Abspecken mit Lieferdiensten

Da sie ja mittlerweile nicht mehr nur Pizza sondern auch allerlei andere Speise bringen, will ich den Begriff Pizza-Taxi oder Pizzaservice zum Lieferdienst verallgemeinern. Nur mal, um die Begrifflichkeit zu klären. Und wo wir beim Klären sind, kommen wir auch gleich zu den Rahmenbedingungen. Da ich zur Zeit ein wenig abspecken will, habe ich mich einer Ernährungsumstellung verschrieben, die bisher eher dazu geführt hat, dass ich mehr selber zubereite. Aber dafür hat man nicht immer Lust und Muße. Fertiggerichte scheiden aus verschiedensten Gründen auch fast komplett aus (sehr ungünstiges Nährstoffverhältnis spätestens auch unter den Vorgaben der Ernährungsberatung). Selbst in Restaurants wird es, wie wir letzten Sonntag gesehen haben, schwierig, etwas zu finden, was passt. Wobei es auch positivere Beispiele gibt.

Aber es gibt ja eben auch noch die Lieferdienste, die Speisen ins Haus bringen können. Wie sieht es denn da mit passenden Angeboten aus. Ich habe mir mal die Webseite eines Essenbringdienstvermittlers angesehen, die für meinen Wohnort 10 Lieferanten auflistet. Zwei weitere haben eigene Webseiten, die wurden auch berücksichtigt. Suchen wir also mal nach einem passenden Hauptgericht.

Dabei fällt auf, dass der Webseite des Essenbringdienstvermittlers eine ganz wichtige Funktion fehlt: die Sortierung nur nach Speisen ohne Berücksichtigung des Lieferanten. Wer nur Hunger und sich anregen lassen möchte, muss erst den Lieferanten auswählen und dann das Gericht. Das ist Blödsinn. Wenn ich ein bestimmtes Gericht suche, ist mir erstmal egal, wo ich es her bekomme, ich will nur wissen, ob es überhaupt verfügbar ist. Sollte es mehrere Anbieter geben, erst dann wird der Lieferant interessant. Aber so, wie es im Moment aufgebaut ist, muss man sich durch alle 10 Listen durcharbeiten und hat nach der dritten sowieso schon wieder vergessen, ob auf 1 oder 2 das Gericht schon mal auftauchte.

Werden wir inhaltlich. Unter Anwendung der aktuellen Ernährungsrichtlinie fallen beispielsweise Pizzen schon mal komplett aus. Die teigige Unterlage ist nicht aus Vollkornmehl gemacht und demzufolge zur Zeit zu meiden. Croques oder belegte Baguettes fallen aus dem gleichen Grund aus. In viel Sahne- oder Käsesoße ertränkte Gerichte fallen ebenso raus wie Burger (gleicher Grund wie bei Pizzen) und Pasta. Kartoffelaufläufe, selbst wenn sie mit Gemüse angereichert sind, fallen ebenfalls raus, der Kartoffelanteil ist einfach zu hoch. Insofern sollten die Beilagen Pommes, Kroketten u.ä. sollten abwählbar sein. Bratkartoffeln in kleiner Portion gehen, wenn sie nicht vor Fett triefen.

Die Aufgabe ist also, Haupt-Gerichte zu finden, die mindestens zur Hälfte aus Gemüse bestehen, einen merklichen Fleischanteil haben und evtl. eine kleine Kohlenhydratbeilage. Wer sich in den Karten auskennt, wird wissen: Das wird schwer.

Das erste, was so halbwegs ins Konzept passt, ist Döner bzw. besser Dürüm oder Türkische Pizza. Vor allem dann, wenn der Krautsalat den größten Anteil am Gericht hat. Ein pommesfreier Dönerteller geht natürlich auch. Oder auch die Dönervarianten mit Falafel. Gibt’s auch.

Das zweite Fundstück könnte ein Schnitzel Broccoli sein, wenn das nicht in Sahnesoße – wie üblich – ersäuft werden würde und der Gemüseanteil sehr hoch ist. Die Wahrscheinlichkeit ist gering. Außerdem sind da wegen der Panade zu viele Kohlenhydrate drin, auch wenn man die Pommesbeilage weglässt.

Jetzt könnte man meinen, der Gemüseauflauf („Gemüsemix“) wäre doch eine Idee. Nunja, ein wenig Eiweiß kommt ja durch den Überbackungskäse mit rein. Aber wirklich gutes Eiweiß ist das nicht. Und wertvolle Fette sind auch Fehlanzeige.

Scaloppina sind Schweinemedallions, da haben wir den Eiweißbestandteil eines Essens schon mal wunderbar abgebildet. Auch die gibt es mit Broccoli und Salat (die Pommes kann man hoffentlich abbestellen). Aber alles ersäuft in Sahnesoße aus dem großen Kanister. Dafür gibts an einer Stelle ein Scalopina Spaziale mit Buttergemüse. Pommes weglassen und alles ist gut.

Selbst das, was uns unter der Überschrift „Indische Spezialitäten“ verkauft wird, ist im wesentlichen ungeeignet. Die Gerichte mit Kichererbsen lassen das Fleisch zwar verzichtbar werden, aber sie sind mit Kartoffeln, ohne Gemüse und in Sauce ertränkt. Lamm Sabji scheint interessant zu sein, immerhin eins.

Lächeln muss ich immer, wenn ich das „Omelette Bauer“ finde. Was die Eiweiß-Versorgung betrifft, ist die Ei-Kartoffel-Kombination fast unschlagbar. Aber so ohne Gemüse … Achso: Manche sagen auch einfach Bauernfrühstück dazu.

Oben habe ich ja Pizza schon grundsätzlich ausgeschlossen. Das gilt natürlich auch für Pizzabrötchen. Wobei ein Lieferant auch eine Variante „Dinkel-Roggen“ anbietet. Das klingt passender, sagt aber quasi nichts aus. Wenn da Vollkorn stehen würde, wäre das eine relevante Information. Aber weder Dinkel noch Roggen müssen als Vollkorn verarbeitet werden. Aber dafür gibt es, ich wundere mich noch ein wenig, ein Gericht mit Vollkornpasta, Rindfleischstreifen und Blattspinat und Champignons. Und ein bisschen Gemüse kann man mit Aufpreis noch nachlegen. Top.

Ein Moussaka habe ich auch noch gefunden. Da sind zwar Kartoffeln drin, aber ich vermute mal, dass sie nicht die Mehrheit bilden. Auch Hackfleisch ist mit dabei und eine Tomatensoße. Das geht.

Um beim Auflauf zu bleiben. Es gibt auch einen Lieferdienst, bei dem man sich seinen Kartoffel- oder Nudelauflauf selber zusammenstellen kann. Vollkornnudeln gibt es nicht, also fällt das schon mal aus. Pimpe ich also einen Kartoffelauflauf richtig auf – wenn es geht. Blattspinat, Mais (mag ich nicht), Paprika, rote Zwiebeln, Tomaten … Ende Gelände … ähm … Ende Gemüse. Ei für’s Eiweiß geht auch. Immerhin. Aber das war nur der kleine Auflauf. Lässt man sich mästen und nimmt den großen, kommen noch Artischocken, Kidneybohnen und Lauch dazu. Wenn man dann noch die Menge der Kartoffeln halbieren könnte … Die Preisfindung wäre auch interessant.

Abschließend habe ich dann noch was gefunden, was vermutlich auch geht. Frei nach dem Motto: Wenn Dürüm geht, gehen auch Wraps. Dann hört’s aber auch schon wieder auf.

Is(s)t man man also streng und nach Vorschrift, ginge vermutlich gar nix, was die Lieferdienste so feilbieten. Bei einer nicht ganz so strengen Auslegung stehen Wraps, Dürüm, Moussaka, Pasta Grillhaus, Lamm Sabji oder Falafel-Döner zur Verfügung. Das ist recht übersichtlich. Nun sind meine Ernährungsvorgaben vielleicht doch etwas speziell, aber ein paar Kilo zu viel auf den Rippen – davon gibt es doch viele. Aber was man allgemein feststellen kann, und das gibt dann doch ernsthaft zu denken, wie wenig Gemüse in nennenswerten Mengen in der Lieferdienst-, aber auch in der normalen Gastronomie auf den Teller kommt. Und, was man so Saison-Küche nennt, gibt es bei Lieferdiensten hierorts gar nicht.

Essen ist (nicht) da!

Werbung weckt bei uns Bedürfnisse, die wir ohne Werbung gar nicht hätten. So weit – so bekannt. Nur muss man bei der Werbung auch immer aufpassen. Das dargestellte Welten und die Wirklichkeit manchmal wenig miteinander zu tun haben, ist ebenfalls eine banale Erkenntnis.

Trotzdem versuchen es Unternehmen immer wieder. Und manche wagen sich damit auf verdammt dünnes Eis. Immerhin: Wenn eine Firma für ihre Produkte wirbt und dabei Erwartungen weckt, die die Produkte dann nicht erfüllen, ist es Pech für die Firma. Und für die über den Tisch gezogenen Kunden. Aber wenn eine Firma für Produkte wirbt, die sie eigentlich nur vermittelt und dabei auf „Hersteller“ vor Ort baut, dann kann das gut gehen, aber muss es auch?

Wer kennt sie nicht, diese Anbieter von Vermittlungsdiensten, die lokale oder regionale Anbieter zusammenfassen und damit auf einer Webseite oder einer App verfügbar machen (gegen eine „kleine“ Vermittlungsgebühr)? Und damit diese Vermittlungsdienstleister auch genutzt werden, machen sie Werbung, müssen dabei aber auf die Produkte der Vor-Ort-Firmen zurückgreifen. Bzw. auf ein Bild von diesen, dass jenseits jeder Realität liegt, zumindest in der breiten Masse.

Das Angebot lokaler Pizza- und Essenslieferdienste kennt man meist auch ohne die Vermittlungsdienste. Das hier 98% aufgewärmtes Convenience (also vorgefertigtes Industrieessen) serviert wird, ist ein offenes Geheimnis. Niedrigstes Speisenniveau mit übersichtlicher Auswahl (Ausnahmen bestätigen die Regel). Das man es durch Lieferando bestellen kann, macht es nicht besser. Und dabei findet man – bezogen auf die Heimatstadt dieses Blogs – nur einen Bruchteil verfügbarer Lieferdienste.

Die anderen Sammelanbieter sind da nicht wirklich besser, aber die Lieferando-Werbung geht mir – bei aller Witzigkeit, die aber nur beim ersten mal sehen witzig ist – heftigst auf den Geist, vor allem eben durch den Widerspruch zwischen dem geweckten Anspruch an die Qualität der gelieferten Produkte und der hiesigen Realität.

Oder war es die Lieferheld-Werbung? Man kommt ja völlig durcheinander. Letztendlich gilt dabei aber das gleiche. Auch bei Pizza.de, nur dass die weniger Werbung machen. Da wünscht man sich irgendwann was anderes: Wie wäre es mit einem Spontanlieferdienst, der einem (portionsgerecht) frische(!) Zutaten liefert, dass man sich sein Essen selber kochen kann?! Das wäre doch mal eine Idee. Okay, gibt es hier am Ort, wenn auch nicht als Spontanlieferdienst; aber mit ein bisschen Planung kann man den hiesigen Bioladen bzw. einen seiner Partner zu einer Anlieferung verführen.

P.S.: Die Bilder sind übrigens fast völlig zusammenhanglos im Text. Ich hatte sie noch übrig. In einer Pfanne wurde Biomischhack in Anwesenheit von etwas Knoblauch angebraten und dann mit gewürfelter gelber Paprika und den Stielen von Pak Choi vermischt, etwas weiter gebraten und dann mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt. Zum Schluss kamen die Pak-Choi-Blätter dazu, alles nochmal durchschwenken und lecker. Übrigens: Die Bilder werden in der falschen Reihenfolge gezeigt. ;-)

1. Platz ohne Bedeutung

Lieferserviceportale schossen ja mal wie Pilze aus dem Boden, mittlerweile hat sich der Markt wohl schon ein wenig bereinigt. Aber es scheint doch immer noch mehrere zu geben, so dass ein bekannter Nachrichtensender einen Vergleichstest machen konnte. Vom Testsieger habe ich unlängst eine E-Mail bekommen:

Lieferando.de belegt den 1. Platz beim großen Test der Lieferservice-Portale vom Deutschen Institut für Service-Qualität im Auftrag von n-tv.

Wir überzeugten in allen untersuchten Bereichen als Einzige mit der Note „sehr gut“ und setzten uns damit als Testsieger gegen neun Konkurrenten durch.

Der Test ist eigentlich genauso sinnfrei wie die Portale selber (großstädtisches Umfeld vielleicht mal außen vor gelassen). Warum?

  1. Die Portale leben auf Kosten der Lieferservice, die müssen Prozente abdrücken für wenig Gegenleistung.
  2. Kein Portal hat wirklich alle Anbieter, das heißt, die Suche über mehrere Apps oder Webseiten geht trotzdem weiter.
  3. Kein Portal hat irgendwas mit dem Essen selber zu tun, dessen Qualität das einzige Kriterium sein sollte, weil es das einzige ist, was mit dem Menschen wirklich in Berührung kommt.
  4. Kein Portal hat Einfluss, auf die Gerichte, auf die Auslieferer, auf den damit verbundenen Service. Nichts.
  5. Lustig sind Portale, die auf Restaurants u.ä. verweisen, die es z.T. seit Jahrzehnten nicht mehr gibt (Pizza-Taxi.de hat sowas im Angebot, selbst das Gebäude ist vor Ewigkeiten abgerissen und durch eine Versicherungsagentur ersetzt worden. Oder wie wäre es mal mit einem Besuch in der Broiler-Bar?).
  6. Spaßig wird es, wenn der Auslieferer den Besteller bittet, das nächste mal doch bitte telefonisch zu bestellen und nicht per Internet …

Die Auswahl in Neubrandenburg ist sowieso eher übersichtlich, aber wenn ich mir die beim o.g. Testsieger ansehe, gibt es 5 Lieferservice. Angeblich. Die Recherche in meiner Menü-Karten-Ablage unter meinem Wohnzimmertisch ergab 15 unterschiedliche Anbieter, wobei ich bei zweien ihre mittlerweile Nichtexistenz unterstelle und mind. eine Umbenennung (und ggf. Einstellung des Lieferservice) vermute. Und einer der im Internet angegebene ist dafür nicht mit dabei.

Also: Die Auswahl umfasst höchstens die Hälfte der möglichen, gerade auch die (regionalen) Big-Player sind nicht dabei. Und sowas nennt sich Testsieger. Im Abzocken? Man muss sich also nur die passenden, wenn auch unwichtigen Kriterien für einen Test zusammensuchen, um sich feiern zu können.

Greifen wir doch mal ein Beispiel heraus. Einer der im Portal ausgewiesenen Lieferservice hat einen Mindestbestellwert von 8,- €. Dafür bekommt man zum Beispiel eine 30 cm Pizza mit Mozzarella oder eine Calzone Hawaii oder ein Zigeunerschnitzel mit Sättigungsbeilage. 19% MwSt., 15% Vermittlungsgebühr abgezogen, bleiben 5,28 €, Der Koch bekommt Geld, der Fahrer bekommt Geld, das Auto kostet Geld, die Hütte um den Koch herum kostet Geld und die Zutaten wollen auch noch bezahlt werden. Ich frage mich schon immer, wie sich das rechnet ohne Selbstausbeutung und billigste, minderwertige Zutaten.