Knollen, Bittergemüse und Tk-Fund

Diesmal muss ich eine Lanze für die Kartoffel brechen. Wobei ich auch anderweitig brechen möchte, aber der Reihe nach. Die Kartoffel – die deutscheste* unter den Beilagen, die Soße aufzunehmen haben (neben Reis und Pasta) – ist gesünder als ihr Ruf. Angehangen ist ihr der Ruf als Kohlenhydratschleuder, aber sie ist doch besser. Natürlich hängt es immer ein wenig auch an der Art der Zubereitung, die sehr vielfältig ist. Zum Beispiel kann man in der Kombination Kartoffel-Ei mit die hochwertigste Proteinkombination überhaupt zu sich nehmen. Auch enthält sie eine Reihe Vitamine (C, B) und Mineralstoffe (K, Mg). Man sollte sie nur schonend und nicht zu nass garen, gerade Vitamin C ist hitzeempfindlich und wasserlöslich.

Die Kartoffel lässt sich auch gut verarbeiten. Wer kennt nicht Kartoffelflocken und die daraus abgeleiteten Produkte. Kartoffelstärke kann man hier auch mit aufzählen. Das läuft dann aber schon alles unter „Hochverarbeitung“. Die kann gern mal zur Pervertierung des ursprünglich recht guten Ausgangsproduktes führen. In den SoMe wurde ich da bspw. auf ein Schnellgericht aufmerksam, das mir noch einen alten Ohrwurm in den Gehörgang schraubte: „Deckel auf, heiß Wasser drauf, und in 5 Minuten tischt man auf …“ Leute mit besserem Gedächtnis als ich werden bemerken, dass ich da zwei sehr ähnliche Produkte in einen Topf geworfen habe, aber egal. „Die 5-Minuten-Terrine – … ’ne gute Idee …“  Nee. Waren nicht mal in diesen Bechern noch „echte“ Kartoffelflocken drin?

Pulver-Kartoffelbrei "Dönergeschmack"Dieser Becher mit orangem Pulver ist eine neue(?) „Geschmacksrichtung“ aus dieser Produktlinie. Ich musste erstmal wirklich die Packung lesen, wie man das richtig „zubereitet“. Mein letztes Ding ist Jahrzehnte her. Besser geworden sind sie nicht. Ein kleines bisschen Verpackungssprech-Lehre gefällig?

In der (privaten) Kulinarik ist ja einiges erlaubt, vor allem, was die Namesgebung betrifft. Angedicktes, aromatisiertes Wasser mit Spuren von Öl und Ei wird als Sauce Hollandaise bezeichnet, in der Pfanne gebratenes Geschnetzeltes mit griechischer Gewürzmischung als „Pfannengyros“ (weder gegrillt, noch vom Drehspieß). Mischen wir also mal Kartoffelmehl mit einer orientalischen(?) Gewürzmischung.


Pulver-Kartoffelbrei "Dönergeschmack"
„Deckel auf, heiß Wasser drauf …“

Pulver-Kartoffelbrei "Dönergeschmack"5 Minuten warten.

Pulver-Kartoffelbrei "Dönergeschmack"Bis hierhin war alles gut. Aber dann musste das auch noch gegessen werden … Selten war so viel Abstand zwischen Beschriftung und Erwartung. Ich habe nachvollziehbar in diesem Blog schon recht viel Kartoffelbrei gemacht und ebenfalls schon (weniger dokumentiert) Döner gegessen. Zumindest mit den hier regional verfügbaren hatte das geschmacklich nix zu tun.

Pulver-Kartoffelbrei "Dönergeschmack"Kannste vergessen. Welchen Sinn haben derartige Produkte? Den Körper mit mehr als Fett, Kohlenhydraten und Salz versorgen? Nein. Sättigen? Nein. Geschmacklich bereichern? Nein.

Während beim Becher wenigstens noch ein Anflug von Breistruktur spürbar war, ist beim nächsten Produkt die Kartoffel vollständig denaturisiert. Samstagabend zum Fernsehen mal ein paar schöne Kartoffelchips sind ja mal eine Idee, aber selbst die bekommen manche Abfüller nicht mehr richtig hin. Aber statt aus dünnen Kartoffelscheiben kann man auch was auch Kartoffelmehl „zaubern“.

Cheesecracker "Chili Cheese"Sieht gut aus, oder? Typischer Fall von Kindermund: „Das schmeckt schön.“ Man möchte korrigierend eingreifen und berichtigen: „Das schmeckt nicht schön sondern gut!“, aber man soll ja Kinder auch nicht zum Lügen animieren. Wobei die Würzung sogar noch geht, aber das kartoffelmehlhaltige Trägermaterial hinterlässt nicht nur ein mehliges Gefühl, sondern auch einen vergleichbaren Geschmack im Mund. Stapelchips (ich mag sie auch nicht) haben da noch Struktur, aber eine vergleichbare Aromatik bei einer höheren Gröbigkeit. Einfach nur gute Chips sind auch nicht so einfach, sollten aber das Ziel sein.

Cheesecracker "Chili Cheese"Diese „Häppchen“ sind übrigens superdünn und hohl. Frau Doktor Heide Rezepa-Zabel bezeichnet vergleichbare Schmuckstücke als „Schaumgold“ oder „Hohlgold“ oder so ähnlich.

Sonntagmittag

Ganz tief im Tiefkühler (deswegen heißt das Ding wohl auch so) fand ich noch eine kleine Entenkeule, die eine dringende Verarbeitung erheischte. Hinzu kam weißes Bittergemüse und säuerliche Kartoffel.

Entenkeule, Chicorée, SchmandkartoffelnSchmandkartoffeln, Chicorée und die Keule. Alles recht einfach zubereitet, aber der Abwasch hinterher war doch schon etwas größer. Ich weiß gar nicht, wieso.

Entenkeule, Chicorée, SchmandkartoffelnBei der Keule hatte ich mir überlegt, sie langsam zu garen. Wesentlicher Hintergrund war eine Live-TV-Sendung, die 2 Stunden zur Mittagsstunde lief und so den zeitlichen Rahmen lieferte. Ich belas mich und fand eine Kombination aus 80°C/3-4h. Da aber mein kleiner Heißluftofen/Mikrowelle nur bis 95°C runter geht, habe ich es mit 2,5 h probiert, zum Ende kam dann noch 10-15 min. bei 230°C hinzu, irgendwie musste ich die Keule ja knusprig bekommen. Was übrigens gut gelang. Zuanfangs hatte ich sie nur ein wenig in der Haut eingeschnitten und gesalzen, nachdem sie über Nacht im Kühlschrank aufgetaut war. 2 Stunden hätten vermutlich auch gereicht. Aber sie war doch recht gut.

Entenkeule, Chicorée, SchmandkartoffelnAls sich die Garzeit der Keule ihrem Ende näherte und die TV-Sendung abmoderiert war, legte ich den geputzen und halbierten Chicorée in eine sehr gut gebutterte Pfanne, in die ich auch etwas Salz und Zucker gestreut hatte. Zuerst auf die Schnittfläche und – als die wie auf dem Bild gebräunt war – dann auf die Rückseite. Ein paar mehligkochende Kartoffeln hatte ich geschält und geviertelt sowie dann über Wasser mit Rosmarin gedämpft. Schmand, Salz, Pfeffer, Tk-Petersilie, etwas vom Bratfett des Chicorée, das abgetropfte von der Keule (die lag im Ofen in einer kleinen Auflaufform) kamen in die Kartoffeln zum Stampfen und durchrühren. Fertig zum Anrichten.

Sonntagabend

Da musste noch mehr weg, also gab es einen kleinen Tomatensalat. In einem Anflug von Ungeplantheit hatte ich die kleinen Mozzarellakugeln, die eigentlich vorgesehen waren, schon vor Tagen gesnackt. Also kam Feta dazu.

Kleiner Tomatensalat aus gelben Tomaten mit FetaKlein gewürfelte Schalotte, weißer Balsamico (ich weiß, sowas gibt es eigentlich gar nicht), Salz, Pfeffer und als letztes etwas Olivenöl machten diese Schüssel (genauer: deren Inhalt) zu einem leckeren Abendbrot.

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*) Wie viele als deutsch gelesene Nahrungsmittel hat auch die Kartoffel eine Migrationsgeschichte und kommt aus Südamerika/Peru; ähnlich wie das Bier, das man in einer Vorläuferform schon beim Bau der Pyramiden in Ägypten kannte.

Kohlente

Vielleicht zum Eingang einen kleinen Schwank aus meinem Leben der letzten Woche, der nix mit Essen und Trinken zu tun hat. Dazu aber die Frage: Sagt Euch der 14.10.2025 noch was? Auch einer der sogenannten „versteckten“ „Feiertage“. 😉 Nein, nicht wirklich. Das war der Tag, als Microslop (so heißt das wohl jetzt, wenn man IN sein will, wobei ich ja noch das i durch ein a ersetzt hätte) seinen Support für Windows 10 einstellte resp. einstellen wollte. Windows 11 als Nachfolger stand ja bereit … Allerdings war ich schon soooo lange mit Win10 verbunden, dass meine Hardware (PC) sich weigerte, für Win11 bereit zu sein. Stellte sich die Frage nach einem neuen Rechner. Der alte war aber auch noch super funktional, so dass ich den Wechsel nicht wirklich einsah. Die angebotene einjährige Lizenzverlängerung wäre ja auch nur ein Aufschub des Problems gewesen. Also Plan C, genauer Plan L(inux). Und nun arbeite ich seit Mitte Oktober letzten Jahres im wesentlichen* auf Linux. Und es funktioniert super.

Nur in der letzten Woche habe ich mal einen Fehler gemacht. Wenn man sich nicht so richtig damit auskennt, sollte man „systemnah“ nicht rumpfuschen. Mein Linux ging offline. Nicht 100%-ig, aber doch funktional für Browser, Updates u.a. In mir stieg Panik auf. Müsste ich jetzt nur noch mit dem (nicht so ganz geliebten) Laptop arbeiten. Oder remote via Linux auf dem Laptop (das ging noch). Ein kundiger Mensch half in einer kleinen Nachtsitzung (danke nochmal dafür) und ich war wieder online. Da war nicht nur ein Stein, der mir vom Herzen fiel. Menschen mit ihrem gesamten Leben (Kommunikation, Banking, Shopping, …) auf dem Smartphone werden das nachvollziehen können, vor allem, wenn sie schon mal erlebt haben, dass das Ding nicht geht bzw. – schlimmer – weg ist. Aber ich bin glücklich und weiß, wovon ich die Finger zu lassen habe.

Kulinarisch war wenig los. Auf Arbeit gab es zweimal Fish’n’Chips … in Form von Pellkartoffeln mit Sahnehering und Stampfkartoffeln mit Brathering. Fish’n’Chips als Synonym für Kartoffeln und Fisch. 😉 Und am Sonntag gabs auch Stampfkartoffeln, allerdings war da dann ein Vogel vorbeistolziert …

Sonntagmittag

Die obigen Zeilen schrieb ich, als das Mittag in der Mache war. Bei „Schmorgerichten“ hat man ja die Zeit. Wobei es kein richtiges Schmorgericht war, aber auf der Packung fand ich eine Zubereitungsidee, der Rest ist auf Basis der Vorräte frei improvisiert.

Entenkeule, Stampfkartoffeln, KohlgemüseAuf der Packung der Keule (Barbarie-Ente) stand was von Anbraten, Angießen und dann Schmoren. So in der Art ist dann auch das Essen entstanden. Natrülich stand vorher das Auftauen an, an dass ich diesmal sogar rechtzeitig dachte und schon Samstagabend die Keule vom Tiefkühler in den Kühlschrank verfrachtete. Der später Sonntagvormittag sah mich dann, wie ich das Stück auspackte, ein wenig einritzte, salzte und dann in die gut gewärmte und leicht gebutterte Pfanne legte. Hautseite natürlich zuerst. Nebenbei schnibbelte ich ein paar Schalotten und ein paar Zehen Knoblauch klein, die ich dann mit anschmorte. Irgendwo im Vorratsschrank fand ich noch ein Glas Gemüsebrühe, von dem ich dann einen kleinen Teil mit angoss und danach die Pfanne zum einen bedeckelte, zum anderen die Hitze reduzierte. Glasdeckel sei dank konnte ich ohne dessen Lüften schauen konnte, dass die Flüssigkeit in der Pfanne gerade so köchelte. Nach etwa 20 Minuten (ca. 50 Minuten Schmorzeit war laut Packung vorgesehen) schnitt ich etwas Spitzkohl und ein paar Möhrenscheiben dazu und ergänzte alles mit Salz, Pfeffer und Kümmel. Etwas Wasser kam auch noch dabei. Der Pfanneninhalt wurde wieder zum Köcheln gebracht und dann auf minderer Hitze weiter gezogen. Als der Kurzzeitwecker klingelte, konnte auch schon angerichtet werden.

Entenkeule, Stampfkartoffeln, KohlgemüseNebenbei habe ich natürlich noch die Stampfkartoffeln zubereitet. „Grünzeug“ ist diesmal Schnittlauch (Tk). Ich bin mir ehrlicherweise nicht ganz sicher, ob ich mir nochmal Entenkeulen kaufen werde (wobei: eine hab ich noch im Tiefkühler). Zumindest so geschmort war sie nicht so mein Ding. Vielleicht war ich auch einfach nur zu zaghaft in der Würzung. Oder hätte sie länger bei kleinerer Hitze garen müssen. Wobei sie – technisch gesehen – vermutlich gar nicht mal so schlecht war. Noch saftig, aber durch, gut im Biss, aber ein wenig Kauen musste man schon. Mit der anderen Keule werde ich anders verfahren, mal sehen, was da passiert.

Entenkeule, Stampfkartoffeln, KohlgemüseLänger garen wäre in diesem Fall nicht so einfach gegangen. Der Kohl war weich, die Möhre al dente. Das wäre matschig geworden, bei weiterer Garung. Alles in allem nörgel‘ ich aber gerade auf hohem Niveau. Es war alles schon lecker, schlechter gegessen hatte ich auch schon. Also: Was will ich eigentlich mehr?

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*) im wesentlichen: Ich habe noch einen Laptop mit Win11, der ist aber meist eher Second Screen, und mein Win10 hat die Lizenzverlängerung bekommen. Und eine Leerräumung. Er läuft jetzt noch besser als vorher. Linux habe ich auf einem kleinen Behelfsrechner – Notlösungen halten am längsten. Es gibt noch eine – gelegentlich genutzte – Aufgabe, die ich noch nicht auf Linux habe, ansonsten alles.

Reset fürs Fest

Im Hinblick auf die kulinarisch sündigen Tage in naher Zukunft besinne ich mich mal wieder auf mein Ernährungskonzept, dass ich zugegeben in der letzten Zeit ein wenig schleifen ließ. Ich orientierte mich partiell lieber an dem, was mir Mitte des Jahres im Krankenhaus vorgesetzt wurde (als es mir schon wieder etwas besser ging). Zumindest beim Frühstück standen sich Ernährungskonzept und Krankenhausfrühstück konträh gegenüber. 😉
Dieser Tage frequentierte ich mal einen Supermarkt, der nicht zu den von mir regelmäßig besuchten gehört, und zog dort einen Entenschlegel aus der Kühltruhe. Die Zubereitung – in welcher Form auch immer – ist für mich neu, habe ich doch bisher entweder Entenbrüste oder dem ganzen Vogel (1x im Jahr) den Vorrag gegeben. Da sind natürlich auch Keulen dran, meist zwei. Aber so einzeln … Für mich jedenfalls noch ungewohnt. Ich darf aber schon mal eine alte Fernsehwerbung zitieren: „Das machen wir mal wieder.“
Beim ersten Mal gehe ich entweder streng nach Rezept vor oder – wenn ich keins habe – erstmal recht puristisch. Beim Schlegel bot sich der zweite Weg an. Auf der umgebenden Tüte fand sich zwar ein Hinweis auf mögliche sinnvolle Garung, die sich mir aber nicht wirklich erschloss. Laut Etikett sollte man das Fleischstück für 35-40 Minuten bei 200-225°C in den Ofen legen. Danach wurde darauf hingewiesen, dass die Garung ca. 45-55 Minuten dauert. Hä? Achso, nach der Zeit sollte das Vogelbein noch ein wenig im Ofen nachziehen … Ich war verwirrt.
Also ergriff ich eine Pfanne, für die ich auch einen Deckel habe, und erwärmte diese nachhaltig. Das ging recht fix und so konnte ich die Entenkeule mit der Hautseite nach unten in die heiße Pfanne legen. Bei mittlerer Hitze ließ ich erstmal das Entenfett aus der Haut aus (vorsichtiges Einschneiden derselben vor dem In-die-Pfanne-hauen soll helfen) und diese schön anbräunen. Das gleiche passierte auf der gegenüberliegenden Seite, die ich allerdings gleich nach dem einlegen der Keule in die Pfanne noch gesalzen und gepfeffert hatte.
Entenkeule angebratenIst auch die Unterseite angebräunt, kommt ein kleiner gewürfelter Kohlrabi dazu. Etwas Salz darüber hilft der Aromatik auf die Sprünge.
Kohlrabiwürfel dazugebenDann wird die Hitze unter der Pfanne weiter runter gedreht und alles überdeckelt vor sich hin garen zu lassen. Einmal(!) während des Umdrehens der Keule wird auch der Kohlrabi durcheinandergebracht.  Entenkeule und R.östkohlrabiNach ca. 30 Minuten mit dem Kohlrabi und dem Umdrehen der Keule in der Mitte der Zeit sieht alles dann so aus und kann angerichtet werden.  Entenkeule und R.östkohlrabiAuf den ersten Blick mag das Verhältnis zwischen Fleisch und Gemüse nicht stimmen. Wenn man aber bedenkt, dass ich keinen kleinen sondern nur einen großen Kohlrabi hatte und beim Schnippeln der Würfel knapp die Hälfte gleich weggesnackt wurde, stimmt auch wieder der Gemüseanteil.
Für Freunde des Erdapfels der Tipp, dass sie gern die Kohlrabi-Würfel mit Kartoffelwürfeln mischen können. Auch lecker. Aber es geht auch ohne.
Das Gericht ist recht einfach und lecker. Nur wirklich schnell ist es nicht. Eine gute Dreiviertelstunde stand die Pfanne schon auf dem Herd, die meiste Ziet bei recht geringer Hitze.