Der Herdnerd speckt ab

Zwischen den Zeilen habe ich in letzter Zeit ab und zu angedeutet, dass ein größeres Abspecken ansteht. Es muss. Ein paar innere Werte sind ein wenig aus dem Ruder gelaufen, von äußeren mal ganz abgesehen. Zurück in den Bereich eines „normalen“ Gewichtes will ich aber nicht, da dass unweigerlich einen Krankenhausaufenthalt nach sich ziehen würde, was bei meinem momentan etwas ambivalenten Verhältnis zu derartigen Einrichtungen irgendwie nicht geht. Ich kann mich aber durchaus noch an Zeiten erinnern, die zwar auch schon adipös waren, aber ohne Abweichungen der inneren Werte einhergingen. Wo das Ziel liegt, kann ich also nicht beziffern, aber ein halbwegs normaler Blutdruck und ein paar andere Werte, die es von allein in den Normbereich geschafft haben, sollen die Indizien sein.

Um das Ziel zu erreichen, habe ich den Rat meiner Hausärztin angenommen und eine Ernährungsberatung besucht. Genauer, die Einstiegsberatung. Längerfristige Leser dieses Blogs haben vielleicht noch dunkel in Erinnerung, dass ich sowas schon mal über mich gebracht habe. Die damalige Gruppentherapie war aber etwas zu zwanglos und gab nicht wirklich Richtschnur. Die Form ergab eine zu grobe Pauschalisierung, wobei ich einigen der dort Anwesenden nicht angesehen hätte, dass sie einen derartigen Kurs bräuchten. Immerhin brachte ich den Kursleiter ein wenig aus dem Konzept, als ich zur letzten Veranstaltung was zum Essen mitbrachte … Lecker und trotzdem nach seinen Regeln erstellt. Aber, wer statt Nuss-Nougat-Creme einen Schoko-Frischkäse als geschmacklich vergleichbares empfiehlt, hat ein kleines Durcheinander verdient. ;-)

Die allgemeinen Regeln der neuen Ernährungsrichtlinie passen erfreulichweiser auf eine DIN-A4-Seite, inkl. Erläuterungen. Insgesamt sind es 8 Regeln, die mir allerdings ein paar Kopfschmerzen bereiten. Apropos Kopfschmerzen. Um die zu vermeiden, wird in einer Regel empfohlen, viel zu trinken. Es gibt sogar eine Faustregel, was die Menge betrifft. Für mich bedeutet das: 5 (in Worten: fünf) Liter! Da sollte ich wohl nochmal nachfragen … Immerhin würde das vermutlich für mehr Bewegung sorgen, da ich öfter zum Klo rennen müsste. Wie das aber mit dem wertvollen Schlaf klappen soll, verschweigt das Regelwerk. Aber Schlaf ist wichtig!  Da nachts das meiste Fett verbrannt wird.

Kommen wir zur zeitlichen Struktur der Nahrungsaufnahme. Allein darum drehen sich drei Regeln, die es unter einen Hut zu bringen gilt. Dabei sollten natürlich auch das soziale und familiäre Umfeld und gewisse Lebensgewohnheiten einbezogen werden. Man hat ja so seine Verpflichtungen.
Meinen Lebensumständen am nächsten kommt die Regel, dass die letzte Mahlzeit am Tag um 21 Uhr beendet sein soll. Der Abstand zwischen den Mahlzeiten sollte 5 bis 6 Stunden betragen. Auch das ist für mich halbwegs üblich. Die dritte Regel ist, dass es drei Mahlzeiten am Tag gibt.

Das klingt jetzt nicht so kompliziert, ist es aber. Beruflich geprägt bin ich eher ein Spätmensch. Irgendwo habe ich schon mal ausgeführt, dass mein Tagesablauf dem deutschen Standardtagesablauf etwa 2 Stunden hinterher hinkt. Das liegt auch daran, dass ich trotz späterer Arbeitszeit die Reihenfolge des Tagesablaufs gern traditionell habe, also Aufstehen, morgendliche Verrichtungen, Arbeit, Freizeit, Schlafen gehen.

Machen wir es also mal konkret und setzen den Beginn der 3. Mahlzeit des Tages zum spätestmöglichen Zeitpunkt an: 20 Uhr (um 21 Uhr muss ich schließlich fertig sein). 6 Stunden vorher ist 14 Uhr und weitere 6 Stunden vorher 8 Uhr. Oder nicht ganz so streng: 20 Uhr, 14:30 Uhr, 9 Uhr. Unter der Woche an einem normalen Arbeitstag (fast) kein Problem. Das gemeinsame Mittagessen mit den Kolleg/inn/en muss ich dann zwar absagen, was einige dienstliche Abläufe durcheinander bringen dürfte, da wir das Mittag gern als kleine „Team“ nutzen. Aber zu den mampfenden Kollegen setze ich mich nicht, ich habe schließlich keine masochistische Ader. Dass ich kurz nach zwei zur Mittagspause verschwinde, könnte zwar auch einen kleinen Organisationsaufwand erfordern, aber das ist händelbar. Um 9 Uhr zu frühstücken, d.h. zu dem Zeitpunkt eine Mahlzeit einzunehmen, die diesen Namen auch verdient, dürfte die größte Herausforderung werden. Immerhin habe ich es in der letzten, noch richtlinienfreien Zeit geschafft, mich an eine Banane am Morgen zu gewöhnen. Aber die geht so einfach auch nicht mehr. Wenn ich mir die grundlegenden Vorschläge für diese Mahlzeit aber ansehe, ist es wohl eine lösbare Aufgabe, nur im morgendlichen Halbschlaf ist dann etwas mehr Arbeit vonnöten, um etwas nahrhaftes lecker hinzubekommen. Fertiggerichte (und das bezieht bspw. Joghurts mit Fruchtzubereitung mit ein) sind nämlich tabu.
Und, um den eventuellen Einwurf gleich zu entkräften, man kann die zeitliche Struktur ja auch rund um den Mittagszeitpunkt entwickeln: Ich frühstücke nicht um 6 Uhr! Siehe nächster Absatz.

Kommen wir zum Sonntag. Fassen wir die zeitliche Struktur mal als mathematisches Problem auf, so wird es durch die Einführung der „Sonntagsbedingung“ quasi unlösbar. Sie lautet: Um 12 gibt’s Mittag. Die wird natürlich nicht von mir allein aufgestellt. Da ich aber sonntags zusammen mit einem 80+x-jährigen Herrn zu Mittags speise, gibt es das gg. 12 Uhr. Ich könnte natürlich am Sonntag um 6:30 Uhr frühstücken. Dann gäbe es keinen Regelverstoß. Ich könnte aber auch meine Arme ausbreiten, mit ihnen flattern und fröhlich zwitschernd durch die Gegend fliegen. Das wäre auf jeden Fall wahrscheinlicher. Mit der 12-Uhr-Mahlzeit als Frühstück wird’s mit dem Abendbrot aber etwas spät (12 Uhr, 18 Uhr, 24 Uhr). Da muss vermutlich die Beratung nochmal ran.

Ähnlich sieht es am Sonnabend aus, auch wenn es keine so in Granit gemeiselte „Sonnabendsbedingung“ gibt. Aber da der Tag der einzig zur Verfügung stehende „Ausschlaftag“ ist, beginnt er im Allgemeinen auch nicht vor 11 Uhr (das Weckradio steht auf 11:04 Uhr, da dort eine Radiosendung beginnt, die ich mir gern anhöre). So gleicht die Struktur aber doch der am Sonntag mit allen Regelbrüchen. Da werde ich wohl das Angebot der E-Mail-Kommunikation zwischen den Terminen mit der Ernährungsberatung in Anspruch nehmen müssen.

Genug für heute. Vier der acht neuen Ernährungsregeln, an die ich mich zukünftig halten sollte, um gesund abzuspecken, haben wir hier erläutert. Sollte jemand noch Ideen zur Bewältigung der Herausforderungen haben, bin ich für konstruktive Tipps dankbar. Die noch fehlenden 4 Regeln befassen sich eher mit den Inhalten des Essens. Da sehe ich weniger Schwierigkeiten, wenngleich der Anteil selbst zubereiteter Speisen signifikant steigen werden muss. Das heißt übrigens nicht, dass ich bisher viele Fertiggerichte zu mir genommen habe, aber so eine Scheibe Brot mal schnell zu belegen ist einfacher (und bisher üblicher), und wird es in Zukunft eben nicht mehr so oft geben. Maximal einmal am Tag.

 

Quatsch mit (Tomaten-)Soße

Mir würden vermutlich auf Anhieb einige Stellen einfallen, wo man ständig oder zeitweise Nudeln mit „Original DDR-Tomatensoße“ meist auch noch mit Wurst, angepriesen wird, sei es in der Dose, im Becher, auf dem Teller oder was sich sonst noch als Essensunterlage eignet. Offensichtlich gibt es noch genug Ostalgie-Kultur, dass derartige Bezeichnungen Kunden anziehen.

Punkt 1: Ich möchte mich hier nicht über die Qualität der entsprechenden Produkte auslassen. Aus eigener und mir mitgeteilter Fremderfahrung weiß ich, dass man diese Gerichte fachgerecht und aromatisch ansprechend herstellen und mit Genuss verspeisen kann. Darum soll es also hier nicht gehen.

Punkt 2: Egal, welches Produkt man jetzt als Referenz nimmt, für alle gilt eine Aussage: Diese Soßen haben nichts, aber auch gar nichts mit der echten DDR-Tomatensoße gemeinsam. Nicht den Geschmack und nicht die Zutaten.

Wie komme ich darauf? Der Beantwortung dieser Frage kann man sich aus verschiedensten Richtungen nähern. Grundsätzlich oder über Details. Zugegeben sind alles nur Indizien, aber als solche sind sie stark. Und es ist natürlich Wortklauberei dabei. Das Prinzip ist ganz einfach und logisch; und es gilt prinzipell in vielen Aussagen auch für sogenannte DDR-Brötchen, die eine Weile einige Bäcker im Sortiment hatten. Gibts die eigentlich noch?

Die „Original-DDR-Tomatensoße“ kann es einfach nicht geben, weil es die schon zu DDR-Zeiten nicht gegeben hat. Die Küche meiner Schule bot das Gericht – meist in Kombination mit einem „Jägerschnitzel“ (Ost, d.h. panierte Jagdwurst, gebraten) an. Die Soße gab es im Laufe der Zeit in mehreren Varianten. Und wenn man in den Sommerferien mal im Urlaub war, egal ob bspw. im Osterzgebirge oder in Klink, gab es dort auch ab und an das Gericht und es war wieder anders. Ganz zu schweigen von den Versionen der Mensa meiner Uni. Das Gericht hatte also einen gewissen „Soljanka-Effekt“, jeder kochte es anders.

Nebenbei: Wenn man heute die „DDR-Tomatensoße“ unterschiedlicher Anbieter miteinander vergleicht, können die Unterschiede auch nicht größer sein. Einheitlichkeit ist definitiv etwas anderes.

Jetzt wird’s hypothetisch. Nehmen wir mal an, es gäbe das „sagenhafte“ Rezept der „DDR-Tomatensoße“ wirklich. Die originalen Zutaten gibt es nicht mehr. Das für die Mehlschwitze benutzte Mehl ist heute anders, weil die Mühlen ganz anders arbeiten, die Aromastoffe, das Tomatenpulver … – alles wird aus anderen Rohstoffen hergestellt wie seinerzeit.

Also lasst Euch keine Flöhe ins Ohr oder worein auch immer setzen. Die DDR-Tomatensoße ist tot. Irgendwann in den 1970er oder 1980er Jahren ist sie von uns gegangen. Das DDR-Label ist ein Marketing-Gag, echte Bedeutung hat es nicht. Aber so geht es ja vielen Labeln. Sucht doch mal in der Suchmaschine Euer Wahl nach DDR-Tomatensoße. Die 10 Links auf der ersten Seite meiner Suchergebnisse führten zu 10 nicht nur im Detail unterschiedlichen Rezepten. Soweit zum „Original“.

Immerhin kann man aber eine Essenz aus den Recherchen ziehen. Hinzu kommt eine Fußnote aus dem Buch von Lothar Kusche „Wie man einen Haushalt aushält“ (Eulenspiegel-Verlag, 2. Auflage 1971): „Moderne, aufgeschlossene Menschen bevorzugen die doppelt fermentierte Rotkunst-Tomatenpulver-Tunke, die ohne jeglichen Zusatz der veralteten Natur-Tomate, statt dessen aber mit dem zahnfleischschonenden Wirkstoff Stippodent hergestellt wird.“ Der Artikel, dem diese Fußnote übrigens entstammt, heißt „Nudelessen im wissenschaftlichen Zeitalter“ und ist nach wie vor sehr lesenswert. Wie das ganze Buch auch. #wiederentdeckt

Ach ja, die Essenz: Man produziere aus Wasser sowie Tomatenmark und -ketchup eine dünne Tomatensoße, die man mit Mehl(schwitze) andickt. Die Mischung von Mark und Ketchup ist flexibel. Andere Gewürze sind variabel.

Die zwei Welten des Genusses

Auf dem Gebiet des Genusses – der Begriff stimmt nicht ganz, aber ich lass ihn mal – fällt mir in der letzten Zeit wiederholt und verstärkt auf, dass es (wahrscheinlich von jedem Ding) zwei Seiten gibt. Vielleicht ja auch noch mehr, aber zwei auf jeden Fall. Wenn man es eng sieht, kann man die beiden Seiten sogar mit jeweils einer Überschrift systematisieren, fasst man das Thema etwas weiter, wird es schwieriger. Aber vermutlich gehts auch, wenn man sich tiefergehender damit befassen würde. Aber lassen wir das kryptifizieren, machen wir es konkret.

Cappuccino

Die eine Seite. Sicher ist der kleine Italiener ein Modegetränk und es darf auch vermutet werden, dass das, was uns in den Backshops und Imbissen als Cappuccino verkauft wird, mit dem Original relativ wenig zu tun hat. Wohltemperierter Milchschaum geht mit frischem, kunstgerecht gefertigtem Espresso eine Liaison an, die ihre Liebhaber hat und behalten wird.
Die andere Seite. Unter dem gleichem Namen wird eine Pulvermischung aus löslichem Kaffee, Milchpulver, Kakao, Aromen und Zucker in unterschiedlichen Gewichtsanteilen verkauft. Da gibt es sicher auch Mischungen, die mit heißem, nicht kochenden Wasser aufgeschüttet, durchaus ein wohlschmeckendes Getränk ergeben. Alle gemeinsam haben sie aber, dass sie mit dem Original absolut nichts zu tun haben.

Melone

Die eine Seite. Melone, hier hauptsächlich gemeint: Wassermelone, ist doch eine geniale Frucht. Dieses rote saftige Fruchtfleisch in der dunkelgrünen Hülle, am besten leicht gekühlt. Nur: Wer hat einen Kühlschrank, dass so eine amtliche Wassermelone da auch reinpasst? Die Kerne können manchmal etwas nerven, aber was soll’s?!
Die andere Seite. Vor einiger Zeit erwarb ich eine Flasche Sirup in der Geschmacksrichtung Wassermelone von einer bekannten Firma für derartige Sirupe. Punkt 1: Kein Sirup, den ich bisher zumindest in Augenschein genommen habe, ist mehr das, was ich mal gelernt habe, was man unter Sirup versteht. Das ist aber ein ganz eigenes, hier jetzt zu vertagendes Thema. Punkt 2: Der Wassermelonensirup, entsprechend verdünnt, hat geschmacklich mit dem Aroma einer Wassermelone nichts, absolut gar nichts zu tun. Aber trotzdem würde ihn jeder, der ihn kostet, als Wassermelone identifizieren, weil alles, was uns unter dem Namen Wassermelone als Gummitier, sonstige Süßware oder Speise aus industrieller Herstellung kredenzt wird, genau so schmeckt.

Yoghurt

Die eine Seite. Den Geschmack von Yoghurt muss man wohl nicht beschreiben: frisch, säuerlich, lecker. Und wenn man sich dann noch ein paar Aromaten, also Früchte oder anderes, hinzu gibt, umso besser. Auch die Verdünnung mit leicht gesalzenem Wasser (ich nehme auch gern noch eine Spur Pfeffer mit rein) ist eine erfrischende Anregung aus der osmanischen Küche.
Die zweite Seite. Da gbt es eine Reihe von Produkten, vom Schokoriegel („schmeckt so himmlisch yoghurtleicht“) über zwei mit einer Art Yoghurtcremé gefüllten Teigscheiben und Gummitiere mit Yoghurt, deren Geschmack wir wieder alle als Yoghurtgeschmack identifizieren würden, der mit dem Original auf Seite eins nichts, aber auch absolut gar nichts zu tun haben.

Cola

Die eine Seite. Nun ist Cola an sich auch schon ein Industrieprodukt, aber selbst hier gibt es Original und abgeklatschte Kopie.
Die andere Seite. Colagummitiere, Colaeis, Kirschcolasoße für Eis, Colasirupe, alle diese schmecken untereinander auch wieder gleich oder sehr ähnlich (unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Produkteigenheiten), aber allesamt nicht wie Original-Cola (oder das, was heute der Nachfolger des Originals ist).

Pizza

Die eine Seite. Ohje, jetzt wird die Luft dünn für mich. Zum einen ist es sicher schwierig, DIE Pizza zu definieren und damit auch ihre Eigenschaften festzulegen. An der Frage sind vermutlich schon Familien zerstritten auseinander gegangen. Zum anderen bin ich auch nicht so der große Pizza-Freund, demzufolge mit wenig eigener Erfahrung. Aber auch nicht ganz ohne. Und vermutlich streiten sich selbst im Lande der Pizza die Bäcker dieses Teigfladens darüber, wer die beste macht. Aber, wenn wir die Pizzen mit dem dicken Teigboden mal außen vor lassen und auch den Belag der Pizza freundlich ignorieren, kommen wir zum wesentlichen Punkt: Warum können wir in einer deutschen Standardküche sowieso keine Pizza normgerecht herstellen? Die Antwort lautet: 450°C und 60 Sekunden. Das sind nämlich die Backzeiten einer richtigen Pizza mit dünnem Boden. Es könnte auch noch heißer und schneller sein.
Die andere Seite. Ist natürlich jede Pizza, die zu Hause im heimischen Ofen bei 200 oder 250°C erwärmt wird. Der Belag über gebühr mitgegart, der Teig in einer indiskutablen Form. Und ganz besonders wird es dann noch, wenn ein bekannter, promovierter Pizzahersteller genau diesen Makel dann auch noch in der Werbung als Vorteil herausarbeitet: „… so dünn und knusprig, da verneigt sich sogar der Boden.“ So heißt es in der aktuellen Reklame. Ein knuspriger Boden, der labrig herunterhängt (vulgo für „verneigt“) … Sehe nur ich da einen Widerspruch?

Chili con carne, Soljanka, Sauce Hollandaise, Wiener Schnitzel, Königsberger Klopse und andere Standards

Die eine Seite. Wer selber kocht, der tut das entweder frei Schnauze, lehnt sich an bekannte Rezepte an oder bereitet die Speise komplett nach Rezept zu. Und wenn der Koch dann das Gericht mit einem vorhandenen Namen benennt, freut sich der Hörer und verbindet damit bestimmte Erwartungen, was ihn auf dem Teller erwartet. Enttäuschungen inklusive. Leider gibt es bei den Standardgerichten durchaus regionale Unterschiede, so dass da durchaus einige Fallen offen stehen. Pfannkuchen sind manchmal in Fett gebackene Hefebälle, manchmal aber auch flache, teigige Eierkuchen. Hier ist das Jägerschnitzel eine panierte, gebratene Jagdwurstscheibe, die mit Tomatensoße und Nudeln serviert wird, anderswo bekommt man unter dem Namen ein paniertes Schweineschnitzel mit Pilzsoße. Aber mit der zunehmenden kulinarischen Aufklärung gibt sich das.
Die andere Seite. Lehnt man eigene Gerichte an bekannte Standards an, bis zu welchem Punkt der Veränderung kann man das entstandene Gericht noch mit dem alten Namen versehen, ohne Irritationen hervorzurufen? Letztendlich sollte man die Essenz des Originals irgendwie noch wiedererkennen, oder den Namen entsprechend anpassen. Neulich las ich irgendwo ein Rezept, dass asiatisch angehaucht daherkam, aber irgendwie auch Hackfleischbällchen in einer weißen Soße garte. Fernöstlich angehauchte Königsberger Klopse wurde das dann benannt, akzeptabel, wie ich finde. Andererseits würde ich ein Gericht, dass aus angebratenen Geflügelfleischwürfeln besteht und mit Tomatensoße leicht scharf abgeschmeckt und mit Paprika und Bohnen ergänzt wird, nicht mehr als Chili con carne bezeichnen. Puristen bei diesem Standardgericht lassen ja weder Bohnen noch Mais noch andere Gemüse zu. Ob wir allerdings ein Gericht, dass im wesentlichen aus Trockenfleisch und Chilischoten (gern auch die etwas milderen) besteht, noch als Chili con carne identifizieren würden? Anderes Beispiel: Wenn ein Gericht im wesentlichen aus zwei Zutaten (plus einigen würzenden Zusätzen) besteht und man ersetzt die eine durch eine andere, kann man doch schon an der Namensgebung schrauben. Beim Wiener Schnitzel hat es doch auch geklappt. Das Ding ist standartisiert. Alles andere heißt Schnitzel Wiener Art. Wieso das aber bei der Sauce Hollandaise nicht klappt? Da wird die Butter als DER Hauptbestandteil durch etwas minderwertigeres ersetzt, das Endprodukt heißt aber immer noch Sauce Hollandaise. Ein Riesenbeschiss.

Wichtige Nachbemerkung: Es geht mir hier wirklich nur um die Benamsung. Ich möchte (bis auf die Teile, wo ich es explizit gemacht habe) mit diesen Äußerungen nicht sagen, dass die falsch bezeichneten Produkte schlecht sind. Es geht mit nur um die Unterschiede zwischen den Produkten, nicht darum, was besser und was schlechter ist.

Kochblogs verschwunden

Seit einigen Tagen vermisse ich einige Kochblogs. Ein Zusammenhang mit dem endgültigen Inkrafttreten der DSGVO liegt irgendwie auf der Hand. Ich weiß nur nicht, ob die betroffenen Blogger wissen, dass sie für die allgemeinheit nicht mehr sichtbar sind.

Eins haben die Kochblogs gemeinsam. Sie sind bei blogger.com / blogspot.com / blogspot.de gehostet. Die Leute von Google, zu denen der Hoster gehört, zeigten sich – zumindest mir gegenüber – in der letzten Zeit schon etwas aufdringlich und übereifrig, was den „Datenschutz“ betrifft. Vermutlich wollen sie nur die Qualität ihrer gesammelten Daten sichern, saubere stimmige Daten sind eben wertvoller als vermüllte.

Nebenbei: Tumblr-Blogs sind auch eigentümlich. Sie sind zwar im allgemeinen noch sichtbar, auch die RSS-Feeds sind es, aber in den Readern für diese Feeds kommt nichts mehr an.

Es gibt aber auch blogspot-Blogs, die erreichbar sind. Ggf. sollten alle mal die Grundeinstellungen überprüfen. Die nichterreichbaren Blogs scheinen in einer Art „Privat-Modus“ zu stehen, der nur geladene Gäste einlässt.

DSGVO (Kommentar und Datenschutzerklärungsergänzung)

Liebe gläserne Leserinnen und Leser dieses Blogs,

ihr nutzt ein Smartphone oder einen Rechner mit Internetzugang? Ihr seid bei einem sozialen Netzwerk oder habt schon mal was im Internet gekauft? Ihr habt Euch irgendwann mal irgendwo eingeloggt (E-Mail, Shop, …)? Egal. Euren digitalen Fingerabdruck habt ihr bereits hinterlassen, ihr seid bereits gläsern, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gibt es eine Firma/Einrichtung/Institution, die schon viel über Euch weiß, dank KI (Künstlicher Intelligenz) vielleicht schon mehr als ihr selber. Oder habt ihr so einen kleinen elektronischen Spion im Haus? Oder gar ein smartes Haus, wo ihr alles mit dem Handy steuern könnt? Spätestens dann ist die Datensammlung dieses Blogs euer kleinstes Problem.

Eins dürft ihr gewiss sein: Ich missbrauche Eure Daten, die ihr hier bewusst oder unbewusst hinterlasst, nicht. Zumindest nicht bewusst. Aber was weiß ich schon?

Bewusstes Datensammeln:
Wenn ihr hier einen Kommentar eingebt, dann speichert irgendwas das, was ihr eingegeben habt. Sonst könnte ich es nicht veröffentlichen. Klaro. Da ich ein bisschen neugierig bin, habe ich im Hintergrund Matomo (ehemals Piwik) laufen (auf dem gleichen Server wie diese Webseite), damit ich sehen kann, wie viele Leser ich habe (sehr viel mehr interessiert mich eigentlich nicht, aber Matomo sammelt etwas mehr Daten). Und der Anbieter meines Webhostingpakets (kein eigener Server, sondern ein sogenanntes „Webpack“) loggt auch noch einiges statisches mit. Nach bestem Wissen und Gewissen (für mich weiß ich es, für meinen Webhoster unterstelle ich es auch mal) tun wir alles, dass die Daten da liegen bleiben, wo sie sind und nicht unbefugt raus gehen. Die Server stehen übrigens in Deutschland. Sagt der Webhoster.

Unbewusstes Datensammeln:
Kundige Leser werden erkennen, dass der Blog WordPress benutzt. Ganz unten auf der Seite steht es wohl auch. Die WordPress-Installation liegt auch bei meinem Webhoster, was da im Code alles passiert oder was die installierten Plugins alles an Daten erfassen und ggf. verschicken, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich die Plugin-Zahl so gering wie möglich halte und übliche Verdächtige wie Akismet oder Jetpack nicht installiert habe. Ob andere unerwünschte Sachen passieren, wird sukzessive geprüft und nach Möglichkeit werden Schritte dagegen unternommen. Nach bestem Wissen und Gewissen.

Näheres zur DSGVO findet ihr in den Medien. Ich verlinke mal nix konkretes. Suchen gehört ja heute zu den Grundtechniken des Lebens wie Lesen, Schreiben und Atmen. Und den DSGVO-Missbrauchern sei gesagt: Zu holen ist nix, es würde nur die Existenz dieses Blogs beenden.