Freundlich, aber auch wechselhaft

Wenn die Mamma durchs Ristaurante geht und man möchte ihr nicht im Weg stehen, … wenn der Padrone an einem Tisch in der Ecke sitzt, mit dem Smartphone kommuniziert, Geschäfte tätigt und einem Radioprogramm lauscht, dessen Moderatoren man nicht versteht, weil sie eine fremde Sprache sprechen, … wenn das Ambiente irgendwie griechisch anmutet, der Rest aber auf italienisch hindeutet – egal, Hauptsache mediterran – dann hat man einen spannenden kulinarischen Abend vor sich und darf gespannt sein, was noch so passiert.

Der erste Eindruck war wirklich etwas irritierend, als wir ca. anderthalb Stunden vor Ladenschluss das Ristorante stürmten. Es war aber auch schon unsere dritte oder vierte Anlaufstelle an dem Tag; die anderen hatten geschlossen, es gab sie gar nicht mehr oder hatten veränderte Öffnungszeiten. Aber die Pizzaria gab Hoffnung auf Nahrung, und was alles passiert ist, hört ihr im Podcast:

Trattoria Pizzaria „Sale & Pepe“
Altentreptow
Brandenburger Straße 3
http://www.trattoria-pizzaria-sale-e-pepe.de/

Von gelben Elefanten und blauen Mäusen

Es soll ja Leute geben, die sich darüber ärgern, wenn es nichts gibt, über das sie sich ärgern können. Ich ärgere mich manchmal über die Deutsche Post, allerdings auf einer sehr nerdigen Ebene. Ich bin mir dabei außerdem noch nicht mal sicher, ob die Post wirklich der richtige Adressat für diesen Ärger ist, aber bei dem vor einigen Jahren erfolgten Abbau von Briefkästen liegt es nahe. Mir ist nämlich vor einiger Zeit aufgefallen, dass, wenn man ins Navigationsgerät nur einen Ortsnamen eingibt (und das Navi lässt dies zu), man mit der Route immer an einem Briefkasten endet. Es kann auch eine Eigenheit meines ersten Navis gewesen sein, aber heute funktioniert das leider nicht mehr. Stand eigentlich mal in der Nähe des marktplatzseitigen Eingangs des Hotels „Vier Tore“ ein Briefkasten?

Um zum heutigen „Ausflugslokal“ zu kommen, sollte man vielleicht nicht unbedingt den Anweisungen des Navis glauben. Die schöne Strecke ist (zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Beitrages) in einer Ortsdurchfahrt gesperrt, die etwas längere, aber schnellere Strecke ist nur nicht so schön. Ggf. bietet sich das Lokal als Wegstation für eine Rundreise rund um die Müritz an, die allerdings motorisiert sein sollte, der Weg ist doch relativ lang. Allerdings würde mir da sogar eine kulinarisch hochwertige (Fr)Ess-Route einfallen… Vielleicht am Ende etwas mehr dazu.

„Ausflugslokal“ schreibe ich bewusst in Anführungsstrichen. Der Begriff ist natürlich irreführend, allein der „…flug…“ hat eine gewisse Verbindung zum Restaurant. Überhaupt keine Verbindung – jedenfalls bisher – zum Restaurant hat übrigens der Autor, obwohl es manchmal so scheinen will. Aufmerksam gemacht durch einen Blogfreund aus der Region enterten wir eines schönen Abends die gastliche Stätte. Aber was heißt „entern“? Offene Türen liefen wir ein. Und das ist nicht nur wörtlich zu nehmen. Der Empfang war freundlich, wirklich freundlich, nicht mecklenburgisch freundlich, nicht aufgesetzt freundlich, einfach nur freundlich. Und aufmerksam, aber auch nicht aufdringlich. Man könnte es für die Situation perfekt nennen, wenn man nicht vorsichtig mit solchen Aussagen sein sollte. Aber ich fürchte, derartige Aussagen werden der rote Faden dieser Geschichte werden.

Die beiden Hauptkritikpunkte, die es bezüglich unseres Aufenthalts gab, sind a) der fehlende schöne Sonnenuntergang (es war wettertechnisch etwas grau) und b) die fehlenden sonstigen Kritikpunkte. Ich möchte keine allgemeine Lobhudelei durchführen, aber es war so. Und das lässt sich auch an konkreten Eckpunkten festmachen. Einfaches Beispiel: Im Laufe des Abends kamen drei verschiedene Brotsorten auf den Tisch. Alle waren frisch, vermutlich teilweise selbst oder handwerklich gemacht. Das gleiche gilt analog auch für die vorspeislichen Suppen. Eine trug sogar des Autors Namen. Völlig zusammenhangfrei. Schön war auch, dass ich meiner Lust nach Carpaccio – ich möchte mal sagen: nach Art des Hauses – frönen konnte. Was da auf mich zukam, war eines der besseren seiner Art, obwohl mittig ein kleiner Berg á la Ruccola thronte, ein Kraut, dessen Bedeutung für die menschliche Ernährung ich bisher immer verneinte. Hier war die Rauke (der alte deutsche Name für das Grünzeug) mit einem einfachen, aber guten Dressing wohldosiert und so gut angemacht, dass mir das Modekraut sogar schmeckte und dass das eigentliche Carpaccio, die rohen Wildfiletscheiben, nicht ätschensauer überschwemmt wurde, wie ich es in manchem italienischen Restaurant der Region schon erlebt habe, wo es vielleicht die Aufgaben des Aperitifs mit übernahm.

Zu den Hauptgerichten gibt es eigentlich wenig zu sagen: Der auf der Hautseite gebratene Zander war so, wie ein auf der Hautseite gebratener Zander sein solle. Und es mag wie eine Selbstverständlichkeit klingen, aber die Hautseite war beim Servieren auch oben, was nicht überall der Fall ist, dort aber das vielleicht noch gute Küchenergebnis auf dem Weg bis zum Gast zerstört. Hier im Restaurant war der Fisch aber auf dem Punkt beim Gast, was vielleicht auch ein wenig an den vorgewärmten Tellern lag, ein bei weitem nicht verbreiteter, aber meist doch sinnvoller Service. Auf dem Punkt war übrigens auch die Hähnchenbrust – gegrillt, aber saftig. Und der ebenfalls gegrillte Spargel. Und die Steakhouse-Pommes – natürlich nicht gegrillt. Die gab es übrigens zu einem Wildburger.

Beim Stichwort Wildburger sollte ich eigentlich ein gebranntes Kind sein. Aber diesmal gab es kein Extra-Kännchen mit Bratenfond dazu, was auch wirklich nicht notwendig war. Der erste Eindruck: ENDLICH mal ein Burger, der nicht durch diese labrig-weichen Burger Buns eingerahmt wird, die man sonst so kriegt. Endlich mal richtiges Brot drumrum! Sehr gut. Tomatenscheibe, saure Gurke, Ruccula(!), aber nicht überbordend. Und wenn man es genau nimmt, war es sogar ein Cheeseburger. Aber welchen Käse macht man auf einem Wildburger? Bei der Beantwortung dieser Frage hilft vielleicht der Gedanke daran, welches Obst gern zu Wild gereicht wird. Dieser kleine Umweg über die Preiselbeeren bringt einen dann schnell auf die Idee: Probieren wir es mal mit Camenbert. Beides ergänzte den Patty genussvoll. Zum individuellen Perfektionismus fehlte nun nur noch, den Burger auch direkt aus der Hand zu essen – das muss so. Allein, das Brot hielt der geballten Geschmacksbombe nicht stand, so dass dann doch das bereitliegende Besteck zum Einsatz kam. Immerhin ließ er sich damit sogar essen, nicht wie gewisse andere, teils überdimensionierte Burger Buns, die man bei leichter Durchfeuchtung nicht mal mit einem Löffel sinnvoll essen könnte. Und damit meine ich einige Anbieter von Burgern in Restaurants.

Durch den Service aufs angenehmste umhegt, final mit leckerem Käffchen in selten gesehener Qualität versorgt, endete der Abend aufs angenehmste. Das sowas passieren kann (und wohl auch regelmäßig tut) muss sich in der Gegend des Lokals schon rumgeprochen haben. Es war voll. Zumindest innen. Im Biergarten bot sich noch etwas Platz. Vielleicht sollte der interessierte Anwärter des Gaststatusses vorher seinen Platz reservieren. Die Kontaktdaten finden sich auf der Webseite der „Blauen Maus“ in Mirow, die nur einen Nachteil hat: Man kann keine Menükarte nachlesen.

P.S.: Die Müritz-(Fr)Ess-Runde bleibt noch nachzutragen. Wer früh los fährt, macht zum Frühstück schon erste Station am Warener Hafen, wer sich später auf den Weg macht, nutzt den gleichen Ort zum Mittagessen. Dort gibt es das Leddermann, dass sowohl Frühstück wie auch Mittag anbietet (Abendbrot natürlich auch). Anbieten tut sich auch eine vorherige Reservierung. Eine Zwischenstation wäre vielleicht in Sietow (Scheune) anzudenken. Käffchen und Kuchen sind vorhanden. Auch Bollewick könnte man in die Route aufnehmen. Dann gehts in Richtung Abendbrot weiter nach Mirow in die Blaue Maus (Zwischenstationen mit Kulturprogramm sind individuell zu planen). Und von dort dann über Userin und Neustrelitz wieder nach Neubrandenburg, was bei den Gedanken auch der Ausgangspunkt war.

P.S.II: Die im Beitrag genannte TOP3 der besten bisher geprüften Restaurants ist quasi ohne Reihenfolge, wobei zwei davon „auf Wiedervorlage“ stehen, da sich durchaus wesentliche Eigenschaften seit dem Besuch dort geändert haben. Nochmal zusammengefasst: Zur TOP3 gehören: berlin (Neubrandenburg)*, Leddermann (Waren)* und Blaue Maus (Mirow). Die mit * sind auf Wiedervorlage, da bei einem Koch und Besitzer gewechselt haben, beim anderen die Örtlichkeit. Daraus könnte man jetzt schließen, dass die Blaue Maus auf Platz 1 ist … … …

Irgendwass fehlte …

In Schwerin war ich mal bei einem – wie ich es nannte – Multi-Kulti-Italiener. Neben entsprechenden Klassikern gab es auch Chop Suey, argentinische Steaks und vielleicht auch noch etwas aus der deutschen Küche. Die Erinnerungen schwinden langsam, zumal es das Lokal auch schon eine Weile nicht mehr gibt.Das Grundprinzip scheint es aber häufiger zu geben, wenngleich auch immer mit einer anderen Zusammensetzung.

Martin, ich und der Notar waren mal wieder essen (wurde ja auch langsam mal wieder Zeit) und landeten in einem Restaurant, dass man als mediterran bezeichnen könnte, wenn es noch Paella oder etwas anderes typisch spanisches angeboten hätte. Die griechische Küche war jedenfalls vertreten, die italienische machte den Hauptteil der Speisekarte aus.

Da es zum gesprochenen (s.u.) nicht wirklich viel zu ergänzen gibt, sei an dieser Stelle ein wenig über die Qualitätskriterien philosophiert. Natürlich spielen Atmosphäre, Service u.a. Kriterien auch eine Rolle, selbst ein Blick in die sanitäre Abteilung lohnt sich bei der Einschätzung eines Restaurants. Schwerpunkt bleibt aber immer das Essen und das Trinken. Und wenn man da ein „Standard“-Gericht bestellt, erwartet man dann auch etwas bestimmtes. Da ist es erfreulich, wenn bestimmte Speisen gesetzlich definiert sind. Das Wiener Schnitzel muss aus Kalbsfleisch sein, im Bier nur Hopfen, Hefe, Malz und Wasser usw. Aber auch ein paar andere, nicht verbindlich definierte Standards gibt es, wie diese Butter-Ei-Soße namens „Hollandaise“ oder ein Gulasch, wo man jetzt nicht unbedingt grobe Apfelstücke drin erwarten würde, außer, es würde beispielsweise als Apfel-Leber-Gulasch tituliert werden (Gibts das Gericht schon? Wäre ja mal eine Idee …).

Zum anderen ist die frische, handwerkliche Herstellung der Speisen ein wichtiges Kriterium. Tiefgefrorenes gekonnt auftauen kann ich auch selber machen, und seitdem der Geschirrspüler den Abwasch übernimmt, braucht es für derartiges Essen keine Gaststätte. Es ist erstaunlich, wie viel verschiedenes ein guter Koch auf den Teller zaubern kann, wenn man ihn ließe. Leider werden viele dann aber doch zum Fertigessen-Aufwärmer degradiert. Das ist keine gute Gastronomie, auch wenn uns das entsprechende Hersteller gern einzureden versuchen. Das ist Dutzendware/Industrieware, wo man sich nicht wundern muss, dass manche Gerichte in mehreren unterschiedlichen Restaurants gleich schmecken. Und wenn man schon Fertiggerichte verkauft, sollte man vor der Erwärmung mal auf die Packung gucken und die Bedienungsanleitung lesen, damit alles – im Rahmen der wenigen Möglichkeiten – bestens beim Kunden/Gast ankommt.

Aber nicht nur das Essen spielt eine Rolle. Auch die Getränke. Die werden meistens nicht in den Gaststätten selber hergestellt sondern fertig eingekauft. Aber auch damit will gut umgegangen sein. Eine schale Limonade gehört in den Ausguss und nicht ins Glas des Gastes, was natürlich auch für Bier und andere Getränke gilt. Die meisten Tees gehören mit kochendem Wasser übergossen, da kann man nicht ein Glas heißes Wasser erst an den Tisch bringen, damit dann der Gast das Beutelchen eintaucht usw. Ich denke, das Prinzip ist klar geworden.

Nun viel Spaß beim Hören.

Traurig

Enttäuschungen sind nicht schön. Sie machen traurig. Mich auch. Das kann auch auf kulinarischen Gebiet passieren. Oder auf gastronomischen.

Es gibt da ein Restaurant mit schönem Ambiente, sehr freundlichem, aufmerksamem Service und einem schönen Ansatz, was die Karte und das Essen betrifft. Wenn man da ein Schnitzel Wiener Art bestellt, hört man kurze Zeit später ein klopfendes Geräusch aus der Küche, was in der heute weit verbreiteten Convenience aufwärmendem Gastronomie nicht selbstverständlich ist. Und eigentlich ist es sogar ein Wiener Schnitzel. Oder genauer dessen Vorbild.

Ihr versteht, was ich meine. Man tut eigentlich einiges, um ein gutes Restaurant zu sein.

Aber wenn dann die Pasta doch etwas kühl ist, die Portionsgröße allgemein am oberen Ende des Erträglichen wabert, das Schnitzel doch eher trocken daherkommt, das Tiramisu wirkt, als ob es aus purer, fester Butter zubereitet wurde und die Pana Cotta fast ein dumpf aufschlagendes Geräusch macht, wenn sie schwer in den Magen fällt, dann stören die missratenen Rosmarienkartoffeln schon fast gar nicht mehr.

Früher fiel das Restaurant eher wegen seiner übersichtlichen Portionsgrößen auf, jetzt schlägt man ins andere Extrem. Mir waren die kleineren Portionen lieber; da war das Essen auch noch besser …

Kraut und Rüben

War es Zufall, originelle Idee oder einfach nur eine falsch zusammengebaute Speisekarte? Aber wenn man den kulinarischen Katalog öffnet und er beginnt mit der Getränkekarte, dann kann man das auch als Wink mit dem Zaunpfahl verstehen. Wobei: Die Getränkekarte konnte sich durchaus sehen lassen, fand man darin nicht die übliche Mischung sondern auch – neben den Standards – eine Reihe Exoten, die neugierig machen und wiederholte Besuche zum Abarbeiten der geistreichen Getränke nahe legen. Das geht über Gin á la Monkey 47 über Cider bis hin zu hausgemachten Limonaden. 

Findet man dann die Speisekarte, zeigt die sich als bunte Mischung zahlreicher, aber übersichtlicher und Genuss versprechender Gerichte. Man soll ja mit Klischees und Verallgemeinerungen vorsichtig sein, aber: da ist für jeden was dabei. Und das in mehrfacher Hinsicht. Die verschiedensten Geschmacksrichtungen werden bedient – auch kasteiende – und auch die Preisbandbreite ist beachtlich. Nehmen wir mal nur die Hauptgerichte (oder das, was man darunter verstehen kann), so kann man für knapp 10€ satt werden, aber auch für knapp 30€. Mittagsgerichte gibt es sogar unter 7€. 

Ein schöner Abend nach einem gelungenen Tagwerk brachte uns ins Restaurant. Es fand sich auch noch ein Tisch, und so konnte das Tafeln beginnen. Es war wirklich ein schöner Abend, die Sonne schien von einem wolkigen Himmel und ich saß mit Blick auf unsere Konzertkirche, die herrlichst beschienen wurde. Das sah sehr angenehm aus, sollte sich später aber noch als kleiner Nachteil erweisen. Die anderen hatten eher einen Blick ins Restaurant und konnten so das Ambiente genießen, dass ich nur beim Betreten kurz wahrnahm. Angenehm, vielleicht etwas kühl, aber nicht ungastlich. Leicht irritierend war eher ein Luftzug, der durch die Lüftungsanlage verursacht wurde. Aber ein kleines Stühlerücken löste auch das Problem. Das ist der Vorteil, wenn man an einem runden Tisch Platz genommen hat. 

Aber der Service lief, also ging zügig, da es sicher blöd wäre, wenn er wirklich liefe. Die Karten kamen und in angemessener Zeit konnten die Bestellungen für die Getränke und das Essen (wie immer Vorspeise und Hauptgericht) abgegeben werden. Das Timing des Abends konnte als gut zusammengefasst werden: keine übermäßige Wartezeiten, aber auch kein Gedrängel am Tisch. Nur bei der Zubereitung von Mischgetränken muss wohl noch ein wenig geübt werden. Standards und Flaschenware kamen formvollendet an den Tisch. Ich war dabei etwas in Experimentierlaune und genoss mein mir neues Getränk mit einem herrlichen Blick auf den Turm der Konzertkirche, der immer noch von einer, mir nicht sichtbaren Abendsonne beschienen wurde. 

Die Vorspeise bekam dann auch ihren Auftritt. Zwei Suppen und ein paar Scheiben Bruscetta erschienen in Servicebegleitung am Tisch. Während die Spargel- (es gab eine Extra-Spargelkarte) und die Tomaten-Papaya-Suppe durchaus mundeten, waren die italienischen Brotscheiben nur ein müder Abklatsch ihres Vorbildes, obwohl sie recht ansprechend, vielleicht etwas überladen aussahen. Aber beim „frisch gerösteten Baguettebrot“ stimmten alle drei Worte nicht. Es schmeckte alt, unter „geröstet“ verstehe ich auch etwas mehr als nur angetrocknet und das Baguettebrot ist vielleicht unter dem Namen gekauft worden, war aber dann eher ein deutsches Baguette, also eher ein Kaviarbrot oder ein in Scheiben geschnittenes Brötchen. Die gehackten Tomaten oben drauf waren süß (Zucker und Salz verwechselt?), das Knoblaucharoma fehlte völlig. Das habe ich beim Italiener schon mal besser gegessen.

Den Hauptgerichten zu eigen war eine angenehme Größe der Portionen. Ob das der gewählten Vorspeise anzurechnen ist oder eher ein Zufall war, lässt sich nach einem einmaligen Besuch nicht einschätzen. Die Portionsgrößen an den anderen einsehbaren Tischen war schon mächtiger, aber es waren auch andere Gerichte. Auf der Karte steht auch ein Ribeye Dry Aged, was ich sehr verlockend finde. Da es aber auch das teuerste Gericht der Karte ist, muss die Küche erstmal zeigen, was sie kann, und so landeten drei andere Gerichte gut untertellert auf dem Tisch: Kalbsleber „Venezianische Art“, auf der Haut gebratenes Zanderfilet und (von der Spargelkarte) Schweineschnitzel an frischem Spargel.

Wer irgendwann mal in Schule, Ausbildung oder Studium mit den Grundlagen der Elektronik zu tun hatte und sich dunkel an den Aufbau von Transistoren erinnert, wird NPN- und PNP-Transistoren zumindest als schon mal gehörte Begriffe wiedererkennen. PNP steht in der Kulinarik aber auch für eine besondere Art von Schnitzel: Paniermehl-Nichts-Paniermehl. Warum ich darauf komme? Ich weiß auch nicht. Aber auf die Idee, aus dem Schweinefilet ein Schnitzel zu machen, muss man erstmal kommen. Warum aber auch nicht, man kann auch edles Rinderfilet häckseln, in Soße ertränken und es Bœuf Stroganoff nennen. Das themenauslösende Schnitzel zeichnete sich durch eine carpacciohafte Dünne aus, dessen Panierung eine industrielle Herstellung nahelegte, was enttäuschte. Über die als „Bratkartoffeln“ bezeichnete Beilage schweigt des Kritikers Höflichkeit, ebenso über die allgemeine Trockenheit des Gerichtetes, die sich in der nachträglichen Auswertung des Essens als Missverständnis bzw. Kommunikationsfehler zwischen Gast und Service herausstellte. 

Ob die venezianische Kalbsleber mit ihren Begleitern gut aussah und schön angerichtet war, kann leider nicht beschrieben werden. Zum Zeitpunkt des Servierens hatte die Abendsonne eine Stelle erreicht, die zwar immer noch den Turm der Konzertkirche beleuchtete, mir aber direkt in die Augen schien. So nahm ich das Bild auf dem Teller nur schemenhaft war. Aber wir haben ja durch diverse Berichte aus dunklen Restaurants gelernt, dass ein Nichtsehen des Essens die Konzentration der Sinne auf Geruch und Geschmack bedeutet. So war relativ einfach festzustellen, dass die beigelegten Zwiebeln wirklich mit Marsala zubereitet waren. Nur der namensgebende Knoblauch im Knoblauch-Kräuter-Pürree war sehr dezent. Was dem Püree als solchem übrigens nicht zum Nachteil gereichte, das war auch ohne sehr lecker und erfreulich selbstgemacht. Die Leber war auf den Punkt gegart, saftig, aber nicht „rare“, mit einem Wort: superlecker. 

Dezent gewürzt scheint so ein wenig ein Grundkonzept zur Zeit in Neubrandenburg zu sein. An einigen Stellen hierorts werden an sich leckere Speisen angeboten, deren Würzung auf unterstem Level angesiedelt ist. Oder ist Salz oder Chili mittlerweile so teuer, dass man es nur noch wenig einsetzen kann, wenn man die Preise nicht erhöhen will? Das gute ist nur, dass man zumindest nachsalzen kann, wenn denn Salz zur Verfügung steht. Im Imbissbereich sieht das meist schwierig aus, im Restaurant steht eine entsprechende Menagerie auf dem Tisch. So konnte ein wenig nachgeholfen werden. Aber ins Innerste geht die Würzung dann auch nicht mehr. Was soll uns diese Philosophiererei sagen? Am Zander fehlte mindestens Salz. Weitere Details sind mir nicht mehr erinnerlich, die Begeisterung über das Essen hielt sich in Grenzen. 

Fassen wir zusammen: Eine ambitionierte Karte in einem angenehmen Restaurant, deren Umsetzung auf dem Geschirr noch etwas Luft nach oben lässt. Das Dry Aged Ribeye-Steak werde ich dort vorerst nicht bestellen, das Risiko ist mir zu groß, dass ich viel Geld für ein nicht perfekt zubereitetes Gericht ausgebe. Aber es lohnt sicher, „Das Krauthof“ öfter mal zu besuchen und die Entwicklung zu verfolgen. Immerhin ist es noch nicht so lange offen, da läuft sich sicher noch was ein.