Streichweiß, fettig

Es war einmal ein „NEU“, das prankte an einer Aufstrichpackung, und irgendwie konnte ich mich nicht zurückhalten, das „neue“ Produkt mal zu kaufen und auszuprobieren. Wirklich neu ist an dem übrigens nichts. Naja, fast nichts. Es wurden nur zwei andere Produkte zusammengerührt, die bisher nicht zusammengerührt wurden. Der Anteil des einen: 3%. Erstaunlich, wie wenig es braucht, um aus einem alten Produkt ein neues zu machen.

Das „alte Produkt“ ist übrigens eine Halbfettmargarine, bei der man gern mal als „Schuft“ bezeichnet wurde, wenn man sie mal mitgehen lässt. Ich würde Diebe von Halbfettmargarine zwar eher als Idioten bezeichnen, aber was weiß ich schon. Dieser streichfähigen Öl-in-Wasser-Emulsion wurde dann eine Messerspitze eines modischen isländischen Frischkäses zugeführt. Dabei kann man sich streiten, welche Qualitätsänderung mit den 3% Frischkäse erreicht werden kann/sollte.

Auf einem Brot setzt sich der margarinetypische Geschmack gegen allerlei weitere Beläge durch, denen er aber nichts gutes hinzufügt. Vom Frischkäse ist dabei wenig zu bemerkten, außer vielleicht das sehr weiße Weiß, dass diesem Streichhalbfett eigen ist. Wo ist die ergänzende abrundende Frische, die von einem stattdessen verwandten Butterbestrich ausgehen würde? Nichts da. Nur ölige Margarine.

Noch schlimmer wird es beim direkten Geschmackstest. Hier war Messer ablecken angesagt und es machte keinen Spaß. Wobei der kurze Weg noch geht. Geht der Aufstrich vom Messer über die Zunge bei geschlossenem Mund direkt die Kehle hinunter, bleibt nicht viel Gelegenheit, dass sich die Aromen entfalten. Tut man aber das, was man tut, um den Aromen die Möglichkeit zu geben, sich auszubreiten, nämlich Schmatzen oder Schlürfen, dann kann man das Geschmackserlebnis eigentlich nur als Desaster bezeichnen. Die ölige Margarinität kommt voll zur Geltung, und irgendwie habe ich auch den Geschmack feinen Sandes auf der Zunge, ohne aber gleichzeitig das Gefühl zu bekommen. Irritierend.

Fazit: Es lohnt wirklich nicht, Streichfette aus den Firmen der Lebensmittelchemie zu nutzen. Klassiker wie Butter oder Frischkäse sind immer noch die besten und werden es vermutlich auch bleiben.

Nachts sind alle Würste grau, manche auch am Tage

Wenn etwas so schlecht (ich wollte eigentlich das andere Wort mit Sch…. vorne schreiben) aussieht, dann muss es aber besonders gut schmecken. Sonst wäre es als Produkt doch irgendwie überflüssig.

Bisher bin ich an Pfälzer Leberwurst immer vorbei gegangen. Das dezente Grau sprach mich irgendwie nicht an. Nebenbei bin ich zwar auch eher ein Freund der groben Leberwurst (je gröber, desto besser), aber das spielte hier nur eine untergeordnete Rolle. Aber dann siegte die Neugierde über das Befinden und ich erwarb das graue etwas. Wie gesagt: Wenn etwas so schlecht aussieht, muss es ja sehr gut schmecken.

„Wursthülle nicht zum Verzehr geeignet“ steht unter anderem auf der Tüte drumrum, allerdings hatte ich bei dem Plastikmaterial auch nicht den Wunsch, sowas zu essen. Interessant waren bei der Zutatenliste vor allem die Sachen, die nicht drauf standen. Nitratpökelsalz zum Beispiel. Das erklärt zumindest auch ein wenig das Aussehen. Ansonsten war nur das drin, was man wohl von einer guten Leberwurst erwarten kann.

Wobei: Der Begriff „Gewürze“ ist ja durchaus etwas schwammig. Aber immer noch besser als „Würze“, der stand aber nicht drauf. Bei den Gewürzen liegt vermutlich doch mein Problem mit der Wurst: Irgend eins war mal wieder überdimensioniert. Ich weiß nur leider nicht welches. Diese Geschmacksrichtung kenne ich aber auch von anderen Wurstwaren, insofern scheint es wohl doch eins der gebräuchlicheren zu sein. Nur: Ich mag es nicht.

Wer übrigens wie ich eigentlich gern Leberwurst ist, und hier eine geschmackliche Variation haben möchte, die nicht nur vom Auswechseln der Leberwurstsorte stammt, kann ja mal ein Topping obendrauf probieren. Oder einen Aufstrich zwischen Brot und Wurst. Sehr lecker in Erinnerung habe ich da einen dünn gestrichenen Calvados-Senf, aktuell war es eine Orangen-Senf-Soße, die das Geschmackserlebnis aufs beste abrundete und verbesserte.

Arme Fleischfreiesser

In der Werbung ist ab und an „Vegetarische Leberwurst“ eines bekannten Herstellers zu sehen. Ich hoffe für diejenigen, die das essen, dass sich das Produkt geschmacklich nicht an der „Pommerschen Groben Leberwurst“ aus gleichem Hause orientiert. Zum einen ist letztere in meinen Augen nicht „grob“, sondern maximal etwas uneben. Grob wäre sie mit mindestens erbsen- bis bohnengroßen Stückchen.

Geschmacklich ist sie eher eindimensional, das aber sehr laut. Es gibt da irgendeine Komponente, die ich leider nicht genauer definieren kann, die aber überpräsent enthalten ist. Dem gegenüber fällt dann aber alles andere nebenher ab, was ggf. noch echten Geschmack liefern könnte.

Gespannt darf man sein, wie sie das Produkt nach dem aktuellen EuGH-Urteil nennen werden. „Vegetarischer Leberaufstrich“ sicherlich auch nicht, weil da ja nicht mal Leber drin sein dürfte. Bei den vegetarischen Frikadellen aus gleichem Hause bräuchte man sich ja nur beim bayerischen Dialekt bedienen; ich würde sagen der Begriff „Vegetarische Mühlenpflanzerl“ klingt doch sehr stimmig (wenn man nicht aus Bayern kommt).

 

Fragmentierte hollandaiser Soße, oder: Man soll Fotos nicht mal schnell nebenbei machen

Eigentlich haben die beiden Aspekte in der Überschrift nichts miteinander zu tun, kommen aber letztendlich doch zusammen. Aber der Reihe nach: Ich habe mal wieder in „meiner“ Zweitküche etwas experimentell gekocht und bin gedanklich irgendwo bei Sauce Hollandaise gestartet. Immerhin ist Spargelzeit und die ist noch so jung, dass man das noch essen mag.

Da mir die Majonäsen aus dem Tetrapak, die unter dem gleichen Soßennamen verkauft werden, nicht so zusagen, ich aber auch nicht selber rühren wollte, habe ich mir zu einer Spargelbegleitung entschlossen, die aus (fast) den gleichen Zutaten besteht und ebenso lecker schmeckt. Außerdem ist – trotz begleitender Stampfkartoffeln – weniger Butter dran als an der Soße.

Sauce Hollandaise ist bekannterweise eine Emulgation aus Eigelb und Butter, die noch eine würzende Reduktion enthält. Die quaderformige „Hollandaise“ besteht meist aus eher billigerem Pflanzenöl und wurde von mir im vorherigen Absatz demzufolge zu recht als Majonäse bezeichnet (einer Emulgation von Eigelb und Öl).

Für das Gericht wurde eigentlich nichts besonderes gemacht: Kartoffeln wurden in Salzwasser gegart, später mit Butter, Milch, Muskatnuss, Salz abgeschmeckt und zwischendurch gestampft. Für die Schweinemedaillons wurde ein Filetkopf in dicke Scheiben geschnitten, die wurden flach gedrückt, gesalzen und gepfeffert und in Butter sanft gebraten. Der Spargel wurde in gesalzenem, gezuckertem und gebuttertem Wasser gekocht. Für die braune Butter kam etwas Butter in den Topf, in der Semmelbrösel solange erhitzt wurden, bis sie eine angenehme braune Farbe hatten. Und das (leicht verunglückt aussehende) pouchierte Ei (ganz klassisch in heißem Wasser mit je einer Spur Essig und Salz bereitet) gibt dann beim Anstechen zusammen mit der braunen Butter die leckere Mischung für den Spargel.

Das schmeckt natürlich nicht wie eine echte Hollandaise, ist aber auch lecker. Und eine Idee, mal keine (Industrie-)Hollandaise zu nehmen. Und ich muss mir angewöhnen, auch in der Küche nicht einfach von links nach schräg zu fotografieren. 😉

Quer durchs Land

Manchmal hat man ja so Ideen, oder einfach nur irgendwas in Kühl- und Vorratsschrank und muss versuchen, daraus was zu machen. Um das Resümee vorweg zu nehmen: Es hatte viel Interessantes, aber ein paar Sachen würde ich anders machen, käme ich auf eine vergleichbare Idee. Wobei es nicht an der Idee lag, sondern an der Verfügbarkeit der Zutaten.

Angefangen hat alles mit ein paar rohen Kartoffeln, die in grobe Würfel geschnitten wurden. Eine Art Bratkartoffel war schon das Ziel, aber eben nicht nur. Das lag vor allem daran, dass noch anderthalb Matjesfilets ihrer Verzehrung harrten. Dazu gibt man ja gern mal Zwiebeln oder eine Remoulade mit Apfel. Andererseits kennt man hier in der Region auch „Himmel und Erde“, eine Kombination aus Apfel und Kartoffel. Eher mit saurem Fisch, aber auch mit Kartoffeln, Spiegelei, roter Beete kombiniert der Norddeutsche Labskaus zur kulinarischen Erbauung.

Die gedanklichen Zuflüsse sprudelten reichlich, allein, es haperter an den Zutaten. Aber fangen wir an: Wie Kartoffelwürfel gebraten werden, findet sich hier im Blog mannigfaltig. Zum Anfang muss da die Hitze noch nicht so groß sein, dafür empfiehlt sich ein Deckel auf dem Bratgeschirr: Der Erdapfel muss ja auch noch garen. Dazu kam er mit etwas Fett in die Pfanne. Halbgar wurde der Deckel entfernt, Salz, Pfeffer, Paprika und andere Gewürze nach Belieben und Vorlieben hinzu gegeben. Nachdem das alles einmal alles gut durchgemischt wurde, kamen dann die ähnlich gestalteten Apfelwürfel hinzu.

Apfelwürfel zu den halbgaren Kartoffeln

Das mag ungewohnt erscheinen, aber wider Erwarten schmeckt die Kombination recht gut und wird ja auch nicht das erste Mal zubereitet. Der Apfel war übrigens ein knackiger Braeburn.

Braten und mischen

Im gemischten Zustand fallen die Apfelstücke fast nicht mehr auf. Aber die Kombination mit der Kartoffel ist so schlecht wirklich nicht. Was natürlich nicht vergessen werden darf, ist die Zwiebel.

Zwiebeln dazu

Die kommt dazu, wenn die Kartoffel und der Apfel fast gar sind. Abschließend wird noch mit etwas Salz abgeschmeckt. Eine Kleinigkeit erwärmte sich übrigens noch in einer zweiten Pfanne, aber das ist ja ein trivialer Vorgang.

Der Rest ist anrichten

Es gibt da eine Kombination von „Surf ’n‘ Turf„: Meeresfrüchte mit Rindfleisch, gern in Nordamerika angeboten. In Anspielung an den schon erwähnten Labskaus gibt es hier Matjes und erwärmtes Corned Beef. Rote Bete fehlt aus meinem Blickwinkel nicht wirklich, aber ein Spiegel- oder vielleicht besser ein pochiertes Ei hätte dem ganzen die Krone aufgesetzt. Vermutlich wäre aber ein sauer Hering auch die bessere Wahl gewesen, der Matjes brachte doch sehr viel Würze mit. Naja, und die Kombination Kartoffel und sauren Fisch kennt man ja auch als wohlschmeckend.

Ein kleiner Tipp: Corned Beef ist sicher nicht jedermanns Leibspeise, zumal es da durchaus welche gibt, die einen komischen Gewürzbeigeschmack haben. Findet man aber welche ohne, dann kann man die Scheiben einer Packung durchaus mal vorsichtig in Pfanne oder Topf rührend und sanft erhitzen. Ein wenig Flüssigkeitszugabe schadet nicht, so dass alles richtig schlotzig wird. Etwas Brühe ist da wohl hilfreich.

Fassen wir zusammen: Apfel-Bratkartoffeln sind lecker und passen auch zu Sülze, Corned Beef kann man schmelzen und als Beilage servieren, ein flüssiges Ei hätte dem ganzen gut getan. Außerdem wäre der saure Hering besser gewesen als der gesalzene. Aber so haben wir fast halb Norddeutschland auf dem Teller. Fehlt nur noch ein Korn als Verdauungshilfe.