Aus zwei macht keins

Man kann natürlich auch zwei Getränke miteinander kombinieren und es kommt etwas neues, feines, leckeres dabei heraus. Es gibt in der Tontechnik aber auch sogenannte Phasendreher, was bedeutet, dass sich – meist durch einen Fehler – bei einem Stereosignal die beiden Kanäle gegenseitig fast auslöschen. Dieser Vergleich ging mir durch den Kopf, als ich eine Mate-Cola aus einer bekannten Preiswertbrauerei probierte.

Der Zutaten-Check: Wasser, Zucker, Kohlensäure führen die Liste an. Mit Glukose-Fruktose-Sirup folgt dann eine Zutat, die unabhängig vom sonstigen Testergebnis einen erneuten Kauf ausschließt. Mit E 150d als Farbe, Phosphorsäure als Säuerungsmittel und natürlichem Aroma folgen alte Bekannte. Mate-Extrakt, Koffein, Kaffee-Extrakt und Tee-Extrakt machen die Aufzählung komplett.

Der Brennwert liegt mit 41 kcal/100 ml im für diese Getränke normalen Bereich. Gar nicht normal ist allerdings der Geschmack, der weder sinnvoll nach Mate noch nach Cola schmeckt. Da habe ich schon anderes getrunken. Andererseits passt es damit wunderbar ins Image der herstellenden Brauerei, von deren Bieren ein ähnliches Klischee zu herrschen scheint. So könnte man vom Corporate (Geschmacks-)Design reden. Allerdings verstehe ich bekannterweise von Bier gar nichts …

Den Senf dazu gegeben

Es geht doch nichts über Designs, die den Betrachter vor weitere Rätsel stellen. Auf einer Einkaufstour und mit meiner kleinen Colatestreihe im Hinterkopf finde ich eine kleine Dose, auf der relativ eindeutig die Worte “Cola” und “Premium Quality” stehen. Schnell wurde klar, dass das nicht die vielgerühmte Premium-Cola war, immerhin befand sich auch noch ein Wort vor der “Cola”, dass aber dank des Designs nicht eindeutig identifizierbar ist. Es könnte das englische “nature” sein oder das eher deutsche “naturell”.

Der Vorteil von Dosenware ist, dass sie anders schmeckt als PET-Flaschen-Ware. Ein weiterer Pluspunkt der Dose liegt in ihrer Undurchsichtigkeit. So fällt erst beim Umfüllen in ein Glas auf, dass das Getränk einen eher “dünnen” Eindruck macht. Das könnte u.a. daran liegen, dass lt. Zutatenliste der klassische Colafarbstoff E150d nicht enthalten ist. Wasser, Zucker und Kohlensäure sind aber als übliche Verdächtige mit dabei. Karamellzuckersirup, Zitronensaftkonzentrat, Koffein und natürliche Aromen (enthält Senfsamenöl) beschließen die Aufzählung der Ingredienzien.

Es kommt, wie es kommen musste: Obwohl die die Limonade nicht als solches gekennzeichnet ist, prägt sie doch ein deutlicher Citrusgeschmack. Das kann man mögen, gehört aber so deutlich nicht in eine “normale” Cola, und sei sie auch noch so Premium. Andere werben ja sogar noch mit dem Citrus-Kick auf der Flasche. Zum Vorteil gereicht dem Getränk, dass es mit 37,3 kcal/100 ml den bisher geringsten Energiegehalt hat. Dafür gibt es einen extra Kick Koffein, ist der Wert im Vergleich zum Durchschnitt doch erhöht (32 mg/100 ml). Nun ja, der österreichische Hersteller stellt auch Energy-Drinks her, da kann schon mal was abfärben. ;-)

Süßer Ossi

Es gibt sie wohl schon seit 1958, die Grundstoffe kommen nach wie vor aus Miltitz, mittlerweile einem Stadtteil von Leipzig. Abgefüllt wird sie in Schmalkalden. Dabei ist die heute zu besprechende Cola eher ein neuzeitliches Produkt. Verwirrung komplett? Na, dann wollen wir mal auflösen.

Das namensgebende Original gibt es seit 1958 und wurde in der DDR entwickelt. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von parallelen Produkten aus dem gleichen Hause. Die Ursprungscola kann ich ja irgendwann mal auseinander nehmen, wenn ich bei den zusätzlich aromatisierten Koffeingetränken angekommen bin, hat sie doch ein ausgesprochenes Zitrusaroma. Aber es gibt sie mittlerweile auch ohne: Vita Cola Pur.

Die etikettierte Zusammensetzung entspricht den anderen üblichen Verdächtigen: natürliches Mineralwasser, Zucker, Kohlensäure, E150d, Phosphor- und Citronensäure, Koffein und natürliche Aromen. Entsprechend ist der für eine Cola typische Geschmack. Aber diese Cola hebt sich aus der breiten Masse doch etwas heraus: Es ist die süßeste der bisher getesteten Vertreter, was sich auch aus dem bisher höchsten Kaloriengehalt (46 kcal/100 ml – üblich sind 42 kcal/100 ml) ablesen lässt.

Wer also ein wenig auf seine Energiezufuhr achten will oder sollte, dem gilt hier eine kleine Vorsicht. Wobei die große Vorsicht ganz grundsätzlich gilt, aber das dürfte ja klar sein und für alle Colagetränke gelten. Zuckerfreie Sorten werde ich übrigens nicht besprechen. Die sind doch einfach nur eklig.

Zwei in einem – Sehr ähnlich und doch anders

Augenscheinlich habe ich mich ein wenig in eine kleine Reihe hineingesteigert, aus der es wohl keinen echten Ausweg gibt. Also muss ich den Weg weiter gehen bis an sein noch nicht abzusehendes Ende. Aber, nicht nur, um mal etwas Abwechslung ins Spiel zu bringen, gibt es heute einen Cola-Doppeltest.

Die Gemeinsamkeiten

Beide Marken hatten mal ein besonderes Image. Das ist aber schon eine ganz schöne Weile her. Mittlerweile nimmt man sie nur noch als zwei unter vielen wahr, das Niveau der Handelsmarken der Discounter haben sie aber noch nicht. Ansonsten sind eine Reihe weiterer Parallelen zu sehen, zum Beispiel die Zutatenliste: natürliches Mineralwasser, Zucker, Kohlensäure, Farbstoff E150d, Säuerungsmittel Phosphorsäure, Aroma Koffein und natürliches Aroma finden sich auf beiden Etiketten.

Die Unterschiede

Während die eine noch mit etwas Zitronensäure mitsäuert, hat die andere Ascorbinsäure (=Vitamin C) mit im Wasser. Im Supermarkt kommt die eine im echten Mehrweg-PET daher, während die andere Einwegpfandflascheumwandet ist. Auch die Geschmäcker sind unterschiedlich. Während aus dem Hause Sinalco eine handwerklich dem Standard entsprechende Cola kommt, die durchaus munden kann, hängt die Afri-Cola ihrem Image hoffnungslos hinterher. Auch hier wird aber auf guten Niveau produziert, die aromatische Verfremdung könnte vom höheren Koffeingehalt kommen, aber auch einer anderen Zusammenstellung der bei den “natürlichen Aromen” subsumierten Zutaten geschuldet sein.

Alles in allem kann man zusammenfassen: Man kann beide trinken und es sind Colas.

Der, die, das

Deutsch ist eine doch recht weitläufig benutzte Sprache. Je nach Definition und Zählung gibt es wohl weltweit knapp 100 Millionen Muttersprachler, die des deutschen mächtig sind. In sechs europäischen Ländern und in Südtirol ist es Amtssprache, genau wie es eine der Amtssprachen der EU ist. In weiteren Ländern ist es National- oder sonst auch anders bezeichnete offizielle Sprache. Bei dieser Verbreitung kann es gern mal regional unterschiedlich ausgebildete Wortformen und Grammatiken geben.

Nehmen wir zum Beispiel mal das österreichische und das deutsche Deutsch. Werden zum Beispiel Melanzani, Kiawas und Paradeiser, ggf. noch mit ein paar Paprika, verkocht, weiß der Österreicher, es gibt sowas ähnliches wie Ratatouille. Der Deutsche guckt erstmal “Hä?” und lässt sich aufklären, dass da (in der gleichen Reihenfolge des Auftretens) Auberginen, Zucchini und Tomaten verwandt wurden. Aber auch nur das Geschlecht eines Wortes ist regional unterschiedlich üblich. Der Laptop oder das Laptop, der Blog oder das Blog, die Cola oder das Cola?

Womit wir endlich beim Thema wären. Eine bekannte österreichische Getränkefirma, die in ihren Werbespots auffällig “das Cola” betont (was übrigens durchaus richtig ist, vor allem in südlichen Gefilden des deutschen Sprachraums), hat demzufolge auch eine entsprechende koffeinhaltige Limonade herausgebracht. Irgendwie scheint es gerade Mode zu sein, den etablierten Limo-Herstellern etwas entgegensetzen zu wollen. Positiv zu vermerken bei diesem Getränk ist u.a. die Nichtverwendung von Phosphorsäure, die sonst in Cola durchaus als üblich zu bezeichnen ist.

Der Hersteller dieses bestierten Getränks versucht, Cola als natürliches Getränk hinzustellen. Neben der üblichen Dreieinigkeit Wasser, Zucker, Kohlensäure sowie als färbender Zusatz Karamellzuckersirup kommt noch Geschmack in Form von Pflanzenextrakten dazu. Galgant, Vanille, Senfsamen, Koffein aus Kaffeebohnen, Limette, Kolanuss, Kakao, Süßholz, Zimt, Zitrone, Ingwer, Cocablatt, Orange, Ackerminze, Pinie, Kardamom, Muskatblüte, Nelke und Zitronensaftkonzentrat sind diesmal die Bestandteile, mit denen Colageschmack simuliert werden soll. Interessant sind ggf. die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten zum Mitbewerber.

Die gute Mitteilung zuerst: Die Senfnote ist so dezent, dass man sie eigentlich nicht mitbekommt. Weitaus mehr machen sich die Zitrusfrüchte bemerkbar, und das sogar in mehrfacher Hinsicht. Zum einen wirkt das Getränk im Glas leicht gelblich-orange verfärbt, andererseits schmeckt es auch eher wie eine Mischung aus Cola, Cola-Orange-Mix und Zitrus-Cola. In der Nase bleibt dabei noch ein wenig Vanille-Cola hängen. Letztendlich gibt es zwar DEN Cola-Geschmack sowieso nicht, aber die Red Bull Cola kann man durchaus trinken, wenn man Wert auf die Zitronenscheibe im Glas legt und unbedingt viel Geld für ein Image ausgeben möchte. Zu viel sollte man aber auch davon nicht trinken. Auch, wenn das Cola ca. 10% weniger Energie enthält als vergleichbare Getränke, ist es immer noch recht viel.