Ein paar Schweinereien

Mein Gedächtnis ist auch nicht mehr, was es einmal war. Und weil es schon ein paar Tage her ist, weiß ich nicht mehr, wo ich es herhabe. Supermarkt oder Discounter, das steht fest, Tendenz in Richtung Discounter. Da stach mir ein Einzelstück ins Auge, und da ich sowas in der letzten Zeit auch mal von meinem Lieblingsfleischer hatte, dachte ich mir: Probiere ich mal den Vergleich.

Kotelett vom speziellen SchweinKotelett vom speziellen Schwein

Es ist mir auch recht gut gelungen. Schön gleichmäßig, was am aus dem Kotelett auslaufenden Fett gelegen haben könnte. Ich mach ja immer recht wenig davon in die Pfanne.

Kotelett vom speziellen SchweinDas sieht jetzt etwas sehr roh in der Mitte aus, war es aber nicht. Liegt wohl an meinem Fotografiergerät, das das doch so “medium” aussieht. Es war nur ganz zartrosa. Für den so bekannten Namen vom Schwein (Iberico war es wohl nicht, aber irgendsowas in der Art) war ich vom Produkt eher so semibegeistert. Da ziehe ich das Riesenkotelett aus regionaler Erzeugung aber vor. Das vom Discounter war ein wenig kleiner (sowohl vom Umfang als auch von der Dicke), falls das auf den Bildern nicht so genau rüberkommt. Geschmacklich etwas dünn, mit der Tendenz zur Trockenheit.

Apropos internationale Spezialitäten vom Discounter. Langsam verfestigt sich mein Eindruck, dass man das lassen sollte. Aktuelles Beispiel war Südtiroler Schinkenspeck. Ich wiederholte hier aber nicht, was ich drüben auf Mastodon schon schrieb:

Sonntagmittag

Zugegeben, es war weder Sonntag noch Mittag. Aber weil ich meine Artikel hier seit einiger Zeit in der Struktur schreibe …

"Bauernschmaus", gefülltes Schweinefilet, Schinken-Pilz-Beilage und StampfkartoffelnWir sehen einen Bauernschmaus. Ein Stück gefülltes Filet wurde von einem ordentlichen Klecks Kartoffelstampf begleitet. Die Füllung bestand aus Pilzen und Schinken, was es als frische Champingnons und Schinkenstreifen auch als Beilage gab. Soße dabei. Die war allerdings auch notwendig. Das “saftige Stück Filet” – wie es auf der Karte steht – war furztrocken. Aber mit der Soße ging es dann doch recht gut runter.

Vielleicht sollte ich mir doch mal fachkundige Beratung suchen. Ich mache mir ja nur theoretische Vorstellungen, wie es in einer Restaurant-Küche so zugeht. Aber ich stelle mir mal vor, dass die Bestandteile von Gerichten, die etwas mehr Zeit bei der Zubereitung brauchen, im Vorfeld in größeren Mengen zubereitet, 3/4 gegart und dann konserviert werden. Bestellt dann ein Gast das Gericht, werden die Bestandteile dekonserviert, aufgewärmt, dabei fertiggegart und dann angerichtet und serviert. Wobei ich da vermutlich sehr idealistische Vorstellungen habe. Vermutlich kann man die meisten Bestandteile so mancher Speisekarte auch 3/4-fertig beim Convenience-Handel kaufen und wärmt dann nur noch auf, was ich aber hier beim Bauernschmaus nicht unterstellen möchte.

Aber Schweinefilet?! Ein zartes, quasi fettfreies Stück Fleisch, das viele für das feinste vom Schwein halten, ich es aber (ähnlich übrigens wie Rinderfilet) als völlig überbewertet ansehe. Letztendlich wegen anhaltender Langweiligkeit. Dem versuchte man hier mittels Füllung aus dem Weg zu gehen, das Problem ist aber, dass man Schweinefilet nur einmal zu heiß angucken muss, dann ist es übergart und trocken. Und wenn es jetzt noch erst vorgegart, dann eingelagert und dann nochmal erwärmt wird … Das spricht alles nicht für den Erhalt der Saftigkeit.

"Bauernschmaus", gefülltes Schweinefilet, Schinken-Pilz-Beilage und StampfkartoffelnDie Beilagen mit der Soße zusammen wogen aber den kleinen Mangel gut wieder auf. Und was ist schon gegen hausgemachtes Kartoffelpüree (laut Karte) zu sagen. Ich möchte diesen Status auch nicht anzweifeln, zumal es mir selbst auch schon passiert ist, dass ein mit eigener Hand bereiteter Stampf ein wenig nach Flockenpüree schmeckte. Leider weiß ich nicht mehr, was ich falsch gemacht hatte, vermute aber eine gewisse Länge in der Zubereitung (also die Kartoffeln zu lange warm gehalten, oder das fertige Püree, oder alles nochmal aufgewärmt oder so).

Der Service war gut drauf, sogar ein wenig witzig und schlagfertig, aber eben auch guter Service. Gibts ja auch nicht überall und darf deswegen mal positiv erwähnt werden.

Hirsch’n’Chips

Neulich fand ich mich in einer Testsituation wieder, in der es um geschmacklich gleich gelabelter Kartoffelchips einer bestimmten Marke, aber unterschiedlicher Zusammensetzung, ging. Nun sind Kartoffelchips – aus Gründen – nicht mehr so präsent in meinem Nahrungsportfolio, aber wenn, dann nutze ich gern die etwas schärferen Varianten. Nachdem ich eine Weile “Wasabi-Erbsen” sehr gemocht habe, ging unter den Peperoni-Chips eigentlich nichts mehr. Die Paprika-Varianten waren mir zu süß und die Cheese/Onion zu schleimig vom Mundgefühl. Die “nur” gesalzenen hatte ich mangels kulinarischem Interesse gleich völlig ignoriert, aber genau um diese ging es beim Test. Es gab eine normale und eine leichte Variante, Unterscheidungspunkt dabei war die unterschiedliche Fettmenge, aber auch die Salzmenge variierte. Beim eigentlichen Test war das aber nicht bekannt, genau wie die Marke und worum es eigentlich ging. Das wurde erst sehr viel später aufgelöst. Es war eine Marke aus dem rot-blauen US-Cola-Universum.

Salzige Kartoffelchips fand ich plötzlich nicht mehr ganz so uninteressant und ich schaute mal, ob ich sie irgendwo beim Lebensmitteleinzelhandel entdeckte, um mal eine ganze Tüte intensiv zu testen und nicht nur zwei, drei Chips aus so einem Probierschälchen. Leider fand ich nur die eine Sorte. Der Tüteninhalt erinnerte aber nur wenig an das, was ich im Test gut gefunden hatte. Auch eine Zweitprobe, diesmal eine Discounter-Eigenmarke, enttäuschte, bis ich jetzt an eine Tüte eines bekannten deutschen Herstellers kam, die man wirklich essen konnte (also nicht die Tüte, eher den Inhalt). Die Deutschen können mit der Kartoffel eben immer noch besser umgehen als die fernen Amis (ich bin mir bewusst, dass auch deren Produkt zumindest in Europa, wenn nicht auch in Deutschland hergestellt wurde). 😉

Der Blick auf die Tüte – nach(!) dem Genuss des Inhalts – unterstrich aber mal wieder, dass ich zukünftige Genüsse doch sehr vereinzeln werde.

2 Kartoffeln, 90 ml Öl, 4 g SalzWenn man mal den Inhalt der Tüte laut seiner Beschriftung auseinandernimmt, sehen wir hier den Inhalt vor uns.

2 Kartoffeln, 90 ml Öl, 4 g SalzCa. 160 g Kartoffeln, 4 g Salz und etwa 90 ml Sonnenblumenöl. Und das heißt nicht, dass die 160 g in dünne Scheiben geschnittenen Kartoffeln in den 90 ml Öl frittiert wurden, das ist wirklich das Fett, was noch an ihnen dran hängt und das mitgegessen wird! Wenn ich aus den Kartoffeln einen Salat gemacht hätte bspw. mit einer Vignaigrette, wäre nur ein Bruchteil des Öls im Dressing. Bezogen auf die Menge der Kartoffeln. Selbst bei der Verwendung von Majonäse wäre weniger Öl an der Menge Kartoffeln als in den Chips. Die bestehen zu gut einem Drittel aus Öl. Das Foto beinhaltet nicht nur die Zutaten symbolisch, sondern auch ihre realen Mengenverhältnisse. Ich finds erstaunlich.

Und nebenbei: Der Standard-Durchschnittsmensch benötigt ca. 2000 kcal Energie pro Tag, ca. 1400 kcal allein für die Aufrechterhaltung der Grundfunktionen. Wer mehr zu sich nimmt, muss dafür sorgen, dass die Energie auch wieder verbraucht wird, sonst landet sie auf den Hüften und den anderen Körperteilen. Die Tüte Chips liefert übrigens ca. 1400 kcal. Dann hat man aber noch nicht die wertvollen Stoffe aus vernünftiger Nahrung. Kann man auch mal drüber nachdenken.

Sonntagsessen

In unserer autophilen* Zeit wird’s ja manchmal schwierig, wenn dann doch mal was dagegen gemacht wird. Wobei anzunehmen ist, dass das “dagegen” eher ein Nebeneffekt ist, unter dem dann aber leider einige zu leiden haben. Sicher ist es erstrebenswert, bspw. Innenstädte autofrei zu bekommen, um das Erlebnis “City” besser genießbar zu machen, aber wenn dann ein paar Fußlahme wegen eines zurückgebauten Parkplatzes plötzlich längere Strecken füßlings gehen müssten, nur, um warme Speisen einzunehmen … Da überlegt man dann doch zweimal, ob es nicht auch andere schöne Orte gibt.

Wobei das Essen durchaus angenehm ist. “Hausmannskost” heißt die Kategorie dazu, wenn ich mich nicht irre. Und es läuft wohl recht gut, wenn man das mal von den ganzen Reserviert-Schildern ableitet, die auf den Tischen rumstanden. Nun gibt es zwar den Spruch “Never change a running system.”, und wenn es gut läuft, warum sollte man. Da es aber beim Betreiber vor einigen Jahren (also mehr als 3) bereits zu einem Generationswechsel gekommen ist, hätte ich dezente Ansätze einer Aktualisierung der Karte erwartet. Sicher, es gab Änderungen, aber das lag wohl eher an der schlechteren Beschaffbarkeit bestimmter Zutaten. Aber sei es, wie es ist. Vielleicht sind auch die Gäste, die immer das gleiche Essen und diesbezüglich mit bestimmten Erwartungen Essen gehen, doch in der Überzahl, und ich gehöre mit meinen Wünschen auf “immer wieder mal was neues” zu einer Minderheit. Aber so hat jeder sein. Je stabiler die Karte, desto seltener mein Besuch.

Wobei der Hirschbraten durchaus sehr angenehm war. Zart, aromatisch, mit hand- und hausgemachtem Kartoffelbrei und frischen Champignons. Dazu gab es genauso leckere wie reichliche Wacholdersoße.

Hirschbraten Kartoffelstampf, SoßeDas war ein Gericht, dass man mit Wonne genießen konnte. Und, um auf hohem Niveau zu nörgeln: Halb so viel Kartoffelbrei hätte es auch getan. 😉 Hirschbraten Kartoffelstampf, SoßeIch weiß, das sieht jetzt nicht wie viel Soße aus. Aber es gab noch ein kleines Kännchen nebenher dazu. Und die Mischung dieser Soße mit dem Kartoffelbrei … i love it. Da fehlte eigentlich nur ein Löffel, um den Genuss perfekt essbar zu machen.

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*) meint nicht Selbstliebe, obwohl wir eine derartige Zeit auch haben

Kalter Kaffee Mangelware

Wenn jemandem hauptsächlich Sachen erzählt werden, die er noch nicht kennt, wird ihm kein kalter Kaffee angeboten. Solche bildhaften Floskeln bringen gewisse Zusammenhänge pointiert auf den Punkt; sie beleben die Sprache. Wer seinem Gästen keinen kalten Kaffee anbietet, gilt gemeinhin als interessant und besuchenswert.
Es gibt aber eine kleine, aber feine Ausnahme, bei der es darum geht, wirklich kalten Kaffee zu servieren. Wobei, so ganz gutes gehobenes Benehmen ist es wohl doch nicht (vergleiche Sendereihe “Benimm im Trend” bei RundumGenuss auf NB-Radiotreff 88,0). Nach den allgemein üblichen Regeln  des guten Benehmens schließt, wenn es denn noch ein Kaffeegetränk sein soll, höchstens ein Espresso oder Mokka ein gutes Menü ab. Weiterführende Verarbeitungen werden als unpassend angesehen. Man kann zwar in Neubrandenburg auch recht gut speisen, allerdings fällt mir momentan kein Restaurant auf einem Niveau ein, wo auf diese (wie andere) Etikette wirklich so viel Wert gelegt wird.
Hat das Hauptgericht noch Platz für ein kleines Dessert gelassen, verbinde ich das gern mit besagtem Kaffee und bestelle mir einen Eiskaffee. Ich wollte es schon zu einer kleinen privaten Tradition aufbauen, aber ich glaube, ich lasse das. So ein Eiskaffee scheint ein sehr kompliziertes Getränk zu sein. Etwas kalter Kaffee wird – ggf. etwas gesüßt – mit einer Kugel Vanilleeis, einer Sahnehaube, einem Strohhalm und einem langstieligen Löffel in einem schlanken Glas ergänzt und dem Gast kredenzt.
Dieser Tage aß ich gut in der dafür bekannten Neubrandenburger Mudder-Schulten-Stube, die anderen Mitgäste waren ebenfalls voll des Lobes, wenn man mal von ein paar zu stark angebräunten Bratkartoffelscheiben absieht. Der abschließend zu genießende Eiskaffee erwies sich allerdings als totaler Reinfall, wie ich ihn bisher nur in einer auf anderem Niveau arbeitenden Wohngebietsgaststätte erlebte (Wobei ich dort auch schon mal ein Getränk erhielt, dass den Namen Eiskaffee wirklich verdiente. Das ist aber schon eine Weile her.). Selbst, wenn kein kalter Kaffee vorrätig gewesen wäre, die Variante mit heißem Kaffee, der sich durch das Eis abkühlte, hatte ich ja auch schon mal; aber Pulvereiskaffee, der den Namen nur wegen Spuren löslichen Kaffees in Ansätzen verdient, ist der alten Bäckersfrau nicht würdig.