Das Franck-Steak – Eine Betrachtung

Man kam in den letzten Tagen ja fast nicht an dem Thema vorbei. Ein gewisser Franck Ribéry aß ein vergoldetes Steak und zahlte dafür 1200 Euro. Die Vielfalt der Kommentare dazu ist Geschichte. Ebenfalls die Vielfalt der Betrachtungswinkel. Nur eine Frage wurde nirgends beantwortet, zumindest brachte der Medienwirbel sie nicht vor meine Augen: Warum bezahlt jemand 1200 Euro für ein solches Steak? Das einzig wirklich goldene ist vermutlich die Nase des aufschneidenden Metzgers. Das Produkt selber hatte diesen Wert nicht.

Zugegeben, das Steak selbst mit dem eindrucksvollen Stielknochen war schon ein prächtiges Ding, aber allein das war auch nur dem Showeffekt geschuldet. Wer schon mal Lammkotelett gesehen hat, wird die Form erkannt haben, nur eben etwas größer. Was den Fleischanteil betrifft, würde ich behaupten, schon mal mengenmäßig größere (T-Bone-)Steaks in der Pfanne gehabt zu haben. Was wird das Rinder-Stiel-Kotelett gekostet haben? 100€? 200€? Es ist ja kein Wagyu. In deutschen Online-Shops habe ich vergleichbare Tomahawk Steaks für 81 €/kg gesehen. Zubereitet könnte das also 200€ kosten.

Bevor wir zum Gold kommen, stellen wir mal eine kleine Pfanne auf den Herd. In meinem Kühlschrank fand sich noch etwas Lardo al Rosmarino, den ich etwas klein schneide und auslasse. Wenn schon dekadent, dann richtig. Wer hinterher noch was zum Knabbern haben möchte, sollte vermutlich die Speckstück nicht zu klein schneiden.

Jetzt wird der ausgelassene Speck beiseite gestellt und dafür die große Edelstahlpfanne hervor geholt.

Sauber und trocken kommt sie auf die Herdplatte und wird erhitzt. Und erhitzt. Und erhitzt. Sie muss richtig, aber auch so richtig heiß sein.

Unterdessen bereite ich das Fleisch vor, dass ich schon vor einiger Zeit aus dem Kühlschrank nahm.

Es wird abgetrockenet (es ist wet aged) und mit dem flüssigen Lardo-Fett aus der kleinen Pfanne eingepinselt.

Wenn die Eisenpfanne richtig heiß ist, wird das Steak scharf angebraten. Evtl. kann man auch noch etwas Fett, hocherhitzbares Öl oder Butterschmalz in die Pfanne geben, ich lege lieber einen Spritzschutz drüber. Merke: Die Pfanne war dann richtig heiß, wenn man nach dem Anbraten die Küche rund um den Herd renovieren muss. Im Idealfall hat das Fleisch nach 30 bis 60 Sekunden die perfekte Bräunung.

Dann wird umgedreht und nochmal 30 bis 60 Sekunden die andere Seite gebräunt.

Anschließend kommt das Stück in den auf 80°C vorgeheizten Ofen zum Nachgaren und Entspannen. Freunde eines very-rare- oder auch bleu-Steaks (also diejenigen, denen „english“ zu durch ist) könnten sich den Schritt schenken. Im Inneren sollte es beim Verlassen der Pfanne noch quasi roh sein. Nach der Ofenbehandlung, die je nach Fleischdicke und Stärke des Anbratens bis zu einer halben Stunde dauern kann, kommen wir zum Finale.

Zuvor wird dem Stück noch ein schönes Bett bereitet. Salat passt immer zu Steak.

Steak wurde in diesem Blog schon einige Male gebraten, selbst ein Flank-Steak war schon dabei. Heute bereiten wir ein Franck-Steak zu.

Etwas Salz und Pfeffer können noch auf dem Fleisch verteilt werden, aber dann kommt die Hauptzutat. Und während ein Steak á la Strindberg mit Zwiebeln, Senf und Ei ummantelt wird, kommt zum Steak á la Ribéry Blattgold. 24 karatiges Gold, was 999er Feingold entspricht. Das sollte man auch nehmen. Denn nur reines Gold ist wirklich essbar. Beispielsweise bei 750er Gold sind eben 25% fremde Beimischungen drin, die sich durchaus auch toxisch auswirken könnten.

Meine Fähigkeiten im Umgang mit Blattgold sind beschränkt. Deswegen sieht das so ein bisschen komisch aus. Aber immerhin habe ich das Fleisch fast abgedeckt.

Goldig, der Anblick. Und wenn jetzt jemand glaubt, ich hätte mich in mörderische Unkosten gestürzt. Mitnichten! 20 Blatt Blattgold, jedes 4cm  x 4cm groß, also zusammen eine Fläche von 20cm x 16 cm ergebend (ca. DIN A5), sind für 14€ erhältlich. Wer 1 g Safran in ein Risotto alla Milanese gibt, hat auch etwa so viel Geld ausgegeben.

Der Materialwert der Ribéry’schen Vorlage wird also bei ca. 250€ gelegen haben. Warum der dann 1200€ zahlte, könnte man mal den Metzger fragen.

Der geschmackliche Wert des Blattgoldes liegt übrigens bei Null. In der Küche ist es also wertlos. Warum sonst ein solcher Hype um dieses Edelmetall gemacht wird, erschließt sich mir nicht. Aber es wird schon seine Richtigkeit haben.

Mir ist nur ganz wohlig ums Herz bei dem Gedanken, dass ich die nächsten Tage ein wenig auch den Goldesel mache. Vielleicht sollte ich noch als Dessert ein paar Kaffeekirschen essen, dann kann ich mir meinen persönlichen Kopi Luwak noch vergolden lassen.

Zwei Leute, zwei Pfannen, aber nur ein Gericht?

Manche Gerichte sehen, wenn man sie auf einem Teller drappiert, so aus, als ob man sie ganz allein essen könnte. Oder sie sind nur für einen gedacht. Dabei werden meist auch zwei Leute davon satt, zumal auf den Bildern ein Größenvergleich fehlt. Das heutige Gericht präsentieren ich zuletzt auf einem Pizzateller. Aus Gründen. Mein Präsentationsteller ist noch im Geschirrspüler und er könnte auch etwas klein sein. Aber manches gibt es eben auch nur in einer bestimmten Größe.

Angefangen hat alles relativ einfach:

3 Kartoffeln, in Scheiben geschnitten, etwas Öl und Butter zum Braten, etwas Rosmarin und ca. 7 cm Chorizo, so weit es geht in Würfel geschnitten. Die Wurst gibt der Sache etwas Pfiff und Pfarbe. 😉 Die Kartoffeln kamen zuerst ins sanft erhitzte Öl und bei mittlerer bis kleiner Hitzeeinwirkung wurden sie ohne viel in der Pfanne rumzurühren erhitzt und gegart. Wenn sie dabei ein wenig bräunen, ist das nur gut. Der Rosmarinzweig, etwas Salz und die Wurstwürfel kamen auch recht zügig dazu. Wer keine Chorizo bekommt, kann auch gern eine nicht zu harte Mettwurst nehmen und dann noch Paprika hinzugeben, je nach Geschmack und Vorlieben edelsüß oder scharf.

Die Kartoffeln sind noch nicht gar, dann kommt auch der Lauch mit dazu, auch der ist, soweit möglich, in Scheiben geschnitten.

Alles wird gut durchgeschwenkt und sanft vor sich hin brutzeln gelassen. Bei meiner Induktionsplatte habe ich 140° eingestellt. Das ist sanft.

Sieht das nicht auch so schon lecker aus?!

Apropos sanftes Erhitzen der Pfanne. Die zweite Pfanne wird so stark erhitzt, wie es nur irgend geht. Bei mir stand sie eine ganze Weile erstmal leer auf der heißen(!) Herdplatte. Dann kam ein hocherhitzbares Öl hinzu und dann DAS:

Sieht das nicht toll aus. Kein Wunder, dass ich es kaufen musste, als ich es im Laden sah. Und es mich sah. 😉 Da ist in der Pfanne ordentlich Hitze unter; das zischt und brutzelt auf das heftigste, auch wenn das auf dem Bild nicht so aussieht.

Nach 2 oder 3 Minuten guckt man mal vorsichtig auf die Bratfläche, und wenn sich eine gute Bräunung ergeben hat, wird das Fleischstück genau einmal umgedreht.

Anschließend kommt alles in den vorgeheizten Ofen. Der sollte auf 80-100°C eingestellt sein. Bei 80°C kann man es etwas länger drin lassen, bei 100°C weniger lang.

Zeit, um den Teller mit einer Garnitur zu versehen.

Meine Mikrowelle mit Heißluftfunktion stand auf 95°C Heißluft und das Fleisch ruhte 10 Minuten. Dann kann angerichtet werden.

Nach der Garnitur kommt das Fleisch auf den Teller, das wurde noch mit Salz und Pfeffer gewürzt.

Ein Teil des Pfanneninhalts (Kartoffel, Lauch, Chorizo) kommt auch noch auf die restliche Freifläche.

Mal der Probeschnitt nur für die Leser hier: Ist das nicht ein herrliches Rosa. Das Filetteil konnte man mit der Gabel zerreißen, der andere war mit angenehmen Biss. Blöd nur, wenn man das T-Bone-Steak vor dem Verzehr erst tranchieren muss, wenn zwei davon essen sollen/wollen. Aber alles wurde fein säuberlich und fast gerecht geteilt.

Guten Appetit.

Tipp mit Risiko

Manchmal, wenn man neben dem Kochen auch ein wenig nachdenkt, kommt man ja auf die sonderbarsten Sachen. Oder auch mal auf einen praktischen Tipp so wie diesen hier. 😉

Es stellt sich die Frage: Wenn man ein Steak richtig schön formvollendet zubereitet, was macht man eigentlich mit der heißen Pfanne, wenn das Fleischstück zum vollenden im Ofen liegt? Ganz einfach: Bratpaprika.

Steak mit Bratpaprika

Diese grünen Schoten habe ich neulich mal entdeckt und finde sie durchaus lecker und interessant. Sie werden einfach nur mit etwas Öl (und/oder den Bratresten vom Steakzubereiten) in eine heiße Pfanne gegeben und dort unter gelegentlichem Umrühren gebraten. Zum Schluss kommt noch grobes Salz drauf und fertig. Zum Essen ergreift man sie am Stiel und beißt von vorne ab.

Eine kleine Warnung sei aber noch gemacht: Die Paprika sind teilweise recht scharf, wenn man so will: chillig. 😉 Allerdings erkennt man das erst, wenn man abgebissen hat. Also viel Spaß beim Genuss und beim Nervenkitzel.

Jägerschnitzel – in edel, gesamtdeutsch, mit amerikanischem Einschlag

Beim Thema Jägerschnitzel trennen sich die Deutschen, das geht soweit, dass die Angelegenheit schon mal vor Gericht landete. Aber das kommt dabei heraus, wenn Gerichtsnamen nicht standardisiert sind. Und wenn man das dann im Grenzgebiet bestellt, kommt die Lotterie, ob es eine panierte Jagdwurstscheibe mit Tomatensoße auf Nudeln ist oder ein Schnitzel mit Pilzsoße und Sättigungsbeilage. Versuchen wir eine Fusion und das dann auch noch in Edel.

Pfifferlinge, Zwiebeln und Flanksteak

Auf dem Bild sehen wir einige der Grundzutaten: Oben grob geschnittene Pfifferlinge, unten die gewürfelte Zwiebeln und rechts zwei Flanksteaks. Letztere sind gar nicht so einfach zu bekommen, zumindest hierzulande. Der grillverrückte Ami kennt die Stücke schon eher. Es ist ein Teil der Rinderbrust. Zubereitet werden kann es wie ein Steak (heiß anbraten, nachziehen lassen), nur beim Schneiden muss man aufpassen. Aber da kommen wir noch drauf.

Pfanne heiß machen

Heiß anbraten. Dazu braucht es eine hocherhitzbare Pfanne. Eisen oder Edelstahl sind da eher gut für geeignet. Ich mach das dann auch gern auf meiner Induktionsplatte, die hat schnell ordentlich Energie in die Pfanne gepumpt.

Pfanne erwärmen

Eine zweite Pfanne wird auch erwärmt, das muss aber nicht ganz so heiß sein. Es geht nur darum, Zwiebeln anzubraten und dann die Pilzsoße zu bereiten.

Öl in die heiße Pfanne

In die sehr heiße Pfanne kommt hocherhitzbares Öl, raffiniertes Öl oder Butterschmalz.

Flanksteak heftig anbraten

Dort drin werden dann die Steaks – ganz naturell – angebraten. Da das spritzen könnte …

Spritzschutz rauf

… kommt schnell ein Spritzschutzgitter drüber. Dieses verhindert auch, dass der Koch allzu viel in der Pfanne herumrührt. Einfach nur ordentlich anbraten lassen, es darf sich Kruste bilden, deswegen bitte auch die Hitze halten.

Umgedrehte Flanksteaks

Nach ein bis zwei Minuten sollte das Fleisch nach dem Umdrehen so aussehen. Gitter wieder drüber und die andere Seite ankrusten lassen.

Zwiebeln anbraten

Etwas Fett kam auch in die andere Pfanne, damit die Zwiebeln angebraten werden können.

Pfanne runter drehen und nur noch wärmen

Unter den Flanksteaks wird nun die Hitze reduziert. Man könnte sie auch in einen vorgewärmten Ofen stellen (ca. 80°C).

Zwiebeln angebräunt

Zu den glasig angebratenen Zwiebeln kommen die Pilze.

Pilze anbraten, aber was machen wir mit dem Geschmack in der Steakpfanne

Hier sieht man übrigens rechts unten, dass die Flanksteaks auf 100°C eingestellt sind, auch ien Vorteil von Induktion, dass man sowas kann. Dieses Bild gibt aber noch ein Rätsel auf. Wie bekommt man den Anbratrest der Steaks, der sich auf dem Pfannenboden befindet, in die Pfifferlingssoße? Ganz einfach:

Pfannentausch

Einmal schnell die Pfannen wechseln. Zum Warmhalten reicht die andere Pfanne, die Pilzsoße wird in der Edelstahlpfanne weiter bearbeitet.

Sahne zu den Pilzen

Neben Salz, Pfeffer und etwas Knoblauch kommt auch ein guter Schuss Sahne in die Pfanne. Das war ein halber Becher (ca. 125 ml)

Sahne ein kochen lassen

Die Sahne wird eingekocht, bis sie eine soßenähnliche Konsistenz erhält. Dann wird abgeschmeckt.

Flank-Steak, man sieht die Maserung

Kommen wir zum Flanksteak. Schön zu sehen auf dem Bild ist die Faserung. An der sollte man sich unbedingt orientieren.

Dünn, quer zur Faser geschnitten

Quer zur Faser in relativ dünne Scheiben geschnitten wird es ein zarter und saftiger Genuss. Es empfiehlt sich die Anwendung eines scharfen Messers.

Saftiges, zartes Flanksteak

Zart und saftig und lecker. Ich habe es letztendlich gar nicht gewürzt, da es genug eigenen Geschmack mitbrachte.

Anrichtering auf tiefem Teller

Nun wird angerichtet.

Soße und Steakstreifen drumrum

Die Soße und das Fleisch habe ich mal außerhalb des Ringes verteilt.

Nudeln in die Mitte

In den Ring kommen die Nudeln (kleine Anspielung an das Ost-Jägerschnitzel).

Anrichtering entfernen

Mit etwas Vorsicht wird der Ring nach oben abgezogen. Guten Appetit.

Nudeln, Pilzsoße und Flanksteakscheiben

Lecker. Der Käse oben drüber ist verzichtbar, aber es hätte ihn auch gern geben können, zumal das Fleisch nichtmal gesalzen ist. Aber das ist wohl so eine Eigenheit des Flanksteaks: Es hat Geschmack. Von selber.

Bohlen satt, ohne Dieter

Eigentlich müsste ich diesen Artikel im Blocksatz schreiben; das steht zumindest auf meinem Notizblock. Auf dem Zettelblock, der die Todo-Liste ersetzt, stand der Name und der Ort schon länger, aber man muss seinen Wohnblock schon mal verlassen, um überhaupt da hinzukommen, wo es Speisen zum Essen gibt. Blockt deshalb nicht ab und lest, wie es uns ergangen ist, als wir – leicht durchgefroren – von der Betrachtung eines Fußballspiels mehr Überraschungen im Anschluss erfuhren als beim Match. Wobei Matsch eine kleine, nicht weiter erwähnte Nebenrolle spielte. Aber das nur nebenbei.

Da ich mich mit Fußball nachgewiesenerweise nicht auskenne, fiel mir in dem Zusammenhang kein naheliegendes Wortspiel mit „block“ ein, was – und damit hört die Formulierungsfraktur auch auf – zu einem ungewohnt direkten Weg zum Essen führt. Verbunden mit dem sportbetrachtenden Ausflug wurde also mal wieder gegessen und der Weg führte ins naheliegende Umfeld. Dort war mir durch Vorbeifahrt schon einige Male ein interessantes Gebäude aufgefallen, das zur Einkehr einlud. Ein Blick auf die Online-Speisekarte und ein kleines vorauseilendes Image versprachen einen angenehmen Abend, da es hinterher doch einiges zum Lästern geben würde.

Aber der Reihe nach. Die Anreise erfolgt problemlos und auch Orientierungslegastheniker im Straßenverkehr sollten hinfinden, da eine Bundesstraße direkt an vorbei führt. Die kleine Kunst ist der perfekte Ort zum Verlassen der B-Straße, aber auch hier helfen Schilder und leiten auf einen hinreichend großen Parkplatz, der erst zu klein werden würde, wenn jeder einzelne Stuhl im Gastraum durch einen Alleinfahrer besetzt werden würde. Die Speisekarte ist unaufgeregt übersichtlich: klassische Vorspeisen, Hauptspeisen mit Burgern (auch vegetarisch), Mecklenburger Klassikern, Fisch, Schnitzel, Steak, Hähnchenbrust, ein paar Eisbecher, Kuchen, Getränke. Eigentlich – was das Essen betrifft – alles, was man auch anderswo findet, weil es irgendwo einen Convenience-Hersteller gibt, dass das in der Gasthaus-Küche nur noch aufgewärmt und angerichtet werden muss … Ihr kennt solche Läden.

Wusstet Ihr eigentlich, dass man Würzfleisch auch selber herstellen kann und nicht aus Glas, Dose oder Tetrapack nehmen muss? Die „kleine“ Vorspeise, die – ergänzt durch einen ordentlichen Salat – durchaus auch eine kleine Hauptspeise hätte sein können, kam gewohnt käseüberbacken, toastbeigelegt und worcestersaucenbegleitet auf den Tisch. Rückblickend würde ich behaupten, dass das Würzfleisch etwas mit dem im weiteren Verlauf verspeisten Brathering (sauer eingelegt) gemeinsam hat: sollten sie nicht selbst hergestellt worden sein, kommen die beiden von einem vermutlich handwerklich arbeitenden Erzeuger und sind gut ausgewählt. Ich habe schon Ragout fin oder Würzfleisch namenloser und namhafter Hersteller gegessen; alle haben gegenüber dem hier besprochenen versagt. Letztendlich stört auch nicht, dass die Worcestersauce die falsche war, aber das sind persönliche Geschmäcker. 😉

Nach geltenden Bestimmungen ist zum Beispiel ein „Wiener Schnitzel“ in Form und Zusammensetzung klar definiert: ein dünn geschnittenes ausgeklopftes Kalbsschnitzel, in Mehl, Ei und Brösel paniert und in viel Butterschmalz gebraten. Wird ein Schweineschnitzel paniert, darf man es höchstens „Wiener Art“ nennen. Leider gibt es solche Regeln nicht für alle Standards. Zumal es für manche Gerichte auch keine Standards gibt. Soljanka ist da ein gutes Beispiel. Selbst in der Herkunftsregion findet man in jedem Haushalt ein anderes, wirklich einzig wahres Rezept. Aber selbst unter Berücksichtigung dieses Gesichtspunktes muss man leider sagen, dass das, was da als Soljanka angeboten ist, keine Soljanka ist. Wobei sich die Kritik nicht auf die Qualität der „Suppe“ bezieht. Die ist durchaus wohlschmeckend, vollfleischig, tomatig, aromatisch, lecker. Nur eben keine Soljanka. Es war wohl nur etwas viel Raucharoma (BBQ-Soße?) drin. Übrigens: multifunktional ist sie auch. Ihre Qualität findet sich beim Zigeunertoast wieder, einer Kreation aus Toastbrot, mit einer Masse belegt, die gut die Soljanka in streichfähig sein könnte, und mit Käse überbacken. Lecker.

Steak zubereiten ist eine kleine Kunst, ein Können, das nicht jedem gegeben ist. Große Hitze, kurz eingewirkt, für die Kruste und wenig Hitze zum Punktgaren, dann wird es richtig gut. Vor allem, wenn man einen guten Fleischlieferanten hat (was prinzipiell gegeben ist, wobei ich noch nicht aus eigener Erfahrung weiß, ob der Fleischer wirklich gutes Steakfleisch produzieren kann, andere Produkte sind aber sehr gut). Das Fleisch war wie bestellt medium, aber es hätte durchaus noch etwas besser zubereitet sein können. Die Bratkartoffeln waren selbst gemacht und die Küche gab den Kartoffeln die Möglichkeit, ihr eigenes Aroma möglichst ungestört zu entfalten … Natürlich kann man das Würzen mal vergessen; wir unterstellen dies mal als der Hektik geschuldete Ausnahme und nicht als Regel. Dafür war die Hollandaise auf dem TK-Gemüse (es ist Winter, was soll’s?!) sehr dicht an selbst aufgeschlagen, was wir mal unterstellt haben.

Das Servicedrumrum sei auch noch schnell geklärt: Sonderwünsche wurden erfüllt, der Espresso kam mit Wasser, der Cappuccino war lecker, nur einmal wurde ein fehlendes Besteck nicht bemerkt; das war mit dem Vorspeisenteller verschwunden. Die Rechnung wurde sauber und ohne Nachfragen auf die Gäste aufgeteilt. Und dass wir überhaupt einen Platz und was zu Essen bekamen, obwohl alles für diverse Familien- und verspätete Weihnachtsfeiern (ja wirklich) reserviert war, ist auch dem guten Service zu verdanken.

Zusammenfassend kann man sagen, dass im Blockhaus Boldekow eine ehrliche, gute Küche geboten wird, die zwar noch ein bisschen Luft nach oben lässt, aber auf einem guten, unerwarteten Weg ist. Es wird auch jeder satt (positive Formulierung für: für die meisten könnte die Portion zu groß sein). Das Ambiente – das Blockhaus ist wirklich aus Bohlen zusammengesetzt, was man nicht nur außen sieht, sondern auch innen spürt – ist angenehm rustikal und gemütlich. Ein bisschen ist es schade, dass es noch so neu und ordentlich aussieht, aber der Charakter kommt sicher noch. 😉