Hommage an die Heimat

Irgendwann in den 1990er Jahren sah ich mal ein Präsentationsvideo meiner Heimatstadt Neubrandenburg. Dort hieß es so schön, dass die Stadt an den Hauptverkehrsströmen von Skandinavien nach Südeuropa und vom Atlantik nach Russland liegt. Oder so ähnlich. Angespielt wird auf die ringförmige Kreuzung zweier bedeutender Bundesstraßen, der B 104 und der B 96. Damals. Und wie es sich für eine solche Kreuzung gehört, sind es vier Straßen*), die sich hier vereinen aus den vier Himmelsrichtungen.

Neubrandenburg – Die Stadt der vier Tore. So heißt sie doch auch immer noch. Und wenn man die beiden Mauerdurchbrüche nicht mitzählt, hat unsere beinahe preisgekrönte Stadtmauer**) vier Stadttore aufzuweisen, die auch irgendwie unstimmig zu sein scheinen, außer, man nimmt an, der Ring hätte sich im Laufe der Geschichte etwas gedreht. Das Friedländer Tor zeigt eher nach (Alten-)Treptow, das Treptower Tor nach Stavenhagen, das Stargarder Tor nach (Neu-)Strelitz und das Neue Tor nach (Burg) Stargard. Aber wer die alten Wege weit vor den Bundes- und Fernverkehrsstraßen kennt, der weiß, dass doch alles stimmt.

Die Zahl Vier scheint doch irgendwie mit Neubrandenburg sehr eng verbunden zu sein. Aber da ist sie nicht die einzige. Der Tollensesee gehört auch mit dazu, unser Kulturfinger, Sportvereine, die schon Weltmeister hervorgebracht haben und vieles andere mehr gehören auch dazu. Kulinarisch möchte ich mich, was den Ruhm der Stadt betrifft, mal nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Zwei der auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Getränke***) aus der Stadt gibt es nicht mehr, die Firmen sind pleite bzw. verkauft. Immerhin gibt es im weiteren Umfeld Deutschlands nördlichstes Weinanbaugebiet, aber das gehört nicht wirklich zu Neubrandenburg. Die große Bäckerei in der Stadt hat europaweit Kunden, nur steht da meist der Hersteller so direkt nicht auf den Produkten.

Wie wäre es mal mit einem typisch Neubrandenburger Gericht? Es sollte aus vier wesentlichen Zutaten bestehen, die irgendwas mit der Stadt oder der näheren Region zu tun haben. Mit dem Gedanken trage ich mich schon eine Weile. Mehrere Ideen wurden geboren und verworfen****). Aber jetzt ist es endlich so weit: In Kürze kann die Kreation bestaunt und nachgekocht werden. Etwas anderes mit 4 Buchstaben wird bei der Präsentation helfen: EiTV. Die kommende Folge, übrigens eine Jubiläumsausgabe, wird das Gericht nachmachbar zeigen. Es ist einfach herzustellen, hat aber einen Nachteil: Eine Zutat ist sehr saisongebunden. Wir hoffe, EiTV noch in der diesjährigen fertig zu bekommen. Morgen wird gedreht.

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*) Wer genauer hinsieht, auch damals schon, sieht natürlich sechs Straßen, denn auch die B 197 und die B 192 sind mit der Stadt verbunden, aber naja …

**) Die Sache mit dem UNESCO-Weltkulturerbe ist doch vom Tisch, oder?

***) Cherry Lady und die Neubrandenburger Biere

****) Das „Datzesuppe“-Rezept war schon sehr ungewöhnlich. Obwohl es ein konkretes Vorbild hatte, ich glaube aus der österreichischen Küche.

Das Eckige liegt am Runden

Wenn ich mir einen Wirt vorstellen sollte, wüsste ich das nicht so richtig in Worte zu fassen. Aber es gibt einen Ort, der einen Wirt hat, wie ich ihn mir vorstellen könnte. In einer gelungenen Mischung aus klassischem und modernem, dass viele Möglichkeiten der Nutzung bietet. Damit war jetzt auch die Klause selbst gemeint, eine Mischung aus Bar, Restaurant und Erlebnisgastronomie.

Augenmerk liegt natürlich auf der Speisekarte und den kulinarischen Möglichkeiten. Das Menüblatt bietet eine Vielfalt an Gerichten, von kleinen Tapas über einfache Gerichte wie Bauernfrühstück bis zum argentinischen Rumpsteak. Lachs, Huhn, Suppe, Pasta – man möchte fast sagen, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Und wenn der Selcher des Schinkens nicht so verliebt gewesen wäre bzw. der Koch in der Küche von dieser Verliebtheit gewusst und weniger Schinkenwürfel verwendet hätte, würde ich sagen: Ich habe die besten Bratkartoffeln meines Lebens gegessen. So waren sie leider getränkeumsatzfördernd gesalzen.

Ein gutes Steak dauert 30 Minuten – das habe ich neulich bei einer Kochschule gelernt. Der Spruch ähnelt dem mittlerweile widerlegten „Ein gutes Pils dauert 7 Minuten“. Im konkreten Fall kam es schneller auf den Tisch. Leider waren die Lichtverhältnisse nicht dazu geeignet, mit der Handycam das Essen abzubilden, aber es sei gesagt, dass jeder Teller samt Inhalt, den ich sah, sehr lecker und ansprechend aussah. Das Fleisch war proforma perfekt medium, aber es hätte wohl noch einen Punkt perfekter werden können.

Für ein Restaurant war die Atmosphäre vielleicht etwas kühl, für eine Bar der tresenbestückte Raum etwas groß, zum guten Essen aber kann man ins „Live am Ring“ gehen, der Service fiel auch eher angenehm auf. Für Events mit vielerlei Coleur scheint es sehr geeignet.