Im Herbst wird’s bunt

Einsteigen möchte ich mit einer oft gemachten These inkl. dessen, was ich davon halte. Die These: Hausmarkenprodukte bei den Discountern kommen oft von Markenherstellern und in den Verpackungen ist das gleiche drin wie bei den Markenprodukten, nur eben für weniger Geld. In der These gibt es jetzt mehrere Subthesen. Discountmarken werden auch von den Herstellern produziert, die auch für Markenartikler herstellen: Stimmt. Discountmarken sind billiger als Markenprodukte: Stimmt (wobei man manchmal ein wenig aufpassen muss und immer auch die meist unterschiedlichen Packungsgrößen berücksichtigen muss). Es ist das gleiche drin: falsch.

Ganz einfach: Die meisten Lebensmittel werden chargenweise produziert, da ist es einfach möglich, eine Charge für das Markenprodukt und eine für die Discountmarke zu produzieren und dafür Zutaten und deren Verhältnisse zu verändern. Das muss sich nicht mal auf die Zutatenlisten auswirken, denn auch Zutaten gibt es unter gleichem Namen, aber in unterschiedlichen Qualitäten. Dabei muss zum Ende hin das Markenprodukt aber auch nicht unbedingt schlechter sein als das vom Discounter. Beispiel:

Gleich oder doch nicht?Zweimal das gleiche? Oder sogar das selbe? Nur eben als Supermarkt-Eigenmarke und als Discountermarke? Immerhin: Die abfüllende Molkerei ist wenigstens dieselbe. Der Name des Getränks auch. Dann sollte doch … Nein! Es fängt mit dem Nutriscore an: Links C, rechts E. Das muss Gründe haben.

ZutatenlistenDen unterschiedlichen Zutatenlisten folgen auch Unterschiede bei den Nährwerten. Immerhin scheinen sie sich nur hinter dem Komma abzuspielen, aber für den Sprung im Nutriscore scheint es zu reichen. Links nur Vollmilch, rechts Vollmilch und Sahne, Links 16% Kaffee, links 17%. Links schmeckt es leicht plörrig, rechts vollmundig, wenn auch eine Spur zu süß. Links Supermarkt, rechts Discounter. Links 1,29€, rechts 0,99€. Zusammenfassend kann man sagen, dass dies einer der seltenen Fälle ist, wo rechts besser ist als links. 😉

Sonntagmittag

Das wurde eine bunte Mischung aus Plan und „Muss weg“. Und bunt trifft es. Das sieht man schon bei der Zubereitung, dank Glasdeckel.

Aufgepeppter Schichtkohl in der MacheDie Paprika kamen dazu, weil sie weg mussten, der Rest war fast geplant. In der Pfanne wurde erst etwas fein gewürfelter Speck angebraten, dazu kamen fein gewürfelte Zwiebeln, ein paar gehackte Knoblauchzehen, eine Chilischote, Salz und Pfeffer. Gemischtes Hack ergänzte den Pfanneninhalt und wurde leicht angebräunt. Dann kamen je eine rote, orange und gelbe Paprika – in Streifen geschnitten – dazu. Alles wurde gut angeschmort. Dann kamen ein Hobel und ein Spitzkohl zum Einsatz, zum Schluss kam noch etwas geräucherter Chili und eine klein gewürfelte Rindsknacker dazu. Anschmoren, eine Espressotasse Wasser dazu. Deckel drauf, Hitze runter drehen und garen lassen. Nach 25 Minuten wurde abgeschmeckt. Ich hatte eigentlich gedacht, das ganze mit Schmand „aufzuwerten“, habe es dann aber gelassen. Dafür kam der an die nebenbei gegarten Kartoffeln (mehligkochend), wurde gut und schnell eingerührt und mit Schnittlauch ergänzt. Fertig.

Aufgepeppter Schichtkohl mit SchmandkartoffelnBunter Schichtkohl mit Paprika, pikant, und Schmandkartoffeln. Kann man machen.

Aufgepeppter Schichtkohl mit SchmandkartoffelnBlöd nur, dass man das nicht in kleinen Portionen kochen kann. So werde ich das vermutlich Montag und Dienstag auch noch essen. Das ist schon mikrowellengeeignet eingedost und kühl gelagert. Nur darf ich nicht vergessen, es mit auf Arbeit zunehmen. Für ein Abendbrot würde es doch zu üppig werden.

Dolce Vita á la kleiner Geldbeutel

Der Italiener Euer Wahl hält, wenn er denn gut ausgewählt ist, eine Reihe leckerer Speisen und Getränke bereit. Meist gibt es neben einer Handvoll Spezialitäten des Hauses – man muss sich ja von den anderen unterscheiden – auch eine Reihe Standards. Klassiker hat die Küche der Apenninen-Halbinsel eien ganze Reihe hervorgebracht, wobei die Quellen meist nicht das ganze Land, sondern bestimmte Regionen sind. Und im schlimmsten Fall liegt die Region dann noch nicht mal in Italien.
Antipasti, Minestrone, Caprese, Pizza, Pasta, Risotto, Ossobuco, Saltimbocca, Mortadella, Pancetta, Salami, Gelato, Tiramisù, Zabaione – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. In Venedig wird die Entstehung einer Spezialität verortet, die es so lange noch gar nicht gibt. In einer Bar, wie sie italienischer nicht heißen könnte, wurde irgendwo um 1950 Uhr das Carpaccio erfunden. Gut gekühltes, rohes Rinderfilet wurde in hauchfeine Scheiben geschnitten, auf einem Teller angerichtet und mit Salz und Pfeffer eine Weile im Kühlschrank mariniert. Im Original wird mit der „Universalsoße“ aus Harry’s Bar das ganze ergänzt, heutzutage wird auch gern mit einer Vinaigrette  und etwas Parmesan angemacht.
Gehe ich erstmals in ein italienisches Restaurant, bestelle ich mir gern das Carpaccio und anschließend ein Pastagericht, komme ich öfter, werden auch die anderen Angebote auf der Karte interessant. So einfach das Rindfleischgericht auch aufgeschrieben ist, so schwierig ist es, den Gast damit wirklich zufrieden zu stellen. Frisches Rinderfilet gehört nicht zu den preiswerten Zutaten, aber sein feiner Geschmack kann einfach durch ein Zuviel an anderen Aromen durch Soße und andere Beilagen überlagert werden. Das richtige Maß zu finden, ist die Kunst des Küchenchefs. Es gibt aber hinreichend viele, die das schaffen.
Schade ist nur, dass deutsche Discounter unter dem Namen der Klassiker gern mal Produkte auf den Markt werfen, die die Originale in ihrem Ruf eigentlich nur schaden können. cpva1So fand ich unlängst eine Plastikverpackung, auf der „Carpaccio“ drauf stand, im Kühlregal. Wochenlang haltbar spricht es nicht dafür, dass frisches Rinderfilet in der Packung ist. Auf der Vorderseite finden sich auch noch Worte wie „Gourmet“, „Parmesansplitter“, „Olivenöl“ und „erstklassige Zutaten“.
Die Rückseite ist wie immer sehr viel interessanter: Das durch die Packung sichtbare „Fleisch“ stellt sich als „Rindfleischzubereitung“ heraus. Im größeren Text findet sich noch  „umgerötet“, im Kleingedruckten dann: Natriumascorbat, Natriumnitrit und Kaliumnitrat sowie Natriumlactat. Man möge mich berichtigen, aber „umgerötet“ und die beiden  „nitr“-Worte deuten auf Pökeln hin. cpva2Wir haben hier also sterilisiertes 91%iges Rindfleisch, von dem nicht sicher ist, aus welchem Teil des Tieres es stammt, das obendrein auch noch mit Zutaten versehen wurde, die in ein normales, erstklassiges Carpaccio nicht gehören.
„Erstklassige Zutaten … garantieren … höchsten Genuss.“ Ich will nicht bezweifeln, dass die Zutaten für das Produkt erstklassig waren, schade nur, dass davon nichts beim Kunden ankommt. Das Fleisch ist nicht ganz so zart, wie man es gewöhnt sein darf, wobei die riesigen und hauchdünnen Flatschen schon recht locker sind. Optisch erinnern sie an überdimensionale Lachsschinkenscheiben, fast in der Form des Rindersaftschinkens. Oder anders herum: Rindersaftschinken scheint ein gekochter Schinken zu sein; wenn er ein Rohschinken wäre, dann sähe vermutlich sein Fleisch so aus wie bei diesem „Carpaccio“. Das Olivenöl war in Ordnung, die Parmesanbrösel sehr bröselig. Alles in allem kann man sagen: Mit der Restaurant-Variante hat das Ding nix zu tun. Es wird Zeit, dass auch der Begriff vor Missbrauch geschützt wird.