Gästebetreuung? Aber frühstens, wenn sie hier sind

Auf der Suche nach einer Idee für die Sonntagsspeisung zu zweit klapperte ich einige Webseiten von Restaurants der Region ab, um mich unter anderem von den Speisekarten zu einer Reservierung verführen zu lassen. Was man dabei allerdings erlebt, ist mit dem Wort „Desaster“ manchmal schon wohlwollend umschrieben.

Wobei: Es gibt auch positive Beispiele. Ich erinnere mich an Webseiten, da waren sogar einige Gerichte der Karten abgebildet und man konnte gleich per Kontaktformular Plätze bestellen. So stelle ich mir das vor. Andere haben ihre Standard-Speisekarte zumindest im Netz, und beim Angebot von Tagesgerichten oder einer speziellen Mittagsversorgung gibts ein Link auf eine PDF-Datei. Das ist zwar nicht die hohe Kunst, aber akzeptabel. Und gerade auch bei Läden mit täglich wechselnder Karte (Gibts sowas überhaupt in der Region?) ist eine Web-Veröffentlichung für den sich interessierenden Gast durchaus sinnvoll.

Aber was erlebt der Suchende? Webseiten, die mindestens wochenlang schon „under construction“ sind, oder Webseiten, die als einzelne Seite irgendwo anders mit untergeschlüpft sind und nicht nur optisch aus der Frühzeit des Internets stammen, als dieses wirklich noch „Neuland“ war. Am schlimmsten sind aber die Seiten, die zumindest noch so wirken, als ob sie halbwegs aktuell sind. Okay, fehlende bzw. nicht befüllte Unterseiten hätten mich stutzig machen können, aber dann ein Reservierung per Webformular anbieten und nicht drauf reagieren, weil vermutlich die Benachrichtungs-E-Mail irgendwo versandet ist.

Nun mag d/ie/er eine oder andere Gastwirt/in meinen, dass sich sowas wie eine Webseite nicht lohnt, darüber generiert man keine Gäste. Der Laden läuft auch ohne. Dann mag das so sein, und wenn die Stammkundschaft oder die Leute per Mundpropaganda ausreichen, um den Laden zu füllen, dann Glückwunsch. Aber mit den Webseiten, die man manchmal recht lieblos gepflegt findet, lockt man auch keine neuen Gäste, die sich vorher informieren wollen, was sie erwartet, in den Laden. Und wer keine Reservierung per Formular/E-Mail anbieten kann/will, der soll das auch auf die Webseite schreiben und nicht doch dort anbieten, dann aber nicht beachten, wenn da die ersten Tage nach Einrichtung nix passiert.

Gerade in einer Zeit, wo es vielen gastronomischen Einrichtungen offensichtlich recht gut geht (ich schließe es daraus, dass es sich als immer sinnvoller erweist, vorher reserviert zu haben, wenn man irgendwo hin will, und Gäste ohne Reservierung aus Platzmangel abgewiesen werden), ist es wichtig, potenzielle Besucher/innen ausreichend zu informieren, um eine qualifizierte Auswahl möglich zu machen. Eine schnelle Reservierung via Internet ist dabei doch ein schöner Service, auch wenn es zur Zeit noch nicht so viele sind, die das nutzen werden. Aber gerade dann ist es wichtig, die vereinzelt eintrudelnden E-Mails zu bemerken, um zeitnah reagieren zu können.

Firmen, die einem dabei helfen, ein schönes, einfaches System für die Webseite ins Netz zu stellen, gibt es einige. Wer selber ambitioniert ist, kann es auch selber mit WordPress oder anderen CMS versuchen. Zur Not kann man sich auch irgendwo untermieten, muss dann aber sehen, wie lange der Hauptmieter noch aktiv ist und das System noch gepflegt  wird.

Immerhin: Wenn, dann lieber gar keine Webseite als eine schlechte Webseite. Und wer so ein Rudiment im Netz zu stehen hat, sollte es lieber rausnehmen, als Gäste zu frustrieren.

P.S.: Das ganze gilt übrigens auch für Facebook-Seiten. Da warte ich auch noch auf die Bestätigung für eine Reservierung zu einem Geburtstag von vor ein paar Jahren …

Joghurt mit Feigensenf

Da philosophiert man anderswo (Link wird nachgereicht) über Joghurt und seine Formen, schon überkommt einen eine Idee, die es auszuprobieren gilt. In Ermangelung meiner Frühstücksbanane griff ich diese Idee einfach mal auf:

Das weiße ist fettarmer Joghurt pur, das farbige „Feigensenf“, genauer eine Feigen-Senfsoße, die zwar aus kandierten Feigen besteht, und Zucker, und Glukosesirup, und Zucker, aber frei von Senf ist. Zumindest kommen weder Senfsaat noch Senfmehl drin vor, aber Allylisothiocyanat, vulgo: Allylsenföl. Aber das soll nicht das Thema sein.

Untergerührt und noch mit etwas Joghurt gestreckt ergibt sich folgendes Bild: Die Schärfe, deren Basis wohl das Senföl ist, ist nach wie vor sehr präsent. Die Feige geht aber doch unter.

Das könnte am Feigengehalt der Soße liegen. Die genauere Lektüre der Zutatenliste weißt zwar 50% Gehalt an kandierten Früchten aus, die aber auch nur zur Hälfte aus Frucht bestehen. Also 25% reine Feige.

Wer also mehr Feige möchte, muss weniger Joghurt nehmen, hat dann aber noch mehr Schärfe. Aber Kollege Volksmund hat da was parat: Wer das eine will, muss das andere mögen.

Streichweiß, fettig

Es war einmal ein „NEU“, das prankte an einer Aufstrichpackung, und irgendwie konnte ich mich nicht zurückhalten, das „neue“ Produkt mal zu kaufen und auszuprobieren. Wirklich neu ist an dem übrigens nichts. Naja, fast nichts. Es wurden nur zwei andere Produkte zusammengerührt, die bisher nicht zusammengerührt wurden. Der Anteil des einen: 3%. Erstaunlich, wie wenig es braucht, um aus einem alten Produkt ein neues zu machen.

Das „alte Produkt“ ist übrigens eine Halbfettmargarine, bei der man gern mal als „Schuft“ bezeichnet wurde, wenn man sie mal mitgehen lässt. Ich würde Diebe von Halbfettmargarine zwar eher als Idioten bezeichnen, aber was weiß ich schon. Dieser streichfähigen Öl-in-Wasser-Emulsion wurde dann eine Messerspitze eines modischen isländischen Frischkäses zugeführt. Dabei kann man sich streiten, welche Qualitätsänderung mit den 3% Frischkäse erreicht werden kann/sollte.

Auf einem Brot setzt sich der margarinetypische Geschmack gegen allerlei weitere Beläge durch, denen er aber nichts gutes hinzufügt. Vom Frischkäse ist dabei wenig zu bemerkten, außer vielleicht das sehr weiße Weiß, dass diesem Streichhalbfett eigen ist. Wo ist die ergänzende abrundende Frische, die von einem stattdessen verwandten Butterbestrich ausgehen würde? Nichts da. Nur ölige Margarine.

Noch schlimmer wird es beim direkten Geschmackstest. Hier war Messer ablecken angesagt und es machte keinen Spaß. Wobei der kurze Weg noch geht. Geht der Aufstrich vom Messer über die Zunge bei geschlossenem Mund direkt die Kehle hinunter, bleibt nicht viel Gelegenheit, dass sich die Aromen entfalten. Tut man aber das, was man tut, um den Aromen die Möglichkeit zu geben, sich auszubreiten, nämlich Schmatzen oder Schlürfen, dann kann man das Geschmackserlebnis eigentlich nur als Desaster bezeichnen. Die ölige Margarinität kommt voll zur Geltung, und irgendwie habe ich auch den Geschmack feinen Sandes auf der Zunge, ohne aber gleichzeitig das Gefühl zu bekommen. Irritierend.

Fazit: Es lohnt wirklich nicht, Streichfette aus den Firmen der Lebensmittelchemie zu nutzen. Klassiker wie Butter oder Frischkäse sind immer noch die besten und werden es vermutlich auch bleiben.

Nachts sind alle Würste grau, manche auch am Tage

Wenn etwas so schlecht (ich wollte eigentlich das andere Wort mit Sch…. vorne schreiben) aussieht, dann muss es aber besonders gut schmecken. Sonst wäre es als Produkt doch irgendwie überflüssig.

Bisher bin ich an Pfälzer Leberwurst immer vorbei gegangen. Das dezente Grau sprach mich irgendwie nicht an. Nebenbei bin ich zwar auch eher ein Freund der groben Leberwurst (je gröber, desto besser), aber das spielte hier nur eine untergeordnete Rolle. Aber dann siegte die Neugierde über das Befinden und ich erwarb das graue etwas. Wie gesagt: Wenn etwas so schlecht aussieht, muss es ja sehr gut schmecken.

„Wursthülle nicht zum Verzehr geeignet“ steht unter anderem auf der Tüte drumrum, allerdings hatte ich bei dem Plastikmaterial auch nicht den Wunsch, sowas zu essen. Interessant waren bei der Zutatenliste vor allem die Sachen, die nicht drauf standen. Nitratpökelsalz zum Beispiel. Das erklärt zumindest auch ein wenig das Aussehen. Ansonsten war nur das drin, was man wohl von einer guten Leberwurst erwarten kann.

Wobei: Der Begriff „Gewürze“ ist ja durchaus etwas schwammig. Aber immer noch besser als „Würze“, der stand aber nicht drauf. Bei den Gewürzen liegt vermutlich doch mein Problem mit der Wurst: Irgend eins war mal wieder überdimensioniert. Ich weiß nur leider nicht welches. Diese Geschmacksrichtung kenne ich aber auch von anderen Wurstwaren, insofern scheint es wohl doch eins der gebräuchlicheren zu sein. Nur: Ich mag es nicht.

Wer übrigens wie ich eigentlich gern Leberwurst ist, und hier eine geschmackliche Variation haben möchte, die nicht nur vom Auswechseln der Leberwurstsorte stammt, kann ja mal ein Topping obendrauf probieren. Oder einen Aufstrich zwischen Brot und Wurst. Sehr lecker in Erinnerung habe ich da einen dünn gestrichenen Calvados-Senf, aktuell war es eine Orangen-Senf-Soße, die das Geschmackserlebnis aufs beste abrundete und verbesserte.

Arme Fleischfreiesser

In der Werbung ist ab und an „Vegetarische Leberwurst“ eines bekannten Herstellers zu sehen. Ich hoffe für diejenigen, die das essen, dass sich das Produkt geschmacklich nicht an der „Pommerschen Groben Leberwurst“ aus gleichem Hause orientiert. Zum einen ist letztere in meinen Augen nicht „grob“, sondern maximal etwas uneben. Grob wäre sie mit mindestens erbsen- bis bohnengroßen Stückchen.

Geschmacklich ist sie eher eindimensional, das aber sehr laut. Es gibt da irgendeine Komponente, die ich leider nicht genauer definieren kann, die aber überpräsent enthalten ist. Dem gegenüber fällt dann aber alles andere nebenher ab, was ggf. noch echten Geschmack liefern könnte.

Gespannt darf man sein, wie sie das Produkt nach dem aktuellen EuGH-Urteil nennen werden. „Vegetarischer Leberaufstrich“ sicherlich auch nicht, weil da ja nicht mal Leber drin sein dürfte. Bei den vegetarischen Frikadellen aus gleichem Hause bräuchte man sich ja nur beim bayerischen Dialekt bedienen; ich würde sagen der Begriff „Vegetarische Mühlenpflanzerl“ klingt doch sehr stimmig (wenn man nicht aus Bayern kommt).