Der Herdnerd speckt ab

Zwischen den Zeilen habe ich in letzter Zeit ab und zu angedeutet, dass ein größeres Abspecken ansteht. Es muss. Ein paar innere Werte sind ein wenig aus dem Ruder gelaufen, von äußeren mal ganz abgesehen. Zurück in den Bereich eines „normalen“ Gewichtes will ich aber nicht, da dass unweigerlich einen Krankenhausaufenthalt nach sich ziehen würde, was bei meinem momentan etwas ambivalenten Verhältnis zu derartigen Einrichtungen irgendwie nicht geht. Ich kann mich aber durchaus noch an Zeiten erinnern, die zwar auch schon adipös waren, aber ohne Abweichungen der inneren Werte einhergingen. Wo das Ziel liegt, kann ich also nicht beziffern, aber ein halbwegs normaler Blutdruck und ein paar andere Werte, die es von allein in den Normbereich geschafft haben, sollen die Indizien sein.

Um das Ziel zu erreichen, habe ich den Rat meiner Hausärztin angenommen und eine Ernährungsberatung besucht. Genauer, die Einstiegsberatung. Längerfristige Leser dieses Blogs haben vielleicht noch dunkel in Erinnerung, dass ich sowas schon mal über mich gebracht habe. Die damalige Gruppentherapie war aber etwas zu zwanglos und gab nicht wirklich Richtschnur. Die Form ergab eine zu grobe Pauschalisierung, wobei ich einigen der dort Anwesenden nicht angesehen hätte, dass sie einen derartigen Kurs bräuchten. Immerhin brachte ich den Kursleiter ein wenig aus dem Konzept, als ich zur letzten Veranstaltung was zum Essen mitbrachte … Lecker und trotzdem nach seinen Regeln erstellt. Aber, wer statt Nuss-Nougat-Creme einen Schoko-Frischkäse als geschmacklich vergleichbares empfiehlt, hat ein kleines Durcheinander verdient. ;-)

Die allgemeinen Regeln der neuen Ernährungsrichtlinie passen erfreulichweiser auf eine DIN-A4-Seite, inkl. Erläuterungen. Insgesamt sind es 8 Regeln, die mir allerdings ein paar Kopfschmerzen bereiten. Apropos Kopfschmerzen. Um die zu vermeiden, wird in einer Regel empfohlen, viel zu trinken. Es gibt sogar eine Faustregel, was die Menge betrifft. Für mich bedeutet das: 5 (in Worten: fünf) Liter! Da sollte ich wohl nochmal nachfragen … Immerhin würde das vermutlich für mehr Bewegung sorgen, da ich öfter zum Klo rennen müsste. Wie das aber mit dem wertvollen Schlaf klappen soll, verschweigt das Regelwerk. Aber Schlaf ist wichtig!  Da nachts das meiste Fett verbrannt wird.

Kommen wir zur zeitlichen Struktur der Nahrungsaufnahme. Allein darum drehen sich drei Regeln, die es unter einen Hut zu bringen gilt. Dabei sollten natürlich auch das soziale und familiäre Umfeld und gewisse Lebensgewohnheiten einbezogen werden. Man hat ja so seine Verpflichtungen.
Meinen Lebensumständen am nächsten kommt die Regel, dass die letzte Mahlzeit am Tag um 21 Uhr beendet sein soll. Der Abstand zwischen den Mahlzeiten sollte 5 bis 6 Stunden betragen. Auch das ist für mich halbwegs üblich. Die dritte Regel ist, dass es drei Mahlzeiten am Tag gibt.

Das klingt jetzt nicht so kompliziert, ist es aber. Beruflich geprägt bin ich eher ein Spätmensch. Irgendwo habe ich schon mal ausgeführt, dass mein Tagesablauf dem deutschen Standardtagesablauf etwa 2 Stunden hinterher hinkt. Das liegt auch daran, dass ich trotz späterer Arbeitszeit die Reihenfolge des Tagesablaufs gern traditionell habe, also Aufstehen, morgendliche Verrichtungen, Arbeit, Freizeit, Schlafen gehen.

Machen wir es also mal konkret und setzen den Beginn der 3. Mahlzeit des Tages zum spätestmöglichen Zeitpunkt an: 20 Uhr (um 21 Uhr muss ich schließlich fertig sein). 6 Stunden vorher ist 14 Uhr und weitere 6 Stunden vorher 8 Uhr. Oder nicht ganz so streng: 20 Uhr, 14:30 Uhr, 9 Uhr. Unter der Woche an einem normalen Arbeitstag (fast) kein Problem. Das gemeinsame Mittagessen mit den Kolleg/inn/en muss ich dann zwar absagen, was einige dienstliche Abläufe durcheinander bringen dürfte, da wir das Mittag gern als kleine „Team“ nutzen. Aber zu den mampfenden Kollegen setze ich mich nicht, ich habe schließlich keine masochistische Ader. Dass ich kurz nach zwei zur Mittagspause verschwinde, könnte zwar auch einen kleinen Organisationsaufwand erfordern, aber das ist händelbar. Um 9 Uhr zu frühstücken, d.h. zu dem Zeitpunkt eine Mahlzeit einzunehmen, die diesen Namen auch verdient, dürfte die größte Herausforderung werden. Immerhin habe ich es in der letzten, noch richtlinienfreien Zeit geschafft, mich an eine Banane am Morgen zu gewöhnen. Aber die geht so einfach auch nicht mehr. Wenn ich mir die grundlegenden Vorschläge für diese Mahlzeit aber ansehe, ist es wohl eine lösbare Aufgabe, nur im morgendlichen Halbschlaf ist dann etwas mehr Arbeit vonnöten, um etwas nahrhaftes lecker hinzubekommen. Fertiggerichte (und das bezieht bspw. Joghurts mit Fruchtzubereitung mit ein) sind nämlich tabu.
Und, um den eventuellen Einwurf gleich zu entkräften, man kann die zeitliche Struktur ja auch rund um den Mittagszeitpunkt entwickeln: Ich frühstücke nicht um 6 Uhr! Siehe nächster Absatz.

Kommen wir zum Sonntag. Fassen wir die zeitliche Struktur mal als mathematisches Problem auf, so wird es durch die Einführung der „Sonntagsbedingung“ quasi unlösbar. Sie lautet: Um 12 gibt’s Mittag. Die wird natürlich nicht von mir allein aufgestellt. Da ich aber sonntags zusammen mit einem 80+x-jährigen Herrn zu Mittags speise, gibt es das gg. 12 Uhr. Ich könnte natürlich am Sonntag um 6:30 Uhr frühstücken. Dann gäbe es keinen Regelverstoß. Ich könnte aber auch meine Arme ausbreiten, mit ihnen flattern und fröhlich zwitschernd durch die Gegend fliegen. Das wäre auf jeden Fall wahrscheinlicher. Mit der 12-Uhr-Mahlzeit als Frühstück wird’s mit dem Abendbrot aber etwas spät (12 Uhr, 18 Uhr, 24 Uhr). Da muss vermutlich die Beratung nochmal ran.

Ähnlich sieht es am Sonnabend aus, auch wenn es keine so in Granit gemeiselte „Sonnabendsbedingung“ gibt. Aber da der Tag der einzig zur Verfügung stehende „Ausschlaftag“ ist, beginnt er im Allgemeinen auch nicht vor 11 Uhr (das Weckradio steht auf 11:04 Uhr, da dort eine Radiosendung beginnt, die ich mir gern anhöre). So gleicht die Struktur aber doch der am Sonntag mit allen Regelbrüchen. Da werde ich wohl das Angebot der E-Mail-Kommunikation zwischen den Terminen mit der Ernährungsberatung in Anspruch nehmen müssen.

Genug für heute. Vier der acht neuen Ernährungsregeln, an die ich mich zukünftig halten sollte, um gesund abzuspecken, haben wir hier erläutert. Sollte jemand noch Ideen zur Bewältigung der Herausforderungen haben, bin ich für konstruktive Tipps dankbar. Die noch fehlenden 4 Regeln befassen sich eher mit den Inhalten des Essens. Da sehe ich weniger Schwierigkeiten, wenngleich der Anteil selbst zubereiteter Speisen signifikant steigen werden muss. Das heißt übrigens nicht, dass ich bisher viele Fertiggerichte zu mir genommen habe, aber so eine Scheibe Brot mal schnell zu belegen ist einfacher (und bisher üblicher), und wird es in Zukunft eben nicht mehr so oft geben. Maximal einmal am Tag.

 

Ernährung philosophisch

Ernährung ist ein kompliziertes Ding und es scheint fast so, als ob es, was gutes Essen betrifft, keine einfachen Lösungen gibt. Das klingt nach einem philosophischen Ansatz, der hier benötigt wird. Grundsätzlich darf aber wohl gesagt werden, dass die klassische Diät, wie sie durch Zeitschriften u.ä. propagiert wird, bei der Gewichtsbeeinflussung zwar grundsätzlich was bringt, aber doch einen großen Nachteil hat: Die zeitliche Begrenzung. Sobald man wieder in den alten Ernährungsbrei zurück verfällt, sind die Kilos schneller drauf als sie vorher runter gehungert wurden, meist noch mit Zins und Zinseszins.

Soll heißen: Diäten bringen nichts, die Ernährung muss grundsätzlich umgestellt werden. Hinzu kommt der Ratschlag, sich etwas mehr zu bewegen. Dann sollte es schon klappen. Nur: Was darf man noch essen und was nicht. Die Empfehlungen sind in ihrer Zahl überwältigend, da aber jeder Mensch sein eigenes Verdauungssystem hat, sind allgemeine Ratschläge genauso sinnfrei wie schnell gemacht und falsch. DIE gesunde Ernährung gibt es nicht. Wirklich handfest nachgewiesen ist kaum eine „Weisheit“ der Ernährungswissenschaft. Selbst der bekannte Spruch: „An apple a day keeps the doctor away“ stimmt nicht für Leute, die das Wachs der Apfelschale nicht verstoffwechseln können und an einer Wachsleber sterben können.

Aber irgendeinen Ansatz für eine gute Ernährung muss es doch geben. Low Fat, Low Carb, Atkins, Brigitte, Trennkost, Light  u.v.a. sind nicht das Beste. Die Ernährungspyramide gibt es dann ja auch noch, ist aber genauso umstritten, vor allem, wenn man berücksichtigt, wer da alles dran mitgewirkt hat und wer da ggf. immer noch Einfluss drauf nehmen will. So ein bisschen habe ich mich schon eine ganze Weile mit dem Thema befasst, habe Argumente, die mir gefallen haben, zusammengetragen und letztendlich eine Ernährungsidee entwickelt, die dann doch einfach formuliert werden kann, die aber nicht ganz so einfach umzusetzen ist.

Die VLV-Methode versteht jeder, zumindest grundsätzlich, allerdings ist es doch recht überraschend, was alles so darunter fällt. Früher war ich ja her der Meinung, dass man nichts essen sollte, für das Werbung gemacht wird. Das ist aber zu ungenau, außerdem gibt es zu viele Arten von Werbung. VLV greift den Hintergedanken auf, konkretisiert ihn aber und heißt: „Verarbeitete Lebensmittel vermeiden“. Je verarbeiteter umso mehr sollte das Nahrungsmittel vermeiden. Und wenn verarbeitet, dann sollte man das selber machen und frisch.

Fangen wir mit der Positivliste an: Obst, Gemüse, Wasser, (Direkt-)Saft, Kartoffeln, Fleisch, Eier, Fisch, Honig, Naturreis (ungeschält), Öl, Salz, Kräuter, Milch, … und alles andere, was frisch ist (ggf. auch tiefgekühlt). Die Negativliste fängt natürlich mit Fertigmahlzeiten an, gefolgt von Tütensuppen, Wurst jeder Art, Schinken, wenn mehr dran ist als die Positivliste hergibt, Brot- und andere Backwaren, Sojaprodukte (außer Sojabohnen), Fruchtsaftgetränke, Nektare (die Zucker enthalten), Limonaden usw. Bei einigen Produkten bin ich mir noch nicht ganz sicher, wohin sie gehören. Konservierte Mitglieder der Positivliste bleiben nur dann auf dieser, wenn nichts hinzugefügt wurde, was nicht auch auf der Positivliste steht. Tiefkühlung geht also, Trocknung auch. Bei Fermentation und Reifung (schwarzer Tee, luftgetrockneter Schinken, Wein, Käse u.a.) bin ich mir noch nicht sicher.

Soweit der Ansatz. Ich fürchte nur, dass dieser Ansatz nicht großflächig durchzusetzen ist. Die Negativliste beinhaltet den Teil der „Nahrung“, mit dessen Hilfe die entsprechende Industrie ihre Gewinne generiert. An unveränderten Naturprodukten, wie sie hauptsächlich auf der positiven Seiten stehen, lässt sich nicht viel Geld verdienen. Aber jeder einzelne kann es mal probieren, wir können uns gern mit den Erfahrungen austauschen.

Ach ja: Selber verarbeiten geht natürlich. Aber auch hier gilt: Je weniger Verarbeitungsschritte, umso besser.