Reifen und Essen

So ein Auto ist ein komplexes Ding. Und damit es alle Erwartungen erfüllt, müssen viele Teile gut zusammenspielen. Damit meine ich nicht nur die Technik. Aber auch. Der Motor liefert die Leistung, der Fahrer bestimmt die Energiezufuhr und mit Gangschaltung und Lenkrad auch die Richtung von Kraft und Fahrzeug. Letztendlich sind es dann die Reifen, die die Kraft auf die Straße bringen und das Auto vorantreiben. Aber sie sind es nicht allein, die das optimale Ergebnis erbringen. Motor vor und Mensch hinter dem Lenkrad gehören auch dazu. Und das Getriebe dazwischen. Und der Sprit im Tank, nicht zu vergessen.
Im Restaurant sieht es nicht anders aus. Küche und Service arbeiten Hand in Hand, hochwertige Produkte werden verarbeitet und der Gast freut sich an dem, was da auf Teller oder Schieferbrett, in Schüssel und Tasse zu ihm kommt. Ganz zum Anfang baut sich aber – das ist beim Autokauf ähnlich wie beim Restaurantessen – eine Erwartung auf. Im Prospekt, im Restaurant gern Speisekarte genannt, liest sich alles sehr schön; aber ob dann die Leistung auf die Straße bzw. auf den Teller kommt, zeigt sich erst nach Abschluss des Kaufvertrages.
Qualität hat ihren Preis – das ist unwidersprochen. Wobei nicht alles, was teuer auch gut ist. Was ein Restaurant betrifft, so bezahlt man am Ende nicht nur, was man auf dem Teller hatte, sondern auch den Ort, das Ambiente, den Ruf und die Lage. Trotzdem muss das Verhältnis zwischen dem eigentlichen Produkt des Hauses und dem Listenpreis noch in einem guten Verhältnis stehen. Sonst kommen wir irgendwann in die von Sebastian Pufpaff (Programm „Auf Anfang“) so schön beschriebene Situation, dass der Koch einem einen leeren Teller hinstellt und meint, er habe dafür eine halbe Stunde an ein hervorragendes Gericht gedacht. Und dafür wird dann noch ordentlich Geld bezahlt.
Doch genug philosophiert. So finde ich den Einstieg offensichtlich nicht. Vermutlich bin ich noch etwas hin und her gerissen vom Besuch des Restaurants. Immerhin, es war das erste Haus am Platze. Zumindest kann man auf den Gedanken kommen, wirft man alle augenscheinlichen Argumente in die Waagschale. Lage, Ambiente, Preisstufe, Gerichte. Schaut man auf der Facebookseite nach (habe eine kleine Stichprobe gemacht), liest man auch nur begeisterte Kommentare. Kollege Volksmund ist da durchaus differenzierterer Meinung. Es muss wohl schon ein paar Enttäuschungen gegeben haben. Wo die genau lagen, ist aber nicht bekannt, aber so ist das nunmal in der Gerüchteecke.
Bleibt also der eigenständige Test. Gegenüber den Mit-Essern war ich diesmal im Vorteil, da ich das Restaurant schon mal besucht hatte; die anderen waren etwas von den Eindrücken anderer geleitet. So ging ich mit den positivsten Erwartungen hinein und wurde nicht enttäuscht. Es ging beinahe zu perfekt zu, nicht einmal ein kleiner Lapsus, der beim ersten Besuch passierte, wiederholte sich, was ich schade fand; ich fand es zu süß, wie seinerzeit die halbe Servicemannschaft auf der Suche nach DEM Fischmesser war. Damals wie jetzt hatte ich Fisch bestellt. Wobei die Frage gestellt werden darf, ob das Fischmesser auch die beste Ausstattung für den Gast ist, wenn für Beilagen zum Fisch ein richtiges Messer angesagt wäre. Aber ich jammere schon wieder auf hohem Niveau.
Das hat übrigens einen guten Grund. Alles in allem haben wir nämlich sehr gut gegessen, in Schulnoten wäre es eine 1. Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts waren lecker, die Karte eher übersichtlich, was aber für eine frische Zubereitung der Speisen spricht. Der Blick in die offene Küche war durchaus aufschlussreich; teilweise konnte man der Zubereitung der eigenen Speisen zuschauen, was der Lust am Essen durchaus förderlich war. Der Service bewältigte alle Aufgaben zur besten Zufriedenheit, man fühlte sich wohl. Nur ein Rätsel blieb ungelöst. Was war wohl in dem blitzblank blitzenden 10-L-Zinkeimer, der mehrfach durch den Gastraum getragen wurde? Da fehlt der Küche wohl eine Hintertür …
Einzelheiten über die Gerichte erspare ich mir. Meine beiden Erfahrungen mit dem Restaurant zeigen, dass hier öfter mal an der Karte geschraubt wird. Lest ihr diesen Text also später, ist das, was wir gegessen haben, vielleicht gar nicht mehr dabei. Als Extrakt bleibt, dass ambitioniert, aber nicht abgehoben gekocht wird. Bei aller Güte ist aber immer noch Luft nach oben. Und ein Fauxpas ist bei dem kleinen Minus an der Eins auch mit dabei. Aber man steckt im Fleisch auch nicht drin und manchmal merkt eben erst der Gast, wenn das Kalbsfilet nicht zart und saftig ist. Worauf das wohl zu lange oder zu warm gewartet hat? Schade nur, wenn das gerade beim teuersten Gericht der Karte passiert. Ich hoffe, ein Einzelfall.
Wer völlig vollgefressen aus einer Gaststätte rollen möchte, der ist hier falsch. Wer in angenehmer Atmosphäre, wohl umsorgt vom Servicepersonal, in vernünftiger Portionsgröße lecker speisen möchte, dem sei das Restaurant „Chamäleon“ am Neubrandenburger Marktplatz sehr empfohlen. Es ist noch relativ neu in der Stadt. Wie ein Auto muss auch ein solcher Betrieb erst „eingefahren“ werden, damit die Prospektwerte (s.o.) auch immer auf den Teller kommen.

Suppe aus der Pfanne

So ein schönes Süppchen ist doch immer mal was feines. In Anlehnung an das Jägerschnitzel (West) habe ich mich mal mit einer zugegeben sehr einfachen Jägersuppe probiert. Ohne Schnitzel, aber mit Wild. Im Gegensatz zum Jägerschnitzel (Ost), was ja bekannterweise eine panierte und gebratene Scheibe Jagdwurst an Tomatensoße ist, ist das Jägerschnitzel (West) ein Schnitzel mit Jägersoße. Wesentlicher Bestandteil sind Pilze.
Die braunen Champignons sahen einfach zu köstlich aus. Die habe ich geputzt, geviertelt und in einer nicht zu heißen Pfanne mit Butter (und einem Schuss Öl) sowie in Anwesenheit von Salz, Pfeffer, Knoblauch und Schalottenwürfeln/-scheiben angebraten.
Champignonviertel in der Pfanne
Sie können ruhig etwas zusammen gehen und anbraten. Andere großartige Geschmacksgeber braucht es nämlich nicht.
Kartoffel, Pfanne, Reibe
Auf der Parmesanreibe liegt hier eine rohe junge Kartoffel. Damit das eine sinnvolle Kombination wird, habe ich die Kartoffel in die Pfanne gerieben.
Geriebene Kartoffel zum Binden
Geriebene rohe Kartoffel ist ein hervorragender Soßenbinder, allerdings ist in der Pfanne noch sehr wenig Soße. Das gleichen wir aber zügig dadurch aus, dass ein guter Schuss Brühe mit hinein kommt.
Brühe wurde dazu gegeben.
Nun wird alles gut durchgerührt. Und gerührt. Und zum Kochen gebracht. Und gerührt. Stellt sich dabei heraus, dass die Suppe doch etwas fest wird, kann gern noch mit Brühe nachgeholfen werden.
Die Suppe ist fertig
Und schon hat man eine leckere Pilzsuppe (weil: das geht auch mit anderen Pilzen). Ist sie noch nicht ganz so lecker, hilft sicher abschmecken und nachwürzen. Die Kartoffel nimmt doch etwas Salz weg. Vermutlich könnte man auch noch einen Schuss Sahne an die Suppe machen. Oder man macht sich eine Sättigungsbeilage dazu und nimmt die Suppe als Soße.
2 Suppentassen mit Pilzsuppe und Hirschknackerscheiben
Als Garnitur dienen ein paar Scheiben aus einer Hirschknacker, die ich vor etwa 2 Wochen zum Trocknen aufgehängt hatte. Das kann man übrigens sehr empfehlen. Einige Wurstsorten gewinnen durch das freie Rumhängen im Raum doch einiges.
Pilzsuppe mit Hirschknacker
Wenn ich nur frische Hirschknacker gehabt hätte, hätte ich die Scheiben vermutlich früher mit in die Suppe gegeben. Aber bei der getrockneten Varianten passte das als Garnitur besser.
Gute Sachen können so einfach sein. Guten Appetit.

Mal ein Nudel-Einpfann

In verschiedensten Kochblogs geistert immer mal wieder die Idee herum, dass man Nudeln vor der Verwendung zum Beispiel für ein leckeres Pastagericht oder eine Nudelpfanne nicht unbedingt vorkochen muss. Wichtig ist nur, dass das Rezept und der Garweg es zulassen, dass die Teigware trotzdem richtig gart. Also sollte die Kochzeit ab der Hineingabe der Pasta noch etwa ihrer Garzeit entsprechen und es sollte nicht zu trocken in Topf oder Pfanne sein.
Fangen wir also mal einfach an.
Speck und Möhre in Pfanne
Zuerst habe ich etwas Speck in der Pfanne ausgelassen und in dem austretenden Fett die Möhrenschnitze sanft angebraten. Wer möchte, kann auch gern Joulienne schneiden. Wichtig ist nur, dass die Stifte nicht zu lang sind (wie ich am Ende feststellte), es wird ein Löffelgericht, und so sollten sich die Gemüseteile auch auf einem Löffel halten.
Zuckerschoten dazu
Auch die Zuckerschoten habe ich in löffelfähige Größen zerteilt. Wobei mal ganz grundsätzlich zu erwähnen wäre, dass die Auswahl der Gemüse eher zufällig oder genauer gesagt nach Kühlschrankinhalt erfolgte. Der Varianz ist also keine Grenze gesetzt, aber die Gemüse, die am langsamsten Garen (hier die Möhren) kommen als erstes in die Pfanne (und/oder werden am kleinsten geschnitten).
ein geviertelter Chicorée kommt dazu
Den Chicorée habe ich geviertelt und auch leicht mit angebraten. Im Nachhinein wäre eine zusätzliche Halbierung der Länge nach durchaus sinnvoll gewesen. Löffelfähig eben.
Nudeln dazu
Ja genau, das sind trockene Spirellis. Die müssen nicht angebraten oder vergleichbares werden, also kommt auch gleich noch ein schöner Schuss Brühe dazu.
Mit Brühe ablöschen
Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Ein bisschen verkocht noch, ein bisschen wird durch die Nudeln aufgenommen. Und ein bisschen soll auch noch in der Pfanne bleiben.
Danach wird alles nochmal gut durchgeschwenkt und dann bedeckelt.
Deckel drauf
Die Nudeln brauchen etwa 8 Minuten; ab und an macht es sich ganz gut, alles durchzuschwenken oder schnell mal durchzurühren. Wichtig ist nur, dass der Deckel drauf bleibt, damit die heraus schauenden Spirellis im Dampf garen. Sozusagen.
Fast fertig
Wenn die Pasta den nötigen Gargrad erreicht hat, ist das Essen auch schon fertig. Je nach persönlichem Vorlieben wird noch abgeschmeckt und die Flüssigkeit evtl. etwas gebunden. Ich habe mich für eine Parmesangabe entschieden.
Parmesan drüber
Das ganze kann man natürlich direkt aus der Pfanne essen, oder man füllt es noch in einen Suppenteller um. Dann kommt der Parmesan natürlich erst drüber, wenn das Essen auf dem Teller ist. Oder es kommt dann nochmal Parmesan drüber. 😉

Ente auf vier Uhr

Mal sehen, ob ihr drauf kommt, warum ich diese Überschrift gewählt habe. Ok, „Ente“ klärt sich schnell. 😉 Steigen wir also ein in eine neue Episode des Kochens und fragen uns, warum Induktionsplatten die Möglichkeit bieten, neben einer Kochstufe/-leistung auch eine Temperatur einzugeben. Normale Ceranfelder können das nicht. (Oder doch?) Wie sollte auch der Wert einfach nur so aus dem Herd heraus gemessen werden?
Seinerzeit beim EiTV-Dreh mit der Entenbrust lagen diese – zwei an der Zahl – ziemlich lange in der Pfanne. Das haben die Dreharbeiten so an sich. Damit sie nicht übergaren, hatte ich die Hitze ganz weit nach unten gedreht. 45 Minuten lagen die Brüste in der Pfanne, letztendlich frittiert im eigenen Fett. Und sie waren sooo super gegart, so zart und so rosa, das hatte ich vorher nicht hinbekommen. Daran kann man sich orientieren.
Diesmal war nur eine Entenbrust mit dabei. Irgendwo im Fernsehen hatte ich mal gesehen, dass irgendwer Pommes in Enten- (oder war es Gänse-) Fett frittiert. Also stellte ich die Pfanne auf die Platte, legte die Entenbrust mit der eingeschnittenen Hautseite nach unten in die Pfanne und würfelte ein paar neue Kartoffeln, die ich dann mit in die Pfanne gab, als das Fett sich gebildet hatte.
Entenbrust und Kartoffelwürfel in Pfanne
Stellt sich die Frage nach Hitze und Zeit. Die Induktionsplatte stellte ich auf 120°C ein.
120°C
Und so ließ ich die Pfanne stehen. Nur ein wenig Salz gab ich hauptsächlich über die Kartoffeln. Die Entenbrust hatte ich vor dem Legen in die Pfanne auf der Hautseite auch gesalzen. Beim sehr gelegentlichen Kartoffelwürfelbewegen prüfte ich immer mal wieder, wie die Hautseite aussah (nur kurz anheben und drunter gucken). Die Kartoffeln deuteten irgendwann an, dass eine beschichtete Pfanne vielleicht die bessere Idee gewesen wäre. Aber vielleicht soll man hier auch nicht so viel drin rühren.
Umgedreht
Bis die Haut diese Farbe bekam, dauerte es gut 20 Minuten. Es kann durchaus auch länger dauern. Da muss eben jeder sehen, wie er es am liebsten mag. Nun ließ ich die Fleischseite auch ein wenig anbraten und legte die Brust dann noch bei 120°C in den Ofen.
Schalotten an die Kartoffel
In die Kartoffeln hab ich noch eine gewürfelte Schalotte und brut sie mit an. Dann konnte ans Anrichten gedacht werden.
Entenbrust an im Entenfett gebratenen Kartoffeln
Saftige Entenbrust mit knuspriger Haut an ebensolchen Bratkartoffeln. Lecker. Etwas Schnittlauch kam vor dem Verzehr noch darüber, aber irgendwie habe ich das nicht mehr fotografiert.
P.S.: 120° (als Winkel) wird auch gern als „4 Uhr“ bezeichnet, liegt doch 4 Uhr in einem Winkel von 120° zu 12 Uhr.

Über die Zeiten

Da heißt es doch immer so schön: Ein gepflegtes Pils dauert 7 Minuten. Fachleute haben mir mal erklärt, dass das Blödsinn ist, aber den Spruch gibt es immer noch. Ein schönes Steak dauert 30 Minuten. Sag ich mal. Stimmt so auch nicht, aber ein ist klar: Ein gutes Steak brät eben nicht nur ein paar Minuten in der Pfanne, sondern ruht auch noch im Ofen.
Ein Fleischer meines Nichtvertrauens bot Rip-Eye-Steaks feil, die angeblich aus Uruguay stammen sollten. Ich will das mal nicht hinterfragen und habe es ein wenig mariniert. Dabei ließ ich mich von der Frage leiten: Warum kommt die Kräuterbutter eigentlich immer zum Schluss aufs Fleisch? Man kann auch das rohe Stück damit einstreichen und dann etwas im Kühlschrank lagern.
Heute habe ich das Stück dann aus dem Kühlschrank genommen, dann eine Datensicherung auf meinem Rechner eingerichtet und anschließend (also eine gute Stunde später) eine Pfanne auf den Herd gestellt. Dann habe ich den Balkonkasten gegossen und etwas Schnittlauch geerntet. Als die Pfanne – es war die Alu-Guss-Pfanne, die die Wärme auch super hält – richtig schön heiß war, kam das Steak hinein (Fett war ja noch dran). Nun blieb ich aber dabei und beobachtete das Braten. Nach knapp 2 Minuten hatte die Seite eine schöne braune Färbung, so dass ich das Fleischstück umdrehen konnte. Die andere Seite brauchte genauso lange. Nebenher hatte ich den Ofen auf 90°C vorgeheizt. Dort hinein legte ich das
Entrecôte und überlegte schnell, was ich mit der heißen, fettigen Pfanne anstellen könnte.
Die Antwort war einfach. Ich nahm mir drei Kartoffel und schnitt sie nach dem Waschen in Scheiben, die ich dann in die Pfanne gab. Etwas Salz gabe etwas Würze mit. Im Kühlschrank fand ich noch ein Stück Lardo mit Rosmarin, von dem ich etwas würfelte und dazu gab. Das machte die Bratkartoffeln zwar etwas fettig, aber man muss ja nicht alles mitessen. Zwischendurch gab ich auch noch den Deckel auf die nur noch mit wenig Hitze versorgte Pfanne, immerhin waren die Kartoffeln roh und mussten auch noch garen.
Nach den etwa 20 Minuten, in denen das Fleisch im Ofen vor sich hin garte, wurden auch die Bratkartoffeln schön. Die letzten Minuten wurden sie unter Verwendung von mehr Hitze, aber ohne Deckel noch aufgeknuspert. Abschließend gab ich den ganzen Pfanneninhalt in ein Sieb, damit das Fett abtropfte, dann konnte angerichtet werden.
Rib-Eye-Steak mit Bratkartoffeln
Knusprige Bratkartoffeln mit dem kleinen Quentchen mehr an Geschmack, die aus den Anbratresten des Steaks resultieren, dazu ein punktgenau gegartes Fleischstück, dass auf der Zunge zergang. Was will man zum Republikgeburtstag (neu) mehr. 😉
Steak und Kartoffeln
Erst schnell und heiß, dann lau und lange (gilt fürs Fleisch) sowie erst langsam und warm, dann heiß und knusprig (gilt für die Kartoffeln). Jedes Ding hat seinen Algorithmus.

Zahl des Tages: 200

200. Beitrag? Nein. Dies ist schon der 445. 200 Tage ist das Jahr alt? Auch nicht. 200 Rezepte? Auch nicht. Was macht die 200 so besonders?
Natürlich kennt ihr die Seite „Andere Kochblogs“ hier in diesem Blog (im Menü, nicht ganz oben, man muss schon etwas scrollen). Die Zugriffszahlen sagen aus, dass das die Seite mit den mit Abstand meisten Zugriffen ist. Verstehe ich gar nicht. 😉
Gesammelt sind Adressen von Kochblogs und deren aktuelle Schlagzeilen. Die Zahl der gelisteten Blogs hat dieser Tage die 200 erreicht und überschritten. Und sollte sich jemand die Mühe machen, die Blogliste durchzuzählen und er kommt nicht auf 200, so kann ich auch das erklären.
Vermutlich ist der eine oder andere Blog nicht sooo fleißig, wie manch anderer und hat schon längere Zeit nichts neues mehr veröffentlicht. Dann verschwindet er automatisch aus der Liste. Sobald er aber was schreibt, ist er – flutsch – wieder drin. Geht genauso automatisch.

Lebenszeichen dicker Hals

Leute, glaubt keiner Werbung! Letztendlich wird Euch nur Scheiße als Bonbon verkauft. Und alte Rezeptklassiker werden nebenher auch gleich mit verunglimpft.
Billige Zutaten werden zusammengerührt, mit einem positiven Image versehen und sollen an den Mann (bzw. die Frau) gebracht werden. Darüber hinaus sollen diese hochverarbeiteten Produkte auch noch ihre natürlichen, aber dadurch eben wenig gewinnträchtigen Vorlagen verdrängen.
So gibt es unter der dem Namen einer bekannten Margarine-Marke ein Sahneersatzprodukt. Wenn mich einer fragen sollte: völlig unnötigerweise. Und dann soll laut Werbung mit dieser Nahrungssimulation auch noch ein Rezeptklassiker zubereitet werden, in den gar keine Sahne oder etwas vergleichbares gehört: Spaghetti alla Carbonara.
Das ergibt eine doppelte rote Karte: Platzverweis und Spielsperre bis dorthinaus. Und alles andere ist nur Schinken-Sahne-Soße. Produkte der Marke kommen mir nicht mehr ins Haus. Punktum.

Drei Monate voraus

Wie sagte doch mal ein bekannter Ex-Fussballer so schön, als er seine Suppe ausgelöffelt hatte und ans Telefonieren denken konnte: „Ja, ist denn schon Weihnachten?“ Nein, ist es natürlich noch nicht, obwohl man manchmal schon an die Zeit denkt, der Einzelhandel tut sein übriges. Der hatte übrigens mit diesem „kleinen“ Abendbrot weniger zu tun.
Karpfentranche
Dieses Stück Fisch ist das Teil eines Karpfens. Der kam am Sonntag in Form eines über 5 kg schweren, ausgenommenen Exemplares eines Spiegelkarpfens über meine Eltern, wo er in drei Mahlzeiten geteilt und kurz- wie mittelfristig eingelagert wurde. Mein hier sichtbarer Anteil wog 700 g.
Karpfentranche
Was macht man nun mit einem solchen Stück Fisch? Essen, das ist klar. Aber nicht so, wie er da auf dem Brett liegt. Die Kühlkette, obwohl doch der Fisch sehr frisch war, war nicht ganz ununterbrochen, so dass sich eine fernöstliche Zubereitung in roher Form nicht anbot. Außerdem hatte ich gerade heute nicht den speziellen Essig für den Sushi-Reis im Haus …
Was ist wohl eine der einfachsten Zubereitungsformen? Genau: Salzen, Pfeffern, Buttern und dann ab in den Ofen.
Karpfen gebuttert
Gebuttert war übrigens nicht nur der Fisch, sondern auch die kleine Auflaufform unten drunter. Man kann sowas auch einfach auf Backpapier aufs Ofenblech stellen. Wenn man etwas fetten Speck im Haus hat, kann man den auch unterlegen, damit nix anbackt. Salz und Pfeffer sind Pflicht. Die Butter hätte auch gern flüssig sein können, um die Tranche zu bepinseln.
Gewürzt
Im Gewürzregal fand sich noch eine Mühle mit Rosmarin und Lemongras, davon habe ich auch etwas über den Fisch gegeben. Und, wie wir sehen (unterer Bildrand), habe ich diesmal den Fotoapparat für die Bilder genommen, im Gegensatz zu den letzten Beiträgen hier. Aber beim dort genutzten Smartphone waren gerade die Akkus leer …
So kam der Fisch bei 170°C in den Umluftofen. 30-40 Minuten braucht es schon, dann sieht er so aus:
Fisch ist fertig
Mit der Flüssigkeit unten in der Auslaufform habe ich den Fisch zwischendurch einmal bepinselt, damit sich die Würze gut verteilt.
KarpfenBauchLappen
Es roch nicht wie Weihnachten, aber es roch lecker nach Fisch aus dem Ofen, als er fertig war. Die Kräuter taten ein übriges. Der Vorteil an dem großen Fisch war, dass alles groß war, auch die fiesen dreiendigen Gräten im oberen Teil. Die konnte man gut rausfischen, wenn man etwas von dem köstlichen Fischfleisch auf der Gabel hatte. Die langen „Rippengräten“ waren sowieso nicht zu übersehen, ich überlege noch die Weiterverwendung als Rouladennadeln … Nicht wirklich, aber die Größe haben sie. Und selbst die Fischhaut, im rohen Zustand sehr an Leder erinnernd, war nach dem Backen knusprig und überhaupt nicht ledern.
In Anlehnung an einen alten Bugs-Bunny-Cartoon würde ich ins Streitgespräch mit Duffy Duck einbringen: „Es ist Karpfen-Zeit!“ Was übrigens wirklich so ist, wie ich den Medien unlängst entnahm. Es muss ja nicht immer ein selbst geangelter Oschi wie dieser hier sein. So bei anderthalb Kilogramm sind sie wohl am besten. Sagt man.

Altes Gericht auf dicke Hose

Da gibt es einen schönen Bekleidungstipp, der die Frage beantwortet, was man zu einem guten Essen anzieht: „Weiß passt zu jeder Soße.“ Damit ist alles gesagt. 😉
Um mal zwischendurch ein kleines Lebenszeichen von mir zu geben, ein kleines schnelles Gericht, mit dem man u. U. ein bisschen auf dicke Hose machen kann. Es ist die leicht veredelte Version eines alten Klassikers, der vom Namen her etwas aufgebauscht ist. Aber das haben edle Gerichte nunmal so an sich.
Für die Zubereitung salzt man zuerst einen beölten Teller … Klingt komisch, ist aber so. Im Rezeptdeutsch geschrieben heißt das: Man nehme einen hitzebeständigen flachen Teller, bestreiche ihn dünn mit Rapsöl und streue etwas Salz darüber. Auf diesen Ölspiegel kommen dünn geschnittene (rohe) Kartoffelscheiben, die auf der Oberfläche auch noch ein wenig beölt und gesalzen werden. Dieser Teller kommt dann unter den Grill. Dazu braucht man natürlich einen Ofen oder ein Kombigerät, das Grillhitze von oben liefern kann.
In meiner Kombi-Mikrowelle mit Grill und Heißluft kam der Teller ca. 20 Minuten unter den reinen Grill. Damit der Abstand zwischen Teller und Grill nicht zu groß ist, habe ich unter den Teller eine Schüssel gestellt, so dass zwischen Hitzequelle und Kartoffelebene nur etwa 5-10 cm Platz war.
Als das Gerät „Pling!“ machte, entnahm ich mit einem Topflappen den sehr, sehr, sehr heißen Teller und platzierte ihn auf dem kalten Herd.
Kartoffelcarpaccio gegrillt
Vorsicht, der Teller ist wirklich sehr heiß. Nebenher schneidet man von seiner Lieblingssülze ein paar möglichst dünne Scheiben ab. Die Kartoffelscheiben kann man noch mit Pfeffer und gemahlenem Rosmarin ein bisschen Würze geben.
Gewürztes Kartoffelcarpaccio
Darauf kommt dann die Sülze. Ab jetzt muss es aber zügig weiter gehen.
Sülze auf dem Kartoffelgrillcarpaccio
Wer mag, kann das noch mit ein paar Klecksen Remouladensoße verzieren.
Ein paar Kleckse Remoulade
Ein paar separat angebratene Zwiebelringe und/oder Schinkenwürfel würden noch mehr Nähe zum Original erzeugen, sind aber, wie der Verzehr der hier zu sehenden Tellerauflage erbrachte, verzichtbar.
Grillkartoffelcarpaccio mit zart schmelzender Sülze an Sauce remoulade
Und so ist aus dem simplen „Bratkartoffel mit Sülze“ ein „Grillkartoffelcarpaccio mit zart schmelzender Sülze an Sauce remoulade“ geworden. Und es schmeckt herrlich …
Wer die Kartoffel dünner hobelt, kann sie auch überlappend auf den Teller legen. Das kommt dem Carpaccio noch etwas näher, vor allem, wenn man große Kartoffeln dafür nimmt.

Bratwurst kochen

Vor einiger Zeit fragte ich mal auf Twitter, ob es sinnvoll sein könnte, Bratwürste zu kochen. Das war natürlich eine eher rhetorische Frage, da ich die Antwort ahnte und am Folgetag auch bestätigt bekam. Für die Kritiker meiner Fotokunst gibt es dazu keine Bilder, aber der kundige Leser ist ja mit einer guten Phantasie ausgestattet, da sollte es auch ohne gehen.
Für eine Grillfeierlichkeit war mal wieder ein originelles Mitbringsel von nöten, war es doch als Mitbringparty organisiert. Und da ich selber mariniertes Fleisch schon mal hatte, überlegte ich, ob man Bratwürste nicht auch marinieren könnte. Eine, vor längerer Zeit gesehene Fernsehsendung gab den passenden Ansatz und ein passendes Sortiment beim Fleischer meines Nichtvertrauens gab den Rest. So kamen rohe Thüringer Würste und ebenfalls rohe grobe Bratwürste zum Einsatz.
Wichtiger Punkt bei den Würsten: Sie dürfen keinen Kunstdarm haben. Die gekauften waren natürlich gewandet. Trotzdem piesackte ich sie noch mit einer Rolladennadel gar mannigfaltig. Danach ging es an die Marinade, die ich aus gegebenen Anlass in zwei Varianten fertigte, die Grundzubereitung war aber die gleiche.
In etwas erhitzbarem Olivenöl werden Zwiebel- oder Schalottenringe angeschwitzt, sie können ruhig etwas bräunen. Anschließend wird alles mit Sojasoße und Worcestersoße nach Gusto abgelöscht, Senf eingerührt und dann mit weiteren Gewürzen, Kräutern u.ä. vermengt. Den einen Topf füllte ich dann mit einem halben Liter Apfelsaft auf, den anderen mit einer Flasche Bier gleichen Volumens. Dann wurden die perforierten Würste darin versenkt und alles einmal gut aufkochen gelassen.
Im TV-Beitrag wurden die Würste im Sud (andere Zusammensetzung als hier beschrieben) gegart und kamen dann direkt auf den Grill, wo sie nur noch gebräunt wurden. Ich habe sie im Sud abkühlen lassen und dann im Kühlschrank über Nacht und den halben Folgetag gelagert. Am Grillabend wurden sie dann aus der Marinade gefischt und auf dem Grill final zubereitet.
Die Würste hatten durch die Marinade eine leicht bräunliche Färbung und bräunten auf dem Grill recht schnell an. Also ein Auge drauf halten beim Grillen. Die Thüringer Bratwürste hatte ich einige Zeit vorher mal im Rohzustand in der Pfanne zubereitet, so bemerkte ich wirklich einen geschmacklicken Unterschied, der nicht allein vom Grillen stammte. Sowohl der Apfelsaft als auch das Bier (und natürlich die anderen Gewürze) gaben den Würsten wirklich noch etwas mit. Auf dem Gebiet kann man durchaus noch etwas experimentieren. Vermutlich zieht auch kalte Marinade ein. Oder man versucht es mal mit Vakuumieren (wer denn hat und kann) oder einem Schnellkochtopf (wegen des Druckaufbaus).