Urlaub 2026 (3/3)

Was habt ihr eigentlich vor Vorstellungen, wenn das Wort „Urlaub“ fällt? Ganz klischeeesk kommen da doch immer ein paar Standard-Assoziationen. Mein Urlaub hatte so nix davon. Aus Gründen. Dafür wurde es wohl einer der preiswertesten, die ich je gehabt habe. Das teuerste war wohl die Übernachtung meines Autos in meiner Stammwerkstatt (was aber mit dem Urlaub an sich nix zu tun hatte). Eine zwar irgendwie geplante, aber doch dann fast zufällige Zusammenkunft mit Happy End, ein klein wenig lustig. Immerhin erzeugte es ein breites Grinsen nicht nur in meinem Gesicht.

Lecker gekocht wurde auch. Ich hatte da noch ein paar Chilischoten am Strauch, ich habe es neulich schon mal erwähnt. Auf dem Grünmarkt erstand ich ein paar sehr schöne Fleischtomaten unterschiedlichster Geometrie, für die Proteine kam dann noch etwas Bio-Rinderhack dazu. Mehr braucht es fast nicht. Für den Geschmack ergänzte ich auch noch Schalotte und Knoblauch, Salz, Pfeffer und eine Spur Zucker ist klar.

Spirelli mit Tomaten-Chili-Hackfleisch-SoßeDas Hackfleisch wurde im Topf gut angebraten, ein wenig Olivenöl half dabei. Die gewürfelte Schalotten und ein paar zerkleinierte Knoblauchzehen gaben eine aromatische Grundnote. Als das Fleisch leicht bräunte, kamen gehackte Chilischoten und die zerteilten Tomaten hinein. Wenn man sich nicht die Arbeit der Häutung macht, sollte man zumindest die Teile mit Haut recht klein schneiden. Allerdings kocht dann doch alles so lange vor sich hin, dass sich selbst Tomatenhaut ein wenig auflöst (rühren nicht vergessen).

Spirelli mit Tomaten-Chili-Hackfleisch-SoßeAuch wenn die Soße ein wenig plörrig ausschaut: Ich habe keinen Tropfen Wasser (der etwas ähnliches) in den Topf gegeben. Als die Tomaten (ja, okay: Tomate = Wasser, schnittfest) dazu kamen, kam auch sehr zügig ein Deckel auf den Topf, der die Flüssigkeit festhielt und damit maßgeblich zur Soßenbildung beitrug.

Nachdem alles eine gaaanze Weile vor sich hin geköchelt hatte, wurden noch die Nudeln gekocht, Teile Soße mit ihnen in einem Topf vermengt und dann auf den Teller getan.

In den letzten Jahrzehnten habe ich mir offenbar angewöhnt, meine Autos zu individualisieren. Eine Beule hier, ein Kratzer dort, … Das zieht sich wie ein roter Faden durch meine bisherigen 4 Autos (aktuelles eingeschlossen). Das bekam vor einigen Wochen seine persönliche Note im Innenraum, was sich auf die Bedienelemente im Lenkrad bezog. Vermutlich beim Aussteigen kam ich denen wohl mit meiner Jacke zu nahe und riss dabei den Knopf für die Lautstärkeregelung mit. Unschön. Funktional war das nicht das größte Desaster, hab es ja noch den Regler an der Mittelkonsole, aber toll ist anders. Der Weg führte mich in die Werkstatt und stellte die offenbar vor größere Probleme, die es per se eigentlich nicht hätte geben sollen. Die Maximallösung wäre die Erneuerung des Lenkrades gewesen, aber es stellte sich heraus, dass die Bedienbauteile auch separat erhältlich sein mussten. Müssten. Da mein Pkw seine Erstzulassung vor etwa 4,5 Jahren hatte, sollte das mit den Ersatzteilen kein Problem sein. Sollte. Es schien damals aber auch schon ein Auslaufmodell (es kommt die Jahreszahl 2017 bei der Typenreihe vor) zu sein. Aber selbst das ist ja noch keine 10 Jahre her … Am Auto waren noch ein paar andere Kleinigkeiten zu erledigen, die aber auch nicht dringend waren, und so suchte die Werkstatt nach dem Ersatzteil und ich wartete.

Solche Hackfleisch-Tomaten-Chili-Soßen kann man ja nicht in Portionenmengen herstellen, dass geht nur in viel mehr. Also gab es noch einen weiteren Auftritt.

Spaghetti mit Tomaten-Chili-Hackfleisch-SoßeWer genau hinguckt (oder mit einfach glaubt), wird feststellen, dass die Soße hier einen etwas sämigeren Eindruck macht. Dies zu erreichen, war auch meine Idee, der Weg war vorher unklar. Diesmal habe ich es mal mit einer Tomatenmehlschwitze probiert. In eine kleine, tiefe Pfanne kam etwas Tomatenmark zum Anrösten und wurde dann mit etwas Mehl vermischt weiter erwärmt. Damit es dann nicht anbrannte, kam vorsichtig etwas Wasser dazu. Es bildete sich eine rote Mehlschwitze, in die ich dann die Tomaten-Hackfleischsoße einrührte. Fertig.

Spaghetti mit Tomaten-Chili-Hackfleisch-SoßeDiesmal kam auch noch etwas geriebener Bergkäse dazu. Mmmmh.

Als sich mein Urlaubsbeginn abzeichnete, suchte ich nochmal die Werkstatt auf, um dann doch einen Termin für die anderen Sachen zu machen, unabhängig davon, ob das Bedienteil vorhanden ist oder nicht. Als ich für dessen Wahrnehmung einige Tage später dort erschien, schauten mich zwei Augenpaare ernst an. Meister und Monteur versuchten zumindest ernst zu bleiben, als sie einen kleinen Pappkarton leerten, aus dem das offenbar ebenfalls gerade eingetroffene Bedienersatzteil fiel. Zufälle gibts. Es war wohl auch gar nicht so einfach, es zu bekommen, da es selbst für Markenwerkstätten nicht zu besorgen war. Mehrere Nachfragen meiner Werkstatt bei denen hatte das ergeben. Wo es letztendlich her war, weiß ich nicht, aber es war da, sah neu und original aus und ich bin glücklich. Was will man mehr?!

Sonntagmittag

Zum Abschluss des Urlaubs gab es dann noch was feines. Naja, tun wir zumindest so, wobei schon feine Sachen dabei waren. Aber wenn man mit denen nicht so ganz fachgerecht umgeht … Und es gab noch eine grooooße Überraschung.

Salzkartoffeln, Spargel, Soße Hollandaise, Nackensteak, TomatensalatBeelitzer Spargel, Pribslebener Nackensteak, Salzkartoffeln und ein kleiner Tomatensalat. Die Gemüse wurden noch mit etwas „Sauce Hollandaise“ verfeinert. Naja.

TomatensalatDer Tomatensalat ist gaanz einfach. Drei Tomaten, entstrunkt und mundgerecht zerteilt, drei Frühlingszwiebeln, Salz und Pfeffer. Etwas Zeit. Mehr nicht.

Salzkartoffeln, Spargel, Soße Hollandaise, NackensteakBeim Nackensteak meines Lieblingsfleischers kam eine Grillpfanne zum Einsatz, beim Schälen des Spargels ein Sparschäler. Offenbar aber ein wenig zu sparsam. Ein wenig schlusig wars dann doch. Kartoffeln und Spargel habe ich mal nur gedämpft. Dank der aromatischen Soße war hier eine weitere Würzung überflüssig. Nicht.

Salzkartoffeln, Spargel, Soße Hollandaise, NackensteakDie Sauce Hollandaise kam direkt aus der Mikrowelle. Ich war sehr erwartungsvoll. Aber naja. Wahrscheinlich ist die Mikrowelle schuld. Oder die Mondphase. Oder das komische Wetter. Dabei zeichnete die Hollandaise etwas aus, was bei den Fertigsoßen nicht mehr üblich zu sein scheint. Selbst die lukullischen „Spitzenprodukte“ sind laut Schnellrecherche beim Einkaufen mittlerweile butterfrei, was für eine holländische Buttersoße eigentlich kein Qualitätskriterium ist.

Zur Erinnerung: Eine würzende Reduktion wird zusammen mit Eigelb unter gesteuerter Wärmezufuhr schaumig aufgeschlagen. Da hinein kommt dann nach und nach unter ständigem Rühren flüssige Butter. Abschmecken. Fertig. Kein Wasser, kein Pflanzenfett, keine Stärke, nix. War gut. Ist gut. Bleibt gut. Hauptzutat bei den Fertigsoßen in Flasche, Glas und Pappkarton ist Wasser, eingedickt mit modifizierter Stärke, etwas Eigelb ist auch noch dabei, dazu Sonnenblumenöl (wenn’s gut ist) oder Palmfett. Den Rest erledigen Würze und Aromen. Und dann das!

Sauce Hollandaise mit 8%(!) ButterButter in einer Hollandaise! Wer hätte das noch geglaubt? Okay, das Original hätte eher 80% Butter und nicht 8%, aber man darf sich ja auch mal über Kleinigkeiten freuen. Zumal es die Hausmarke einer Supermarktkette ist, unter der das vertrieben wird, was meine These unterstützt, dass diese Produkte teilweise besser sind als entsprechende Markenprodukte. Bezogen auf Milchkaffee habe ich das schon vor längerer Zeit ausgeführt.

Trotzdem sind die Standardzutaten für eine Soße Hollandaise in der Minderheit, gestreckt mit Wasser, Bindemittel und Aroma. Plörrig kommt die Soße auch daher. Ich muss mich wohl doch mal wieder in einer Eigenerstellung probieren.

 

St. Martins warmer Nudelsalat

(Lau-)warm ist das heiß des Foodbloggers. Auf diese These könnte man kommen, wenn man sich die Art und Weise anschaut, wie ein Foodblogger arbeitet. Wobei? Ist es wirklich Arbeit? Machen wir es nicht doch auch eher zum Spaß oder als Hobby? Nunja, das muss jeder für sich entscheiden. Einen tiefen Einblick in die Befindlichkeiten des Foodbloggers und seiner nahen Umgebung liefert ein sehr amüsant zu lesender Artikel vom Marsmädchen, bei dem ich vor allem auf Punkt 06 orientieren möchte. Aber manchmal ist das nicht mehr heiße auch die genau richtige Genusstemperatur, wie wir hier sehen werden.
Die Idee trug ich schon einige Zeit mit mir rum, die Quellen sind eine sich im Tiefkühler befindliche Entenbrust und die Erinnerung an ein Nudelsalatrezept einer Tante, das unter anderem mit Sauerkraut zubereitet wurde und sehr schmackhaft war. Die Zutaten orientieren sich weiterhin an klassischen Zubereitungen einer Ente. Und nun mit Schwung an die neue Kombination.
Fein gehobeltes Rotkraut
Klassische Beilage zur Ente ist Rotkohl und damit wird dieses Kraut als „Ersatz“ für das Sauerkraut meiner Tante erkoren. Möglichst fein gehobelt sollte das Blaukraut werden. Man braucht aber nicht viel. Immerhin machen wir einen Nudel- und keinen Rotkrautsalat.
Entenbrust
Die tiefgekühlte Entenbrust ist über Stunden im Kühlschrank aufgetaut worden. Man kann natürlich auch einfach eine frische nehmen. Zubereitet wird sie eigentlich ganz klassisch.
Fettschicht eingeschnitten
Die Fettschicht wird vorsichtig eingeschnitten und alles anschließend gesalzen. Das wars.
Orangensaft auspressen
Die Orange passt sehr schön zur Ente. Deswegen wird eine Orange ausgepresst und der Saft aufgefangen.
Mit Orangenschalen vermischen
Wer eine Bioorange zur Hand hat, kann gleich noch etwas von der Orangenschale mit in den Saft reiben. Wer nicht, kann Orangenschale auch im kleinen Döschen kaufen und dazu geben.
Zwei Pfannen heiß machen
Zwei Pfannen werden erhitzt.
Entenbrust geruhsam anbraten
In die eine, nicht zu heiße, kommt die Entenbrust, mit der Fettseite nach unten (gaaaaanz klassisch).
Das Fett sammeln
In kurzer Zeit tritt das Fett sichtbar aus, das wird diesmal gleich weiter verwendet.
Entenprett in die zweite Pfanne
Ein paar Esslöffel vom Entenfett (nicht alles!) kommt in die zweite, erhitzte Pfanne.
Rotkohl dazu
Darin angeschmort wird der Rotkohl, Salz, Pfeffer, weitere Gewürze nach Gusto und ca. ein Drittel des Orangensaftes kommen noch hinzu …
Deckel drauf
… bevor alles bei nicht allzu großer Hitze und unter einem passenden Deckel der weiteren Garung überlassen wird.
Kochendes Wasser
Nebenbei fängt auch schon im Topf das Wasser an zu kochen. Was da wohl rein kommt?
Entenbrust umdrehen, wenn gut gebräunt
Wenn die Fettseite der Entenbrust eine angenehme Bräune erreicht hat, wird sie umgedreht. und fertig gegart.
Spirellis kochen
Natürlich war das kochende Wasser – gesalzen – für die Nudeln gedacht, die werden al dente nach Vorschrift gegart.
Glas mit Schraubdeckel
Jeder Salat braucht ein Dressing und für die Zubereitung braucht es ein fest schließendes Gefäß. Kann man schon mal bereit stellen.
Entenbrust aus der Pfanne und Ruhen
Die Entenbrust, per Fingerdruckmethode als fertig deklariert, wird zum Ruhen beiseite gestellt.
Bratreste in der Pfanne
Schöne Bratreste sind in der Pfanne entstanden. Die muss man nutzen.
Mit Orangensaft abgelöscht
Mit dem restlichen Orangensaft werden die Geschmacksbringer vom Pfannenboden abgelöst und für das Gericht nutzbar gemacht.
Flüssigkeit im Glas gewürzt
Der Pfanneninhalt, gern auch ein wenig reduziert, kommt in das Glas. Damit wäre eigentlich schon ein Dressing fertig (Fett und Säure sind ja schon drin). Etwas Olivenöl, etwas weißer Balsamico, ein halber Teelöffel Senf, Salz, Pfeffer, Zucker können aber auch nicht schaden. Dann den Deckel drauf und gut schütteln.
Dressing fast fertig
So könnte die Mischung dann aussehen. Da war sie aber nur ein wenig geschüttelt. Aber wir haben alles zusammen, was für den Nudelsalat gebraucht wird. Also kann er fertig gestellt werden.
Nudeln in eine Schüssel
Zuerst die noch heißen Nudeln in eine Schüssel geben.
Rotkraut dazu
Danach kommt das fein zerpflückte Rotkraut aus der Pfanne dazu, mit einem Salatbesteck wird alles gut durchgemischt.
Dressing dazu
Das Dressing wird nochmal kräftig geschüttelt und wird dann über dem Schüsselinhalt verteilt.
Gut durchmischt
Alles wieder gut durchmischen. Die Nudeln werden dabei eine gewisse rosane Färbung annehmen. Aber das ist normal.
Entenbrust in Scheiben schneiden
Nun gilt es, die Entenbrust anzuschneiden. Sie wird in nach Möglichkeit nicht zu dicke Scheiben geschnitten.
auf dem Salat drappieren
Die Tranchen der Brust kommen dann oben auf die Schüssel. Etwas grobes Salz finalisiert die Präsentation.
Der Salat in der Schüssel
So kann es dann aussehen, wenn man mal die ganze Schüssel in den Blicjkwinkel holt. Das Anrichten auf dem Teller ist sicher besser.
auf dem Teller
Sicherlich kann man die Entenbrust auch noch kleiner schneiden und direkt unter den Salat mischen, hier bietet sich vielleicht auch, vor allem in einer kalten Version, geräucherte Enten- oder Gänsebrust an.
St. Martins Nudelsalat (lau-)warm
Achja, apropos Dressing: Der Fleischsaft, der sich auf dem Teller und beim Aufschneiden gesammelt hatte, fand natürlich auch noch seinen Weg in die Schüssel und wurde gut unter gehoben.
Beim Essen hatte ich den Eindruck, dass dieser Salat mit langsam fallender Temperatur (aber immer noch spürbarer Restwärme) immer besser wurde. Er muss also nicht heiß serviert werden. Guten Appetit.