4. Advent vs. St. Martin

Heute gibt’s noch weniger zu Essen. Zum einen stehen die verfressenen Feiertage bevor, zum anderen wurde mir in einigen Fällen das Kochen abgenommen. Aber ein oder zwei Gedanken seien doch erlaubt. Und natürlich die Versicherung, dass ich trotzdem gut gegessen habe. Am Sonntag gab es Martinsgans, schön mit Füllung, Rosenkohl, Rotkohl, Kartoffeln und Soße. Eine langjährige Tradition einer verwandten Familie, zu der ich eingeladen wurde, deren Zustandekommen am 11.11. (wie es sich ja für St. Martin gehört) nicht immer aus diversen Gründen gewährleistet ist. Wir nehmen es aber sportlich und genießen die Martinsgans dann, wenn alle Teilnehmenden verfügbar sind. Und 7 Kalender zu koordinieren ist schon eine Kunst … Dieses Jahr fiel das eben auf den 4. Advent. Das passte aus mehreren Gründen, da es so einen Vogel an den Weihnachtsfeiertagen vermutlich nicht gibt. Aber auch da darf ich mich überraschen lassen, bin ich doch bei einer anderen verwandten Familie eingeladen. Die Runde wird aber noch größer. Die Gans und das Drumrum (Essen und Leute) war sehr angenehm und eine schöne Zäsur im umgebenden werktäglichen Alltag.

Apropos Alltag. Da könnte ich auch gerade eine Story zwecks eigener gedanklicher Verarbeitung erzählen, die mich ein wenig bewegt, aber das Thema ist soooo weit an einem Kochblog vorbei, dass ich es lasse. Aber einen kleinen Rückblick „kulinarisch“ soll es trotzdem geben. Zur Freude der beruflich Begleitenden haben wir hierorts gerade „Weberglockenmarkt“. Das ist das gleiche, was viele sonst unter „Weihnachtsmarkt“ verstehen, warum hier aber des Webers Glocken gepriesen werden, lassen wir mal verhüllt. Viel Fressen, Glühwein, Punsch und vielleicht noch ein bisschen Tinnef und ein paar Stehrümchen. Der große Vorteil des Marktes ist, dass wir bei der Mittagsversorgung nicht auf das nebenstehende Einkaufszentrum angewiesen sind, deren Angebote wir mehrfach durch haben und irgendwann langweilt es. Also ab auf den Glockenmarkt. Es gab da auch ein Ziel, dass aber an beiden anvisierten Tagen noch nicht bereit war, sein Hauptprodukt feilzubieten. Wir waren immer mindestens eine halbe Stunde zu früh da (wobei wir am zweiten Tag schon eine halbe Stunde später kamen als am ersten). Irgendwas mit Pulled Pork und Kraut auf Brot. Da ich selber im Büro die Stellung hielt und nur die Kolleginnen unterwegs waren, wurde ich dann mit B-Plänen „abgespeist“. Eins nannte sich Lángos, das andere Handbrot. Während das eine nach altem Frittierfett duftete (geschmeckt hat es dann doch recht gut, wenngleich auch hier das überreife Frittenfett ein wenig durchschlug), war von der Füllung des Handbrots bis auf den Quark oben drauf wenig zu spüren. Die Preise waren zwar weihnachtsmarkttypisch hoch, der Anteil der preiswerteren Zutaten (Teig) aber auch höher als in den letzten Jahren. Und dabei war der Brotteil bei beiden sehr aufgeblasen. Die Portionen wurden dadurch auch recht groß, so dass ich Weihnachtsmarktbesuchern nur empfehlen kann: Wenn ihr an mehreren Fressständen etwas probieren wollt, teilt die einzelnen Dinge unter Euch auf und nehmt nicht immer von jedem (egal was) ein ganzes.

Sonntagmittag

s.o.

Ansonsten wünsche ich allen, die diesem Blog eine gewisse Aufmerksamkeit widmen ein frohes Weihnachtsfest. Ich gehe mal davon aus, dass der nächste Beitrag wieder etwas bunter sein wird.

Fachbegriff gesucht

Kennt ihr das auch: Ein Gericht oder ein Teil davon wird auf eine ganz bestimmte Art zubereitet, die durch einen Fachbegriff eindeutig beschrieben ist, aber es fällt einem dieser Begriff nicht ein? Mir geht’s im Moment genau so. Ich weiß, dass es einen Fachbegriff dafür gibt, aber er fällt mir nicht ein.
Angefangen hat alles mit einer Einladung zum Martinsgansessen. Da die Gastgeber meine Vorliebe für die nicht ganz so beliebten Teile der Gans kennen, werden Hals und Innereien in dem Zusammenhang immer mit zubereitet. Da die Gans traditionell von einem regionalen Bauern kommt, ist sie von guter Qualität und auch die „unattraktiven“ Teile sind ein Genuss ohne Reue.
Leider weiß ich nicht genau, wie die Gans zubereitet wurde, ich höre nur, dass ein gewisser Jamie Oliver ein paar Ideen beigesteuert hat. Was sich vermutlich nicht so direkt auf Magen und Herz des Tieres ausgewirkt hat (da war eher die Gartemperatur und die Haltung des Tieres vorher von größerer Bedeutung). Wer ein kleines Problem damit hat, „zart“ und „Geflügelmagen“ in einen Zusammenhang zu bringen, wird verstehen, was ich meine. Das Magenfleisch (wie auch das Herz) erwiesen sich als so zart und weich, das habe ich bisher so noch nicht bekommen.
Anders zubereitet, aber durchaus im Zusammenhang, wurde die Leber der Gans. Zum ersten wurde sie beinahe im Kühlschrank vergessen … 😉 So kam sie erst in den Ofen, als die Gans fertig war und die Röhre bereits verlassen hatte. Sie – also die Leber – landete in der Fettauffangschale und verweilte dort, während der Ofen sich langsam abkühlte. Und genau hier fehlt mir jetzt der Fachbegriff: Das Garen in heißem Fett, rund um 100°C oder darunter. Also kein Frittieren, sondern eher ein Simmern oder Poschieren, aber eben nicht in Wasser, sondern in Öl/Fett.
Die Leber lag eine gute halbe bis dreiviertel Stunde im Ofen. Nachdem ich sie etwas abtropfen ließ, kostete ich sie und muss sagen: Es war die beste Leber, die ich je gegessen habe. Wobei die Zugabe von etwas Salz und die Beigabe von etwas Apfel aus der Füllung den Genuss noch vergrößerte. Lecker! Wenn ihr Leber mögt, solltet ihr das mal probieren!