Neues vom kleinen Hunger

Bei meinem letzten Wochenendeinkauf (traditionell am Montag – fragt nicht) standen im Kühlregal zwei Milchreisbecher so dicht beieinander, dass sie ins gleiche Blickfeld kamen, obwohl sie von unterschiedlichen Marken gelabelt waren. Da dachte ich mir, dass das doch eine prima Blog-Idee wäre: unterschiedliche Marken, unterschiedliche Preise, gleicher Inhalt. Die beigemengte Fruchtzubereitung war typgleich, der eine Milchreis hatte die Handelsmarke des Discounters oben drauf, der andere war das „Original“, stand zumindest auf dem Becher.

Seit Ewigkeiten aß ich mal wieder Milchreis. Um es vorweg zu nehmen: der angedachte Vergleich fiel aus. Die Zutatenlisten waren zu unterschiedlich. Selbst unter dem Gesichtspunkt, dass die eine nur die umformulierte Form der anderen ist, stimmten sie nicht überein, da sie sich in den Inhaltsstoffen teils grundsätzlich unterschieden. Die färbenden Lebensmittel waren andere, außerdem enthielt der eine Buttermilch, der andere nicht. Außerdem fehlte beim Markenprodukt die Veterinärnummer für den Herstellervergleich.

Was aber viel entscheidender war: die Becherinhalte entsprachen so gar nicht meinen Erwartungen. Wobei das Handelsmarkenprodukt einen my besser schien als die „Original“-Marke, dann aber durch Carrageen in der Zutatenliste wieder negativ auffiel. Ansonsten fand sich in beiden Bechern eher ein Milchpudding mit Einlage zerkochtem Reises, der bei der Handelsmarke den erwähnten my als Reis erkennbarer war. Das im anderem Becher hätten auch kleine Mehlklümpchen oder zu lange gezogene Minipasta sein können.

Wenn euch also mal der kleine Hunger quält, esst ’nen Apfel oder ’ne Möhre. Außer, ihr steht auf kalte, überzuckerte Reisschleimsuppe. Ein Becher enthält knapp ein Drittel des pro Tag empfohlenen Zuckers.

Milchkaffee am Morgen

Diese kalten Milchkaffeegetränke mag ich eigentlich ganz gern. Ein Becher geht pro Tag da sicher bei mir drauf und es ist kein guter Tag, der nicht mit einem solchen Getränk beginnt. Wobei ich mir des frevelnden Umweltgedankens durchaus bewusst bin, aber die ähnlich gelagerten Getränkepulver zeigen meiner Wahrnehmung nach nicht die Qualität und Vielfalt wie die Becherchen. Wobei es geschmacklichen Schrott auch dabei gibt.

Gestern entdeckte ich eine Variante, die ich noch nicht kannte, beim Wochenendeinkauf und so wanderte neben den bewährten auch der Neuling in den Einkaufswagen. Große Namen prankten auf der Vorderseite, was einiges verhieß. Wobei: Ohne es verallgemeinern zu wollen, aber wenn eine bekannte Kaffeemarke vorn mit drauf steht, spricht es meist für fehlaromatisierte Getränke, unabhängig von der Marke. Paradox.

Im aktuellen Fall teilten sich neben Angaben wie 100% Arabica, 100% Alpenmilch und 0% Alkohol eine bekannte Kaffee- und eine Sahnelikörmarke die Vorderseite des Etiketts und „Typ Latte“ stand auch noch drauf.

Vom Sahnelikör war natürlich nix drin im Becher, er wurde durch Aromastoffe simuliert. Da ich ihn „in natura“ noch nicht getrunken habe, fiele mir nur eine Bemerkung der Verwunderung ein, wie etwas, was so schmeckt, so erfolgreich sein kann. Natürlich ist mir bewusst, dass hier der Kaffee geschmacklich auch noch einiges beigesteuert hat, aber: trotzdem. Für den Sahnelikör ist es jedenfalls keine Werbung, vorn auf dem Becher zu stehen. Ein Fläschchen zu kaufen käme mir nicht in den Sinn, höchstens mal in einem (Bäcker-)Café zu schauen, ob die Latte Macchiatto mit Baileys anbieten und wie das im Vergleich zur Becherware schmeckt.

Apropos Kaffee. Die Fehlaromatik könnte auch von dieser Seite kommen, wird sie auch teilweise. Meine Zunge erspürte Geschmäcker, die auch schon andere Milchkaffeegetränke verschlimmbessert haben. Da fragt man sich unwillkürlich, was das soll. Zumal es genug entsprechende Beispiele gibt, die zeigen, dass es auch ohne geht.

Wobei „Beispiele“ bei genauerer Betrachtung nicht ganz richtig ist. Es handelt sich um Handelsmarken bekannter Discounter und Supermärkte, die aber alle etwas gemeinsam haben: Sie kommen aus derselben Molkerei. Und haben in den wesentlichen Typ-Richtungen keine zugesetzten Aromastoffe. Und schmecken. Und vielleicht spielt auch eine Rolle, dass hier gebrühter Kaffee bei der Herstellung verwendet wird und nicht wie bei vielen „Marken“ Produkten löslicher Instand-Kaffee. Da kann man mit Aromen nachhelfen müssen wollen.

Löffelgericht nach Ostern

Da habe ich doch neulich den Tipp eines Spitzenkochs (dank meines Namensgedächtnisses weiß ich leider nicht mehr, wer) aufgeschnappt, wie Stampfkartoffeln und Kartoffelpüree ganz besonders kartoffelig werden. Das Grundprinzip habe ich früher auch schon mal angewandt und es ist ganz einfach: Die Kartoffeln werden nicht in Salzwasser gekocht, dass dann weggeschüttet wird (und mit ihm viel Geschmack), stattdessen wird alles in der Flüssigkeit gekocht, die auch später fürs Püree dazu gegeben werden soll.

So gehts dann hier auch los: Kartoffeln relativ klein schneiden und dann in wenig Milch aufsetzen.

Die Milch wird gesalzen, eine Knoblauchzehe hat sich auch darin verirrt.

Die Kunst dabei, Kartoffeln in Milch zu garen, ist, dass der Kram nicht überkocht und auch nicht ansetzt. Aber beständiges Rühren soll helfen. Die Idee mit Deckel gehörte nicht zu den besten …

Sind die Kartoffeln weich, wird etwas der Kochmilch abgeschüttet, aber aufgefangen. Damit kann man die Schlotzigkeit später noch verändern.

Wie man aus Kartoffeln Stampfkartoffeln – oder feiner: Kartoffelpüree – macht, ist jedem selber überlassen. Nur der Pürierstab verbietet sich wohl. Da der Topf relativ klein war, habe ich es einfach mal mit dem Schneebesen probiert. Geht auch, wenn’s nicht zu fein werden soll …

Ein paar Kräuter helfen immer, auch etwas Muskatnussabrieb. Ich habe beim Grünzeug mal zum Dill gegriffen, der passte am besten mit der letzten Zutat.

Vor einigen Tagen hatte ich ein schönes Stück geräucherten Lachses erworben. Der wurde grob gebröselt und dann mit einem Löffel untergerührt. Dabei erwärmte er sich, aber löste sich nicht völlig auf. So soll es sein.

Und so wurde dann aus Kartoffeln mit ein paar Beigaben ein leckeres Löffelgericht. Sicher passt auch noch die eine oder andere gemüsige Beilage dazu. Aber da fiel mir zum einen nix ein, hatte aber auch nichts in Haus, was gut dazu passte. Aber so reduziert aufs wesentliche waren die Kartoffeln mit dem Lachs auch sehr lecker. Mit Stremellachs könnte ich mir das Gericht übrigens auch vorstellen, nur beim Salzen sollte man insgesamt doch etwas vorsichtig sein. Merke: Nachsalzen geht immer, wegsalzen nicht …

Achja, ein P.S.: Irgendwo in der Zubereitung habe ich auch noch etwas Butter mit dazu gegeben. Das war relativ früh, da ich hoffte, mit dem zusätzlichen Fett die Schaumbildung im Topf beim Kochen der Milch einzudämmen. Das brachte nix, aber die Butter sollte ja sowieso dran.

Ein Desaster in Beige – aber …

Erinnerungen sind manchmal unvollständig, oder einfach nur falsch. Oder es war doch irgendein Detail anders. Oder was auch immer. Und dann ist man aufgeschmissen, wenn man etwas aus der Vergangenheit versucht nachzuempfinden und das geht dann – teilweise – in die Hose. Spätestens die Optik lässt bei nachfolgendem Gericht arg zu wünschen übrig. Auch das Handwerk ging etwas den Bach runter. Aber der Reihe nach.

Vor längerer Zeit war ich bei einem Videodreh beteiligt, in dem zwei Entenbrüste eine gewisse Hauptrolle spielten. Die Soße als Beilage ignorieren wir mal freundlich. Was bei dem Gericht wirklich wunderbar und durchaus beeinflusst von den Dreharbeiten gelang, waren die Brüste. Sie passten, als ob sie dafür gemacht waren, richtig gut in die Pfanne und „frittierten“ langsam in ihrem eigenen Fett vor sich hin. Das Problem war: durch die Dreharbeiten verzögert sich die Zubereitung einer Speise wesentlich. Wenn ich an das in gleicher Reihe vorgestellte Gazpacho denke, wo die 15-20 Minuten für die Zubereitung auf 3 Stunden durch die Dreharbeiten ausgedehnt wurden.

Damit muss man beim Kochen dann natürlich denken. Es soll ja auch nichts übergaren. Immerhin haben wir nach dem Finale die erkochten Speisen auch immer gegessen. Und so lagen eben die Entenbrüste in der Pfanne, die gerade mal so heiß war, dass das Fett leise vor sich hin brizzelte. Die Nettobratzeit lag bei über 45 Minuten (eigentlich ein Unding), aber durch das sehr sanfte Garen waren die Entenbrüste butterzart und lecker.

In Erinnerung daran dachte ich mir, dass muss sich doch irgendwie wiederholen lassen, auch wenn keine Videokamera dabei ist. Also habe ich mir eine Entenbrust besorgt. Da ich noch etwas Soße dazu ziehen wollte, lag auch ein Paket Wurzelgemüse mit im Einkaufskorb, den Rest hatte ich zu Hause.

Es ist sogar noch die Originalpfanne aus dem Video. 😉 Damit sollte es gelingen. Sie wird nicht zu stark erhitzt.

In die Pfanne kommt etwas Öl. Das ist kaum ein halber Teelöffel.

In diesen Ölfleck kommt die Entenbrust. Die Haut hatte ich rautenförmig angeritzt und gesalzen. Als die Brust in der Pfanne lag, kam auch auf die Oberseite etwas Salz. Nun heißt es warten.

Irgendwann tritt Fett aus der Haut der Brust. Das wird auf die zweite Hälfte der Pfanne laufen gelassen (ab und an leicht schräg stellen). Während dieser Zeit sollte es unter der Brust leicht braten, etwas mehr, als es bei meinem Kochversuch hier stattfand.

Hat sich genug Entenfett ausgelassen, kommt das feingehobelte Gemüse dazu: Lauch, Sellerie, Möhre, Knoblauch. Salz ist auch noch drüber gestreut.

Das Gemüse wird ab und an umgemengt, dass es von allen Seiten anröstet und in Kontakt mit dem Entenfett kommt.

Alles braucht seine Zeit. Das Gemüse wird umgerührt und gewürzt: Pfeffer, eine Spur Chili oder Rosenpaprika; die Entebrust bleibt auf der Hautseite liegen. Ab und zu kann man ja mal gucken, aber gleich wieder niederlegen.

Als ich die Entenbrust nach einer knappen Dreiviertelstunde umdrehte, hätte ich mir schon etwas mehr Bräune gewünscht. Aber nun wurde die andere Seite gebraten. Die Temperatur habe ich etwas erhöht, aber nur wenig. Ich hätte mal früher die Haut kontrollieren sollen und damit früher die Hitze von ganz wenig auf wenig korrigiert.

Aber, man weiß sich ja zu helfen. Die Entenbrust kommt unter den Grill zum Aufknuspern. Ich hoffe, sie wird nicht zu gar.

Zeit, sich um die Soße zu kümmern. Ein Glas Rotwein kam dazu.

Ebenfalls ein kleines Glas Orangensaft. Ehrlich gesagt war es eine Saftmischung, aber Orange war der Hauptanteil neben Mango, Ananas u.a.

Da mir die Soße nun etwas süß vorkam, habe ich einen Schuss Balsamico-Essig hinzu getan.

Und dann alles püriert.

Dabei kam etwas heraus, dass vermutlich eher als Creme denn als Soße durchgeht. Ein Versuch, es mit Sahneschorle (=Milch) zu verlängern, brachte eine zusätzliche Schlotzigkeit und rundete die Soße geschmacklich ab, verdünnte sie aber nicht bis in eine Soßenform. Brühe oder Fond war nicht zur Hand und noch mehr Rotwein wollte ich auch nicht verwenden. Aber abgeschmeckt habe ich sie noch.

Die aufgeknusperte Entenbrust kam dann zum Entspannen noch ein wenig in die Creme.

Zugegeben: Die Optik ist nicht optimal. Auch die lange Garung mit zu wenig Hitze auf einer Seite war offensichtlich nicht so gut. Aber die Brust war durchaus schmackhaft, auch wenn die Haut ein wenig Knusprigkeit vermissen ließ. Die „Soße“ hatte eine gewöhnungsbedüftige Konsistenz, blieb aber dafür als dünnes Gemüsemus gut an den reingeditschten Fleischstücken hängen und war aromatisch gesehen absolute SPITZE!

 

Milchschorle, ohne Sprudel und ohne noch viel mehr

Wenn Milchprodukte ungekühlt den Lebensmitteleinzelhandel passieren, werde ich gleich etwas skeptisch.

Sie ist tot, Jim. (irgendwo bei Startrek)

Aber man muss seine Befindlichkeiten auch mal überwinden und sich für Neues öffnen.

Wer sich für alles öffnet, ist nicht ganz dicht. (alte Staubeckenweisheit)

Lesen wir also die informativen Aufdrucke auf dem Etikett. Beste Milch aus der Heimat (Münsterland – sie haben ja nicht von meiner Heimat geschrieben, also warum nicht Götz Alsmanns Heimat), guter Fruchtsaft und ein Schuss Wasser vereinigen sich zu einem Getränk, das glücklich macht.

Trinkwasser (tot), Milchpermeat (auch tot), Magermilch (leer), Säfte aus Konzentraten und Extrakten (tot), Zucker, Pektin, Zitronensäure und „natürliche Aromen“ (schmeckt wie was, kommt aber woanders her) machen in ihrer Mischung sicher glücklich – vor allem den Hersteller. Und den Handel.

Der Mensch, der die „Stille Fruchtmilchschorle“ (kein Scherz, so heißt das wirklich) kauft, wird mit pfandfreiem Müll – immerhin in einer plastiküberzogenen Glasflasche – erfreut. Dazu hat das Getränk mehr Kalorien als Cola, sieht aber dank Farbstofffreiheit (doch noch was positives gefunden) grau und blass aus.

Aber sie ist lt. Etikett „bunt und fruchtig“ im Geschmack. Was da die Synästheten zu sagen, wenn etwas bunt schmeckt. Dass eine Schorle ggf. doch etwas anders schmeckt als das unverdünnte Original, habe ich als Schorlentrinker mittlerweile auch schon mitbekommen. Und ich verschorle fast alles, Säfte, manchmal Nektare, Limonaden u.a. Was schade ist: Cola-Schorle geht gar nicht. Was erstaunlich ist: bei Ginger-Ale-Schorle schmeckt man sogar den Ingwer. Gemüsesaftschorlen flocken komisch aus (wenn man mit Sprudel verschorlt) und auch Citrus-Säfte sollten ohne Fruchtfleisch sein. Schmeckt zwar trotzdem, sieht aber komisch aus.

Mit Kohlensäure geht Milchschorle vermutlich auch nicht. Aber mit Wasser kann man Milch schon verdünnen. Auch Magermilch lässt sich verdünnen. Wobei mir dabei der alte Witz bzgl. amerikanischem Bier einfällt: Bud light ist der gelungene Versuch, Wasser zu verdünnen.

Und ihr denkt, nur die Politik verscheißert euch …

P.S.: Habt ihr oben auch Staub-Ecken-Weisheit gelesen und nicht das ursprünglich gemeinte Stau-Becken-Weisheit?

P.S.II: Milch essen, die aus der jüngsten Periode des Erdaltertums (Paläozoikum) stammt, also 250-300 Mio. Jahre alt ist? Milch-Perm-Eat. Blödes Wortspiel. Milchpermeat (s. o.) ist eine Flüssigkeit, die bleibt, wenn man Milch Fett und Eiweiß – also die wertvollen Sachen – entzieht.