Quatsch mit (Tomaten-)Soße

Mir würden vermutlich auf Anhieb einige Stellen einfallen, wo man ständig oder zeitweise Nudeln mit „Original DDR-Tomatensoße“ meist auch noch mit Wurst, angepriesen wird, sei es in der Dose, im Becher, auf dem Teller oder was sich sonst noch als Essensunterlage eignet. Offensichtlich gibt es noch genug Ostalgie-Kultur, dass derartige Bezeichnungen Kunden anziehen.

Punkt 1: Ich möchte mich hier nicht über die Qualität der entsprechenden Produkte auslassen. Aus eigener und mir mitgeteilter Fremderfahrung weiß ich, dass man diese Gerichte fachgerecht und aromatisch ansprechend herstellen und mit Genuss verspeisen kann. Darum soll es also hier nicht gehen.

Punkt 2: Egal, welches Produkt man jetzt als Referenz nimmt, für alle gilt eine Aussage: Diese Soßen haben nichts, aber auch gar nichts mit der echten DDR-Tomatensoße gemeinsam. Nicht den Geschmack und nicht die Zutaten.

Wie komme ich darauf? Der Beantwortung dieser Frage kann man sich aus verschiedensten Richtungen nähern. Grundsätzlich oder über Details. Zugegeben sind alles nur Indizien, aber als solche sind sie stark. Und es ist natürlich Wortklauberei dabei. Das Prinzip ist ganz einfach und logisch; und es gilt prinzipell in vielen Aussagen auch für sogenannte DDR-Brötchen, die eine Weile einige Bäcker im Sortiment hatten. Gibts die eigentlich noch?

Die „Original-DDR-Tomatensoße“ kann es einfach nicht geben, weil es die schon zu DDR-Zeiten nicht gegeben hat. Die Küche meiner Schule bot das Gericht – meist in Kombination mit einem „Jägerschnitzel“ (Ost, d.h. panierte Jagdwurst, gebraten) an. Die Soße gab es im Laufe der Zeit in mehreren Varianten. Und wenn man in den Sommerferien mal im Urlaub war, egal ob bspw. im Osterzgebirge oder in Klink, gab es dort auch ab und an das Gericht und es war wieder anders. Ganz zu schweigen von den Versionen der Mensa meiner Uni. Das Gericht hatte also einen gewissen „Soljanka-Effekt“, jeder kochte es anders.

Nebenbei: Wenn man heute die „DDR-Tomatensoße“ unterschiedlicher Anbieter miteinander vergleicht, können die Unterschiede auch nicht größer sein. Einheitlichkeit ist definitiv etwas anderes.

Jetzt wird’s hypothetisch. Nehmen wir mal an, es gäbe das „sagenhafte“ Rezept der „DDR-Tomatensoße“ wirklich. Die originalen Zutaten gibt es nicht mehr. Das für die Mehlschwitze benutzte Mehl ist heute anders, weil die Mühlen ganz anders arbeiten, die Aromastoffe, das Tomatenpulver … – alles wird aus anderen Rohstoffen hergestellt wie seinerzeit.

Also lasst Euch keine Flöhe ins Ohr oder worein auch immer setzen. Die DDR-Tomatensoße ist tot. Irgendwann in den 1970er oder 1980er Jahren ist sie von uns gegangen. Das DDR-Label ist ein Marketing-Gag, echte Bedeutung hat es nicht. Aber so geht es ja vielen Labeln. Sucht doch mal in der Suchmaschine Euer Wahl nach DDR-Tomatensoße. Die 10 Links auf der ersten Seite meiner Suchergebnisse führten zu 10 nicht nur im Detail unterschiedlichen Rezepten. Soweit zum „Original“.

Immerhin kann man aber eine Essenz aus den Recherchen ziehen. Hinzu kommt eine Fußnote aus dem Buch von Lothar Kusche „Wie man einen Haushalt aushält“ (Eulenspiegel-Verlag, 2. Auflage 1971): „Moderne, aufgeschlossene Menschen bevorzugen die doppelt fermentierte Rotkunst-Tomatenpulver-Tunke, die ohne jeglichen Zusatz der veralteten Natur-Tomate, statt dessen aber mit dem zahnfleischschonenden Wirkstoff Stippodent hergestellt wird.“ Der Artikel, dem diese Fußnote übrigens entstammt, heißt „Nudelessen im wissenschaftlichen Zeitalter“ und ist nach wie vor sehr lesenswert. Wie das ganze Buch auch. #wiederentdeckt

Ach ja, die Essenz: Man produziere aus Wasser sowie Tomatenmark und -ketchup eine dünne Tomatensoße, die man mit Mehl(schwitze) andickt. Die Mischung von Mark und Ketchup ist flexibel. Andere Gewürze sind variabel.

Gnocchi mit Bologneser Soße (22.03.2019)

Gestern Abend grübelte ich nachweislich darüber nach, wo ich mal ein sachgerechtes Mac&Cheese herbekommen könnte. Das wird gar nicht so einfach, vor allem als Mittagsspeise. Aber es gibt da einen Laden, dem würde ich das ggf. zutrauen, also ging ich da heute Mittag mal hin.

Nudeln im Eimer. 😉 Nein, Gnocchi (die Pasta) in einer Soße in Anlehnung an Ragú Bolognese, also in einer Tomaten-Hackfleisch-Soße. Ich weiß, ich bin da manchmal etwas empfindlich, was die Verwendung der Namen von Standard-Gerichten betrifft, wenn höchstens „in Anlehnung an“ oder ähnliches gekocht wird.

Das sagt nichts über die Qualität der Speisen aus. Die Gnocchi in Tomaten-Hackfleisch-Soße waren und sind lecker. Ich werde sie auch in Zukunft kaufen und habe sie auch schon in der Vergangenheit mehrfach mit Genuss verspeist. Aber es ist keine Bolognese. Es gibt übrigens auch eine schöne Schinken-Sahne-Soße. Dreimal dürft ihr raten, unter welchem Namen die verkauft wird und mit welchem Standard sie nichts gemeinsam hat.

Wenn man etwas umrührt, kommt zutage, was man so isst. Der Trick mit den frischen Kräutern und den Tomatenwürfeln oben drauf ist gut und verbessert alles auch, aber wichtig ist, was im Magen ankommt. 😉 Als Soßenfreund wäre zwar manchmal etwas mehr auch schön, kann man auch bekommen, wenn man berechtigt einen Aufschlag zahlt, aber wenn genug Platz zum Umrühren ist, reicht’s dann doch.

Nochmal zurück zum Mac&Cheese. Wie es der Zufall wollte, stand heute der Koch des Hauses mit hinterm Tresen (was ich zwar anfangs nicht wusste, sich aber schnell herausstellte), und als ich der Verkäuferin meine Mac&Cheese-Idee nahebrachte, mischte er sich praktischerweise mit ein.

Vielleicht habe da das Saatkorn einer Produktidee gepflanzt. Aber es wird wohl nicht so einfach. Als frische Zusammenstellung wird’s sowieso nix, aber auch – mein Gedanke – als fertig gemischtes „Tagesgericht“ ist es auch schwierig, der durch den Käse das Gericht nicht lange genug warmgehalten werden kann.

Schauen wir also mal. Vielleicht kriegen sie das Problem doch mal gelöst. Oder ich nehme das Angebot der Individual-Bestellung doch an. Dann brauche ich aber ein paar Mitesser, als Einzelportion lohnt sich das ja nicht …

Spirellis mit Tomatensoße und Jagdwurstwürfel (11.03.2019)

Da hätte ich doch heute beinahe verpasst, das Essen zu fotografieren. Deswegen sieht es doch schon etwas angeknabbert aus. 😉

Es handelt sich um eine Variation des Kantinenklassikers Nudeln mit Jägerschnitzel (Ost) und gefiel mit einer tomatenfruchtigen Soße und unpanierter Jagdwurst in Würfelform. Die klassische Variante hatte den warmgehaltenen Transport bei weitem nicht so gut überstanden: Die Panade aufgeweicht und die Nudeln zu einem Pudding verschmolzen.

Aber durch die getrennten Fächer kam alles in besserem Zustand an als man hätte befürchten können. Die Nudeln trennten sich einfach bei der Berührung mit der Soße, nur dass etwas wenig Rangierplatz in der Packung war. Aber langsam kommt man in Übung und bräuchte nicht mehr diese überdimensionierten Teller mancher Restaurants. 😉

Rot, silber, gold – Für Bronze hat es nicht gereicht

Manchmal muss es einfach sein und schnell gehen. Aber ein wenig experimentieren darf man dabei trotzdem. Die zugrunde liegende Frage ist dabei: Was kann man aus den Silberzwiebeln zaubern, die es säuerlich eingelegt quasi überall zu kaufen gibt. Als Einlage in eine Tomatensoße über Spaghetti geht immer.

Dazu wird eine Pfanne mit etwas Öl nachhaltig erhitzt und eine Handvoll Silberzwiebeln darin erwärmt.

Silberzwiebeln anbraten

Das kann ruhig schön heiß sein, von der Flüssigkeit aus dem Glas mit den Silberzwiebeln sollte aber wenig mit in die Pfanne kommen.

Nebenbei kochen die Spaghetti.

Spaghetti kochen

Die Silberzwiebeln sind säuerlich eingelegt. Also sollen sie zum Ausgleich mit ein wenig Honig karamellisiert werden.

Honig zum Karamellisieren dazu geben

Goldige Silberzwiebeln.

Karamellisierte Silberzwiebeln

Nun mit ordentlich Schwung die vorbereitete Tomatensoße (Rezepte hier im Blog einige) in die Pfanne geben. Dabei Vorsicht! Durch das Karamellisieren ist die Pfanne heißer, als man denkt.

Tomatensoße dazu

Es kocht doch gleich recht stark, wenn man die Soße dazu gibt. Das kann man kurz einreduzieren lassen, je nach Vorlieben.

Einmal gut durchkochen

Aus dem Spaghettitopf kommt die Pasta direkt und auch etwas feucht mit in die Pfanne.

Spaghetti dazu

Einmal durchschwenken und schon kann serviert werden.

Anrichten

Parmesan geht immer. So auch hier.

Parmesan geht immer

Großartig gewürzt habe ich übrigens nicht. Parmesan, Tomatensoße und die Silberzwiebeln brachten schon genug Würze mit. Das Kochwasser für die Spaghetti war natürlich gesalzen. Wer will, kann noch etwas Frühlingslauch hacken und vor dem Anrichten einmal kurz in der Pfanne mit durchschwenken. Schnittlauch geht sicher auch.

Die Tomatensoßenlotterie (ich habe mehrere unbeschriftete Packungen davon im Tiefkühler) erbrachte übrigens eine „arrabiata“-Variante. Die süße Schärfe des Gerichtes wurde durch den Hartkäse gut ausbalanciert. So passte alles gut zusammen.

Was für die Seele als Basis

An Silvester gehts meist mit einer schönen Party ins neue Jahr. So eine Feier muss auch gut vorbereitet sein. Immerhin hat so mancher Körper einiges zu tun. 😉 Da hilft eine gute Grundlage, die auch gleich noch stimmungsaufhellend, wärmend usw. wirkt.

In memorian an den Weberglockenmarkt wird als erstes eine Rauchwurst (gibts ja das ganze Jahr im Plasteknast) klein geschnitten und in einer heißen Pfanne angeröstet.

Rauchwurst würfeln und anbraten

Wenn die etwas Farbe genommen haben, kommt noch etwas Ordnung, Butter und ein paar Schupfnudeln mit in die Pfanne.

Ordnung, Butter und Schupfnudeln

Alles wird schön von allen Seiten angebraten, dabei bleibt es unvermeidlich, dass wieder etwas Unordnung in die Pfanne kommt.

Unordnung in der Pfanne

Wenn sich die Bratspuren gut am Bratgut verteilt haben, kommt noch ein selbst gemachtes Halbzeug hinzu: Die immer gern auf Vorrat eingefrorene Tomaten-Paprika-Soße.

Tomatensoße dazu

Alles wird gut durchgerührt, so dass die Soße gut den Pfanneninhalt benetzt. Abgeschmeckt wird auch noch und ggf. mit Kräutern verfeinert. Fertig.

Schupfnudel, Rauchwurst, Sugo

Ok, die Schupfnudeln hätte man auch selber machen können … Bei der Rauchwurst wird das aber schon schwieriger. Einfacher ist da die passende Auswahl, empfohlen sind die eingeschweißten aus Anklam. Das sind nämlich auch die, die auf dem Weberglockenmarkt an den guten Ständen direkt im Rauch erwärmt wurden und nicht auf dem Grill. Guten Appetit.