Ente auf vier Uhr

Mal sehen, ob ihr drauf kommt, warum ich diese Überschrift gewählt habe. Ok, „Ente“ klärt sich schnell. 😉 Steigen wir also ein in eine neue Episode des Kochens und fragen uns, warum Induktionsplatten die Möglichkeit bieten, neben einer Kochstufe/-leistung auch eine Temperatur einzugeben. Normale Ceranfelder können das nicht. (Oder doch?) Wie sollte auch der Wert einfach nur so aus dem Herd heraus gemessen werden?

Seinerzeit beim EiTV-Dreh mit der Entenbrust lagen diese – zwei an der Zahl – ziemlich lange in der Pfanne. Das haben die Dreharbeiten so an sich. Damit sie nicht übergaren, hatte ich die Hitze ganz weit nach unten gedreht. 45 Minuten lagen die Brüste in der Pfanne, letztendlich frittiert im eigenen Fett. Und sie waren sooo super gegart, so zart und so rosa, das hatte ich vorher nicht hinbekommen. Daran kann man sich orientieren.

Diesmal war nur eine Entenbrust mit dabei. Irgendwo im Fernsehen hatte ich mal gesehen, dass irgendwer Pommes in Enten- (oder war es Gänse-) Fett frittiert. Also stellte ich die Pfanne auf die Platte, legte die Entenbrust mit der eingeschnittenen Hautseite nach unten in die Pfanne und würfelte ein paar neue Kartoffeln, die ich dann mit in die Pfanne gab, als das Fett sich gebildet hatte.

Entenbrust und Kartoffelwürfel in Pfanne

Stellt sich die Frage nach Hitze und Zeit. Die Induktionsplatte stellte ich auf 120°C ein.

120°C

Und so ließ ich die Pfanne stehen. Nur ein wenig Salz gab ich hauptsächlich über die Kartoffeln. Die Entenbrust hatte ich vor dem Legen in die Pfanne auf der Hautseite auch gesalzen. Beim sehr gelegentlichen Kartoffelwürfelbewegen prüfte ich immer mal wieder, wie die Hautseite aussah (nur kurz anheben und drunter gucken). Die Kartoffeln deuteten irgendwann an, dass eine beschichtete Pfanne vielleicht die bessere Idee gewesen wäre. Aber vielleicht soll man hier auch nicht so viel drin rühren.

Umgedreht

Bis die Haut diese Farbe bekam, dauerte es gut 20 Minuten. Es kann durchaus auch länger dauern. Da muss eben jeder sehen, wie er es am liebsten mag. Nun ließ ich die Fleischseite auch ein wenig anbraten und legte die Brust dann noch bei 120°C in den Ofen.

Schalotten an die Kartoffel

In die Kartoffeln hab ich noch eine gewürfelte Schalotte und brut sie mit an. Dann konnte ans Anrichten gedacht werden.

Entenbrust an im Entenfett gebratenen Kartoffeln

Saftige Entenbrust mit knuspriger Haut an ebensolchen Bratkartoffeln. Lecker. Etwas Schnittlauch kam vor dem Verzehr noch darüber, aber irgendwie habe ich das nicht mehr fotografiert.

P.S.: 120° (als Winkel) wird auch gern als „4 Uhr“ bezeichnet, liegt doch 4 Uhr in einem Winkel von 120° zu 12 Uhr.

4 Gedanken von Ente auf vier Uhr

  1. Na dann haben wir ja jedenfalls die Schreibblockade überwunden, abgesehen davon, sieht’s sogar nett aus.

    Da das ja hier wohl so eine Art von Blog ist (*Ironie aus); gerade las ich bei einem britischen Film-Blogger, daß er auch keine Lust mehr habe und daß das sowieso eine aussterbende Species sei, es war mehr als Lamento intoniert.

    Ich gebe zu, das motiviert. Wenn etwas anachronistisch wird, fange ich es oft sofort an wieder zu mögen. Und es ist schon so, wenn man bei diesen zwangs-gegenwärtigen „Medien“ sich dunkel an etwas erinnert und will es wiederfinden, keine Chance. Begraben liegt es irgendwo weit weit weg.

    • Naja, zur Motivation kam einiges zusammen: Die im Hause vorhandenen Zutaten, eine etwas müde Grundeinstellung, nachdem ein kleiner Alarm mich kurz nach 2 Uhr zur Arbeit rief, und ich auf dem Weg dahin immer wieder grübelte, ob ich den Anruf vom Wachschutz nur geträumt hätte. Er war es nicht, wenn auch der (Fehl-)Alarm nur dadurch ausgelöst wurde, dass etwas zu gut funktionierte …
      Hört/liest/sieht man aktuelle Medienmagazine, die den Hype um Snapchat, Periscope, soziale Netzwerke und neue Formen des Journalismus zelebrieren, fühlt man sich als Blogger schon mal etwas oldschool. Aber man darf sich schon bewusst sein, dass man auf seiner kleinen Blog-Insel sicher nicht die breiten Massen erreicht (mit den „neuen“ Wegen übrigens auch nicht), aber es ist gemütlich und macht ja auch immer noch Spaß. Und man kann ungefiltert seine Meinung sagen (ob das nun jemand anderes bemerkt oder nicht).
      Umso mehr freue ich mich über alle Leser, wenn ich auch feststellen muss, dass die meisten nur die Übersichtsseite über andere Kochblogs nutzen. 🙁 Wahrscheinlich muss ich mal was programmieren, das beim Anklicken der dortigen Links immer erst auch noch eine von meinen Seiten anzeigt. Das muss doch irgendwie gehen. 😉
      Die Sache mit dem Anachronismus ist schon interessant. Wie sagte doch schon Bertrand Russell so schön „Auch wenn alle einer Meinung sind, können alle Unrecht haben.“ Wenn alle einer Meinung sind, nehme ich gern mal die Gegenmeinung ein (egal, ob das meine Meinung ist oder nicht).

  2. Ob das immer so schön ist, wenn die breiten Massen auf einem hocken? Vielleicht für’s Ego (aber zielsicher kommt damit die Angst, die Spaßkarawane wird weiterziehen).
    Ja, solange es geht, will ich mir meine Blog-Insel auch bewahren, und wenn man keine Lust hat, hat man eben keine. Der vordergründige Verdacht des Selbstdarstellungsbedürfnisses sollte sich so nebenbei damit auch eingrenzen lassen.

    Den letzten Satz habe ich sehr wohlwollend goutiert, man muß natürlich aufpassen, nicht aus Trotz dagegen zu sein, weil es alle behaupten. Also, der Mond ist kein Pfannkuchen, die Erde ist nicht hohl, angesagte Weltuntergänge finden in der Regel nicht statt, das alles ist schon in Ordnung. Aber ein klein wenig später sollte man schon mißtrauisch werden.
    Die Übersichtsseite muß ich sofort bookmarken, hatte ich völlig vergessen.

    • Da bin ich breite Masse genug, um wirklich ernsthaft davor Angst zu haben. 😉 Es ist den Karawanen innigste Eigenschaft, weiter zu ziehen. Spaß kann man auch ohne Kamele haben.
      Es mögen andere anders sehen, aber zur Selbstdarstellung gibt es bessere Möglichkeiten als Blogs. Wobei es auch auf dem Gebiet viele Selbstdarsteller gibt. Ich treibe mich ja bekannterweise auch noch in anderen Medien rum, aber letztendlich gilt für alle derartige Produkte aus meiner Sicht das gleiche: Es ist das Produkt, was im Vordergrund steht, nicht der Macher. Zumal ich mir relativ sicher bin, dass es für alles, was ich mache, irgend jemanden gibt, der es besser macht. Die Bewertung liegt an den zu definierenden Qualitätskriterien, aber man findet welche, dass die Aussage so stimmt. Damit kann ich aber leben, da ich mir selber nicht soooo wichtig bin. Ich hoffe aber dann doch, dass die Kombination der Fähigkeiten, die in mir ruhen, halbwegs einmalig ist. 😉
      Es ist nicht Trotz, gern den advocatus diaboli zu spielen, sondern eher die Erkenntnis, dass ohne Gegenmeinung man sich nicht so gründlich und tiefgehend mit einer Sache beschäftigt. Sind alle einer Meinung, wird das so hingenommen und gut is‘. Mit Gegenstimme wird alles nochmal gründlich durchdacht, weil argumentativ verwendet. Das sollte allen helfen.

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