Heißer Smoothie

Wer sagt eigentlich, dass ein Smoothie unbedingt kalt sein  muss? Eigentlich keiner, da der Begriff smooth „fein, gleichmäßig, cremig“ bedeutet; da steht nichts von kalt. Und wenn ich schon einen beheizbaren Mixbecher (Küchengerät formely known as Thermomix) besitze, dann will ich den auch einsetzen!
Rumfort-Alarm in der Küche. 3 Tomaten und 4 hellgrüne Spitzpaprikaschoten schreien nach schnellstmöglicher Verwendung. Also wird alles gewaschen, dazu eine Zwiebel und eine Knoblauchzehe gehäutet. Die Tomaten werden geviertelt und entstrunkt, die Paprika grob zerteilt und entkernt, die Zwiebel mangels Kernen nur grob zerkleinert. Alles landet in Anwesenheit von etwas Salz, Pfeffer, Paprika und anderer gefälliger Gewürze im Mixbecher. 250 ml Wasser (idealer: Gemüse- oder eine andere Brühe) kommen dazu und der Ansatz wird durch Inbetriebsetzung der Maschinerie nachdrücklich erwärmt und sanft gehackt (Wie lautet eigentlich das Gegenteil von Tautologie?). Die Zeitschaltuhr steht anfangs auf 20 Minuten.
Ein ordentlicher Schuss (ca. 30 g) Tomatenmark wird aus der Tube gepresst und dopt den Topfinhalt merklich auf. Wer es heißer mag, tut auch eine Chilischote mit dazu. Dann wird alles gerührt und gekocht und gerührt und gekocht und gerührt und gekocht und gerührt und gekocht und gerührt und gekocht. Passiert der Countdown die 5:00-Minuten-Grenze, ist es Zeit, auf die Konsistenz Einfluss zu nehmen. Je nach persönlichen Vorlieben und Zielen wird zum Beispiel die Pürierintensität verstärkt und/oder der Inhalt durch Zugabe von zart schmelzendem Käse, Creme fraiche oder anderen Zugaben aufgepimpt.
Die letzten Minuten sollte das ganze vielleicht nur bei 70°C gerührt/püriert werden. Ein Schuss gutes Olivenöl, vielleicht auch ein paar Tropfen Balsamico-Essig (oder deren cremige Form) werten die Speise weiter auf. Wer Kräuter hat, kann sie auch dazu tun. Dann wird in Tassen, Gläser oder Becher trinkfertig abgefüllt, ggf. sollte davor natürlich das Abschmecken stehen.
Die Bilder überlasse ich heute mal wieder der Phantasie des Lesers oder der Leserin, da ich am Anfang des Kochvorgangs noch nicht ahnte, dass zum Ende doch was recht leckeres heraus kam.

Mit der flotten Biene ins Ausflugslokal

Das klassische Ausflugslokal scheint doch eher ein Auslaufmodell zu sein. Das wundert nicht, ist doch das Geschäft mit dem Ausflug eher ein Saisongeschäft, von dem es sich schlecht leben lässt. Außerdem ist der Ausflug selbst auch nicht mehr das, was er mal war, was das Betreiben dazugehöriger Lokale auch wieder unwahrscheinlich werden lässt. Tuckerte man mit einem Dampfer zum Beispiel über den Tollensesee oder schwang sich auf den Drahtesel, war man in ein bis zwei Stunden in Nonnenhof, trank seine Brause, aß sein lauwarmes Würstchen, nahm einen Kaffee zu sich oder inhalierte noch ein Stück Kuchen. Man genoss noch ein wenig die Natur und machte sich wieder auf den Heimweg.
Heutzutage schwingt man sich eher mal in sein Auto, fährt ein bis zwei Stunden durch die Gegend und landet auch wieder am Wasser. Man stellt das Auto ab, vertritt sich ein wenig die Füße am sandigen Strand oder der Seebrücke, erkundet vielleicht auch noch den Ort, wo man dort ist, und kehrt dann in eine Gaststätte oder in ein Restaurant ein, dass einen in seinen Bann gelockt hat. Das hat dann mit „Ausflugslokal“ nichts mehr zu tun, auch die Zeit von Bockwurst mit Limo sind erfreulicherweise vorbei.
In angenehmer Atmosphäre wird man sehr freundlich empfangen, Tische stehen bereit, Stühle ebenso. Von den meisten kann man durch die großen Glasfenster auch wunderbar aufs Meer schauen. Die Speisekarte wird gereicht, und auch auf die Tagesgerichte – zwei Menüs und eine Suppe – wird verwiesen. Trotz angenehmer Übersichtlichkeit ist die Karte vielfältig, so findet man sicher was. Der Tipp: Als Vorspeise mal die Tagessuppe probieren. Ihr Vorteil scheint zu sein, dass sie frisch zubereitet wird. Im konkreten Fall war es eine Soljanka, deren Fleisch durch die fehlende Tiefkühllagerung nicht fasrig zerfroren war und dessen Gemüse noch Substanz hatte. Der zerkaute Piment enthielt seine geballte Würzigkeit.
Was die Vorsuppe andeutete, wurde im Hauptgericht bestätigt. Natürlich sind Nudeln mit Tomatensoße und Einlage oder Ofen-Lachs mit Stampfkartoffeln keine hohe Küche, aber auch sie wollen handwerklich korrekt zubereitet werden, was auf das vorzüglichste gelang. Nudeln al dente, Stampfkartoffeln lecker, das richtige Maß Soße mit dem richtigen Maß Würze, Garnelen weich ohne Anflug von Gummi, Lachs saftig und Service immer aufmerksam aber nicht aufdringlich. Was will man mehr?
Ein Wort auch noch zu den Portionen: Wenn der Gast nach Vorspeise und Hauptgericht ohne schlechtes Gewissen über ein Dessert nachdenkt, weil dies den guten Eindruck eigentlich nur noch abrunden kann, dann hat die Crew in der Küche ihre Aufgabe perfekt erledigt. Hier werden nicht unnötig mittelprächtige Voll- oder Halbconveniencen auf den Teller gehäuft, sondern gute Produkte zu einer angenehmen Mahlzeit vereint. Eigentlich hat das Restaurant des Hotels Seebrücke in Lubmin nur einen wesentlichen Nachteil: Man kann nicht pointiert drüber lästern.

Schnelle Bratkartoffeln

Wer kennt sie nicht, die guten Bratkartoffeln von Muttern. Aber der Aufwand ist schon etwas hoch. Erst Pellkartoffeln kochen, die auskühlen lassen, dann pellen. Die Kartoffeln wurden dann noch in Scheiben geschnitten, in der Pfanne mit allerlei Zutaten gebraten und dann waren sie lecker, wenn auch die Kartoffelscheiben meist etwas zerstört aussahen – außer, es wurden gleich Würfel oder andere Formen geschnitten. Meist gab es die Bratkartoffeln zum Abendbrot oder auch erst am nächsten Tag, entsprechend „gereift“ kamen die Kartoffeln in die Pfanne.
Hier stelle ich euch mal eine Variante vor, die schätzungsweise in 15 Minuten auf den Tisch kommt, angefangen von der rohen Kartoffel, die übrigens festkochend sein sollte.
Die Kartoffeln und das Messer
Natürlich könnte man diese jetzt in Scheiben schneiden und direkt braten, aber dann schmecken sie irgendwie wie  Pommes oder Kartoffelchips oder irgendwas dazwischen und schnell geht’s auch nicht, da auch rohe Kartoffeln in der Pfanne eine Weile brauchen, bis sie gar sind.

Apropos festkochend: Es soll ja Leute gegeben haben, die diese Kartoffelart eine Stunde lang kochten und sich dann beschwerten, dass sie immer noch nicht fest waren …

Um das „in-Scheiben-schneiden“ kommen wir aber trotzdem nicht herum. Aber zuvor werden die Erdäpfel natürlich geputzt, gewaschen und ggf. auch gehäutet. Alles landet in einer geeigneten Plasteschüssel, zu der es auch einen nicht dicht schließenden Deckel geben sollte.
Kartoffelscheiben
Der Schüsselinhalt sollte eine gewisse Restfeuchte aufweisen. Man kann die Schüssel auch nochmal mit Wasser ausspülen, dass man dann wieder ablaufen lässt. Die Wassermenge aus der Benetzung reicht völlig. Dann wird alles nicht dichtschließend abgedeckt und landet – oh Schreck, oh Graus – in der Mikrowelle. Je nach Menge der Kartoffeln und Leistung des Gerätes sollten 4 bis 5 Minuten reichen.
4:00 bis fertig
So eine verspiegelte Mikrowelle ist zwar nett, aber zum Fotografieren schlecht geeignet. 😉
Die Zeit wartet man jetzt natürlich nicht einfach ab, man kann sie nutzen: Je nach dem, was man in den Bratkartoffeln erwartet, wird das jetzt klein geschnitten. Auch ist es die Zeit, die Pfanne aus dem Schrank zu nehmen, auf den Herd zu stellen und sie dann anzuheizen.
Geschnibbelt und heiß
Macht die Mikrowelle „kling“, und man ist noch nicht ganz fertig? Kein Problem. Die Kartoffelscheiben können warten. Ggf. sollte man sie auf Garheit prüfen, 95% sollten erreicht sein. Sind sie das noch nicht, drehen sie noch ein paar Runden.
Hat die Pfanne ihre Betriebstemperatur erreicht, kommt etwas Fett hinein. Butterschmalz, Rapsöl, Olivenöl, Butter oder Mischungen davon – die Auswahl erfolgt nach persönlichem Geschmack. Sollte Butter mit dabei sein, gilt es, die Pfanne nicht zu stark zu erhitzen. Mit dem geeigneten Schwung landen dann auch die Kartoffelscheiben im Bratgerät.
Kartoffeln braten
Wichtiger Hinweis: Nicht gleich anfangen zu rühren! Die Scheiben können ruhig erste Farbe nehmen. Deswegen sollte die Pfanne auch nicht zu heiß sein. Mit aller Ruhe und Gelassenheit wird hier gearbeitet.
Zwischenstand
Der Aufmerksamkeit des Kochs sollten erste Bräunungen aber nicht entgehen. Dann gilt es, den Pfannenwender, mit dem man zwar nicht die Pfanne, aber deren Inhalt wendet, in Aktion zu bringen. Haben die Kartoffelscheiben fast den gewünschten Bräunungsgrad erreicht, kommen auch die Zwiebelwürfel dazu (wann Speckwürfel dazukommen, befragte bitte diejenigen, die Euch früher mit dem Gericht verwöhnten).
Zwiebel in den Bratkartoffeln
Nun gilt es aufzupassen, dass die Zwiebeln nicht verbrennen. Wenn man zwischendurch aber wegen Akkuleerheit seinen Fotoapparat wechseln muss, kann es doch etwas mehr Röstaromen geben, als man ursprünglich wollte. 😉
Letztendlich wird dann noch schick angerichtet. Hier gibt es eine Schweinekopfsülze und ein paar Paprikaringe dazu. Ein Fächer aus sauren Gurken oder ein Klecks Remoulade wären auch eine Idee.
Bratkartoffeln mit Sülze und Paprika
Guten Appetit. Aus den Eingangs gezeigten Kartoffeln sind mit Beilagen (ein schönes Spiegelei wäre auch eine Idee gewesen) so zwei gute Portionen geworden. Die Zubereitungszeit hielt sich in Grenzen und etwas Platz für ein Dessert hinter- oder einen Salat vorher ist auch noch.

Umgang mit größeren Packungen

Manche Produkte scheint es wirklich nur in größeren Packungen zu geben, außer, man leistet sich die Bedienung in einem Spezialladen. Wobei man das eigentlich auch tun sollte, zumindest, wenn dieser Laden auch noch für die Qualität seiner Produkte und deren naturnahe Aufzucht steht. Da ich – eigentlich nur für Demonstrationszwecke – „gezwungen“ war, Hähnchenbrust zu kaufen, galt es die auch zu verarbeiten. Ein Exemplar wurde gleich frisch vertilgt, der Rest mariniert.
In einem dicht schließenden Gefäß* landeten neben den Brüsten eine klein gehackte Schalotte, eine ebenso behandelte Knoblauchzehe, Olivenöl, Sesamöl, Zitronenöl und etwas Chili. Eigentlich wollte ich noch Teriyaki-Soße dazu geben, aber die Flasche war leer und nicht mehr existent. Am Tag der weiteren Verarbeitung sah es dann so aus:
Marinierte Hähnchenbrust zum Grillen
Die gewählte Pfanne lässt erkennen, dass wohl gegrillt werden soll. Sie wird gut vorgeheizt. Da die Marinade bis auf die festen Bestandteile eigentlich nur aus Öl bestand, kamen die Fleischstücke direkt aus dem Becher in die trockene, aber heiße Pfanne.
Erstes Anbraten
Als Beilage ist immer wieder lecker eine Grilltomate. Die wird einfach nur halbiert oder bei entsprechend großen Exemplaren in Scheiben gedrittelt und auf der Schnittfläche mitgegrillt.
Tomate zum Grillen dazu
Das Fleisch muss natürlich beizeiten gewendet werden. Um ein schönes Grillmuster zu erreichen, gilt es, sie doch zweimal mehr als nötig zu wenden (also insgesamt drei mal statt einem Mal). Beim zweiten und dritten Wenden werden wird das Fleischstück dann noch um 90° gedreht.
Wenden
Hat man die Hitze gut gewählt, sind zum Ende Garpunkt und Muster perfekt.
Stillleben
Auf einem Teller wird etwas Salat nach Wunsch angerichtet. Darauf ein Dressing nach Wahl, gern etwas süß-scharfes, was dann gut zum Geflügel passt. Das wird natürlich noch gesalzen und gepfeffert, genau wie die Tomaten. Dann kann angerichtet werden.
Hähnchenbrust auf Salat mit Grilltomaten
Guten Appetit. Es empfiehlt sich übrigens ein Salat, der nicht so sehr hitzeempfindlich ist, zumindest, wenn alles aus der Pfanne noch schön warm darauf kommt. Feldsalat oder Pflücksalat und dergleichen bieten sich also nicht an. Man hätte die Hähnchenbrust auch schön vor dem Marinieren in Stäbchen schneiden (wie für Geschnetzeltes), dann grillen und zusammen mit einer passenden Soße in Kopfsalatblätter einrollen können. Auch eine Idee.
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*) Bei der Verwendung eines stabilen Gefrierbeutels vermindert sich benötige Menge der Marinade. Man sollte alles dann aber ab und an (wenn man mal am Kühlschrank ist) wenden oder sonstwie in eine andere Lage bringen und kann es auch vorsichtig durchkneten.

Kasseler bläst die Margen auf

Natürlich weiß ich, dass hier auch mindestens ein Fleischer mitliest, der, so scheint es, richtig Ahnung von seinem Geschäft hat. Aber trotzdem werde ich hier meiner Aufklärungspflicht nachkommen und Licht in die tiefsten Geheimnisse der Branche bringen. Details, die ich neulich im Kühlregal eines Discounters erblickte, seien hier schonungslos an die Öffentlichkeit gebracht.
Konkret geht es um die Fleischzubereitungen nach Kasseler Art, also das Räuchern und Pökeln. Konservierung, bei richtiger Dosierung auch Hebung des Wohlgeschmackes und Veredlung sind aber anscheinend nicht die einzigen Wirkungen dieser Verarbeitungsmethode. Das Fleisch vermehrt sich dabei auch auf wundersame Weise, indem es sich förmlich aufbläst und somit auch die verkaufbare Menge sowie den Gewinn steigen lässt.
Gut gekühlt und eingeschweißt entdeckte ich zwei Scheiben einer Hähnchenbrust, die nach Kasseler Art zubereitet worden ist. Die Zutatenliste belegt das.

Hähnchenbrust

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Zum Vergleich habe ich mal Hähnchenbrust natur gekauft. Die Frage, die sich beim Vergleich stellt: Wie bekomme ich aus einer solchen eine Scheibe in der dargestellten Größe geschnitten?

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Das geht doch nur, wenn das Räuchern und Pökeln sich irgendwie auf das Fleisch auswirkt, dass es sich wesentlich vergrößert? Schließlich ist das lt. Verpackung Hähnchenbrust pur, was da unten auf dem Teller liegt! Und die Verpackung wird doch nicht lügen, oder?

P.S.: Natürlich ist das hier satirisch gemeint, die Bilder sind aber bis auf das Logo nicht verändert. Besonders bedenklich finde ich aber, dass das auch noch eine Marke ist, die besonders gesundes Essen (so es sowas überhaupt gibt) verspricht.

P.S.II: Die obskure Fleisch(?)scheibe habe ich nach Packungsvorschrift zubereitet und gegessen. a) Ich lebe noch. b) Das Stück war nicht versalzen. c) Ansonsten war es wohl 08/15-Industriefutter. Die Hähnchenbrust, nachdem sie Berührung mit etwas Salz, Paprika und Pfeffer hatte und ebenfalls in die Pfanne kam, war entschieden schmackhafter.

Von allem ein bißchen zu viel (aktualisiert)

Die Story ist einfach und schnell erzählt: Wir fuhren in die andere Stadt, um gleich am Ortseingang griechisch essen zu gehen. Dort angekommen stellte sich heraus, dass es das Restaurant gar nicht mehr gab. Plan B lag aber auch schon bereit, und wurde eigentlich schon auf der Fahrt zu Plan A. Aber der Laden war, wie wir beim Ankommen enttäuscht feststellten, wegen Betriebsferien geschlossen. „Januar in Mecklenburgs Touristenhochburgen“ … so könnte man als Titel darüber schreiben.
Aber selbst in den sommerlichsten Zentren ist auch im Winter etwas Betrieb. So landeten wir letztendlich beinahe auf dem Allerwertesten, weil es am Eingang zum Steakhaus der letzten Wahl höllisch glatt war. Aber drinnen war es warm, trocken, nicht allzu voll, gemütlich und später auch beinahe sommerlich, als die Sonne über den Haussee durch die wintergartenartigen Fenster schien und die Gäste innerlich wie auch äußerlich erwärmte.
Wobei, so ganz ungetrübt war der Blick durchs Fenster nicht. Man sah die Rückseite eines bereits besuchten Restaurants. Das hätte ein Zeichen sein können. Wurde es aber nicht, zumindest nicht in den Sinne. Der Service im Restaurant war zuvorkommend, ging auf Kundenwünsche ein, bemerkte aber auch nicht jede „Unachtsamkeit“. Wenn ihr auch mal wieder essen seid und bestellt einen Salat als Vorspeise, lasst beim Abräumen die Gabel auf dem Teller und wartet, ob man euch zum Hauptgericht eine neue bringt. Im konkreten Fall sei gesagt: Gut, dass wir zu zweit an einem für vier Leute eingedeckten Tisch saßen.
Apropos Salat: Kommen wir zur Überschrift dieses kleinen Artikels. Bestellt ein Gast einen Salat und ein Hauptgericht, sollte doch davon ausgegangen werden können, dass er auch beides zu essen beabsichtigt. Aber nein: Der Teller, der auch gut als Unterlage für eine Familienpizza ausgereicht hätte, wurde berghoch mit – durchaus leckerem – Salat behäuft. Das vielzitierte afrikanische Eingeborenen-Dorf hätte davon sicher wieder wochenlang leben können. Dafür waren die dazugehörigen Fleischstreifen (=Fitzel) schön entwässend angewärmt worden. Knusprig wäre bei dem vielen Fleischwasser auch nicht möglich gewesen.
Es gab natürlich auch Suppen als Vorspeise. Damit man das nicht durcheinander bringt, stand auf der Tasse auch noch Suppe drauf, was mich an einen alten Witz erinnert.

Fragt der Tierladeninhaber die Kunden: „Soll auf den Napf noch ‚für den Hund‘ oder der Name des Hundes graviert werden?“
Meint die Kundin: „Nicht nötig. Mein Mann trinkt kein Wasser und der Hund kann nicht lesen.“

Die Suppe, obwohl recht wohlschmeckend, hätte so in den USA vermutlich nicht serviert werden können. Oder das Restaurant wäre wegen Körperverletzung zu Millionenentschädigungen verklagt worden („Heissssssssssssssss!“). Die weitere Qualität der Tasse war übrigens, diese Hitze längstmöglich zu halten.
Wenn man in ein Steakhaus geht, kann man ja auch mal Steak essen. Das taten wir, und so landeten ein Rip Eye- sowie ein Filetsteak auf den Tellern, begleitet von einer Backkartoffel mit SourCream und etwas Garnitur. HIer setzte sich das schon im Titel beschriebene Konzept vom „zu viel“ weiter fort: SourCream gab es reichlich (was allerdings positiv zu bewerten ist), das Rib Eye-Steak hatte zwei Augen und beim Filetsteak waren die Augen wohl größer als der Magen. Bis auf die Besonderlichkeiten war das Fleisch aber in Ordnung und handwerklich gut zubereitet. Zum Filetsteak sollte es zusätzlich ein paar angebratene Zwiebeln geben. Bei Verzehr der angebotenen Menge – und ich zitiere den Esser aus einem Facebook-Kommentar – hätte es hinterher „durchaus zur Vernichtung weiter Teile der Warener Innenstadt hätten führen können. Stichwort: Methangasexplosion“. Wenn man sich ein paar Röstzwiebeln auf ein Steak legt, sollte man es darunter doch noch sehen können.
Handwerklich gut zubereitet war übrigens auch die Getränkekarte, die als laminiertes Exemplar den Tischen und Gästen als Platzsets diente. WeinkartePassend vor allem die Symbolbilder. So festen Rotwein hatte ich lange nicht gesehen. Aber man lernt ja nie aus. Aber so passte die Getränkekarte vermutlich auch besser zum Speisenexemplar dieses argentinischen Steakhauses, dass neben passenden Gerichten auch Pizza u.ä.. feilbot. Aber man soll ja auch multikulturell eingestellt sein und so wollen wir es tolerieren, zumal die Bedienung sich m.E. herkunftstechnisch aus dem arabischen Raum in dieses Gesamtkunstwerk einreihte. So fehlte auf der Karte nur noch Chop Suey oder eine vergleichbare Gerichtspalette, wie ich es in einem anderen Steakhaus schon mal sah (oder war es ein Italiener mit argentinischen Steaks und Chop Suey auf der Karte? Ich weiß es nicht mehr.
Zurück zum aktuellen Fall. Ein zuviel war auch die Zeit danach, denn ich vergaß, mir den Namen der Einrichtung zu merken. Aber ich denke, die Warener Strandstraße hat wenige Steakhäuser mit Blick auf die Binnenmüritz. Das Steakhaus Mendoza in der Warener Strandstraße ist vor allem für ausgehungerte Gäste sehr zu empfehlen. Eine strapazierfähige Verdauung oder eine gute Auswahl der Speisen darf auch angeraten werden.

Der fehlende (rote) Faden

Zwei Pfannen für ein Bratgericht zu verwenden, kann mehrere Ursachen haben. Zum einen kann es an den Zutaten liegen, von denen man nicht weiß, wie schnell sie den richtigen Gargrad erreicht haben und sie deswegen nicht in eine Pfanne schmeißen will. Zum anderen kann es an den unterschiedlichen (Koch-)Eigenschaften der Pfannen liegen, die je nach dem gewünschten Ergebnis eingesetzt werden.
Im konkreten Fall liegt wohl eher letzteres vor, wobei eine gut ausgestattete Küche hier auch nur mit einer Pfanne auskommen würde. Ein schönes Kalbsschnitzel wird zum Zwecke der schonenden mechanischen Bearbeitung in einen stabilien Gefrierbeutel gesteckt und eine gut in der Hand liegende und durchaus auch schwere Pfanne wird ergriffen.
Kalbschnitzel vorbereiten
Mit dem flachen Pfannenboden wird jetzt durch geschicktes Draufhauen das Schnitzel plattiert und in eine gleichmäßige Starke gebracht. Meist wird es dadurch etwas breiter, was durchaus gewünscht ist.
Kalbsschnitzel plattiert
Das machen wir dann auch mit dem zweiten Exemplar. Dann werden potenziell lose Teile abgeschnitten, das ganze etwas in Form gebracht und dann der Länge nach gedrittelt, aber so, dass oben ca. 1 cm breit zusammen bleibt. Aus den drei herunter hängenden Fleischteilen wird dann ein Zopf geformt, bei zwei Schnitzeln natürlich zwei Zöpfe.
Zopfmuster
Die abgeschnittenen Stücke kommen später mit in die Pfanne, als kleine Nascherei für den Koch. Die Zöpfe und die Abschnitte werden gesalzen und gepfeffert sowie nach Wunsch auch anderweitig gewürzt.
Auf dem Herd wird mittlerweile eine Pfanne heiß, in der ein Stückchen Butter zergeht.
Zergehende Butter
Bei nicht all zu großer Hitze werden dann die Fleischstücke in der Pfanne gebraten.
Braten
Spätestens beim Umdrehen werden wir merken, dass es gut gewesen wäre, die Zöpfe unten mit etwas Küchengarn oder einem Zahnstocher zu fixieren. Das sollte das aufdröseln der Flechtkunst verhindern.
Aufgehende Zöpfe
Nebenher richtet man einen Teller zum Beispiel mit Feldsalat, ein paar Tomatenspalten und einem passenden Dressing her; hier sind der Phantasie oder dem persönlichen Geschmack kaum Grenzen gesetzt.
Salat vorbereiten
Dem Geschehen in der Pfanne habe ich zum Schluss noch ein paar Tropfen Sojasoße beigegeben, auch, um dem Fleisch eine angenehme Farbe, aber auch etwas mehr Würze zu geben. Das ganze wird auf dem Salat angerichtet.
Angerichtet
Die flüssigen Reste aus der Pfanne kann man noch über dem Fleisch verteilen. Guten Appetit. Mal was anderes, auch für’s Auge.

Seeteufel am Tollensesee

Beispiele gibt es genug, meist sogar zu viel, aber zur Illustration seien ein paar genannt. Die Auster ist so ein Fall. Feinschmecker nennen sie einen Höhepunkt des Genusses, aber äußerlich und noch in Schale sieht das Ding einfach nur hässlich aus. Geschlagen wird es in dieser Eigenschaft eigentlich nur von allerlei Meeresgetier, zum Beispiel dem Seeteufel, der denkbar unansehnlich durch den Atlantik und andere Meere schwimmt, aber ein ausgezeichnetes Fleisch für allerlei Zubereitungen besitzt. Auch Kraken und Kalmare sind optisch eher gewöhnungsbedürftig, richtig zubereitet aber durchaus die eine oder andere Versuchung wert.
Der geneigte Leser dieses wie auch eines benachbarten Blogs wird sich meiner Suche nach einem guten italienischen Restaurant in der Region sicher erinnern. Aber: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“, hat mal irgendwer gesagt. Es ist zwar nicht oben benannte Auster, aber ein Seeteufel könnte es schon sein. So empfängt den Gast der Charme einer 1990er-Jahre-Industriebaracke, zweigeschossig, deren größter Teil nicht zur Gaststätte gehört. Vielleicht war da aber mal früher die Betriebskantine oder etwas ähnliches drin. Kommt man aber hinein, sprüht einem italienische Herzlichkeit (mit norddeutschem Akzent) entgegen. Das Interieur ist apenninisch schlicht, was bei weitem – das betrifft beide Aussagen – nicht unangenehm ist.
Erinnert sich noch jemand an den Italiener unter der Hochgarage – Eingang von der Ziegelbergstraße aus? Von draußen auch eher eine Auster, von innen aber auch. Das dortige Servicepersonal scheint im Seeteufel eine neue Heimat gefunden zu haben. Aber bei aller sympathischen guten Laune, die da verbreitet wird, ist es doch aber nicht nur gut für den Umsatz sondern auch gut für das Wohlbefinden des Gastes, wenn Gläser zügig wieder aufgefüllt werden. Das Auge war aber nicht nur blind, sondern wohl sogar zu. Spitzenleistung war, dass ein leeres trinkbehältnis auf dem Tisch durch den Service sogar verschoben wurde, um Platz für das Essen eines Gastes zu machen, aber gleich eine Neufüllung des Glases anzubieten, verbot vermutlich das Konzept der Einrichtung.
Das Essen war, das kann man zusammenfassend sagen, lecker. Die Meeresfrüchte in den Spagetti fruiti di mare überraschend präsent, das Medium-Steak wunderbar rosa und die Tagliatelle mit Pilzsoße und Rindfleischstreifchen nur einen Hauch über das al dente hinaus. Wortfetzen, die von den Nebentischen herüberwaberten, zeigten an, dass durchaus auch Sonderanfertigungen bei Pizza und Pasta möglich waren. Ob es die Pizza Margaritta auch gluten- und laktosefrei für Tomatenallergiker gegeben hätte, verschließt sich dem Berichterstatter. Aber irgendwo hätte sich sicher noch ein Basilikumblatt gefunden.
Zum Schluss noch ein Rätsel: Der Winter ist nicht unbedingt die Jahreszeit für frisches Obst und Gemüse. Das schränkt die Auswahl etwas ein, aber was war die Beilage bei den erwähnten Gerichten sowie beim nachtischlich bestellten Eis (mit Schlagsahne)? Eine kleine Hilfe in Stichworten: Spagetti mit Meeresfrüchten, Pasta mit Pilzen, Steck mit Kartoffeln, gemischtes Eis mit Sahne … und jetzt die gemeinsame allbegleitende Beilage: eine Kapstachelbeere. Also, nicht alle zusammen eine, sondern jeder. Da darf man gespannt sein, was in der Saison im Ristorante Laureato geboten wird.

Zahlensalat an Statistikdressing

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und wie andere Blogger auch möchte ich mir ein wenig der Statistik dieses Blogs widmen. Da Zugriffszahlen jeder kann, lass ich die aber mal weg und beschäftige mich mit einigen – wie ich finde – nicht uninteressanten Nebenwerten, die eine solche Statistik meist auch bietet. Alle Zahlen und Listen beziehen sich auf den Zeitraum 01.01.-25.12.2012 und ich gehe mal davon aus, dass sich da bis zum Jahresende nichts grundsätzliches mehr ändert.
Wie nicht anders zu erwarten, sind im Suchmaschinenvergleich die meisten Leser über Google auf diese Seite gekommen, mit weitem Abstand, aber auch das verwundert nicht. Auf Platz 6 liegt hier im Vergleich eine Übersetzungsseite namens Babylon; augenscheinlich gibts auch nichtdeutschsprachige Leser, die aber vermutlich mit meinem Schreibstil einige Probleme haben werden. Die Google Bildersuche liegt ganz weit vorne, aber das wundert bei den ganzen Essensbildern sicherlich auch niemanden.
Etwas interessanter wird die Liste der Suchworte, die letztendlich zum Besuch dieses Blogs führen. Auf Platz 1 liegt hier der Begriff Kochblogs, was irgendwie auch nahe liegt. Auf den Rängen befinden sich dann die Begriffe Grillhaus Nr. 1 Neubrandenburg (in unterschiedlichen Schreibweisen), Merquez (diese grobe Bratwurst), Lederfetisch und Roastbeef. Schön ist, dass auch direkt über den Suchbegriff Herdnerd zu diesem Blog gefunden wurde.
Aber nicht nur Suchmaschinen leiten hierher, auch andere Blogs und Webseiten sind hier fleißig. Auf Platz eins haben wir hier www.genussblogs.net, da freut man sich, wenn man wohl doch dazu gehört. Es folgen Facebook, Brigitte.de und Twitter sowie heike.essenvonau.de. Aber auch rundumgenuss.de und www.nbblogs.de finden sich unter den ersten 10. Danke also allen Verlinkern. Die Zahlen und Statistiken wurden mit Piwik erfasst.

Meine 7-Tage-Fischstäbchen

Zur Zeit gibt es Rezepte nur ohne Bilder, und das hat Gründe. Während bei der Entenbrust neulich einfach kein Apparat zur Hand war, gibt es hier andere Ursachen, die später einleuchten. Immerhin ist die Zubereitung etwas aufwendiger und erstreckt sich über mehrere Tage. Ob es immer genau 7 Tage sind, hängt u.a. vom Fischhändler Eures Vertrauens ab. Diese Bemerkung aber nur so nebenbei.
(Tag 1) Zum Wassertierdealer führt der erste Weg, um den Fisch zu bestellen. Der ist meist nicht vorrätig (in frischer Form, und nur so werden die Fischstäbchen nachher richtig gut). Man bestellt so viel Loup de mer (Seewolf) wie es das Portmonee her gibt bzw. soviel, wie gegessen werden soll. Der Fisch kommt filettiert in den Laden und das ist auch gut so.
(Tag 2) Ciabatta ist eine italienische Brotspezialität mit ganz besonderen Eigenschaften. Die feste Kruste und das grobporige Innere seien beispielhaft erwähnt. Da man hierzulande kaum echtes Ciabatta bekommt, meist nur irgendwelche nachgemachte Industrieware, bleibt einem nichts anderes übrig, als es selber herzustellen.
(Tag 3) Das Baguette wiederum kommt aus Frankreich und das echte hat mit dem, was hierzulande – ebenfalls meist industriell hergestellt – angeboten wird. Hier im Gericht wird natürlich das echte „Baguette de tradition française“ gebraucht, was heißt, dass man selber ran muss, um es herzustellen.
(Tag 4) Meist backt man ja nicht nur ein Baguette oder ein Ciabatta. Für das Gericht wird aber nur je eins genutzt, die anderen stehen dann zum persönlichen Genuss zur Verfügung. Geeignete Küchengeräte vorausgesetzt, gilt es nun, diese beiden Brote zu trocknen. Das geht am besten scheibenweise, wobei sich die Dicke der Scheiben an die Größe der Poren anpassen sollte. Idealerweise und damit eine möglichst gute Durchtrocknung erreicht wird, sollten die Scheiben so dünn sein, dass die Bläschen im Teig jeweils eine Öffnung nach draußen haben, die Scheiben aber noch von alleine ihre Form behalten.
(Tag 5) Heute wird es gefährlich, es könnte sogar Blut fließen. Oder die Küche könnte bleibenden Schaden erhalten. Je nach dem, für welche Variante der weiteren Verarbeitung man sich entscheidet. Plan a) ist, die Brotscheiben mittels einer mittleren Reibe in den Zustand „Brösel“ zu überführen. Dabei bleibt die Küche sauberer, aber wenn man mit den Fingern zu dicht an die Reibe kommt, fließt Blut. Plan b) ist einer echten Hackfleischzubereitung von Vincent Klink nachempfunden, wobei das mit Fleisch wirklich besser geht als mit trockenen Brotscheiben. Die werden auf eine geeignete Hackunterlage gelegt und dann wechselseitig mit zwei Chef-, Santoku– oder Kochmessern (oder so was in der Art), die je eine Hand des Koches zieren, bearbeitet. Fleisch pflegt dabei auf der Unterlage zu bleiben, Trockenbrot fliegt gern durch die Küche, was man durch geeignete Maßnahmen aber durchaus verhindern kann. Die fertigen Brösel werden nicht allzu dick auf einem Backblech verteilt, damit sie noch etwas nachtrocknen können.
(Tag 6) Es ist Zeit, den Fisch vom Händler zu holen. Bei der Gelegenheit sollte man sich auch gleich noch ein Paket Wachteleier und ein Fläschchen Arganöl besorgen. Den Rest hat man ja im Haus…
(Tag 7) Nun kommt zusammen, was zusammen gehört. Etwa eine halbe Stunde bevor die eigentliche Zubereitung los gehen soll, kommt der Fisch der besseren Schneidfähigkeiten wegen in den Tiefkühler, um leicht anzufrieren. Geputzt sollte er natürlich sein. Die Wachteleier werden in einen Teller aufgeschlagen und gut verquirlt. In einem Mörser zerstößeln wir eine Mischung aus grünem Indischen Pfeffer, Szechuan Zitronen-Pfeffer und Weißem Perlenpfeffer. Dazu kommt auch gleich eine gute Prise Andensalz, dem Fleur de Sel der Inkas. Mit dieser Mischung würzen wir das Wachtelei, rühren alles so kräftig durch, dass es fast ein wenig schaumig wird. Nun kommen die Fischfilets aus dem Tiefkühler und werden in fischstäbchenähnliche Stücke zerteilt. Jetzt geben wir noch die Brotbrösel direkt in die Ei-Salz-Pfeffer-Mischung, heben sie gut unter und ummanteln damit die Fischstäbchen. In einer tiefen Pfanne erhitzen wir eine Mischung aus marokkanischem Olivenöl und Arganöl, in dem wir dann die Fischstäbchen knusprig ausbacken.
Wer mag, kann jetzt noch aus einer seltenen Kartoffelsorte (zum Beispiel Vitelotte) in edlen Ölen ein paar geschnitzte Stäbchen frittieren und aus kaltgepresstem Rapsöl, polnischen Salzgurken, grünben Kräutern und ein paar der schon erwähnten Wachteleier eine Remoulade zusammenrühren. Das überlasse ich mal der Phantasie des Lesers, vor allem, wenn ihm meine Phantasiererei bis hierhin gefallen hat. 😉 Übrigens: Die profane Methode gibt es hier.