Nachtrag zum Vortrag

Heute früh testete ich Haferdrink in Caffé Latte (oder so was ähnlichem), indem ich den Milchersatz mittels meiner Kaffeemaschine aufschäumte. Dabei bemängelte ich den intensiven Hafersackgeruch beim Aufschäumen, was sicher dem Prinzip des Vorgangs geschuldet war. Aber es gibt ja mehrere Arten, Flüssigkeiten aufzuschäumen, wenn sie denn die Grundfähigkeit dazu besitzen.

Milchaufschäumen IIGuckt nicht zu lange auf das Bild, dann gibt’s ‘nen Drehwurm. ;-) Unten dreht sich zügig so eine runde Spirale, zusätzlich wird das ganze kontrolliert erwärmt.

Jetzt fehlt nur noch CafféWer genau hinsieht, wird bemerken, dass die Schaumausbeute trotz umfüllens doch durchaus ergiebig ist. Und man musste seine Nase schon recht dicht über den Herstellungsbecher halten, um an den Hafersack erinnert zu werden.

Et looftDer einlaufende Caffé wird die Grenze zwischen Drink und Schaum verdeutlichen.

Latte macchiatto haferensis IIDas ging doch schon mal gut. Milch bliebe meiner Erfahrung nach im unteren Drittel sauberer, aber “macchiatto” heißt ja sowas wie “verschmutzt” … ;-)

Fazit: Der Schaum steht. Der leichte Braunschimmer (auch schon ohne Caffé) ist bei geeigneter Beleuchtung kaum zu sehen. Das Landkaffee-Aroma schwingt aber auch hier mit, es wäre also verwerflich, hochwertige Kaffees für die Zubereitung zu verwenden.

Zu einer guten Anwendung des Haferdrinks kommen wir dann im nächsten Beitrag. Es gab Fisch zum Abendbrot. Jetzt könnt ihr an dem Zusammenhang ein wenig rumkauen. ;-)

Frühstück mit karofiziertem Caffé

Wenn man selbst samstags früh aufstehen muss, da irgendwann am Vormittag die Schwester des Pflegedienstes kommt, um mich neu zu verpflastern (ich berichtete von meiner OP im Juli, die Heilung der OP-Schnittwunde ist auf sehr gutem Weg, vielleicht etwas langsam, aber stetig, aber das “Pflaster” ist immer noch 15 x 30 cm groß). Da sind dann flexible Freiräume zwischen Aufstehen und Morgentoilette und dem Verbandsereignis, die es irgendwie zu füllen gilt. Waschmaschine und Geschirrspüler waren befüllt und arbeiteten, so dass dann Zeit für ein Frühstück war, dass dann auch noch experimentellen Charakter haben sollte. Ich hatte gerade den Siebträger gespült und die Kaffeemühle in die Hand genommen, als es an der Tür klingelte … Die Schwester.

Als sie zum nächsten Patienten eilte, konnte ich mich dann auf’s Frühstück konzentrieren. Dazu gehört ein Kaffeegetränk, dass ich traditionell nicht pur zu mir nehme. Aber meine Kaffeemaschine hat einen Milchaufschäumer. Da ich auch hier ein wenig experimentiere (oder mich mit meinen Einkaufsergebnissen bzgl. der Milch rumschlagen muss), habe ich diesmal beim letzten Einkauf hip zugeschlagen (wichtig: “hip” nur mit einem “p”, da ich keine Babymilch in den Aufschäumer tun wollte). Meine Hip-ness bestand im wesentlichen darin, die “Barista-Edition” einer bekannten Haferdrinkmarke erworben zu haben, die ich mal ausprobieren wollte. Warum ich dafür ausgerechnet ein schwedisches Produkt kaufen muss, obwohl regional durchaus auch Hafer auf den Feldern steht, kann mir ja mal ein hip-ster Kaffeekoch erklären. Wobei, wenn man diese Diskussion aufmacht, ist auch schon Kaffee selber kritikwürdig, obwohl er nicht in der Gegend wächst. Ich bleibe da mal inkonsequent.

etwas bräunlich - die HafermilchDas Produkt floss etwas bräunlich in den Vorratsbehälter meiner Kaffeemaschine. Da aber auch noch Kaffee dazu kommt, sehe ich das mal relativ neutral. Gespannt war ich eher auf das extra beworbene Schäumverhalten, aber das würde erst nach der Zubereitung sichtbar werden.

Alles vorbereitetAlso wurde der Behälter eingebaut, Kaffeemehl war bereits im Siebträger.

jetzt gehts losSicherheitshalber habe ich den größten Becher unter die Ausflussöffnungen gestellt, da ich zumindest mit Milch unterschiedlicher Abfüller und Qualitäten schon sehr große Unterschiede bei der Tassenfüllmenge erlebt habe – trotz gleicher Einstellungen der Maschine. Da kann man sich mal fragen, was manche Molkereien mit ihrer Milch so anstellen …

et looftEin Druck auf den Startknopf und es geht los. Viel Dampf und der aufgeschäumte (auch wenn es nicht so aussieht) Haferdrink kommen aus der Röhre.

Eine Bemerkung für die Fachleute: Dieser Milchaufschäumer funktioniert nach dem Zerstäuberprinzip. Ich habe da mal was aufgezeichnet:

das ZerstäuberprinzipEine Röhre mit Verengung oben steht in einer Flüssigkeit. Eine zweite Röhre mit Düse vorne dran kommt im Winkel von ca. 90° dicht an die andere Öffnung dran. Und wenn dann durch die waagerechte Röhre ein Luft- oder wie bei der Kaffeemaschine ein Dampfstrom kommt, zieht es die Flüssigkeit durch die andere Röhre nach oben (weil oben in der Röhre ein Unterdruck entsteht) und wenn die Flüssigkeit oben ankommt, wird sie durch den Luft-/Dampfstrom zerstäubt bzw. aufgeschäumt. Alte Parfümzerstäuber, Pumpsprays u.ä. funktionieren nach dem gleichen Prinzip.

Der Caffé läuft nachWenn die Maschine meint, genug Milch/Haferdrink aufgeschäumt zu haben, setzt die Caffé-Erzeugung ein. Mit ordentlich Druck wird heißes Wasser durchs Kaffeemehl gepresst und plöddert dann in die Tassee.

Latte macchiatto haferensisDas sieht doch schon mal gar nicht so schlecht aus. Also, mir gefällt’s. Ich finde es nur schade, dass Fotos im Internet keinen Geruch haben. Spätestens beim Bild, also der Haferdrink in die Tasse lief, hatte sich mancher weggedreht (wie ich in der Küche auch). Bei der Art der Schaumerzeugung kommt der Ursprung des Drinks aus Getreide sehr intensiv zum Vorschein, roch es doch in der Umgebung der Kaffeemaschine sehr intensiv nach Getreidesack in Getreidesacklager.

Aber vielleicht ist es auch eher ein Durian-Effekt. Ihr kennt die Stinkfrucht zumindest aus Beschreibungen, die deutlich machen, dass sie den Beinamen nicht ohne Grund trägt: sie stinkt. Der Geschmack hat wohl mit dem Geruch wenig gemein, und in der Richtung hoffte ich dann auch beim Latte macchiatto haferensis.

FrühstückDer Schaum erwies sich als durchaus stabil – um mal mit dem positiven anzufangen. Beim Trinken schwang immer noch ein bisschen der Getreidegeruch mit, so dass man auch den Eindruck haben könnte, man hätte das Kaffeemehl mit Landkaffee-/Muckefuckpulver gestreckt. Was nicht wundert, ist deren Basis ebenfalls Getreide. Wer also edle Kaffees mit Milch trinkt, für den empfiehlt sich dieser Haferdrink jedenfalls nicht. Und diejenigen, die keinen Muckefuck mögen, sollten vermutlich ebenfalls zu einem anderen Produkt ausweichen. Das gleiche trifft für Kaffeetrinkende zu, die eine angenehme Bereicherung des Geschmackserlebnisses erwarten.

Bis auf den Getreidegeruch milderte der Haferdrink zwar den intensiven Kaffeegeschmack angenehm ab, weiteres gab er dem Getränk aber nicht mit. Wer seinen Latte macchiatto noch mit weiteren Geschmacksrichtungen via Sirups erweitert, der sollte keine Probleme haben, Haferdrink als Milchersatz zu verwenden.

Rückblickend auf den 100. Tag und die drumrum

Ja, ihr habt richtig gelesen. Vor über 100 Tagen habe ich meine Ernährung umgestellt. Am Mittwoch war das magische Datum. Zwischen je einem ärztlichen Besuch am Tag davor und danach. Davor ging es in aller Herrgottsfrühe zur Blutabnahme und zum EKG, danach war dann die Auswertung, inkl. Besteigung der Waage. Als ich der Schwester den Stand der Dinge mitteilte, ergänzte ich noch: In ein oder zwei Quartalen muss ich bzgl. des Wiegens nicht mehr runter in die Apotheke, die im gleichen Gebäude sitzt, sondern kann wieder das Gerät in ihrem Reich nutzen, dass leider bei meiner näheren Anwesenheit leichte Überlastungserscheinungen zeigt. Heißt: Die Tendenz zeigt eindeutig nach unten. Im Gespräch mit Fr. Dr. kam es dann auch noch zur amtlichen Festschreibung des Erfolges: “10 kg weniger” schrieb sie in meine Akte. Dafür gab’s zu Mittag dann auch Schnitzel in Paprika-Tomaten-Soße mit Pommes. Ab und an sündigen muss sein. Wobei die größte Sünde dabei wohl die matschige Panade des Hähnchen-Schnitzels war … Es war nicht schön. Aber ich war glücklich. ;-)

Den Rest der Woche hielt ich mich oft an die Richtlinien. Gerade die beiden Arztbesuche brachten aber die Zeitpläne durcheinander, und da ich auch nichts vorgekocht hatte, war ich auf die Imbiss-Angebote im Einkaufszentrum zurückgeworfen. Ein Cäsar-Salat (mit rohen Champignons und Hähnchenfleisch) und ein Salat mit Garnelen, Eiern und Mozzarella schienen mir die passenden Varianten zu sein, wenngleich sie natürlich ein wenig ins Geld gehen. Aber hatte ich schon mal festgestellt,  dass ich durch meine Vorkocherei ganz schön Geld spare? Also war es nicht weiter schlimm. Selbst die morgendliche Routine kam ein wenig durcheinander: Beim ersten Termin hatte ich nüchtern zu erscheinen, der zweite lag auch so früh, dass an vernünftiges Frühstück nicht zu denken war.

Apropos “erster Termin” und “früh”: Die Blutabnahme ist immer so früh am Tag, dass ich ernsthaft überlegt habe, hinterher nach Hause zu fahren und mich wieder ins Bett zu legen (ich bin ja eher der Spätmensch). Aber ich hatte mich im Vorfeld anders entschlossen und bin in den Frühdienst gewechselt. Dabei kam ich aber an die Grenzen des Systems. Auf dem Weg zur Arbeit kehre ich immer noch bei einem Bäckerimbiss ein, um mir einen groooßen Cappuccino zu holen. Wenn ich direkt nach der Blutabnahme zur Arbeit gefahren wäre, hätte ich noch über eine halbe Stunde auf das Heißgetränk warten müssen. Auf dem üblichen Weg komme ich zwar noch an zwei anderen Bäckern vorbei, die auch sowas anbieten, aber ich war mir nicht sicher, ob die mir meinen mitgebrachten Becher auffüllen und zu welchem Preis. Also? Bin ich zu McCafé gefahren. Die hatten schon auf. Ich hatte allerdings den Eindruck, der erste Kunde an dem Tag zu sein. Es war zwar alles hell erleuchtet, aber Menschen sah ich keine, weder vor noch hinterm Tresen.

Seit meinem letzten, etwas zurückliegenden Besuch in dem Etablissement hatte sich einiges verändert. Früher stand die riesige Kaffeemaschine mit der Rückseite zum Kunden direkt auf dem Bedientresen. Jetzt stand sie auf einem Sideboard, so dass man auch die Vorderseite sehen konnte. An sich eine gute Marketingidee, sieht man doch so besser, dass mit Siebträger gearbeitet wird und eine entsprechende Handarbeit im Spiel ist. Das könnte für Qualität sprechen. Nur am Milchaufschäumer muss unbedingt noch gearbeitet werden. Die Milch wird in einer Metallkanne mittels Dampfdüse aufgeschäumt. Soweit, so gut. Allerdings ist die Düse nicht so ein Metallteil, wie man es vielleicht vom heimischen Automaten her kennt. Es war ein ca. 20 cm langer und anderthalb Zentimeter dicker, schwarzer Plastepimmel, der nach dem Milchaufschäumen mit einem um ihn gelegten Lappen von den weißen Milchresten befreit wird. Nicht nur mit einer wischenden Bewegung. Apropos “wischend”: Wenn man das “s” zwei Stellen weiter nach hinten bringt, weiß man, wie es aussieht. Pornös.

Kommen wir wieder zu den kulinarischen Genüssen. Irgendwie hatte ich den Cappuccino von McCafé auch besser in Erinnerung. Aber der Zubereiter hatte auch einen Berg auf meinem Becher gezaubert (und der Deckel geht nach innen, also absolut unpassend). Und für die viele Milch war ziemlich wenig Espresso in der Tasse. Auch ein Nachteil, wenn man bei der Zubereitung zugucken kann. Dann muss man es schon gut machen.

Irgendwann war ich auf der Suche nach Vollkornmehl auch noch im Umfeld meines Lieblingsfleischers angekommen, den ich natürlich dann auch noch besuchte. Im Hinblick auf die Speisung am Wochenende nahm ich unter anderem ein Stück doppelt geräucherten Bauch mit.

So sieht er an- und kleingeschnitten aus. Manchmal ist er auch etwas fettiger. Aber er hat ein schönes, intensives Raucharoma, was er auch gut Speisen mitgeben kann. Und den Effekt hatte ich vor zu nutzen.

In einer Spur Sonnenblumenöl ließ ich ihn etwas aus.

Von einem Spitzkohl habe ich einige der äußeren Blätter abgewickelt und zerzupft. Schneiden oder hobeln wäre natürlich auch gegangen. Da hat ja jeder so seine Vorlieben.

Apropos Vorlieben: Salz, Pfeffer und Kümmel kamen mit in die Pfanne. Das sind so meine Würzvorlieben bei Kohl.

Alles wird gut durchgeschwenkt.

Und bei kleiner Hitze unterm Deckel ziehen gelassen.

Dabei fiel mir dann noch ein, dass ich eigentlich noch eine Möhre reinraspeln wollte. Das passierte quasi fast am Ende, ca. 5 Minuten, bevor ich den Deckel nicht nur zum Rühren, sondern endgültig lüftete.

Dazu gab es Kabeljau. Diese Fischstücke gibt es im Zweier- oder Dreierpack in beinahe jeder konsumentenfreundlichen Tiefkühltruhe. Wobei ich mit dem Produkt noch nicht sonderlich warm geworden bin (kein Wunder bei einem Tiefkühlprodukt – ta taaa). Es entspricht irgendwie nicht meiner spontanen Art zu kochen, da es eigentlich erstmal stundenlang aufgetaut werden muss. Das hat zwei Gründe: erstens ist es dann aufgetaut ;-) und zweitens ist dann die Glasierung – eine dünne Wassereisschicht, die das Stück umhüllt – runter. Einer der Gründe, warum man das Stück nicht direkt aus dem Tiefkühler in die Pfanne legen kann. Das suppt. Dämpfen geht übrigens wunderbar.

Hier habe ich den Fisch mal in den Heißluftofen gelegt. Bei welchen Werten kann ich nicht sagen, da ich sie während des Garvorgangs ständig änderte. Aber 200°C und dann 12 Minuten sind m.E. eine gute Idee. Zum Zeitpunkt, als die Glasierung runter war, habe ich das Fischstück noch gewürzt. Ich hatte da zu Weihnachten eine Fischgewürzmischung gekauft (und nicht genutzt), die muss ja auch mal weg. Man muss zum Ende hin öfter mal gucken, wie der Fisch sich im Ofen verhält. Zwischen im Kern gefroren und furztrocken ist nur ein schmales Zeitfenster. ;-) Aber ich hatte es gut erwischt. ;-)

Wobei ich im Nachhinein sagen muss, die Kombination ist nicht sehr optimal. Der Fisch hatte dem Kohlgemüse nicht wirklich etwas mitzugeben, dafür wurde er von ihm aromatisch erschlagen (bringt mal selber das “er” und “ihm” in den richtigen Sinn). Ein Steak oder auch nur Bratfisch wäre wahrscheinlich die bessere Idee gewesen. Aber es erfüllte seinen Zweck: 50+x% Gemüse, 25% Eiweißträger.

Morgen gibt es beim sonntäglichen Restaurantbesuch schon wieder gutbürgerlich. Leider kann ich mich nicht auf den Besuch vorbereiten, das Restaurant hat keine Speisekarte online. Da wird die Lektüre im Haus wohl ein wenig länger dauern. Wenn ich ein wenig in meinen Erinnerungen grabe (ich war schon ein paar Mal dort, aber eben noch ohne Richtlinien und das letzte Mal ist schon etwas her) sehe ich aber gute Chancen, wenigstens etwas maßgebliches Gemüse auf meinen Teller zu bekommen.

 

Die zwei Welten des Genusses

Auf dem Gebiet des Genusses – der Begriff stimmt nicht ganz, aber ich lass ihn mal – fällt mir in der letzten Zeit wiederholt und verstärkt auf, dass es (wahrscheinlich von jedem Ding) zwei Seiten gibt. Vielleicht ja auch noch mehr, aber zwei auf jeden Fall. Wenn man es eng sieht, kann man die beiden Seiten sogar mit jeweils einer Überschrift systematisieren, fasst man das Thema etwas weiter, wird es schwieriger. Aber vermutlich gehts auch, wenn man sich tiefergehender damit befassen würde. Aber lassen wir das kryptifizieren, machen wir es konkret.

Cappuccino

Die eine Seite. Sicher ist der kleine Italiener ein Modegetränk und es darf auch vermutet werden, dass das, was uns in den Backshops und Imbissen als Cappuccino verkauft wird, mit dem Original relativ wenig zu tun hat. Wohltemperierter Milchschaum geht mit frischem, kunstgerecht gefertigtem Espresso eine Liaison an, die ihre Liebhaber hat und behalten wird.
Die andere Seite. Unter dem gleichem Namen wird eine Pulvermischung aus löslichem Kaffee, Milchpulver, Kakao, Aromen und Zucker in unterschiedlichen Gewichtsanteilen verkauft. Da gibt es sicher auch Mischungen, die mit heißem, nicht kochenden Wasser aufgeschüttet, durchaus ein wohlschmeckendes Getränk ergeben. Alle gemeinsam haben sie aber, dass sie mit dem Original absolut nichts zu tun haben.

Melone

Die eine Seite. Melone, hier hauptsächlich gemeint: Wassermelone, ist doch eine geniale Frucht. Dieses rote saftige Fruchtfleisch in der dunkelgrünen Hülle, am besten leicht gekühlt. Nur: Wer hat einen Kühlschrank, dass so eine amtliche Wassermelone da auch reinpasst? Die Kerne können manchmal etwas nerven, aber was soll’s?!
Die andere Seite. Vor einiger Zeit erwarb ich eine Flasche Sirup in der Geschmacksrichtung Wassermelone von einer bekannten Firma für derartige Sirupe. Punkt 1: Kein Sirup, den ich bisher zumindest in Augenschein genommen habe, ist mehr das, was ich mal gelernt habe, was man unter Sirup versteht. Das ist aber ein ganz eigenes, hier jetzt zu vertagendes Thema. Punkt 2: Der Wassermelonensirup, entsprechend verdünnt, hat geschmacklich mit dem Aroma einer Wassermelone nichts, absolut gar nichts zu tun. Aber trotzdem würde ihn jeder, der ihn kostet, als Wassermelone identifizieren, weil alles, was uns unter dem Namen Wassermelone als Gummitier, sonstige Süßware oder Speise aus industrieller Herstellung kredenzt wird, genau so schmeckt.

Yoghurt

Die eine Seite. Den Geschmack von Yoghurt muss man wohl nicht beschreiben: frisch, säuerlich, lecker. Und wenn man sich dann noch ein paar Aromaten, also Früchte oder anderes, hinzu gibt, umso besser. Auch die Verdünnung mit leicht gesalzenem Wasser (ich nehme auch gern noch eine Spur Pfeffer mit rein) ist eine erfrischende Anregung aus der osmanischen Küche.
Die zweite Seite. Da gbt es eine Reihe von Produkten, vom Schokoriegel (“schmeckt so himmlisch yoghurtleicht”) über zwei mit einer Art Yoghurtcremé gefüllten Teigscheiben und Gummitiere mit Yoghurt, deren Geschmack wir wieder alle als Yoghurtgeschmack identifizieren würden, der mit dem Original auf Seite eins nichts, aber auch absolut gar nichts zu tun haben.

Cola

Die eine Seite. Nun ist Cola an sich auch schon ein Industrieprodukt, aber selbst hier gibt es Original und abgeklatschte Kopie.
Die andere Seite. Colagummitiere, Colaeis, Kirschcolasoße für Eis, Colasirupe, alle diese schmecken untereinander auch wieder gleich oder sehr ähnlich (unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Produkteigenheiten), aber allesamt nicht wie Original-Cola (oder das, was heute der Nachfolger des Originals ist).

Pizza

Die eine Seite. Ohje, jetzt wird die Luft dünn für mich. Zum einen ist es sicher schwierig, DIE Pizza zu definieren und damit auch ihre Eigenschaften festzulegen. An der Frage sind vermutlich schon Familien zerstritten auseinander gegangen. Zum anderen bin ich auch nicht so der große Pizza-Freund, demzufolge mit wenig eigener Erfahrung. Aber auch nicht ganz ohne. Und vermutlich streiten sich selbst im Lande der Pizza die Bäcker dieses Teigfladens darüber, wer die beste macht. Aber, wenn wir die Pizzen mit dem dicken Teigboden mal außen vor lassen und auch den Belag der Pizza freundlich ignorieren, kommen wir zum wesentlichen Punkt: Warum können wir in einer deutschen Standardküche sowieso keine Pizza normgerecht herstellen? Die Antwort lautet: 450°C und 60 Sekunden. Das sind nämlich die Backzeiten einer richtigen Pizza mit dünnem Boden. Es könnte auch noch heißer und schneller sein.
Die andere Seite. Ist natürlich jede Pizza, die zu Hause im heimischen Ofen bei 200 oder 250°C erwärmt wird. Der Belag über gebühr mitgegart, der Teig in einer indiskutablen Form. Und ganz besonders wird es dann noch, wenn ein bekannter, promovierter Pizzahersteller genau diesen Makel dann auch noch in der Werbung als Vorteil herausarbeitet: “… so dünn und knusprig, da verneigt sich sogar der Boden.” So heißt es in der aktuellen Reklame. Ein knuspriger Boden, der labrig herunterhängt (vulgo für “verneigt”) … Sehe nur ich da einen Widerspruch?

Chili con carne, Soljanka, Sauce Hollandaise, Wiener Schnitzel, Königsberger Klopse und andere Standards

Die eine Seite. Wer selber kocht, der tut das entweder frei Schnauze, lehnt sich an bekannte Rezepte an oder bereitet die Speise komplett nach Rezept zu. Und wenn der Koch dann das Gericht mit einem vorhandenen Namen benennt, freut sich der Hörer und verbindet damit bestimmte Erwartungen, was ihn auf dem Teller erwartet. Enttäuschungen inklusive. Leider gibt es bei den Standardgerichten durchaus regionale Unterschiede, so dass da durchaus einige Fallen offen stehen. Pfannkuchen sind manchmal in Fett gebackene Hefebälle, manchmal aber auch flache, teigige Eierkuchen. Hier ist das Jägerschnitzel eine panierte, gebratene Jagdwurstscheibe, die mit Tomatensoße und Nudeln serviert wird, anderswo bekommt man unter dem Namen ein paniertes Schweineschnitzel mit Pilzsoße. Aber mit der zunehmenden kulinarischen Aufklärung gibt sich das.
Die andere Seite. Lehnt man eigene Gerichte an bekannte Standards an, bis zu welchem Punkt der Veränderung kann man das entstandene Gericht noch mit dem alten Namen versehen, ohne Irritationen hervorzurufen? Letztendlich sollte man die Essenz des Originals irgendwie noch wiedererkennen, oder den Namen entsprechend anpassen. Neulich las ich irgendwo ein Rezept, dass asiatisch angehaucht daherkam, aber irgendwie auch Hackfleischbällchen in einer weißen Soße garte. Fernöstlich angehauchte Königsberger Klopse wurde das dann benannt, akzeptabel, wie ich finde. Andererseits würde ich ein Gericht, dass aus angebratenen Geflügelfleischwürfeln besteht und mit Tomatensoße leicht scharf abgeschmeckt und mit Paprika und Bohnen ergänzt wird, nicht mehr als Chili con carne bezeichnen. Puristen bei diesem Standardgericht lassen ja weder Bohnen noch Mais noch andere Gemüse zu. Ob wir allerdings ein Gericht, dass im wesentlichen aus Trockenfleisch und Chilischoten (gern auch die etwas milderen) besteht, noch als Chili con carne identifizieren würden? Anderes Beispiel: Wenn ein Gericht im wesentlichen aus zwei Zutaten (plus einigen würzenden Zusätzen) besteht und man ersetzt die eine durch eine andere, kann man doch schon an der Namensgebung schrauben. Beim Wiener Schnitzel hat es doch auch geklappt. Das Ding ist standartisiert. Alles andere heißt Schnitzel Wiener Art. Wieso das aber bei der Sauce Hollandaise nicht klappt? Da wird die Butter als DER Hauptbestandteil durch etwas minderwertigeres ersetzt, das Endprodukt heißt aber immer noch Sauce Hollandaise. Ein Riesenbeschiss.

Wichtige Nachbemerkung: Es geht mir hier wirklich nur um die Benamsung. Ich möchte (bis auf die Teile, wo ich es explizit gemacht habe) mit diesen Äußerungen nicht sagen, dass die falsch bezeichneten Produkte schlecht sind. Es geht mit nur um die Unterschiede zwischen den Produkten, nicht darum, was besser und was schlechter ist.

Stärke zeigen

So ganz ohne Sünde bin ich ja auch nicht. Eine von diesen sind die kalten kaffeehaltigen Milchgetränke im kleinen Becher: Schütteln, aufreißen, lecker. Nunja, lecker nicht immer, aber es gibt schon ein paar gute.

Neu entdeckt habe ich jetzt zwei Varianten einer bekannten Milch-, Pudding- und Jogurtmarke. Fünf Zutaten in der Liste sprechen für das Produkt (“Cappuccino”, bei Latte Macchiato sind es sechs, weil zwei verschiedene Milchs drin sind). Aber selbst hier sollte der österreichische Abfüller doch nochmal an der Rezeptur arbeiten.

Natürlich ahnt der gekonnte Trinker, welche Funktion die Stärke in dem Getränk haben sollte. Mehlige Geschmackskomponente und blödes Gefühl auf der Zunge waren aber sicher beim Cappuccino nicht geplant. Da kann man sich doch mal an den anderen Größen auf dem Markt orientieren. Der Latte Macchiato hatte diesen Effekt nicht ganz so stark, aber auch hier blieb in geringerem Maße ein mehliger Eindruck auf der Zunge.

Die Schweizer Kollegen machen es vor: Carrageen scheint als Bindemittel die bessere Wahl zu sein. Auch die Molkerei aus Bissingen, die durch diverse Handelsmarken bei Discountern u.a. auffiel, hat das Problem nicht mit Stärke gelöst, was dem Geschmack und dem Mundgefühl durchaus wohlgefällt.