Kulinarisch-philosophische Strategie mit Steak

An dieser Stelle möchte ich mal über Preise und den Umgang mit ihnen in der Gastronomie philosophieren. Allerdings etwas anders, als ihr vielleicht vermutet. Zwei Gedanken vorneweg: Qualität hat ihren Preis, was nicht nur die Produkte sondern auch die Arbeitmit ihnen betrifft. Und: Nicht alles, was teuer ist, muss unbedingt gut sein.

Wenn ihr in einem Restaurant auf der Karte ein Gericht entdeckt, dass ihr unbedingt schon immer mal probieren wolltet, oder wo diese Aussage auf einen wesentlichen Bestandteil zutrifft, aber der Preis des Essens recht weit oberhalb dessen liegt, was ihr sonst normalerweise esst, was macht ihr dann?

Variante 1: Volles Risiko. Ihr prüft sicherheitshalber mehr oder weniger heimlich, ob ihr es euch ausnahmsweise mal leisten könnt und bestellt es einfach.

Variante 2: Ihr bestellt Euch etwas bazahlbareres von der Karte, das in Teilen dem teuren Gericht nahe kommt (Hauptbestandteil, Zubereitung o.ä.) und orpft damit, ob die Küche es perfekt zubereiten kann. Sollte das gelingen, habt ihr das Vertrauen zur Küchenmannschaft aufgebaut, und besucht das Restaurant in nächster Zeit nochmal und bestellt dann das teure Gericht.

In den letzten Jahren habe ich zweimal vor genau diesem Problem gestanden, mich immer für die 2. Variante entschieden und noch nie ein sehr teures Hauptgericht bestellt. In beiden Fällen handelte es sich um Steakvariationen, einmal um ein Flank-Steak und einmal um ein Dry-Aged-Entrecôte am Knochen. Im ersten Fall fand ich nichts vergleichbares preiswerteres auf der Karte, so dass ich recht frei wählte, was in einer kulinarischen Katastrophe endete. Beilage: in Butter geschwenkte Würfel von Wurzelgemüse: das Gemüse knackig roh, die Butter verbrannt. So sollte das bestimmt nicht.

Normales Entrecôte oder auch Rib-Eye-Steak gibt’s ja häufiger, aber auch hier gibt es solche und so’ne, und auch die Zubereitung kann tricky sein. Leider kam es auch nicht optimal auf den Tisch und so habe ich mir die teure Variante bisher erspart.

Wie komme ich eigentlich auf das Thema?

Sonntagmittag

Es gab Steak. Rib-Eye-Steak.

Rib-Eye-Steak auf Austernbilzen und Zucchini mit KartoffelpürreeDa kam ein ordendliches Stück Fleisch auf den Tisch, das auf Sprossen, Zucchinihalbscheiben und Austernpilzen zu liegen kam. Dazu gab es etwas Kartoffelbrei. Das Steak war auf den Punkt gegrillt und vor allem nicht überwürzt, wie ich es vor einiger Zeit anderswo erlebte. Man hatte ordentlich was zu kauen, vor allem, wenn man mit dem Messer nicht geschickt umging und doch ein etwas zu großes Stück absäbelte, aber alles in allem war es dann doch das, was Steakliebhaber wollen: saftig, fleischig, aromatisch aus sich selbst heraus.

Zuvor gönnte ich mir noch ein kleines Carpaccio.

Carpaccio.Auch wenn es hier fast unter dem Grünzeug verschwindet, war es trotzdem sehr delikat. Hat man sich durch das junge, leicht vignaigrettierte Blattgrün gekämpft, das übrigens mit ein paar Parmesanchips lecker ergänzt wurde, kam man auf eine Handvoll entbehrlicher Cashewkerne und dann das zartrosa Rinderfilet in dünnsten Streifen.

Carpaccio.Was ich übrigens sehr schön fand, war die leichte Marmorierung der Filetscheiben, die da fast in nature auf dem Teller lagen und nicht – wie ich auch schon erlebt habe – in irgendeiner Zitronen-Essig-Öl-Soße ertranken (von der Menge und vom Geschmack her). Da kann sich mancher (Pseudeo-)Italienier mal ein Beispiel dran nehmen.

Zweimal Erbsen (denaturiert und natur)

Vergleiche bei Speisen sind immer schwierig. Spätestens, wenn man sich nicht vorher auch noch irgendwelche Kriterien festlegt, wirds komplex und man kann nicht mehr so einfach sagen, was besser und was schlechter ist. Zumal die vielen Aspekte, die da hineinspielen, sehr unterschiedlich ausgerichtet sein können. Und das selbst bei einfachen Beispielen.

Einfaches Beispiel: McD hat seit einiger Zeit „McPlant“-Produkte im Sortiment. Der echte Veggie-Burger ist zwar Geschichte, aber dafür gibt es ein bisschen mehr Varianten. Ich habe mich mal vorsichtig herangetastet und die Nuggets probiert.
Es ist übrigens eine sehr urbane Legende, dass McD-Produkte in jeder Filiale gleich schmecken. Weltweit schon mal gar nicht, aber selbst auf regionaler Ebene habe ich das aus eigenem Erleben heraus immer für ein Gerücht gehalten. Ich weiß nicht, warum und weshalb, aber in all meinen Stichproben der letzten 20 Jahre waren die ChickenNuggets aus McD Greifswald Süd besser als die von McD Neubrandenburg Nord.
Bei den McPlantNuggets fehlen mir die vergleichswerte aus anderen Filialen, aber die habe ich beim McD NB Nord in richtig gut bekommen. Wunderbar knusprig und würzig, die (Standard-)Soßen passten auch gut dazu, waren aber auch sinnvoll, da den Nuggets naturbedingt der zarte Hühnchengeschmack abgeht und sie außer nach knusprig und würzig eigentlich nach nichts schmecken. Aber genau in der Kombi sind sie richtig gut und besser als die ChickenNuggets. Aber auch die isst man ja eigentlich nicht, weil man was vom Hähnchen möchte, oder? Das ist Fingerfood zum Dippen und da sind die pflanzlichen Dinger besser als die tierischen.

Neulich war ich mal wieder – außer der Reihe – in meinem Lieblingsrestaurant. Doradenfilet auf Fenchel und Stampfkartoffeln* … Hmmm. Soulfood vom feinsten. Aber das nur nebenbei.

Sonntagsessen

Der Weg der Nahrungsaufnahme führt uns diesmal etwas hinaus und so fanden wir uns in einer benachbarten (i.w.S.) Kleinstadt ein, wo wir schon ein paar Mal das Restaurant frequentiert hatten, aber dies wohl immer im Sommerhalbjahr. Bisher haben wir immer nur draußen gesessen, schön, es auch mal von innen kennenzulernen. Auch dort wurden wir gut umsorgt und aßen auch recht anständig.

Kartoffelpüree, Hähnchenleber in Rotweissoße, ErbsenDa gilt es zu befürchten, dass es langsam rauskommt, dass ich ein großer Fan von Kartoffelbrei bin. Die drei Röschen Erdapfelstampf begleiteten ein paar Erbsen mit Hollandaise und Hähnchenleber in Rotweinsoße. Alles in allem sehr lecker, wenngleich die Leber natürlich drüber war. Also den Garpunkt gemäß. Aber das ist bei der Anlage des Gerichts sozusagen unvermeidbar. Hähnchenleber ist als Produkt so zart, dass man sie nicht mal zu heiß ansehen darf, weil sie dann schon übergart ist. Als „Schmorgericht“ kann man da nur verlieren, aber unter Berücksichtigung dieses Gesichtspunkts war sie doch recht schmackhaft.

Erst im Nachhinein fiel mir die besondere Form des Tellers auf. Auf dem Bild ist – gerade so – zu sehen, was ich meine: die bauchnahe Einbuchtung am Tellerrand. Finde ich gut. Dadurch kann man sich den Teller mehr ranziehen und kleckert im Idealfall nicht auf den Tisch, sondern auf den Teller. Starke Idee. Bei der allgemeinen Adipositas-Verbreitung darf aber auch nicht auf halbem Wege stehen geblieben werden. Wo bleiben die entsprechenden Einbuchtungen an den Tischplatten?

Kartoffelpüree, Hähnchenleber in Rotweissoße, ErbsenNun hatte das Gericht allerdings eine vernünftige Größe, so dass hier eine diesbezügliche Weiterführung der Kritik nicht angebracht ist, aber ich bin „optimistisch“, in naher Zukunft an anderen Orten einen Verweis auf diese Teller anbringen zu können.

______________________

*) hieß irgendwie anders, aufwendiger, aber so in der Art.

Auf und Ab (eher unten und oben)

Wenn ich jetzt philosophisch anfangen wollen würde, käme ein Gedanke an die Freiheit der Meinung, bei der manchmal gern vergessen wird, dass dabei die freie Gegenmeinung genauso inkludiert und zu akzeptieren ist. Außerdem ist Meinung immer subjektiv und hängt genauso immer vom aussageumgebenen und -definierenden Bezugssystem ab. Erschwerend dabei ist „nebenbei“, dass dieses Bezugssystem noch einer steten Veränderung unterworfen ist (bzw. sein sollte). Bekannt ist das spätestens seit den alten Griechen, die eine Großkatze namens Ray verehrten. … Was natürlich hanebüchener Blödsinn ist, spiele ich doch auf den guten alten Heraklit an, der seinerzeit den Gedanken vom „Panta rhei“ aufbrachte, was wörtlich übersetzt „alles fließt“ heißt. Gemeint ist das dann doch philosophisch: eigentlich befindet sich alles irgendwie in Bewegung und nichts ruht von allein (Kosmologie, Gesellschaft, Zivilisation, Wissenschaft, …).

Unterschiedliche Bewertungssysteme kann man auch am Beurteilen von sogenannten Nahrungsmitteln festmachen, wenn zwei Leute das gleiche Produkt unter die sensorische Lupe nehmen. Erfreulicherweise hat sich bei den Essern nicht das Prinzip wie bei Rechtsanwälten „Zwei Anwälte, drei Meinungen“ durchgesetzt. Aber ein wenig konträh kann es dann doch sein und man überlegt, ob beide wirklich das gleiche Produkt gegessen haben.

Meica Linseneintopf Volle KelleEin Linseneintopf als Fertiggericht für die Mikrowelle von einem Würstchenhersteller. Ein Produkt, was auf mehreren Ebenen so falsch ist, dass ich das mit meinem begrenzten Wortschatz und in der Enge des Internets gar nicht wiedergeben kann. Die bereits referenzierte andere Meinung findet sich übrigens hier.

Vor Jahren hat der gleiche Hersteller mal ein paar Grünkohlvariationen in ähnlicher Konstitution auf den Markt geworfen, die ich seinerzeit gar nicht so schlecht fand. In die Deckelfolie wurden mit der Gabel ein paar Löcher gepiekst, das Senfpäckchen von der Unterseite entfernt und dann alles für einige Zeit in die Mikrowelle gesteckt. Genau so habe ich es auch mit diesem Linseneintopf getan, nur, dass ich vor der Energiezufuhr das Essigbeutelchen am Boden entfernte. Auf der Packung steht erstaunlicherweise ein anderes Verfahren, aber da ich keine Mikrowellenabdeckhaube besitze, habe ich zum klassischen Verfahren gegriffen, was auch zielführend funktionierte.

Apropos Lektüre der Verpackung: Bis auf die Zubereitungsempfehlung sollte man das nicht unbedingt machen. Im Idealfall wird man dann nur angeregt, sowas doch lieber selber zu kochen, was allerdings die Frage aufwirft, ob man im Guten ein bis zwei Portionen Linsensuppe sinnvoll kochen kann. Größere Mengen sind ja wie bei allen Suppen kein Problem, aber eben auch die kleine Quantität. Und dann in gut. Schwierig. Ich fühle mich herausgefordert. Meine Version würde auf jeden Fall weniger Wasser und Bindemittel, dafür mehr Linsen und Gemüse enthalten. Und sie würde am Ende anders schmecken.

Wobei: Meica Linseneintopf Volle KelleDer erste Löffel aus der schwarzen Plasteschüssel war gar nicht so schlecht. Das milde, runde Linsenaroma war nicht unangenehm, die Würstchen sind allerdings ein eigenes Thema. Allerdings machte ich dann einen offensichtlich entscheidenen Fehler: Ich entleerte das Essigtütchen in die Suppe. Das hätte ich bleiben lassen sollen. Für mich schmeckte die ganze Suppe dann nur noch nach dem Essig und der würzige Linsengeschmack ging völlig verloren. Dazu muss man allerdings sagen, dass ich Linsensuppe ganz entgegen der auch hier in der Region üblichen Art immer ohne Essig gegessen und gemocht habe. Dabei hätte ich bleiben sollen.

Der Hersteller dieser Suppe (es gibt sie auch noch in anderen Varianten: Kartoffelsuppe, Chili con carne, Erbseneintopf, u.a.) ist ursprünglich als Würstchenproduzent bekannt. Namhaft. Da erwartet man einiges, immerhin sind die Würstchen in der Suppe werbende Referenz für das Originalprodukt. Allerdings machen sie einen recht ausgelaugten Eindruck, was sich nicht nur geschmacklich, sondern auch in der Konsistenz zeigte. Wenn man die Würstchen meines Lieblingsfleischers gewohnt ist, kann man sowieso nix mit Dosen- oder Glaswürstchen allgemein und den Einlagewürstchen in Fertig-Suppen und -Eintöpfen im speziellen anfangen. Sorry.

Sonntagmittag

Vattern hatte mal wieder mein Lieblingsrestaurant ausgewählt, was mich nicht unerfreut zurückließ. Da ich das diesmal bereits einige Tage vorher wusste, dass es dahin geht, schaute ich schon mal auf die Webseite, um mich vorab zu orientieren… Nun pflege ich seit einigen Jahren beruflichen Umgang mit Sozialpädagogen und eigentlich färbte das auch ein wenig ab. So weiß ich bspw., dass man eine negative Kritik immer in mehrere positive einpackt, damit es nicht ganz so schlimm wird. Menschlich. Aber „aus Gründen“ fang ich doch mal mit der Nörgelei an: Es gibt Diskrepanzen zwischen der Restaurantkarte im Web und im Restaurant. Und genau in so eine Diskrepanz bin ich diesmal gefallen. Zum einen habe ich das vorher ausgewählte Gericht im Restaurant nicht auf der Karte gefunden, und zum anderen kann ich die genaue Beschreibung des dann gegessenen Gerichts nicht wiedergeben, da es nicht auf der Web-Karte steht. Aus dem Gedächtnis habe ich aber auch genau die eine Diskrepanz erwischt, die es gab.

Geschmorte Ente mit Wokgemüse, Kartoffelstampf, Pflaumensoße, Erdnüsse und irgendwo war auch noch TeriyakiAber, ich mag über die Diskrepanz gestolpert sein, ich wurde aber aufs beste aufgefangen. Diese asiatisch angehauchte halbe Ente (keine Angst, sie war nicht mal so groß wie ein anständiger Broiler, also eine anständige und vernünftige Portion) mit dem Wokgemüse und den Stampfkartoffeln traf wirklich meinen Geschmackssinn und ich genoß es außerordentlich. Geschmorte Ente mit Wokgemüse, Kartoffelstampf, Pflaumensoße, Erdnüsse und irgendwo war auch noch TeriyakiIm Kännchen befand sich dann noch eine Soße mit Pflaume und in irgendeinem Zusammenhang fand sich auch noch das Wort Teriyaki. (Notiz an mich selber: Ich darf nicht nur das Essen fotografieren, sondern auch die Karte, zumindest die Seite, wo mein Essen drauf steht. 😉 ) Und wenn ich doch nochmal auf ganz hohem Niveau jammern darf: Die Erdnüsse fände ich entbehrlich, ich mag kein Knabberzeuch im Mittag. 😉 Aber in der fernöstlichen Küche sind sie ja immer wieder mal dabei, und sie sind auch nicht ganz so schlimm, als wenn sie Maiskörner gewesen wären. Die mag ich ja überhaupt nicht. 😉

Die Ente war butterzart, die Kartoffeln schön fluffig, das Gemüse auf den Punkt, alles war gut gewürzt, die Soße passte dazu … Ich könnte schwärmen, und auch der Service war – wie immer – sehr angenehm. Qualität setzt sich eben durch, was sich offenbar langsam auch rumspricht. Es empfiehlt sich immer, vor einem Besuch zu reservieren.

Au Backe – und eine Pyramide auf Spitze (mit Disneyfilm-Dreh)

Ausblick zum Belvedere
Der Blick zum Belvedere am Westufer des Tollensesees. Das hat nix mit den Pyramiden zu tun. Zumindest wollte ich keinen Zusammenhang konstruieren. Säulenbauwerke hatten sie ja damals zu Zeiten der Pyramidenerbauung auch schon. 😉

Kennt ihr die Pyramiden von Gizeh? Stichwort: Cheops, Chephren, Mykerinos oder Chentkaus I. Architektonische Highlights der Menschheitsgeschichte. Könnt ihr Euch vorstellen, eine derartige Pyramide auf die Spitze zu setzen? Also unten eine klitzekleine Grundfläche und nach oben immer breiter werdend. Kann man sich vorstellen. Zumindest als geometrische Figur. In natura wird das schwerer, aber vielleicht sollten wir mal eine andere Pyramide als Vorpild Vorbild nehmen, mit der man das eher machen kann. DIE ERNÄHRUNGSPYRAMIDE! Das passt doch (fast)! Zumal wir uns auch auf dem Bereich bewegen.

Auf veg(et)a(risch/n)en Ersatz-Produkten (vProdukte) steht ja gern mal drauf, auf welcher pflanzlichen Basis sie beruhen. So auch ein Kochwurstsimulant, den ich diese Woche testweise kaufte. Die Titelseite frohlockte, dass das Produkt auf Basis von Sonnenblumenkernen entstanden ist. ‚Das könnte passen‘, dachte ich mir. Diese Brühwürste (gemeint ist das fleischliche Vorbild) sind sowieso immer ein wenig fettig, so dass eine Ölfrucht als Basis vielleicht gar nicht so schlecht ist.

Die Lektüre der Zutatenliste ließ mich an das Bild der auf den Kopf gestellten Pyramide denken. Gerade mal 2% der Basiszutat sollen im Produkt enthalten sein. Aber nicht in seiner natürlichen Form, sondern auch noch maximal denaturiert. Das ist doch alles Augenwischerei in der Nähe von Betrug. Das ist keine vernünftige Ernährung, das ist keine natürliche, regionale, gesunde Ernährung. Das ist reinste Industrieware mit allen Nachteilen, die derartige Produkte haben, im Mantel der Weltverbesserung und des Umweltschutzes. Das ist künstliche Nahrung, nicht sehr viel besser als glutamatlastige Tütensuppen. Ein aromatisierter Erdbeerjoghurt mit einer Viertel Erdbeere drin (sehr viel mehr ist in so einem Joghurt nicht) ist eine Ausgeburt der Natürlichkeit im Gegensatz zu vProdukten der vielfältigsten Art. Es mag positive Beispiele geben, ich habe noch keins gefunden. Wer früher Analogkäse und Formfleischschinken auf Fertigspeisen gut fand, dem können auch die vProdukte gefallen. Da hilft es auch nicht, dass die Fitzelcheneinlagen „Grillgemüse“ einen höheren Anteil haben als die Basis des Produkts. Selbst die Binde- und Trägermittel sind ini größerer Menge vorhanden, als die Basis. Und Wasser natürlich auch. Der letzte Mist, diese Produkte.

Belegte Brötchen mit veganem Schinkenwurstaufschnitt mit GrillgemüseZum Testen habe ich mal ein Brötchen aufgeschnitten, mit etwas Butter bestrichen und dann mit der veganen Schinkenwurst mit Grillgemüseeinlage belegte. Die Gurkenherzchen sind leider nicht so gut gelungen, im Gurkenglas fanden sich nur noch unförmige Salzgurken, die kein vernünftiges Schnittbild ergaben.

Belegte Brötchen mit veganem Schinkenwurstaufschnitt mit GrillgemüseWer solche Brühwurst kennt (ob jetzt mit Einlage oder ohne), der weiß, dass diese bei zu großer Nähe zum MHD gern mal einen leicht schleimigen Überzug bekommen. Den spürte ich hier auch schon, wenngleich ich durchaus mit dem Testen noch bis in den März hinein hätte warten können. Die Lektüre der Zutatenliste wies Rapsöl als Bestandteil aus, auch eine Quellmöglichkeit des schleimigen Überzuges. Und Sonnenblumenkerne sind ja auch die Basis des Produktes! Steht groß vorn drauf. Die sind auch eine Quelle für flüssiges Fett.

Hauptbestandteil ist natürlich … Wasser, gefolgt von 1/8 Grillgemüse (Paprika und Zucchini im Verhältnis 2:1). Sage und schreibe vier Verdickungsmittel sorgen für Konsistenz, Salz, Zucker, Gewürzextrakte und Aromen für Geschmack. Proteine kommen von den schon erwähnten Sonnenblumenkernen und von Kartoffeln. Hier liegt dann auch einer der großen Kritikpunkte: Wenn als Zutat zu einem Produkt nur die Proteine einer Pflanze drin sind, dann ist das eine hochverarbeitete, denaturierte Substanz, deren pflanzlicher Ursprung irgendwo in einer Industrieanlage verloren gegangen ist.

Was ist eigentlich das Gegenteil von „befangen“? Ich könnte im Zusammenhang mit diesem Produkt nämlich genau das sein. Soll heißen: Ich bin kein großer Freund von Schinkenwurst, Fleischwurst, Lyoner, Bierschinken und was es in dem Zusammenhang noch alles gibt. Natürlich habe ich die klassische Paprikawurst, die wohl hier ein Vorbild sein soll, schon mal gegessen, sonst könnte ich ja keinen Vergleich anstellen. Aber, wenn ich die Wahl habe, nehme ich auch gern etwas anderes.

Diese vSchinkenwurst mit Grillgemüse ist gar nicht schlecht. Den Vergleich mit einem wie auch immer und von wem auch immer hergestellten Original braucht das Produkt nicht zu scheuen. Wenn man von der leicht schleimigen Haptik absieht, stimmen Konsistenz und Mungefühl. Und auch der Geschmack ist gut getroffen, ohne Fehlaromen, die anderen Produkten eigen sind.

Sonntagmittag

Noch im letzten Jahr hätte ich nicht erwartet, dass genau das passiert. Entweder, meine Ansprüche sind gesunken oder die Qualität stieg. Ich unterstelle mal zweiteres, denn das Mittag am Sonntag war auch wieder sehr lecker.

Rinderbacke, geschmort, an Möhrengemüse, glasiert, und KräuterstampfkartoffelnAuf der großen Essplatte, auf der sonst vermutlich Aufschnitt auf einem kalten oder ganze Hühner oder Enten auf einem warmen Büffett dargeboten werden, fanden sich Tranchen von geschmorter Rinderbacke (super zart) in leckerer Soße, dazu gab es ein glasiertes Möhrengemüse und ein Kräuterkartoffelstampf. Garniert wurde mit frittierten Gemüsestreifen, die im Unterschied zum letzten Sonntag diesmal richtig gut waren. Knackig, würzig, super. Auch die Möhren und die Stampfkartoffeln reihten sich in die Leckerness ein. Ansonsten sei nur auf einen Artikel der Verbraucherzentralen verwiesen.

Dieser Teller war ein Beleg für die ausdrückliche Warnung von Ernährungsexperten, nicht zu oft in Gaststätten und Restaurants zu essen. Die aufgenommenen Nahrungsmengen sind ungesund. Die Standard-Portionsgrößen müssen unbedingt kleiner werden! Es muss eine Lösung gefunden werden, gerade auch in der Kommunikation zwischen Gast, Service und Küche, um sinnvolle Portionsgrößen, ihre Abrechnung und alles andere, was daran hängt, zu ermöglichen, damit die Essenden glücklich, zufrieden und nicht gemästet die Lokalitäten verlassen.

Dieses Restaurant werde ich aus eigenem Antrieb vorläufig nicht wieder besuchen. Das liegt aber nicht an der Qualität des Essens sondern nur an den Portionsgrößen. Und ich werde dem Bäcker meines Sonntagskuchens mal einen Tipp geben, wenn ich mal wieder bei ihm reinschneie. Dass ich diesen Sonntag wieder nicht da war, lag ausdrücklich nur an dieser Mittagsportion.

 

Hirsch’n’Chips

Neulich fand ich mich in einer Testsituation wieder, in der es um geschmacklich gleich gelabelter Kartoffelchips einer bestimmten Marke, aber unterschiedlicher Zusammensetzung, ging. Nun sind Kartoffelchips – aus Gründen – nicht mehr so präsent in meinem Nahrungsportfolio, aber wenn, dann nutze ich gern die etwas schärferen Varianten. Nachdem ich eine Weile „Wasabi-Erbsen“ sehr gemocht habe, ging unter den Peperoni-Chips eigentlich nichts mehr. Die Paprika-Varianten waren mir zu süß und die Cheese/Onion zu schleimig vom Mundgefühl. Die „nur“ gesalzenen hatte ich mangels kulinarischem Interesse gleich völlig ignoriert, aber genau um diese ging es beim Test. Es gab eine normale und eine leichte Variante, Unterscheidungspunkt dabei war die unterschiedliche Fettmenge, aber auch die Salzmenge variierte. Beim eigentlichen Test war das aber nicht bekannt, genau wie die Marke und worum es eigentlich ging. Das wurde erst sehr viel später aufgelöst. Es war eine Marke aus dem rot-blauen US-Cola-Universum.

Salzige Kartoffelchips fand ich plötzlich nicht mehr ganz so uninteressant und ich schaute mal, ob ich sie irgendwo beim Lebensmitteleinzelhandel entdeckte, um mal eine ganze Tüte intensiv zu testen und nicht nur zwei, drei Chips aus so einem Probierschälchen. Leider fand ich nur die eine Sorte. Der Tüteninhalt erinnerte aber nur wenig an das, was ich im Test gut gefunden hatte. Auch eine Zweitprobe, diesmal eine Discounter-Eigenmarke, enttäuschte, bis ich jetzt an eine Tüte eines bekannten deutschen Herstellers kam, die man wirklich essen konnte (also nicht die Tüte, eher den Inhalt). Die Deutschen können mit der Kartoffel eben immer noch besser umgehen als die fernen Amis (ich bin mir bewusst, dass auch deren Produkt zumindest in Europa, wenn nicht auch in Deutschland hergestellt wurde). 😉

Der Blick auf die Tüte – nach(!) dem Genuss des Inhalts – unterstrich aber mal wieder, dass ich zukünftige Genüsse doch sehr vereinzeln werde.

2 Kartoffeln, 90 ml Öl, 4 g SalzWenn man mal den Inhalt der Tüte laut seiner Beschriftung auseinandernimmt, sehen wir hier den Inhalt vor uns.

2 Kartoffeln, 90 ml Öl, 4 g SalzCa. 160 g Kartoffeln, 4 g Salz und etwa 90 ml Sonnenblumenöl. Und das heißt nicht, dass die 160 g in dünne Scheiben geschnittenen Kartoffeln in den 90 ml Öl frittiert wurden, das ist wirklich das Fett, was noch an ihnen dran hängt und das mitgegessen wird! Wenn ich aus den Kartoffeln einen Salat gemacht hätte bspw. mit einer Vignaigrette, wäre nur ein Bruchteil des Öls im Dressing. Bezogen auf die Menge der Kartoffeln. Selbst bei der Verwendung von Majonäse wäre weniger Öl an der Menge Kartoffeln als in den Chips. Die bestehen zu gut einem Drittel aus Öl. Das Foto beinhaltet nicht nur die Zutaten symbolisch, sondern auch ihre realen Mengenverhältnisse. Ich finds erstaunlich.

Und nebenbei: Der Standard-Durchschnittsmensch benötigt ca. 2000 kcal Energie pro Tag, ca. 1400 kcal allein für die Aufrechterhaltung der Grundfunktionen. Wer mehr zu sich nimmt, muss dafür sorgen, dass die Energie auch wieder verbraucht wird, sonst landet sie auf den Hüften und den anderen Körperteilen. Die Tüte Chips liefert übrigens ca. 1400 kcal. Dann hat man aber noch nicht die wertvollen Stoffe aus vernünftiger Nahrung. Kann man auch mal drüber nachdenken.

Sonntagsessen

In unserer autophilen* Zeit wird’s ja manchmal schwierig, wenn dann doch mal was dagegen gemacht wird. Wobei anzunehmen ist, dass das „dagegen“ eher ein Nebeneffekt ist, unter dem dann aber leider einige zu leiden haben. Sicher ist es erstrebenswert, bspw. Innenstädte autofrei zu bekommen, um das Erlebnis „City“ besser genießbar zu machen, aber wenn dann ein paar Fußlahme wegen eines zurückgebauten Parkplatzes plötzlich längere Strecken füßlings gehen müssten, nur, um warme Speisen einzunehmen … Da überlegt man dann doch zweimal, ob es nicht auch andere schöne Orte gibt.

Wobei das Essen durchaus angenehm ist. „Hausmannskost“ heißt die Kategorie dazu, wenn ich mich nicht irre. Und es läuft wohl recht gut, wenn man das mal von den ganzen Reserviert-Schildern ableitet, die auf den Tischen rumstanden. Nun gibt es zwar den Spruch „Never change a running system.“, und wenn es gut läuft, warum sollte man. Da es aber beim Betreiber vor einigen Jahren (also mehr als 3) bereits zu einem Generationswechsel gekommen ist, hätte ich dezente Ansätze einer Aktualisierung der Karte erwartet. Sicher, es gab Änderungen, aber das lag wohl eher an der schlechteren Beschaffbarkeit bestimmter Zutaten. Aber sei es, wie es ist. Vielleicht sind auch die Gäste, die immer das gleiche Essen und diesbezüglich mit bestimmten Erwartungen Essen gehen, doch in der Überzahl, und ich gehöre mit meinen Wünschen auf „immer wieder mal was neues“ zu einer Minderheit. Aber so hat jeder sein. Je stabiler die Karte, desto seltener mein Besuch.

Wobei der Hirschbraten durchaus sehr angenehm war. Zart, aromatisch, mit hand- und hausgemachtem Kartoffelbrei und frischen Champignons. Dazu gab es genauso leckere wie reichliche Wacholdersoße.

Hirschbraten Kartoffelstampf, SoßeDas war ein Gericht, dass man mit Wonne genießen konnte. Und, um auf hohem Niveau zu nörgeln: Halb so viel Kartoffelbrei hätte es auch getan. 😉 Hirschbraten Kartoffelstampf, SoßeIch weiß, das sieht jetzt nicht wie viel Soße aus. Aber es gab noch ein kleines Kännchen nebenher dazu. Und die Mischung dieser Soße mit dem Kartoffelbrei … i love it. Da fehlte eigentlich nur ein Löffel, um den Genuss perfekt essbar zu machen.

_______________

*) meint nicht Selbstliebe, obwohl wir eine derartige Zeit auch haben

Harmonie der Zusammenstellung

Wenn man ein Gericht kochen möchte, das bspw. aus verschiedenen Gemüsesorten besteht, dann kann man sich den Überlegungen hingeben, was wie am besten miteinander harmoniert, sich aromatisch gegenseitig ergänzt, wessen Texturen am besten zueinander passen. Um ein möglichste breites Spektrum abzudecken, kann man natürlich auch versuchen, Gegensätze zu kombinieren, Kontrapunkte zu setzen, so dass man beim Essen hin- und hergerissen wird, auf dem Weg zum vollendeten Genusserlebnis. Oder: Man nimmt einfach das, was weg muss. 😉

Dabei sollte man sich aber gut über die unterschiedlichen Garzeiten Gedanken machen. Nichts ist schlimmer, als wenn das eine schon langsam verkocht, während das andere noch sehr al dente ist. Hinterher ist man schließlich immer schlauer. Und satt. Eine schöne Kombination.

Leer, aber gut erwärmt: die PfanneEntgegehn einer These, die ich kürzlich erst aufwarf, beginnt offensichtlich nicht jedes herzhafte Gericht mit Zwiebeln schneiden. Das hat in diesem Fall den Grund, dass noch einiges zwiebeliges dazukommt. Aber wir fangen diesmal mit einer gut, aber nur sanft erhitzten Pfanne an.

Speck in der PfanneIn diese kommt etwas gewürfelter Bacon. Leider ist der hier etwas fettarm geraten. Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch wegen des Geschmacks, wird das alles mit etwas Butter aufgepeppt.

Etwas Butter dazuSie ist übrigens auch der Grund für die dezente Hitze unter der Pfanne. Schmelzen soll sie schon, aber nicht verbrennen. Und es kommt ja jetzt nur noch Gemüse dazu, da kann man sanft was garen.

Kohlrabistücke dazugebenDas ist eine gewürfelte Kohlrabiknolle. Die kann man ruhig etwas länger angaren lassen, bevor die zweite Hauptzutat dazu kommt. Ansonsten … al dente und so.

Lauch dazugebenDer Lauch bringt neben seinen typischen Eigenheiten auch das zwiebelige mit. Kommt er doch botanisch auch aus der gleichen Familie. Hoffe ich mal. Das alles, was jetzt in der Pfanne ist, wird schön langsam geröstet und immer mal wieder (aber nicht zu oft!) durchgeschwenkt.

Alles gut durchschwenkenIrgendwann, wenn man wenig geschwenkt hat, zeigen sich erste Röstspuren.

Pfanneninhalt angebratenDas kann auch gern noch etwas verbreiteter der Fall sein. Ihr wisst ja: Maillard und Geschmack und so. Da gleich auch noch der große Geschmacksgleichmacher und -dämpfer dazu kommt, ist etwas zu viel Geschmack durchaus wünschenswert. Deswegen kam auch noch vor dem ganzen Schwenken Pfeffer und Knoblauch dazu. Salz erübrigt sich wegen des Bacons meistens.

Sahne ein wenig einköcheln lassenSo ein wenig Sahne (=1 Becher) schadet ja auch nie. Und da das ganze doch etwas flüssig (und der Kohlrabi noch recht bissfest) ist, lässt man das bei kleiner Hitze sanft vor sich hin köcheln, um die Sahne zu reduzieren und nebenbei die Kartoffeln für die Beilage zu garen.

Fast fertig, sahniges Kohlrabi-Lauch-GemüseIrgendwann hat der Pfanneninhalt die gewünschte Schlotzigkeit und wir können zur Finalisierung übergehen. Das heißt: abschmecken und …

Kräuter drüber, nicht nur für's Auge… Grünzeug drüber. Die Kartoffeln sind auch gar, werden mit Milch und Butter zerquetscht und sollten ein Kartoffelstampf ergeben.

Kohlrabi-Lauch-Gemüse an KartoffelstampfEs wurde allerdings etwas stückig. Offensichtlich hatte sich eine festkochende unter den mehligkochenden Kartoffeln versteckt.

Kohlrabi-Lauch-Gemüse an KartoffelstampfUnd so ein Klecks Kartoffelstampf ist doch immer wieder gern was feines, sonst wäre das ganze auch noch Lowcarb gewesen. Schmackhaft war es sowieso. Morgen gibts dann nochmal das gleiche. Und irgendwann zeige ich euch mal meine schnelle Variante, kleine Portionen Kartoffelbrei aus vieleicht nur einer oder zwei Kartoffeln in wenigen Minuten zuzubereiten. Am längsten dauert das Schälen …

 

Zum Tag der Einheit mit viel Herz gekocht

Es ist doch erstaunlich, aber es stimmt ja so fast: Jedes leckere Gericht fängt eigentlich mit Zwiebelschälen und -kleinschneiden an. Okay, in der süßen Küche vielleicht nicht, aber in der herzhaften. Vor allem, wenn man eine würzige Soße haben möchte, hilft die Zwiebel eine ganze Weile weiter.

Wie jedes gutes Gericht anfängt: ZwiebelnDass es in diesem Fall drei Schalotten sind, spielt da nicht wirklich eine Rolle, wobei eine „richtige“ Zwiebel etwas mehr Wumms ins Gericht gebracht hätte, aber der Wumms ist ja als Wort zur Zeit ein wenig verbrannt. Also die feine Schalotte.

Wie jedes gutes Gericht anfängt: Zwiebeln gewürfeltWenigstens beißt sie nicht so dolle in den Augen und in der Nase. Das kann aber auch am scharfen Messer und dem Schneiden und nicht Quetschen der Zwiebelwürfel gelegen haben. Nebenbei wurden auch noch ein paar kleine Spitzpaprika klein geschnitten und ein paar Cocktailtomaten geachtelt.

Im Topf ist Öl und Hitze, damit kann man am besten anbraten.

Putenherzen anbratenBevor das große Rätselraten los geht: Der LEH bot Putenherzen feil, und weil ich die noch nicht hatte, hab ich sie mal ausprobiert. Man kann sie quasi wie Hähnchenherzen verwenden, manchmal sollte man sie aber halbieren oder vierteln. Vor allem, wenn man das dann beim Essen nicht machen möchte.

Zeigen sich die gewünschten Bratspuren, kommen die schon erwähnten Zwiebeln dazu.

Zwiebeln dazu gebenDiese werden ein wenig mit angeschwitzt, bis dann auch der klein geschnittene Paprika …

Paprika dazugeben… und die Tomatenachtel dazugegeben werden.

Tomatenachtel dazugebenSalz, Pfeffer, granulierter Knoblauch, Paprika nach Belieben, Kurkuma werden mit eingerührt, die Hitze nach unten gedreht und der Topf bedeckelt.

Topfinhalt schön vor sich hin schmurgeln lassen, mit DeckelDas lässt man dann eine Weile vor sich hin schmurgeln. Gut bedeckelt. Zwiebeln, Tomaten und Paprika sollen sich langsam auflösen, das Herzfleisch ist bzgl. des Garpunktes eher unkritisch.

Fast fertig, Flüssigkeit ohne Brühe oder WasserNach einer halben Stunde sieht das dann so aus. Ohne die Zugabe von Brühe oder Wasser und ähnlicher Tricks. Ich finde es immer wieder erstaunlich, was da z.T. für ein Zinnober mit getrieben wird. Neulich las ich mal von einer Kartoffelsuppe, die erst mit einem knappen Liter Brühe angesetzt, am Ende dann aber mit Mehl gebunden wurde. Warum? Gerade auch bei Kartoffelsuppe!

Man kann das auch noch ein wenig mehr einkochen lassen (bei geschlossenem Deckel). Damit kann man die Sämigkeit ein wenig steuern. Wem es doch zu plörrig geworden wurde, macht das Einkochen bei offenem Deckel. Ist ja genug Soße da.

Putenherzen in Paprika-Tomaten-Soße an KartoffelstampfAls Beilage habe ich einen Klecks Kartoffelstampf dazugegeben, Pasta, Reis oder Polenta hätten aber auch genauso gut gepasst. Und wenn die Soße fast ganz eingekocht ist, tuts auch ein Stück Brot …

Und so muss ein Teller aussehen, wenn’s geschmeckt hat (und kein Brot zum weiter wegputzen da ist):

So muss ein Teller aussehen, wenn's geschmeckt hat

KW30 – Umwelsendes Essen

Nun trage ich schon seit (mind.) 2 Wochen ein Rezept im Kopfe mit mir rum, aber irgendwie komme ich nicht dazu, es zuzubereiten. Es ist eine neu interpretierte nahöstliche Spezialität, die mich auch ein wenig an Heiligabend erinnert … Oder ist es eine deutsche Spezialität, die ich nahöstlich interpretiere? Wenn ich es irgendwann mal hinbekomme, werdet ihr es sehen. Immerhin habe ich es endlich geschafft, die neue Pfanne, die ich dafür verwenden möchte, aus dem Kofferraum in die Küche zu verbringen. Ein Discounterprodukt. Ich bin mal gespannt, ob sie die Zubereitung übersteht. 😉

Unter der Woche habe ich mich mit einfachem Imbiss-Essen über Wasser gehalten. Auf Arbeit war ich ztw. mit einem Praktikanten allein. Das ändert sich aber in der kommenden Woche, die ersten Urlauber kommen wieder und finden hoffentlich zu ihren Arbeitsplätzen. Das einzige kulinarische Highlight der Woche war das sonntägliche Mittag, zu dem es mal in den erweiterten Umkreis des Heimatortes ging. Vattern und ich waren diesmal auch nicht allein, der transportierende Pkw beförderte ca. 300 Jahre Lebenserfahrung mit sich. Verteilt auf vier Personen. Das könnt ihr euch aber selber auseinanderdividieren. Und: Nein, sooo alt bin ich noch nicht.

Wer übrigens mit dem Blick auf die Überschrift glaubt, ich bin meiner deutschen Sprache abtrünnig geworden, der verkennt die Wirklichkeit. Natürlich ist im Titel dieses Beitrages eine Anspielung aufs heutige Essen versteckt.

gebratenes Welsfilet, Spitzkohl, StampfkartoffelnV.l.n.r.: Neben der Zitronenspalte, die mein Sprudelwasser wunderbar aromatisierte, gab es Stampfkartoffeln (oben, mit Röst- und anderen Zwiebeln), Spitzkohl (mit Teriyaki aromatisiert) und zwei Fischfilets. Die roten Krümel waren sehr feste Geleewürfel, vermutlich aus roten Johannisbeeren. Und der Fisch war – ganz titellike – Wels. Sehr lecker übrigens. Wenngleich sich um das Fischfilet herum der Convenience-Anteil etwas erhöht hat (im Vergleich zum letzten Besuch). Das Salatbüfett (Salatbeilage nicht im Bild) zum Beispiel hätte man sehr ähnlich auch in jedem gutsortierten Supermarkt oder Discounter käuflich erwerben können. Krautsalat (weiß, rot), Möhrensalat, Gurkensalat gibt es dort genauso wie dargeboten. Melonenwürfel und ein nicht erkannter Salat (Sellerie mit Mais in Salatsoße könnte so aussehen) ergänzten das Angebot, genau wie eingelegter Blumenkohl. Letzteres habe ich so noch nicht im Einzelhandel gesehen, also wer weiß … Doch was selbst gemachtes?

Langsam wächst für mich der Wunsch, mal in so einen Katalog des Gastronomiegroßhandels zu sehen …

 

KW15 – Verspätet, besoffen, Hamburger Hering und Karl Lauterbach

Aus Feiertagsgründen gibt es diesen Beitrag mit einem Tag Verspätung. Aber vielleicht ist der Feiertag auch nicht allein schuld daran. *hicks* Fürchte ich doch, über Ostern zur Schnapsdrossel geworden zu sein. Immerhin etwas über einer Flasche geistreichen Getränkes floss – zugegeben: mit ein wenig Genuss – meine Kehle runter, verbunden mit einem kleinen irritierenden Quiz auf Twitter, das dann hier auch aufgelöst werden soll.
Rätseldrink 1Mit diesem doch sehr schlechten Bild und der Frage „Was ist das?“ fing alles an. Zugegeben, das Foto ist quasi ohne Licht entstanden und sollte in jedem Fall irritieren, was wundervoll funktionierte: Eine angebotene Lösung war Tee mit Milch. Zugegeben, die Farbe würde stimmen (zumindest, wenn ich Tee mit Milch trinke, sieht das auch so aus), allerdings nehme ich dafür eine größere Tasse. Wer sich an KW12 erinnert, der wird die Espressotasse wiedererkennen, und als solches ist da ja nicht viel drin.
Rätseldrink 2Zur allgemeinen Irritation gab es dann noch das Bild. Rechts das gleiche Getränk in einem anderen Glas, links mein selbsterstellter, gesiebträgerter Milchkaffee. Farblich durchaus ähnlich. Aber auch nur. Heiß und kalt, alkoholisiert und alkoholfrei, …
Rätseldrink 1 (a)Langsam komme ich durcheinander. Ist das noch das erste, oder schon das zweite Rätsel? Optisch doch sehr ähnlich, und die Größe ist auch wieder irritierend.
Rätseldrink 2 (a)Hier mal das gleiche im Zusammenspiel mit dem dekonstruierten Milchkaffee. Es ist eben immer wieder eine Frage, in welcher Reihenfolge Milch mit Schaum und Kaffee in den Becher kommen. Hier war erst die Milch drin und dann kam der Kaffee (genauer: der Caffe) hinzu, oben war erst der Caffe im Glas und dann kam die frisch aufgeschäumte Milch mit Schwung hinterher.
Aber was ist im kleinen Glas. BSK vs. RCC. Oben die Salzkaramell-Variante eines bekannten irischen Sahnelikörs auf Whisky-Basis, unten eine Creme Cappuccino einer bekannten Kräutermarke, bei der man froh sein kann, dass der Kräuter nicht die Basis des Sahnelikörs wurde. Salzkaramell und Cappuccino waren – wenn überhaupt – nur als Hauch spürbar, beim Cappucchino natürlich nicht der Geschmack eines formvollendet hergestellten Kaffeegetränks, sondern eher an die Aromatik dieser Zucker-Milchpulver-Instandkaffee-Mischungen erinnernd, denen man aus unerfindlichen Gründen auch den Namen „Cappuccino“ gegeben hat. Beides schnabbuliert sich aber gut weg, aber einmal reicht dann vermutlich auch.
Der Ostsersonntag brachte dann eine kleine Tour ins hiesige Umland und bunte Speise auf den Teller.
Zander mit Bratkartoffeln auf PfannengemüseNeben den Bratkartoffeln findet sich ein sehr farbenfrohes Pfannengemüse auf dem Teller, nebst einem Salatbouquet und panierten gebratenen Zanderstücken. Natürlich mit Zitrone auf der Panade. Wozu macht man diese denn erst knusprig?
Meinte Rüdiger Hoffmann nicht immer: „Ich weiß gar nicht, ob Sie’s wussten, aber …“ … in meiner beruflichen wie privaten Umgebung gibt es einige studierte Sozialpädagogen. Und sowas färbt manchmal auch ab. Immer dieses „erst dreimal loben, dann einmal tadeln“, wenn ich es mal sehr grob zusammenfassen darf. Naja, versuchen wir es mal und sprechen über den sehr angenehmen Service in dem Restaurant. Aufmerksam, höflich, auf die Gäste zugehend, aber nicht aufdringlich, lustig, aber nicht albern. Einfach nur gut. die Bratkartoffeln wirkten selbst gemacht, das Gemüse war schön würzig und der Feldsalat knackig, aber nicht sandig. Das Wasser war gut gekühlt, der Cappuccino lecker und aufbauend und in einer sehr schicken Tasse. Fisch und Tüfften hätten vermutlich auch Karl Lauterbach geschmeckt. Beim Zander versuchte ich ganz gegen meiner sonstigen Intuition mittels der Zitrone noch ein bisschen was zu retten, aber habt ihr schon mal Zitronenstückchen in Form zarter, saftiger Fischfilets gegessen?
Nun weiß ich, dass in dem Haus ziemlich viel selbst gemacht wird, hauptsächlich die fleischlichen Sachen. Ich hatte beim Studium der Karte an der Tür auch etwas ins Auge gefasst, dass sich dann auf der Oster-Karte im Gastraum leider nicht wiederfand. Also wich ich auf den Fisch aus, was leider doch zu sehr viel fremder Tk-Ware auf meinem Teller führte.
Brathering "Hamburger Art" mit StampfkartoffelnDer Ostermontag brachte neben viel Sonne auch einen sauren Brathering „Hamburger Art“ mit Stampfkartoffeln. Letztere waren mit vorher angebratenen und dadurch gebräunten Zwiebeln etwas aufgewertet, das Ei kam mit einem metallenen Garnierring in die Pfanne und wurde bei sanfter Hitze darin gegart. Der gesäuerte Brathering ist hier Convenience aus dem Hause Albrecht, ein etwas besseres Produkt als so manches andere. Man muss es nur bekommen. Dass es gut ist, wissen offensichtlich auch andere.
So gehts jetzt gut gesättigt und etwas feiertagsentspannt in die kurze Arbeitswoche. Mal sehen, was die so bringt.

KW10 – Unerhört, unvernünftig, aber gut

Wobei „unerhört“ als Empörungswort gemeint ist. Von bestimmten Wochenendaktivitäten hoffe ich mal, dass sie erhört bzw. gehört worden sind. Aber das gehört nicht hierher. Es war ein arbeitsreiches Wochenende,  das wenig Platz für große Kulinarik bot. Wobei das auch wieder nicht stimmt. Ich verheddere mich da gerade gedanklich.
KrokusseNein, ich steige nicht in die Safranproduktion ein. Obwohl …
KrokusseAuch wenn sie eine gewisse Ähnlichkeit mit den Krokussen haben, die man gemeinhin als Quellen für Safran anerkennt, standen die hier abgebildeten eher „nur“ schick in der Gegend rum. Die rechts im Hintergrund auf dem unteren Bild unscharf zu sehenden sind übrigens die auf die obigen Bild. Beides hat mit meiner Samstagstätigkeit zu tun, aber eher nur geografisch, da besagte Beschäftigung vermutlich so ca. 50-100 m neben diesen Krokussen stattfand. Und da dies alles auch in die davorliegenden Wochentage ausstrahlte, habe ich die Idee für eine kleine kulinarische Frechheit auf die kommende Woche verschoben …
Der Sonntagmittag brachte klassisches, mit einem kleinen Touch Finesse. Aber erstmal etwas leichtes, kleines vorneweg.
Doppelte Kraftbrühe mit Gemüse und EierstichIrgendwie war mir nach einem kleinen warmen Süppchen. Das ist eine klassische Doppelte Kraftbrühe, allerdings aus Wild. Mit wildem Wurzelwerk und wildem Eierstich. 😉 Sieht gut aus, schmeckt gut, tut gut. Und bereitet einen auf das kommende vor. Und das es dieser Vorbereitung  bedurfte, hatte ich nicht mal geahnt.
Roulade mit Himbeerrotkohl und KarftoffelstampfWeil es irgendwie am Größenvergleich fehlt. Die Stampfkartoffeln waren übrigens mit einem Eiskugeldingens portioniert …
Roulade mit Himbeerrotkohl und KarftoffelstampfWorauf ich hinaus will: Die Roulade war riesig. Vermutlich, weil es auch die letzte war, die sie noch hatten – wie ich später mitbekam. Die „normalgroßen“ sind wohl eher verkauft worden. Wenn ich die Gästinnen betrachte (so im Nachhinein), die sich auch für die Roulade interessiert hatten, und diese eine „Damenportion“ bestellt hätten, hätte man diese Roulade gut teilen können und es wäre für beide eine ausreichende Portion gewesen.
Aber lecker war sie. Auch der Rotkohl, mal nicht mit Äpfeln, sondern mit Himbeeren, war auch sehr schön. Vom Kartoffelpüree und der Soße ganz zu schweigen. Wenngleich … ein wenig Jammern auf hohem Niveau muss aber doch sein. Eine langsamere Garung der Roulade hätte ihr vermutlich gut getan. Aber gut, dass hinreichend viel Soße auf dem Teller war, so war es dann doch gut. Die Roulade war übrigens klassisch gefüllt. Ob jetzt die Zwiebeln, der Speck und die Gurke bio waren, kann ich nicht sagen, das Fleisch war es nach Auskunft des Service aber. Und auch noch regional. Ich habe mal auf der (Land-)Karte nachgemessen. Zwischen diesem Teller und dem Stall liegen Luftlinie ca. 6-7 km. Das muss auch erstmal jemand nachmachen. Dazu Gemüse der Saison. Was will man mehr?! Naja, insgesamt vielleicht etwas weniger … Aber kann es Gutes zu viel geben?