Wie sagt‘ schon einst der Dichterfürscht,
pass uff, daste recht zitieret wirscht.
De Nerd am Herd simuliert doch nur,
die Kenntnis literarischer Hochkultur.
Tätäää, badumm tsssss.
Es sind zwei Seelen – ach – in meiner Brust … Soweit das Dichterfürstzitat und der kleine Ausflug ins Närrische. Die beiden Seelen haben auch Namen: Gewissen und Ego. Bei „Gewissen“ bin ich noch nicht ganz sicher, ob es das richtige Wort ist. Aber von Anfang an, zumindest den Anfang meiner Wahrnehmung. Da gibts doch auch ein Zitat, sinngemäß: Hinter jedem erfolgreichen Beuteltier steht ein Mann. Oder so ähnlich. Und irgendwie war es zwischen den Jahren und recht viele C’s spielten auch eine Rolle. Und Wortspiele. Und D’s. Und fruchtbarer Boden, auf den alles fiel. Und eine Bewegung, die sich neudeutsch DI.DAY nennt und die auch – da es die Top-Level-Domain .day gibt – unter di.day in diesem Internet erreichbar ist. Richtigdeutsch, aber die Bezeichnung hat sich nicht so richtig durchgesetzt, heißt das Ding wohl DUT – Digitaler Unabhängigkeitstag. Infos darüber auf der verlinkten Seite.
Aber zurück zu den Seelen. Nachdem ich mich in der heimischen Büroecke bereits seit einigen Monaten im wesentlichen linuxifiziert habe, kommt jetzt das Online-Leben dran. Das will aber mit ein wenig gedanklichem und organisatorischem Vorlauf passieren. Nun bin ich ja auch auf den textorientierten Sozialen Medien unterwegs (nicht unbedingt mit Herdcontent), da kann man ja mal „ausmisten“. So schrieb ich schon mal in das eine Profil den Gedanken, dass ich bei einem der nächsten DI.DAYs dort verschwinde. Vage genug, um nicht hektisch zu werden; konkret genug, um den Zusammenhang zu erläutern. Am Samstag hatte ich dann eine schöne (aus meiner Sicht) Post-Idee, die ich dann auch auf Mastodon, Bluesky und Threads ventilierte. Nun sind normalerweile die Reaktionen auf meine Posts nur mit sehr empfindlichen Messmethoden überhaupt wahrzunehmen. Im konkreten Fall – eine Mischung aus Technik und temporärer Blödheit – überraschte mich die Zahl der Like-Herzchen und Antworten doch ein wenig. Wie sich Lesende dieser Zeilen vermutlich schon denken können: Ausgerechnet auf dem SoMe, wo steht, dass ich es demnächst zu verlassen gedenke, gab es am meisten Reaktionen. Sowas schmeichelt natürlich dem Ego, aber das Gewissen stemmt sich noch dagegen. Schauen wir mal, wer gewinnt. Bis zum nächsten DUT ist ja noch ein halber Monat, der übernächste ist in anderthalb Monaten … Immer am ersten Sonntag im Monat.
Sonntagmittag
Der Verpackung zufolge hätte ich zum Mittag Football gucken müssen, es war aber „Die schönsten Bahnstrecken der Welt“. Irgendwas mit Alaska. Wobei ich die Beilagenkombination aus Sydney geklaut habe, aber auch nicht so richtig. Irgendwo bin ich die letzten Tage auf eine alte Reise-Ess-Reportage von Anthony Bourdaine gestoßen, wo er sich in Australien bewegte und unter anderem einen Meat Pie mit einem Schlag Kartoffelbrei, Erbspüree und Bratensoße oben drauf genussvoll verzehrte. Das wäre mir jetzt doch ein wenig zu feist, außerdem kommt man ja nicht so schnell mal zwischendurch nach Sydney.
Rund um den vererbsten Kartoffelbrei liegen Hühnchenteile und sogenannte Zwiebelringe, die ich unter dem Namen „Football-Box“ einer Tiefkühltruhe eines Lebensmittelhändlers entnahm. Die Zubereitung gelang mithilfe des Packungsaufdrucks recht gut, allein die Qualität … Naja.
Beim Kartoffelbrei nähere ich mich in gewissen Sinne immer mehr Paul Bocuse an. Natürlich hat er zur Garung der Erdäpfel keine Mikrowelle benutzt, aber ein wenig Muskat wird er auch benutzt haben. Und Butter. Der Anekdote nach soll es der große französische Koch mit einem Butter-Kartoffel-Verhältnis von 1:1 zubereitet haben. Soooo weit bin ich noch nicht. Aber andererseits ist hier zur Breizubereitung nur Butter und keine weitere Flüssigkeit drin. Die Erbsen wurden erwärmt und untergerührt, alles dann noch mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt und per Deko-Ring angerichtet.
Die teigfreien Hähnchenteile gingen, von irgendeiner Würze war wenig zu spüren. Die teigummantelten Flügelteile hatten dadurch wenigsten etwas Würze, wobei der Teil wesentliche Teile der Masse und des Volumens einnahm. Knuspriges Brot mit Huhn. Die Zwiebelringe waren natürlich Zwiebelmatschringe, also ein süßes Zwiebelmus im Teigring vorfrittiert. Alles drei Produkte, die da in einem Karton vereinigt wurden, die es vermutlich jeweils einzeln in besserer Qualität zu kaufen gibt (wobei mir die teigigen Hähnchenflügel noch nicht aufgefallen sind). In ohneteig habe ich da noch welche im Tiefkühler zu liegen, die ich auch mal fertig erwarb, die bedeutend besser sind. Leider weiß ich nicht mehr, wo die her sind. Vermutlich war es sowieso Aktionsware, die zu gut für’s Sortiment des Discounters sind.
