Alles Käse

Irgendwann werde ich keine anderen Kochblogs mehr lesen und auch die entsprechende Seite hier aus dem Angebot entfernen. Es regt mich immer so auf. Und mein Blutdruck ist sowieso schon zu hoch.

Da gibt es Regelungen im Bereich der Lebensmittelwirtschaft, dass bspw. Feta unbedingt aus Schaf- und/oder Ziegenmilch hergestellt werden muss. Der weit verbreitete “Kuhmilch-Feta” darf auf keinen Fall so heißen, um Verwechslungen zu vermeiden. Er heißt dann “Weißer Käse”, “Balkan Käse”, Hirten-Käse” oder so ähnlich benannt. Da Feta ein feststehender Begriff ist, finde ich die Regelung durchaus richtig.

Aber irgendwelche dahergelaufenen Foodblogger können sich natürlich darüber hinwegsetzen und ein selbstgemachtes Nachbauprodukt “Feta” nennen, in dem nicht nur keine Schafs- oder Ziegenmilch, sondern gleich gar keine Milch enthalten ist. Von einer dem original zwingend vorgeschriebene Salzlakenlagerung mal ganz abgesehen.

Und dann wird das Endprodukt auch noch mit dem völlig sinnfreien Begriff “gesund” gelabelt. Da hatte ich neulich in anderem Zusammenhang schon mal was geschrieben. Laberrhabarber.

Berndism – Brotideen

Nachdem ich ja nun weiß, wie es geht ;-), mache ich mir diverse Gedanken darüber, was man so alles an Broten backen könnte. Am besten etwas, wo noch nieeeeemand drauf gekommen ist.

Verschiedene Bäcker bieten sogenannte Feierabend-Brote an. Die sind – nach entsprechend aktuellen ernährungstheologischen Grundsätzen – besonders für’s Essen am Abend gemacht, etwas eiweißhaltiger und kohlenhydratärmer. Den guten Tipp, die Scheiben auch noch zu toasten, geben die Bäcker aber nicht mit. Obwohl das wirklich ein guter Hinweis wäre. Ganz grundsätzlich. Laut meiner Ernährungsberatung.

Gibt’s eigentlich schon Frühstücksbrote? Ähnlich wie die Hefe könnte man auch noch ein oder zwei Trester aus der Siebträgermaschine mit hineinbröseln. Oder Teile des Wassers durch frischgebrühten Kaffee ersetzen.

Frühstücksbrot mit Koffein. Wenn das mal keine Marktlücke ist. Und dunkler wird das Brot dadurch auch. Und gesünder. Oder? Oder?? ODER?????

Gesundheitsanbeter vs. “Big 7”

Manchmal kriege ich ja sooo’n Hals, wenn ich auf einigen Foodblogs so ein Gesundheitsgeschwurbel lese. Das wäre gesund oder jenes, wenn man es denn auch schön isst bzw. trinkt. Solche Aussagen sind hanebüchener Unsinn. Wenn sich alle mit Ernährung befassten offizielle Institute („Big 7“ Ernährungsinstitutionen und Ökotrophologieverbände) im deutschprachigen Raum quasi einig sind, das Gesundheitsaussagen bei Lebensmittel nicht machbar sind, ist da vielleicht auch was dran.

Gibt es gesunde und ungesunde Lebensmittel!? Nein!
Die starre Kategorisierung ist weder zeitgemäß noch wissenschaftlich haltbar, kurzum: „Wir brauchen keine Einteilung in gesunde oder ungesunde Lebensmittel.“
nach: DGE (D), SGE (CH), ÖGE (A), DIfE (D), BZfE (D) sowie VDOE (D) und VEÖ (A), Quelle Belege

So fand ich heute einen Artikel über einen “Beschütz dich Smoothie”, in dem mit wehklagender Stimme die aktuelle Erkältungszeit hochstilisiert wurde und dass man sich nur mit besagtem Smoothie vor dem Unbill der Rüsselseuche beschützen kann. Natürlich ist das ein bezahlter Artikel, der für eine entsprechend sinnlose “Würzmischung” Werbung macht. Man erkennt es spätestens am Kleingedruckten. Immerhin: die Gesundheitsverschwurbelung ist als “Anzeige” gekennzeichnet, kommt aber wie ein normaler Artikel daher. Dazu mal kein Kommentar.

Kommentiert habe ich den Artikel natürlich trotzdem. Und da ich befürchte, dass meine Bemerkung nicht veröffentlicht bzw. wenn, dann nicht mit einer Antwort aufgewertet wird, will ich Euch das (zweifelhafte) Vergnügen nicht ersparen, den Text auch hier zu lesen. Er ist nicht lang.

Lest ihr eigentlich manchmal auch aktuelle Fachveröffentlichungen? Dass eine Vitamin-C-Gabe vor Erkältungen schützt, ist hanebüchener Unsinn. Vitamin C mag das Immunsystem unterstützen, aber das ist eine langfristige Sache. Es hilft nicht, vor einem Gang ins Büro oder zum Einkaufen mal schnell den “Smoothie” oder eine Vitamin-C-Pille einzuwerfen.

Ergänzt sei die Info, dass ich neulich irgendwo gelesen habe, dass das Vitamin nicht mal das macht, was ich in dem Kommentar an positivem unterstelle. Ich habe nochmal nachgelesen und den Gedanken gefunden, dass in den letzten Jahren immer wieder versucht wurde, den positiven Einfluss von Vitamin C auf das Immunsystem nachzuweisen; was nachgewiesen wurde: Hohe Tagesdosen an Vitamin C können zu Nierensteinen führen.

Weitere Studien stellten bspw. bei zusätzlicher Vitamin-E-Gabe fest, dass bei männlichen Studienteilnehmern das Risiko stieg, an Prostatakrebs zu erkranken. Bei separater zusätzlicher Einnahme von Vitamin A (bzw. Betacarotin) stieg das Risoko für Lungenkrebs sowie Leber- und Knochenschäden.

Das soll jetzt alles keine Panik verbreiten, nur die Sinnlosigkeit und potenzielle Gefährlichkeit unkontrollierter Vitamingaben verdeutlichen. Bei ärztlich anerkanntem Vitaminmangel gibt es spezielle Präparate, die dann verschrieben werden, aber die auf Spatzen schießenden Kanonen (mal bildlich gesprochen) aus den Supermarktregalen sind im besten Fall überflüssig. Und immer dran denken: Eine Fenchelknolle enthält bis auf eine Ausnahme alle Vitamine und viele Mineralstoffe, die ein Mensch pro Tag braucht. Aber der Mensch lebt nicht vom Fenchel allein. ;-)

Was mir bei mittlerweile genauerer und wieder ausgeglichenerer Sichtweise auch noch auffällt: Das Beispiel-Rezept für den Smoothie wird mit Erdbeeren zubereitet. IM JANUAR! Wie passt sowas zu einem Bio-Produkt, wenn man es wenigstens ein bisschen ernst nehmen würde? GAR NICHT.

Zwischenruf nach Lektüre zahlreicher Foodblogs

Für Lebensmittel gibt es die Health Claim Verordnung für gesundheitsbezogene Angaben. Dadurch sind nur bestimmte Aussagen über Lebensmittel erlaubt, die ihren Nachweis unumstößlich bestätigt haben.

Manchmal wünschte ich mir sowas auch für Foodblogs. Was da nicht alles als “gesundes Essen” oder “gesunde Ernährung” deklariert wird, gehört dringend reguliert, zumal es gesundes Essen á priori nicht gibt.

Was da manchmal so alles verschwurbelt wird, läuft definitiv nicht mehr unter Meinungsfreiheit sondern unter Irreführung, plappert nur einem aktuellen Mainstream nach, ohne sich kritisch und möglichst umfassend darüber zu informieren.

Kocht lecker und gut, natürlich und industriefrei, aber versucht nicht, durch fadenscheinige Gesundheitsäußerungen, die keinen Nachweis erfahren haben, irgendwelche Mehrwerte anzureichern.

Solange die Ernährungswissenschaft eine eher statistische Wissenschaft ist (gefühlt 100% der Erkenntnisse basiert auf Studien, die irgendwas statistisch auswerten), kann ich sie nicht wirklich ernst nehmen. Sobald es eine biologische Wissenschaft wird, ändere ich gern meine Meinung.

Plan und Wirklichkeit (ergänzt)

Da wirste ja früh auch mal wach ohne das sonst so sinnvolle Koffein. Meine Idee war heute, sowieso etwas über Kaffee zu schreiben; das mache ich dann später oder nächstes Wochenende. Der heutige Wachmacher wird Ihnen präsentiert von expertentesten.de (absichtlich nicht verlinkt). Von denen bekam ich eine E-Mail, die mich auszeichnete. Irgendwas mit “Bester Foodblock” und so. Es gibt übrigens 1236 beste Foodblogs in Deutschland … Sicher nicht alle, aber alle aktiven?

Nach den Geschehnissen auf einem anderen Foodblog in einem vergleichbaren Fall war ich natürlich ein wenig sensibilisiert. Aber so eine Klick&Link-Sammlung mache ich schon grundsätzlich nicht mit. Oder ich lass mir mal ein Siegel einfallen für den “Besten Suchmaschinenoptimierer in eigener Sache”  mit den Kategorien “Nervigkeit”, “Unprofessionalität”, “Schlechteste Nutzung der Serienbrieffunktion” usw.

Mein heutiger Kreislaufanreger hat da sehr gute Chancen, ganz weit oben zu rangieren, spätestens in den letzten beiden Punkten. Diese E-Mail bekam ich heute Nacht:

E-Mail (Link fürt zu größem Bild)

Gleich die erste Zeile (und die Anrede natürlich auch) zeichnet den Absender in den beiden Kategorien aus. Das hätte der Praktikant bei mir im Büro besser hinbekommen. Und nicht nur das. Selbst auf der Webseite des Linkeinheimsers nur Blödsinn:

Webseiten-Ausschnitt (Link zum Vergrößern)

Dieses kleine Bildchen vorneweg ist definitiv nicht von meiner Webseite. So sah die nie aus. Sieht man sich übrigens die ganze Liste an, darf man doch erstaunt sein, wie viele Blogs sich untereinander ähneln. ;-)

Das gab eine gepfefferte Antwort:

Sehr geehrte Frau {{Nachname}},

bitte entfernen Sie sofort den Link zu meiner Webseite von der Ihrigen. Ich habe Sie weder darum gebeten noch haben Sie vorher nachgefragt. Außerdem werde ich Ihre durchsichtigen und unprofessionellen Machenschaften nicht unterstützen. Wenn ich mir allein die E-Mail, in dem die Serienbrieflücken nicht mal ausgefühlt sind und teilweise nur die Platzhalter enthalten, ansehe …
Am Montag werde ich prüfen, ob der Link auf meine Webseite noch in Ihrem Listing enthalten ist und je nach Ergebnis weitere Schritte einleiten.

Mit freundlichen Grüßen

Der Herdnerd

P.S.: Bei dem Namen – hätte ich nicht da unter D eingeordnet werden müssen?! Ich sach ja: unprofessionell.

Das {{Nachname}} steht natürlich nur hier in der Veröffentlichung. Genau wie auf den Bildern weiter oben habe ich ihren Nachnamen unkenntlich gemacht. Da hoff’ mann, dass die Schreiberin der Zeilen als kleine Angestellte unter 3 Geschäftsführer/inne/n nicht wirklich für die Idee verantwortlich war.

Da bin ich ja mal gespannt, wie viele Foodblogs sich das Siegel ans Revers heften und den durchsichtigen und unprofessionellen Blödsinn des SEO-Fishings unterstützen. Sicher einige. Mal sehen, ob ich die dann bei mir auf der Seite “Andere Kochblogs” dann ausliste. Redaktionelle Freiheit.

… … … …
(Zeit vergeht, dieser Beitrag und auch die beklagte Webseite sind noch offen und der Blick wandert hin und her.)

Bisher hatte ich ja nur auf die Liste geguckt, die die auf ihrer Seite veröffentlich haben, und dort auch nur den Bereich “H”. Aber der Eingangstext oben drüber ist ja noch schöner. Mal von kleinen orthografischen und grammatikalischen Fehlern abgesehen (macht ja jeder mal), ist der Inhalt an sich hochspannend. Unter der Überschrift “Inhaltliche Qualität” (eines der Bewertungskriterien) steht unter anderem: “Stimmen die Fakten, sind die kommunizierten Inhalte auf einem sauberen sprachlichen Level, sitzt die Zeichensetzung?” Da freue ich mich darüber, dass jemand mal die in meinem Blog verbreiteten Fakten geprüft hat. Vielleicht sollte ich genau unter diesem Aspekt das Siegel doch verwenden … Immerhin stimmen 9 von 10 meiner verbreiteten Fakten.

Scrollen wir dann weiter nach oben, lesen wir, dass nicht nur 1236 sondern “stolze 8652” Blogs geprüft wurden. Eine recht umfassende Aufgabe, überall die Fakten zu prüfen. Das muss ja selbst bei einem zahlreichen Team längere Zeit gedauert haben. Allein ich habe bisher 756 Beiträge online (dies ist der 757.), die einzeln geprüft wurden. Andere haben mehr. Selbst, wenn so viel durch ein “70-köpfiges Team” alles überprüft wurde und es sicher elektronische Unterstützung gab, eine Mammutaufgabe. Monate intensiver Tätigkeit. Oder? “Nach mehrstündiger Vergleichsarbeit haben wir … 8652 Blogs verglichen und evaluiert.” Ups …

Prädikat: “Lächerlich.” Ich mach erstmal Frühstück.

Ergänzung

Bei einem langweiligen Fernsehabend habe ich mir mal die Blogliste genauer angesehen. Bisher bin ich bis “G” gekommen. Natürlich habe ich keine Strichliste geführt, aber gefühlt sind ein Fünftel der Blogs offline (nicht erreichbar, Domain zu verkaufen, Seite deaktiviert u.a.). Ein anderer, nicht unwesentlicher Teil, sind keine Food- u.a. Blogs. So findet sich selbst eine Seite wie facebook.com in der Liste. Außerdem gibt es Doppel- und Dreifach-Einträge von Blogs. Unprofessionell²².