KW50 – Konträres

Diese Woche gibt es einiges zu berichten, auch wenn es alles nur Kleinigkeiten sind. Aber manchmal ist man ja schon froh, wenn wenigstens das passiert … ;-) Und ich bin mir nicht so ganz sicher, womit ich anfangen soll und womit aufhören … Und eigentlich müsste ich auch noch etwas “nachrecherchieren” … ja, ich weiß, dass dieses Wort schwachsinnig ist. Aber auch schön. Also los.

Twitter. Da bin ich ja auch vertreten. Sogar doppelt. Einmal als ich und einmal als hiesiger Hausherr. Klingt komisch, ist aber so. Und als Leser dieses Nachrichtendienstes erfährt man auch viele Meinungen und auch ab und an was neues. So las ich etwas über einen Haferdrink, den ich so noch nicht kannte, und da ich ihn beim Wocheneinkauf plötzlich vor mir stehen sah, nahm ich ein Paket mit und testete ihn. Zimmerwarm schmeckt er übrigens nicht. Aber das muss nichts heißen. Zimmerwarm schmeckt mir auch keine Milch. Entweder kalt oder heiß. Und kalt gings, aber das ist nicht das einzige Kriterium.

Latte macchiatto á la HaferAls Milchkaffeebasis hatte ich die Produkte anderer Hersteller auch schon probiert und ohne grob pauschalisieren zu wollen, kann man die Ergebnisse – und da ordnete sich auch dieser Drink ein – zusammenfassen in: Wer Muckefuck mag, wird auch diese Mischung lieben. Zugegeben: von allen Haferdrinks, die ich bisher hatte, hat dieser den Kaffee am wenigsten vermuckefuckt. Allerdings werden die Zutatenlisten auch irgendwie immer länger.

Grundsätzlich bleibt die philosophische Frage, was eigentlich der perfekte Haferdrink ist: ein kernig schmeckendes Getränk, das seine Herkunft nicht verbirgt und ein eigenständiges Produkt ist, oder eine Milchalternative, die versucht, ihrem Vorbild in allerlei Eigenschaften immer näher zu kommen. Beide Wege werden beschritten, im breiten Consumerbereich hauptsächlich der zweite, im Bio- und Direktvertriebsmarkt auch der erste. Nur, welcher ist der bessere? Die Freunde der Milchalternative müssen vermutlich immer mit dem Makel leben, dass ihre Produkte immer industrieller und die Zutatenlisten immer länger werden. Die Liebhaber des echten Haferdrinks haben ein neues Grundprodukt für die Küche und fürs Leben in die Hand bekommen, was man daraus machen kann, wird sich noch zeigen (müssen).

Apropos Twitter und Empfehlung von Ersatzprodukten. Vor einiger Zeit las ich einen begeisterten Tweet von jemandem, der gerade ein veganes Cordon Bleu eines bekannten Herstellers probierte und hellauf begeistert war. Auch das fiel mir neulich schon bei einem Einkaufsbummel ins Auge und an diesem Wochenende habe ich es dann endlich probiert. Ganz nach Vorschrift.

Öl erhitzenZuerst wurde Rapsöl in einer Pfanne erhitzt. Dabei packte ich die beiden Cordon bleus auch gleich mal aus.

Cordon Bleu veg.Es mögen vielleicht laut Gesetz keine Geschmacksverstärker enthalten sein, aber der Duft nach gebratenem Geflügelfleisch, der mir nach dem Öffnen der Packung (und noch im kalten Zustand) entgegenschwappte, lässt einen intensiven Griff ins Aromastoff-Regal vermuten.

Cordon Bleu anbratenAb in die Pfanne mit den beiden Stücken (es ist übrigens – zur Größenorientierung – eine 20-cm-Pfanne) und laut Vorschrift bei mittlerer Hitze braten.

es brät*bratgeräusch*

Das Umdrehen sollte rechtzeitig erfolgen. Niemand mag angebratene Panade.

nach dem WendenAuch auf der zweiten Seite brieten die beiden Stücke eine Weile vor sich hin. Damit es beim Essen nicht zu fettig wurde, kamen sie dann erstmal auf Küchenkrepp.

Öl abtropfen lassenDas ganze verzierende Drumrum habe ich mir dann mal gespart und sie pur auf einen Teller verfrachtet.

Knusprig. Käsig. Nichtssagend.Die Optik war halbwegs stimmig. Vor allem hatten die beiden nicht den Nachteil des Originals, das nie so ebene Bratflächen hat wegen seiner gewachsenen Formen. Gepresste Formen sind da eindeutig im Vorteil. Schön gebräunt und auch schön knusprig. Also die Panade. Das Innere blieb unauffällig. Wer nur die ausgelaugten Fertigstücke von Cordon Bleu kennt, wird vermutlich recht zufrieden sein. Einen echten Kulinariker kann diese nichtssagende Füllmasse innerhalb der Panade nicht wirklich überzeugen. Konsistenz und Geschmack kommt über vergleichbar zubereitetes Formfleisch nicht hinaus, nur hat das auch nach der Erwärmung noch Geschmack, der hier durch das Braten größtenteils verflogen ist. Ein verwechselbares Industrieprodukt, dass keinen bleibenden Eindruck hinterlässt, weil es sich nur an seinesgleichen unter den fleischlichen Vorbildern orientiert und nicht an den ursprünglichen Originalen.

Da lob ich mir doch die Sonntagsroutine, die mit einem freundlichen Besuch im Testzentrum beginnt und dann das Aufsuchen einer kulinarischen Stätte nachfolgen lässt. Und auch, wenn sich die halbe Ente nicht nur auf der Speisekarte sondern auch verstärkt durch den Service förmlich aufdrängte, sprang mir – leicht Déjà-vu-esk – ein gebratenes Zanderfilet ins Auge, dessen üppiges Gemüsebett (lt. Ernährungsplan) den kleinen begleitenden Klecks Kartoffelpüree augenzwinkernd durchgehen ließ.

Zander auf Gemüsebett mit KartoffelbreiDie Kräuterbutter kam schnellstmöglich ins Püree, die Zitronenspalte ausgepresst ins Wasserglas. Und dann wurde es recht angenehm. Obwohl die Erbsen in der absoluten Mehrheit waren (ich mag sie), kamen auch Schoten … (ja, ich weiß), Möhren, Blumenkohl, Romanesco u.a. auf den Teller. Das kann man mal wieder essen. Aber …

Der nächste Sonntag ist der 2. Weihnachtsfeiertag. Da essen Vattern und ich zu hause bei ihm. Traditionell gibts Kochfisch (ich bin zuständig und habe noch nichts gefunden, was mir vorschwebte, da muss ich wohl noch improvisieren; und endlich was einkaufen). Der Plan für den 1. Feiertag und den Heiligabend davor steht eigentlich auch und ist gelebter, langjähriger Standard. Und so freue ich mich auf Spinat und Spiegelei am Mittag des 24., am Abend dann den gebackenen Karpfen, am 1. Feiertag gibts Ente mit Rotkraut udn Klößen. Im Kochbeutel. Also nicht nur die Klöße. Alles. Ich bin gespannt. Lasst Euch auch überraschen. Und am 26. dann den gekochten Fisch. Mögen die Einkäufe gelingen.

Zwischendurch ein Käffchen

Natürlich sollte ich sowas nicht trinken – spätestens der Zuckergehalt ist für einen ehrlichen Genuss viel zu hoch, aber ich mag sie trotzdem, die kalten Milchkaffeegetränke, die eigentlich alle Discounter und Supermärkte in einer großen Vielfalt anbieten. Große Vielfalt? Naja, nicht wirklich. Sie war schon mal größer. “Espresso Macchiatto”, “Latte Macchiato” (auch in weniger süß oder Karamell oder Vanilla), “Cappucino”, “Intenso”, “Zero” – gab es mal in einem Discounter in Hausmarke. Die beiden letzten scheinen verschwunden (die mochte ich mit am liebsten), Karamell und Vanilla sind sowieso nur Aktionssorten. Der “Latte macchiatto weniger süß” hat immer noch mehr Zucker drin als der “Espresso Macchiatto” und ist mir genau wie der “Cappuccino” zu süß. Und wenn man nachmittags gern mal was selbst bereitetes zu sich nimmt, merkt man schnell, dass die Namen auf den Verpackungen doch mehr Wunschdenken als Wirklichkeit sind.

Aber morgens, in der Phase zwischen “noch nicht ganz wach” und “huch, ich muss los” ist so was trinkfertiges schon praktisch. Und spätestens, wenn man immer mal woanders einkauft, bekommt man auch noch etwas Vielfalt … Nein. Die Hausmarken von Netto (mit und ohne Hund), Lidl, REWE, Aldi & Co. kommen alle aus der gleichen Molkerei. Und die echten Marken, die man in einigen Häusern findet, schmecken nicht, da sie im Ggs. zu den Hausmarken mit Aromastoffen und anderen Mittelchen arbeiten. Erstaunlich, aber wahr: die preiswerteren Hausmarken sind besser als die echten Marken.

Aber warum schreibe ich das alles? Beim Wochenendeinkauf entdeckte ich neben den gewohnten Bechern eine neue Sorte. Also rein in den Einkaufswagen damit und getestet: einen Schluck probiert, Zutatenliste gelesen, noch einen Schluck probiert. Hm. (Nicht Mmmh!). Schade um den “guten” Kaffeeextrakt. Der erlitt das gleiche Schicksal wie das Salz im Salted Caramel: Es schmeckt dadurch nicht salzig, aber anders. So auch bei dem Milchkaffee, der keiner war. Es schmeckte nach Hafer, aber nicht wie purer Haferdrink.

Das koffeinhaltige Kaffee-Getränk auf Haferdrinkbasis lie´ß vor allem den Kaffeegeschmack vermissen. Dafür schmeckte es überschwenglich nach Hafer, für den schon ein recht starker Kaffee gebrüht werden müsste, um dagegen anzukommen. Aber “gebrühter Kaffee” aus Kaffeeextrakt??? Vielleicht muss man, wenn man so viel Kaffee hineingibt, dass es auch danach schmeckt, einen ähnlichen Koffeinwarnungsaufkleber anbringen wie er auch auf Energy-Drinks gehört. Und wer morgens sein Porridge (formely knows as Haferschleim) mag, trinkt vielleicht auch dieses Getränk gern. Es schmeckte auch nicht mal nach Muckefuck (sicher der Trink-Kälte geschuldet). Dieses Aroma hatte ich seinerzeit mal bei meinen Versuchen mit Haferdrinks (Barista-Edition) für den selbst zubereiteten heißen Milchkaffee festgestellt.

Die Zutatenliste ist natürlich auch mindestens doppelt so lang wie die der Hausmarkenkaffeegetränke. Aber das liegt in der “Natur” der Sache. Fazit (geschmacklich): Kann man mal trinken, muss man aber auch nicht. Oder so viel trinken, bis einen das Haferaroma nicht mehr stört. Aber dann hat man einige Zucker-Kilos mehr drauf als vorher.

Zusammenfassung Haferdrink

Seit dem letzten Wochenende habe ich mir nach und nach einen bekannten Haferdrink in den Kaffee getan. Oder den Kaffee in den (aufgeschäumten) Haferdrink. Wie man will.

Als ich das erste Mal den Karton aus dem Kühlschrank nahm, erschrank ich ein wenig und ärgerte mich. “Mist, haste ein abgelaufendes MHD erwischt.” Irgendwas mit Ende August … Der zweite Blick brachte dann auch noch die Jahreszahl ins Bewusstsein: 2021. Nicht mehr viel Natur drin in dem Drink, wenn es so lange haltbar ist.

Aber schäumen tat’s gut. Und recht stabil war der Schaum auch. Es gibt Milch, da fällt er eher zusammen (oder bildet sich gar nicht erst so gut). Es gibt aber auch Milch, da ist das Ergebnis vergleichbar, wenn nicht besser.

Und wer Landkaffee oder “Muckefuck” mag, wird auch Milch mit Haferdrink mögen. Es schwingt immer ein kleiner Hauch des Getreidekaffees mit. Edle Kaffeesorten braucht man also nicht, da der Geschmack mehr verfälscht wird als bei Milch. Wer eher Wirkungstrinker ist oder bei wem das Mischungsverhältnis eher zu gunsten des Kaffees liegt, da mag es nicht so intensiv empfinden.

Warum ausgerechnet sortenreine Milchersatzgetränke dem Original nahe kommen sollen, werde ich auch nie begreifen. Liebe Hersteller: Mischt doch mal ein bisschen, vielleicht ist das Ziel dann eher zu erreichen.

Vorgriff auf Sonntag

Wobei es eine Sonntag-Berichterstattung trotzdem noch geben wird. Aber das heutige Abendbrot brachte ein Gericht auf den Tisch des Hauses, das so oder so ähnlich auch schon mal am Sonntagmittag eine Rolle spielte. Vielleicht gibt es also morgen keinen Fisch…

Matjes an Kartoffelbrei und RadischensalatDie Matjes habe ich natürlich nicht selber gemacht. Sowas kann man aber gut kaufen. Man kann es auch schlecht kaufen, da muss man genau gucken. Die Soße entsprang der Matjespackung und … naja. Man soll ja keine Lebensmittel wegwerfen.

Der Kartoffelbrei ist ein wenig hip. Neben dem Rahm oben von einem Becher Sahne ist ein ordentlicher Schuss Haferdrink drin und was soll ich sagen: Die Kartoffel bietet genug eigene Aromatik und überdeckt das Hafersack-Au-Goût auf’s trefflichste.

Die Radieschen sind in Scheiben geschnitten, gesalzen und leicht gepfeffert. Das Grünzeug auf dem Teller ist Petersilie. Was das Graugrünzeug in der Soße ist, weiß ich nicht.

Apropos Radieschen: Ein Haushaltstipp! Schlaffe Radieschen werden wieder knackig, wenn man sie ohne Grünzeug einige Stunden in kaltem Wasser liegen lässt. Gilt auch für Möhren, aber bei den Radieschen habe ich es gerade heute getestet.

Nachtrag zum Vortrag

Heute früh testete ich Haferdrink in Caffé Latte (oder so was ähnlichem), indem ich den Milchersatz mittels meiner Kaffeemaschine aufschäumte. Dabei bemängelte ich den intensiven Hafersackgeruch beim Aufschäumen, was sicher dem Prinzip des Vorgangs geschuldet war. Aber es gibt ja mehrere Arten, Flüssigkeiten aufzuschäumen, wenn sie denn die Grundfähigkeit dazu besitzen.

Milchaufschäumen IIGuckt nicht zu lange auf das Bild, dann gibt’s ‘nen Drehwurm. ;-) Unten dreht sich zügig so eine runde Spirale, zusätzlich wird das ganze kontrolliert erwärmt.

Jetzt fehlt nur noch CafféWer genau hinsieht, wird bemerken, dass die Schaumausbeute trotz umfüllens doch durchaus ergiebig ist. Und man musste seine Nase schon recht dicht über den Herstellungsbecher halten, um an den Hafersack erinnert zu werden.

Et looftDer einlaufende Caffé wird die Grenze zwischen Drink und Schaum verdeutlichen.

Latte macchiatto haferensis IIDas ging doch schon mal gut. Milch bliebe meiner Erfahrung nach im unteren Drittel sauberer, aber “macchiatto” heißt ja sowas wie “verschmutzt” … ;-)

Fazit: Der Schaum steht. Der leichte Braunschimmer (auch schon ohne Caffé) ist bei geeigneter Beleuchtung kaum zu sehen. Das Landkaffee-Aroma schwingt aber auch hier mit, es wäre also verwerflich, hochwertige Kaffees für die Zubereitung zu verwenden.

Zu einer guten Anwendung des Haferdrinks kommen wir dann im nächsten Beitrag. Es gab Fisch zum Abendbrot. Jetzt könnt ihr an dem Zusammenhang ein wenig rumkauen. ;-)

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