Stärke zeigen

So ganz ohne Sünde bin ich ja auch nicht. Eine von diesen sind die kalten kaffeehaltigen Milchgetränke im kleinen Becher: Schütteln, aufreißen, lecker. Nunja, lecker nicht immer, aber es gibt schon ein paar gute.

Neu entdeckt habe ich jetzt zwei Varianten einer bekannten Milch-, Pudding- und Jogurtmarke. Fünf Zutaten in der Liste sprechen für das Produkt („Cappuccino“, bei Latte Macchiato sind es sechs, weil zwei verschiedene Milchs drin sind). Aber selbst hier sollte der österreichische Abfüller doch nochmal an der Rezeptur arbeiten.

Natürlich ahnt der gekonnte Trinker, welche Funktion die Stärke in dem Getränk haben sollte. Mehlige Geschmackskomponente und blödes Gefühl auf der Zunge waren aber sicher beim Cappuccino nicht geplant. Da kann man sich doch mal an den anderen Größen auf dem Markt orientieren. Der Latte Macchiato hatte diesen Effekt nicht ganz so stark, aber auch hier blieb in geringerem Maße ein mehliger Eindruck auf der Zunge.

Die Schweizer Kollegen machen es vor: Carrageen scheint als Bindemittel die bessere Wahl zu sein. Auch die Molkerei aus Bissingen, die durch diverse Handelsmarken bei Discountern u.a. auffiel, hat das Problem nicht mit Stärke gelöst, was dem Geschmack und dem Mundgefühl durchaus wohlgefällt.

Milch mit Geschmack – mehr als nur Kakao

Die einfache Flasche Kakao-Milch reicht dem Verbraucher schon längst nicht mehr aus. Glaubt die Industrie. Und wirft immer mehr neue und originelle Milchmischgetränke auf den Markt, von denen ich heute mal zwei teste. Sie kommen beide aus dem Mainfränkischen, zumindest, was den Hersteller betrifft, der „Markenname“ unterstellt vielleicht eher was südlicheres, wobei ich nicht glaube, dass südeuropäische Genießer sowas in der Form trinken wollten.

Das eine Kakao-Getränk ist mit Vanille angereichert, glaubt man der Vorderseite des Etiketts. Schokoladenpulver, dass zum größten Teil nur aus Zucker besteht, ist mit 2,0% Anteil angegeben, Kakaopulver noch weniger. Da wundert es nicht, wenn „natürliches Vanillearoma mit anderen natürlichen Aromen“ bei den Zutaten nachfolgt, der geringe Kakaoanteil kann ja nach nichts schmecken. Die Kriterien für den „ausgewählten Kakao“ waren eben so streng, dass nicht sehr viel davon in der Milch landete. Die „feine Vanille“ vermissen wir aber ganz, dass „natürliche Aromen“ nicht aus den ursprünglich Namensgebenden Früchten oder Pflanzen stammen müssen, ist hinlänglich bekannt. Vanille-Aroma wird gern mal aus Holzabfällen der Papierindustrie gewonnen. Aber das nur nebenher. So schmeckt das Getränk sehr spitz und unausgeglichen nach Schoko und untergehender Vanille, dass es einer weiteren Beschreibung gar nicht lohnt.

Wer schon mal ein Gericht mit etwas zu viel Chili gewürzt hat, der weiß, dass zum Löschen des brennenden Gefühls im Mund Wasser denkbar ungeeignet ist. Der geschmacks- und schmerzauslösende Stoff Capsaicin ist nicht wasser- aber fettlöslich, so dass ein Glas Milch eher Linderung verspricht, es helfen hier die Milchfette. Was aber – und damit kommen wir zum zweiten Kakao-Getränk – wenn Chili mit in die Kakao-Milch gegeben wird? Wir dürfen beruhigt sein, es ist keine Kakao-Milch. 2,5% fettarmes Kakaopulver ergeben normalerweise eine dünne Plörre. Es helfen hier natürliches Vanille- und Chili-Aroma. Von Chilifrüchten fehlt jede Spur. So ist dem Getränk eine gewisse Schärfe nicht abzusprechen, nach Chili schmeckt es aber nicht.

Die 60 Cent, die pro 250-ml-Karton zu bezahlen sind, kann man anderswo besser anlegen. Mehr ist auch mal weniger.

…, aber irgendwas ist ja immer

Als gelernte DDR-Bürger wissen wir natürlich, was Tschai ist, auch wenn wir es besser erkennen, wenn es in kyrillischen Buchstaben daher kommt. Der Russischunterricht leerte uns früh, dass sich hinter dem Wort Tee verbirgt, der gern aus einem Samowar kommen durfte und in Teegläsern mit metallenen Geflechten im unteren Drittel und daraus hervorstehendem Henkel serviert wurde. Aufenthalte bei den Freunden brachten einem das Getränk auch kulinarisch näher.

Der moderne Genießer kennt unter ähnlichem lautendem, aber minimalistischer geschriebenem Namen ein weiteres Getränk: Chai. Auch dies ist ein Tee, kommt aber von noch weiter weg und beeinhaltet nicht nur – wenn überhaupt – klassischen Tee, sondern auch zahlreiche Gewürze. Aber wie zum Beispiel in Indien jede Hausfrau ihre eigene Currygewürzmischung hat, DAS Curry gibt es also nicht, ist das beim Chai nicht unähnlich. Kardamom, Zimt, Ingwer, Pfeffer, Nelken, Muskat, Kakao, Anis, Lakritze und vieles anderes mehr können Bestandteil dieser Gewürzmischung sein.

Getrunken wird der Chai mit Milch und Zucker oder Honig. Je nach Würzmischung und persönlichem Geschmack ist der ein Hochgenuss, man kann natürlich auch mit eigenen Mischungen experimentieren, aber die ersteren fünf genannten Gewürze gehören fast immer dazu. Im Teebeutel sind aber auch verschiedene Sorten von einigen Herstellern käuflich zu erwerben, ein Durchprobieren lohnt sich, wenn man sowas mag.

Unlängst fielen mir unter dem Namen Chai zwei Instantgetränkepackungen eines bekannten Herstellers (immerhin haben Hape Kerkeling und früher auch Mike KRÜGER für ihn und seine Produkte geworben) in die Hände. Neugierig, wie ich manchmal bin, probierte ich beide.

Wer einen breiten Pulvermilchgeschmack mag, der fast keinen Platz lässt für die feinen Aromen der Gewürze, dem werden diese Getränke zusagen. Aber der lässt sich auch Pulvermilch mit Kaffeeextrakt in schaumiger Aufschlemmung als Espresso mit Milchschaumhaube verkaufen.

Damit will ich nicht sagen, dass man das nicht trinken sollte, gelegentlich schmeckt das wirklich so schlecht nicht. Aber es hat mit dem namengebenden Originalgetränk genausowenig zu tun wie der Pulver-Cappuccino aus gleichem Haus (wie auch aus vielen anderen Häusern) mit dem italienischen Caffè-Klassiker.