgische etwas mehr, der mecklenburgische etwas weniger, aber doch auch.