Püree aus der Tüte

Die schönen Bilder in der Werbung sind doch immer wieder verlockend. Und wie schön gerade auch sogenannte Nahrungsmittel dargestellt werden. Ein ganz aktiver (auch in der Werbung) Joghurt aus der Functional-Food-Kollektion wirbt mit seinem neuen Fruchtpüreeanteil. Das haben andere auch schon probiert, überzeugt haben die Fruchtpüreetoppings nicht.

Auch hier entzaubert ein Blick auf die Zutatenliste die vermeintlich hohe Qualität des Produkts. In der Kirschvariante haben wir Joghurt, 8% Fruchtzubereitung, Zucker und das Probiotikum. Knapp 10 g Fruchtzubereitung befindet sich im Becherchen.  Ein Teelöffel Fruchtaufstrich/-konfitüre bringt eine ähnliche Menge auf die Waage. Neben dem Kirschpüree (Was sollte sich sonst in einer Fruchtzubereitung befinden als ein Püree? – Definiere lebensmittelrechtlich den Begriff Püree!) sind Zucker, Fructose, färbende Konzentrate aus Früchten und natürliche Aromen enthalten.

Über letztere habe ich mich hier schon ausgelassen, andere Begrifflichkeiten sind dort auch erklärt. Über Fructose schrieb ich hier schon. Was bleibt also von dem in der Werbung versprochenen Fruchtpüree? Vielleicht ein halber Teelöffel pro Becher. Und die Erkenntnis: Belogen wurden wir nicht, aber wesentliche Informationen wurden vorenthalten. Naja, das wundert aber auch nicht, ist doch die zeitliche Länge und damit der informatorische Gehalt eines Werbespots begrenzt.

Meine Theorie: Wer sich mit normalen ungewaschenen Händen einen Finger voll Kirschkonfitüre aus dem  Glas angelt und das dann in einen Becher Naturjoghurt rührt, tut vermutlich ähnlich gutes für seine Verdauung. Vergleiche dazu die Artikel über die Darmflora und Probiotika bei Wikipedia.

Die Power der Erkenntnis

Die menschliche Darmflora besteht aus mindestens 500 bis 1000 unterschiedlichen Arten von Mikroorganismen, deren Zusammensetzung und Auswahl von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein kann. Warum es für diese interne Mikrokulturwelt förderlich ist, genau eine Art von diesen Mikroben von außen oral zuzuführen, wird ein ewiges Geheimnis der Functional-Food-herstellenden Industrie sein.

Der kundige Leser wird erahnen, dass es hier um einen aufgepeppten und teuer verkauften Joghurtdrink geht, der vermutlich genauso wertvoll ist wie ein, nur einen Bruchteil davon kostender Naturjoghurt, der mit einem Löffel Fruchtkonfitüre oder -aufstrich verfeinert wurde. Jetzt gibt es diese Fläschchen übrigens nicht nur in normaler Fruchtaromaausstattung, sondern auch lt. Werbung mit extra Power und richtig viel Vitamin C aus der Acerola-Kirsche.

Werfen wir einen Blick auf die Zutatenliste: Joghurt, entrahmte Milch (also verdünnter Joghurt – der Herdnerd), Zucker, Fruchtsaft aus Konzentrat, Traubenzucker, natürliches Aroma und das zugesetzte Probiotikum. Ein Fläschchen (= 100 g) schlägt mit 75 kcal zu Buche, handelsübliche Cola liefert bei gleicher Menge 44 bis 46 kcal. Ok, ein Teil der Energie kommt vom Fett und Eiweiß im Joghurtdrink. Vergleichen wir also auch noch den Kohlenhydrat- bzw. Zuckeranteil pro 100 g: Trinkjoghurt 12,6/12,3 g – Cola 11,5/11,4 g. Huch, da ist in Cola auch weniger drin.

Natürliches Aroma ist ein schöner Begriff. Nur muss ein natürliches Erdbeeraroma nicht aus Erdbeeren, ein natürliches Pfirsicharoma nicht aus Pfirsichen oder ein natürliches Vanillearoma nicht aus Vanille hergestellt sein. Natürlich sind die Aromen auch, wenn sie aus Schimmelpilzen, Zedernholzöl, Abfällen der Zellstoff-Produktion u.a. stammen.

Wo wir gerade von Früchten reden: Der Fruchtsaft der Zutatenliste ist noch genauer definiert: Ananas-, Pfirsich-, Orangen-, Erdbeer- und Acerolasaft. Alle Säfte sind aus Konzentraten hergestellt, was heißt, dass alle Zutaten, die zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands (also vor der Konzentratherstellung) unerlässlich sind, nicht weiter deklariert werden müssen. Dazu gehört natürlich das entzogene Wasser, und vielleicht ja auch ein paar Stoffe, die gut wasserlöslich sind, oder so empfindlich, dass sie den Konzentrationsprozess nicht überstehen. Vitamin C könnte so ein Stoff sein – wasserlöslich und hitzeempfindlich. Da würde es mich nicht wundern, wenn sich im Joghurtdrink letztendlich künstlich erzeugtes Vitamin C befindet.

Der besprochene Trinkjoghurt enthält lt. Packung 1,5 g Acerolasaft, in dem sich dann 22,5 mg Vitamin C befinden. Der Saft einer halben Zitrone in der Cola erbringt etwa den gleichen Wert. Oder ein schönes Zwiebelmettbrötchen. In vielen Zwiebelmett-Produkten ist Vitamin C (=Ascorbinsäure =E300) ein beliebtes Antioxidationsmittel.

Etwa so groß gedruckt wie die Zutatenliste findet sich noch ein ganz wichtiger und nicht zu wenig hervorzuhebener Satz auf der Verpackung: „Unsere Empfehlung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise.“ Stimmt! Dazu würde es aber reichen, diesen Satz im Supermarkt auf der Verpackung zu lesen. Kaufen und trinken sind nicht notwendig (außer für den Hersteller). Der Abfüller des Produktes steht übrigens in Belgien, Polen und Spanien wäre auch noch möglich gewesen. Es ist doch erstaunlich, was man alles aus einem Etikett erfährt.

Armes Würstchen

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich mag keine Würstchen aus Glas oder Dose. Dabei ist es ziemlich egal, ob es Wiener, Bockwürste, Frankfurter, Krakauer, Hot-Dog-Würstchen oder sonstwelche sind. Die sehr knackigferne Konsistenz, das unter anderem daraus entstehende Mundgefühl, das teilweise mit „schleimig“ recht zutreffend umschrieben wird, und der Geschmack ergeben ein Triumvirat des Nichtkulinarischen, dass durch die potenziell jahrelange Lagerung der Brätphallie im Wurstwasser auch nicht besser wird.

Unter diesem Gesichtspunkt hatten die getesteten Bio-Tofuwürstchen im Glas von vornherein kaum eine Chance. Das letzte Quentchen davon vergeigten sie fast schon, bevor sie überhaupt zum Geschmackstest kamen. Aber der Reihe nach. Laut Etikett habe ich die Tofuwürstchen „in einer beschichteten Pfanne unter mehrmaligem Wenden 3-5 Minuten goldbraun gebraten oder in einem Topf mit kochendem Wasser erwärmt“. Ich habe beides gemacht, es waren ja genug Würstchen da.

Der Eindruck, den die kochenden Würstchen machen, stimmt: Sie sehen sehr blass aus, fast wie Bratwürste mit ganz leichter Currynote. Das Wurstwasser übrigens vermittelte einen säuerlicheren als gewohnten Eindruck, was am zugesetzten Tomatenmark oder der Sojasoße liegen könnte (erstaunlich, dass beide nicht färbend in Erscheinung traten). Das Wasser kochte, als Bratunterstützung dienten ein paar Tropfen Olivenöl, die durch die Tofuwürstchen dankbar aufgenommen wurden. Nach 5 Minuten wurde angerichtet.

Es gibt Bockwürste (frisch), die sind einfach nur lecker, sie brauchen zum Verzehr weder Senf, Brötchen noch vorherige Erwärmung. Bei den Sojadingern war letztendlich jede Mühe umsonst. Als Senfträger – für alle Senfliebhaber – sind sie geschmacklich sehr gut geeignet, geben sie davon doch eher wenig dazu. Das trifft vor allem für die gekochte Version zu. Senffrei probiert drängt sich mir der nicht ganz stimmende Vergleich mit gut durchfeuchteten Bierdeckeln auf, zumal es die Untersetzer nicht in Würstchenform gibt. Das Braten zauberte zwar durch die Maillard-Reaktion noch ein paar zusätzliche Aromen in die Würstchensimulation, wirklich geholfen hat es aber auch nicht.

Es mag Menschen geben, die aus medizinischer Sicht sowas essen müssen. Für alle anderen gilt: Schade um den Senf.