Homeoffice, long cooking und keine Cola

Es soll Menschen geben, die Homeoffice mögen. Ich gehöre nicht dazu. Allen Klischees zum Trotz macht Homeoffice mehr Arbeit als die normale Arbeit im Büro. Nicht nur zeitlich, sondern auch von den Inhalten. Und was man so remote erledigen kann, bei mir sind das ca. 80-90% der normalen Arbeit, dauert eben von zu Hause aus alles immer ein wenig länger. Aber ich verschiebe eben auch nicht nur irgendwelche Word-Dokumente von A nach B, die kleinsten Dateien fangen zwar bei 10 MB an, normal sind aber gern 100 oder 200 MB, und sowas durch eine VPN-Verbindung mit „normalem“ DSL auf beiden Seiten durchzwängen dauert eben immer ein μ länger als direkt bearbeiten. Und auch die μ’s summieren sich, der normale Workflow stockt usw.

Aber letzte Woche wurde ich durch äußere Umstände doch mal ins HO gezwängt. Und das gleich 2 Tage lang. Glücklich ist anders. Aber so gab es endlich die Chance, etwas, was ich gekauft hatte, zu verarbeiten. Schon seit längerem vertrete ich den mal irgendwann aufgeschnappten Gedanken, dass das beste Fleisch für ein Gulasch Wadenfleisch ist. Hierorts ist das aber nicht so einfach, an sowas heranzukommen. Bisher kaufte ich meist ein oder zwei schön dick geschnittene Beinscheiben, die ich dann auslöste und auch die Knochen noch mit verarbeitete, irgendwann aber, wenn sie ausgelaugt waren, wieder aus dem Topf nahm. Neulich beim Einkaufen lag da etwas rum, was ich auf den ersten Blick als ganzes Filet identifizierte. Da es für ein Schweinefilet aber zu groß, für ein Rinderfilet hingegen zu klein war, beäugte ich das Stück genauer und las: Wadenfleisch vom Kalb. Sofort musste ich an Gulasch denken und kaufte das Stück. Später kamen noch 5 große Zwiebeln mit nach Hause und ich hatte alles, was ich brauchte. Nur eigentlich keine Zeit. Nun ist Gulaschkochen zeitlich (rein netto) so aufwendig nicht, aber der Topf steht doch laaaange auf dem Herd und bedarf der gelegentlichen Aufsicht. Aber dann kam das Homeoffice. 😉

Eine Wade vom KalbDas ist übrigens die Wade. Die habe ich nur grob gewürfelt, mehr Vorbereitung brauchte es nicht. Die Zwiebeln wurden ebenfalls nicht sehr fein zerteilt und in etwas Öl im Topf angeschmort.

Zwiebeln anschmoren5 große Zwiebeln, etwas kleiner als die üblichen Gemüsezwiebeln, schmurgelten vor sich hin. Die Idee dahinter, Zwiebel und Fleisch im Verhältnis 1:1 zu haben. Nicht unbedingt vom Gewicht her, aber vom Volumen.

Gulaschansatz: Zwiebel, Paprika, TomatenmarkAls die Zwiebeln gut angeschmort waren, kamen Paprika und Tomatenmark dazu, die dann ebenfalls angeröstet wurden. Aufpassen, dass nix anbrennt! Bevor das passierte, habe ich – nur zur Sicherheit – ca. ½ Tasse Wasser in den Ansatz gegeben. Eher weniger. Und das Fleisch.

Wadenfleisch dazugegebenJa, es ist nicht angebraten. Die Idee kommt vom Wiener Saftgulasch. Alles wird gut durchgerührt.

Fleisch untergerührtDa ich noch ein paar Tomaten rumschwirren hatte, wurden die auch noch klein geschnitten und kamen mit in den Topf.

Gulasch, fast fertigEine frische Chilischote kam auch noch dazu. Salz, Pfeffer, Thymian, Majoran und – wenn ich gehabt hätte – etwas Zitronenabrieb. Durchrühren, Deckel drauf, Hitze schwach, köcheln lassen …

Gulasch in Ruhe köcheln lassen… und sich wieder der Arbeit im Homeoffice zuwenden. Sicherheitshalber einen Kurzzeitwecker auf 30 min. stellen, zum nachgucken, umrühren und wieder auf 30 min. stellen. Nach 3-4 Stunden ist dann alles super. Dann wurde abgeschmeckt und alles auskühlen gelassen. Der Großteil wurde portioniert und eingefroren. Ein Teil wartete auf den nächsten Tag und die dortige Mittagsstunde.

Zwischendurch, da die Heimarbeit doch einiges im Tagesgefühl durcheinanderbrachte, habe ich eine Tea(wurst)time eingelegt.

It's Tea(wurst)timeDie Teewurst ist ja mal dafür erfunden worden, zum Nachmittagstee gereicht zu werden. Bei mir war „Milchkaffee“ im Glas (also kalte Milch und Kaffeesirup). Geht auch.

Der nächste Tag

Gulasch mit NudelnSo sah das Gulasch dann im Zusammenspiel mit Nudeln aus. Ich mag Löffelgerichte. Oder allgemein Gerichte, die man mit einem Besteckteil essen kann. Die Fleischbrocken waren so zart, die konnte man ggf. mit dem Löffel zerteilen.

Gulasch mit NudelnHm, lecker. Mit einer kleinen Schärfe und hocharomatisch. Ist eben auch kaum Wasser drin, was den Geschmack verdünnt hätte.

Der Versuch

Keine ColaNein, das ist keine Cola. Weder normal, light oder zero. Es hat aber Koffein, und keinen Zucker. Es sprudelt. Was ist das?

Tja, wenn man schon mal Kaffeesirup im Haus hat, kann man auch ein wenig damit experimentieren und eine Portion davon mit Sprudelwasser aufschütten. Sozusagen Kaffeelimo. Ist so pur sicher nicht jedermanns Geschmack. Aber ich könnte mir vorstellen, dass – aufgegossen mit einem anderen geeigneten Getränk – auch was halbwegs vernünftiges dabei herauskommt. Ich habe vor längerer Zeit mal versucht, selbst erstellten Espresso mit Tonic Water zu kombinieren, was durchaus trinkbar war, aber auch ein wenig den Duracell-Häschen-Effekt auslöste. Ich glaube, ich muss mal wieder Tonic kaufen …

Sonntagmittag

Das Sonntagsessen ging diesmal schnell. Ich hatte ja noch Gulasch vorrätig. Nur, wie sollte ich es kombinieren. Ich hatte mehrere Ideen. Einerseits hatte ich vor, es zu einer Art Szegediner Gulasch weiterzuveredeln, indem ich Sauerkraut mit dazu gab. Die beiden Sorten, die ich im Haus hatte, schienen wenig geeignet, da sie schon komplett durchgegart schienen. Frisches wäre eine Idee gewesen, war aber nicht da. Aber es fand sich noch ein Kohlrabi, der dringend verarbeitet werden musste. Also gab es Kohlrabi-Kartoffel-Stampf als löffelfähige Beilage.

Gulasch an Kartoffel-Kohlrabi-StampfDa war beim Anrichten noch ein Garnierring in der Mitte, der Gulasch und Stampf in Zaum hielten. Ohne den Ring passierte dann das, was zu sehen ist.

Gulasch an Kartoffel-Kohlrabi-StampfBei dem Bild fällt mir ein, dass ich euch bei der Zubereitung des Gulaschs oben eine Zutat verschwiegen habe. Etwa bei halber Garzeit habe ich noch etwas durchwachsenen Speck für den Geschmack dazu gegeben. Ganz verkocht ist er nicht mehr, deswegen ist er hier auf dem Bild zu sehen.

Gulasch an Kartoffel-Kohlrabi-StampfEigentlich bin ich kein großer Freund davon, zu Gerichten mit Soße Stampfkartoffeln zu reichen. Wenn ich aber sowas auf dem Teller sehe und dann auch essen darf, fange ich an, mein Vorurteil zu überdenken. Paradigmenwechsel heißt das dann wohl.

Drinnen und draußen

Manchmal muss man nur eine Zutat verändern, und schon kommt was anderes dabei heraus, auch und vor allem, wenn das Gericht sowieso nur aus zwei Sachen besteht. Vermutlich kennt ihr die Variante auch schon länger, für mich war sie neu. Ausgangspunkt war das Rezept für Bananenmilch. Zwei Bananen zerbröckeln, ½l Milch drüber und den Pürierstab hinein. Der Becher sollte zur Menge und zum Werkzeug passen, und wenn das eisfest ist, dürfen auch noch ein paar Würfel mit hinein. Geschmacklich lebt das Getränk vom dezenten Überreifegrad der verwendeten Bananen.

Der Austausch der einen Zutat bezieht sich natürlich nicht auf die Bananen. Sicher, Himbeer-, Apfel- oder Brokkolimilch ließen sich sehr ähnlich herstellen. Von Kiwimilch wird an dieser Stelle aber abgeraten, ich las mal irgendwo, dass die Kombination nach kurzer Zeit zur Bitternis neigt.

Aber die Milch steht hier zur Diskussion, wobei die Variante nicht eine der auf der Hand liegenden pflanzlichen Alternativen sein soll, sondern Kefir. Ganz klassisch. Zubereitung wie oben. Die säuerliche Note gibt dem Getränk eine tiefere Note, durchaus interessant und erfreulich.

Käffchen

Als bekennender Fan von kaltem Milchkaffee scheint ein Produkt wie „Kaffeesirup“ doch die wesentliche Basis für’s selbst machen zu sein. Beim Einkauf kam mir ein entsprechendes Produkt ins Blickfeld und landete im Einkaufswagen. Zugegeben: Preis, Marke und knapp zu entziffernde Zutatenliste sprachen eigentlich dagegen. Aber die Neugier siegte. Witzig ist, dass die Zutatenliste recht kurz ist (3 Zutaten), aber: es kommt eben nicht immer nur auf die Länge an.

Wer jetzt einen Gedanken an klassischen Sirup – Gibt’s den überhaupt noch? – verschwendet, sei gewarnt. Genau wie die im Handel verfügbaren Fruchtsirups hat auch der Kaffeesirup nix, aber auch gar nix damit zu tun. Was aber auch positiv konotiert werden kann, besteht doch der Klassiker im wesentlichen aus Zucker, was auch zu seiner Konsistenz führt. Moderne Sirupe sind dagegen Recht zuckerarm, was gern zu einer gewissen Plörrigkeit führt, wenn man nicht lebensmitteltechnologisch gegensteuert.

Der Kaffeesirup zeichnet sich nicht nur durch eine Zucker- und Süßstofffreiheit aus, er ist auch frei von Kaffee. Also richtigem Kaffee. Dafür sind sageundschreibe 8,8% löslicher Kaffeeextrakt drin. Achtkommaacht Prozent. Aber was habe ich anderes erwartet?! In den fertigen Milchkaffees gleicher Marke ist auch nur der sprühgetrocknete und damit kastrierte Filterkaffee drin. Und nein: es ist nicht der übliche Verdächtige mit Firmenhauptsitz in der Schweiz, der den satzfreien Kaffee mal erfand.

Zum Geschmackstest habe ich etwas Sirup in Annäherung an die Dosierempfehlung auf der Flasche mit kalter Milch aufgegossen. Die Handhabung ist schon recht einfach. Geschmacklich kam der Kaffeeextrakt deutlich durch. Ich bleibe also bei meiner Zubereitungsart: Kaffee aus der Maschine direkt in eine Tasse mit Eiswürfel laufen lassen und dann mit Milch aufgießen. Schmeckt besser. Macht aber auch mehr Arbeit. Die bezahlt man beim Kaffeesirup mit 37,5 Cent pro Portion.

Sonntagmittag

Ist die nicht schön? 

Schöne Blüte vorm HausDie steht hier vor dem Haus. Da Botanik (auch) nicht so meine Stärke ist, kann ich sie nicht benennen. Ergänzend kann nur erwähnt werden, dass es ein übermannshoher Strauch ist mit sehr vielen solcher Blüten. Daneben steht dann das gleiche, nur in weiß. 

Schöne Blüte vorm HausSchon etwas drüber, aber ich find die Blüten schön. Apropos Blüten. Warum zeige ich sie euch? Weil ich am Sonntagmittag auch welche gesehen habe, aber ganz andere. 

Seerose, aber nicht TeichDas ist übrigens kein Seerosenteich. Das würde dem Gewässer nicht gerecht werden. Der Blickwinkel geht hier übrigens (ganz grob) in Richtung SSO. Schaut man etwas mehr nach NNO, sieht es doch ganz anders aus. 

Ausblick beim Mittag über den Krüseliner SeeDas Motiv ist nicht das erste mal im Blog und belegt, dass ich mal wieder in sehr angenehmer Begleitung unterwegs war. Es wurde also nicht selbst gekocht, zumindest nicht von mir. 

Bratkartoffeln mit WelsfiletEs gab sehr leckeres Welsfilet mit Bratkartoffeln. Einfach, aber gut. Ich fand’s gut. 

Bratkartoffeln mit WelsfiletDie welseigenen Eingenschaften kam gut heraus, die Bratkartoffeln waren gut zubereitet und das Salatbouquet wurde auch von mir verputzt. Was will man mehr, als Anbieter dieser Speise?