Geschmortes Wasser und andere Betrachtungen

Darf ich mal den Physiklehrer in mir rauskramen? Es ist tief vergraben aber auch einer da, immerhin  habe ich das mal im frühen Leben gelernt und abgeschlossen, wendebedingt sogar gleich zweimal. Ich darf mich Diplomlehrer und Haupt- und Realschullehrer nennen. Zugegeben, wirklich aktiv war ich auf dem Gebiet nie, dank der Beendigung meines Studiums/Referendariats zum Zeitpunkt der großen Lehrplan- und Stundentafelumstellung 1991 wollte man meine Dienste nicht und ich bin dann anderweitig abgebogen, mit steigender Entfernung. 

Nerdig* dozieren mag ich aber immer noch gern. Meine Umgebung weiß das zu schätzen (bzw. leidet manchmal darunter). So möchte ich heute über Aggregatzustände erzählen, deren es klassischerweise drei gibt: fest, flüssig, gasförmig. Wer etwas tiefer einsteigt (oder vom Temperaturniveau eher höher), kann das Plasma als 4. Aggregatzustand gern dazunehmen. Das kochbloggende Leben ergänzt dann um weitere. Hierbei spezialisieren wir uns allerdings auf die Aggregatzustände von Wasser. Bekannterweise liegt es mal fest (Eis), flüssig (Leitungswasser) und gasförmig vor. Im letzteren Fall würde der Wasserdampf die nicht ganz stimmige Verbildlichung sein, ist dieser doch eine Mischung aus der eigentlichen gasförmigen Phase und nebelförmig (als Aerosol) vorkommendem, eigentlich flüssigem, mitgerissenem Wasser, der Dampf. Wasser als Plasma bekommen wir in der Küche im allgemeinen nicht hin. Trotzdem kann es den 4. Aggregatzustand auch in der Küche geben, in Neonröhren oder Energiesparlampen zum Beispiel, auch in Funkenerzeugern bei Gasanzündern u.ä. Lichtbögen sind auch Plasma, aber in der Küche recht ungebräuchlich.

Allerdings kennen wir in der Küche noch drei weitere Aggregatzustände für Wasser, wobei wir ein wenig das Gebiet der Physik in Richtung Ironie und Sonntagsmittag verlassen. Aufgezählt in der Reihenfolge, wie sie mir zur Kenntnis gekommen sind, sind das die Phasen schnittfest, knackig und schmorbar, verbildlicht durch die Tomate (außerhalb der Saison), dem Eisbergsalat und der Schmorgurke. Letztere enthält mit 97% Wasser mehr als bspw. Orangensaft (95%) oder der Mensch (hier streiten die Quellen, ich schreib mal einfach 76%). So habe ich also am Sonntag versucht, Wasser zu schmoren. Ich sach ma so: Grundsätzlich ja, wäre auch nicht das erste Mal, aber sonst mache ich es von den Zutaten her sehr viel anders, was das Ergebnis … naja … doch etwas anders machte.

Sonntagmittag

Auf die Idee kam ich durch einen anderen Kochblog, in dem Schmorgurken mit Schmand und Dill (u.a.) vorgestellt wurden. Das sah zwar sehr weiß, aber doch auch interessant aus. Ob das Ergebnis besser geworden wäre, wenn ich mich sklavischer ans Originalrezept gehalten hätte, weiß ich natürlich nicht, beim nächsten Mal mach ich auf jeden Fall einiges anders.

Schmorgurke, Salzkartoffeln, Hüftsteak

In etwas Butter habe ich zuerst ein paar Zwiebelwürfel leicht anschwitzen, aber nicht anbräunen lassen. Warum im Original dort Butterschmalz verwendet wird, weiß ich nicht. Okay, Butterschmalz kann man höher erhitzen, aber so heiß wird hier doch gar nicht gekocht. Meine Schmorgurke habe ich der Länge nach halbiert und dann in halbwegs gleichdicke Scheiben geschnitten. Entgegen dem Original habe ich die Kerne drin gelassen. Ich hatte keine Gemüsebrühe zum Aufgießen, so sollte das Gurkeninnere für ein wenig Geschmack und Flüssigkeit sorgen. Immerhin mehr, als wenn ich nur Salzwasser genommen hätte.

Apropos Gemüsebrühe. 1/4 l sollte dazukommen. Ich habe nur eine Espressotasse Wasser als Starthilfe zugegeben, später wurde das aber alles doch sehr viel flüssiger als nötig. Und ich mag viel Soße … In die angeschmorten Zwiebeln kam etwas Senf und dann die zerkleinerte Gurke, alles wurde zum Kochen gebracht, etwas Salz und Pfeffer gab die Anfangswürze. Deckel drauf und schmoren lassen. Nebenbei habe ich die Salzkartoffeln gekocht (ganz klassisch) und das Fleisch aus der Verpackung befreit. 

Schmorgurke, Salzkartoffeln, Hüftsteak

5 Minuten sollte man die Gurken schmoren lassen. Also, meine waren nach 15 Minuten noch sehr knackig. Wobei mir eben auffällt, dass ich offenbar einen Schritt**, der einiges erklären könnte, übersprungen habe.  Als sie al dente waren, habe ich den Schmand und dann auch den Dill dazu gegeben. Alles gut umgerührt, das Fleisch fertig gegrillt und alles angerichtet.

Schmorgurke, Salzkartoffeln, Hüftsteak

Die weiße Schmand-Variante hat was; mal sehen, wie sie die Tage aufgewärmt schmeckt. Wer isst schon eine ganze Schmorgurke auf einmal? Dann gibt es Wildknacker dazu. Das Fleisch hier war ein mariniertes Hüftsteak vom Schwein. Es verhielt sich auf der Grillplatte recht gut, gerade auch für ein Industriefleischstück. Allerdings sind Hüftsteaks keine Nackensteaks, man kriegt sie auch gut trocken gegrillt. Ich hab’s in saftig geschafft, allerdings – irgendwas ist ja immer – war mir das Fleisch zu stark gesalzen (und ich habe nix drauf getan). Vielleicht war der unbekannte Fleischer unglücklich verliebt …

P.S. (am Montag): Schön in Plastedose verpackt, in der Mikrowelle erwärmt und dann, der Kultur wegen, wenigstens auf einem Teller serviert – die Montagmittagedition des Gerichtes:

Schmorgurke, Salzkartoffeln, Wildknacker, KantineneditionDie Wildknacker hatte ich einfach mit in das mikrowellengeeignete Gefäß geschnibbelt, sie wurde schön erwärmt im Umfeld des anderen Essens. Irgendwie sieht das aber auch aus wie ein Unfall. 😉 

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*) Die Autokorrektur wollte „Nervig“ draus machen, irgendwie stimmig und erheiternd

**) Im Original wurden die Gurkenstücke erst gesalzen und dann abtropfen gelassen. Das „gart“ natürlich auch etwas vor. 

Fleeesch und gefüllte Alufolie

Den Sonntag prägen bei mir in Summe drei Tätigkeiten: Mittagessen, Vorbereitung und Produktion der aktuellen Ausgabe von RundumGenuss und dazwischen das Sonntagskaffeepäuschen. Seit einigen Wochen trage ich die Idee mit mir herum, eine Art ganz schnellen Pflaumenkuchen dafür zu erstellen. Der vorläufige Höhepunkt kam heute zustande: Ich hatte mit Hinblick auf die Weihnachtszeit bereits einen kleinen, sehr kleinen Stollen im Hause, den wollte ich entpudern und dann als Basis für den Pflaumenkuchen verwenden. Ein paar Scheiben sollten als Unterlage für die geachtelten, ebenfalls vorhandenen Pflaumen dienen. Den Puderzucker vom Stollen hätte ich dann oben auf die Pflaumen gegeben und alles unter den Grill gestellt, bis der Zucker geschmolzen und die Pflaumen oben leicht angegart gewesen wären. Etwas Saft hätte vielleicht noch die Stollenscheiben getränkt, erwärmt worden wären sie sowieso.

Da ich vom Backen aber so gut wie keine Ahnung habe, verschob ich das Experiment auf St. Nimmerlein und aß die Pflaumen naturell zur Stolle. Tasse Milchkaffee dazu, das war auch nicht schlecht.

(P)Salzstreuer

Zum Mittag stellte sich dafür ein interessantes Rätsel. Ich fand den Pfeffer in dem Behälter schon sehr kristallin. Oder war es Psalz? Vielleicht als Kurzfrom für pakistanisches Steinsalz? Aber dafür hätte es etwas rosaner aussehen müssen und ein H auf dem Deckel wäre sinnvoller. Zumindest, wenn man die Verkehrsbezeichnung „Himalaya-Salz“ für Pakistanisches Steinsalz aus dem Salzgebirge im Punjab nicht als Irreführung identifiziert.

Es könnte natürlich auch nur ein ehemaliger Pfefferstreuer sein, der, seiner eigentlich Funktion – kulinarisch völlig zu recht – beraubt, auf Salzstreuer umgeschult hat. Eine kleine Pfeffermühle stand auch auf dem Tisch.

Beide Gerätschaften wurden allerdings mit Nichtachtung bestraft, war das auf den Tisch gebrachte Essen hinreichend gewürzt und schmackhaft.

Hüftsteak an BackkartoffelDiesmal hatte ich mich für ein Hüftsteak entschieden – man soll ja nicht immer das gleiche essen. Das kam recht gut vollendet vom Grill, die Backkartoffel mit Sour Creme (oder sowas in der Art) war auch recht lecker. Und sie brachte auch einen Löffel mit, der zum Ende hin durchaus auch ein kleines „Problem“ löste, dass ich bei einem früheren Besuch hatte. Auch das Hüftsteak erwies sich als entsprechend saftig, dass der Löffel auch hier zum Schluss gute Dienste tat.

Schnelles Abendbrot

Gutes Essen muss nicht lange dauern, aber trotzdem ist die Zeit doch nach wie vor eine wesentliche Zutat für ein gutes Essen. Die Frage ist nur, wie man beides geschickt zusammen bekommt. Natürlich durch Planung. Und die funktioniert sogar bei spontanen Ideen. Auf dem Heimweg erwarb ich ein paar „Dinkelbrötchen“, was im wesentlichen daran lag, dass anderes, von mir bevorzugtes Backwerk irgendwie nicht mehr verfügbar war. Aber der leicht kernige Geschmack sollte sich als recht passend herausstellen.
Zu Hause wusste ich noch ein Hüftsteak und etwas Feldsalat im Kühlschrank, und so lag das Abendbrot gedanklich schon auf der Hand, eigentlich auch schon fast auf der Zunge. Zu Hause angekommen entnahm ich dem Kühlschrank als erstes das Fleisch, so dass es etwas Temperatur annehmen konnte. Dann zog ich Jacke und Schuhe aus und brachte mich in einen heimisch beovrzugten bequemen Zustand. Dabei entschloss ich mich zu einer denkbar einfachen, aber durchaus geschmackvollen Zubereitung.
Nachdem ich eine Handvoll Feldsalat gut abgespült hatte, widmete ich mich dem schon etwas temperierten Fleisch, befreite es aus seiner Verpackung und zerlegte es in zwei etwa glelich große Teile, die dann jeweils auf einem Brötchen landen sollten, ohne groß vorzustehen. Die beiden Hälften wurden gesalzen und mit ein wenig Rapsöl eingerieben. Das spart die Ölung der Pfanne. Die wurde gut und inständig aufgeheizt und dann das Fleisch von beiden Seiten schnell angeröstet. Da die Scheibe nicht besonders dick war, entschloss ich mich, das Steak in der Pfanne bei geringer Hitze weitergaren zu lassen. Als lukullischer Gast kam zur geschmacklichen Abrundung gleich noch etwas Butter mit in die Pfanne.
Die Brötchen wurden aufgeschnitten und die unteren Hälften mit Feldsalat belegt.
Feldsalat auf Brötchen
Darauf wurde dann eins von den Fleischstücken abgelegt.
Steakhälfte mir drauf
In die Butter in der Pfanne kamen noch ein paar Tropfen Balsamico-Essig und wurden gut aufgerührt. Das Fleisch wurde noch gepfeffert.
Soße aufs Fleisch
Die Soße aus der Pfanne wurde dann auf dem Fleisch verteilt und die obere Brötchenhälfte ergänzt.
Steakburger trivial
Das ganze gab ein einfaches, aber leckeres Gericht. Der Varianten gibt es viele. Guten Appetit.

Das Zwischending

Manchmal stellt sich die Frage, ist das eigentlich noch ein Dipp oder doch schon ein Salat? Dieser Frage werden wir nachgehen, und zum Schluss steht dann doch ein Hauptgericht auf dem Tisch, auch wenn es bei den anfänglichen Zutaten noch nicht so aussieht.
Die Zutaten (einige fehlen)
Das sieht nach einem Gurkensalat aus, könnte aber auch ein Tzatziki werden. Lassen wir die Zwiebeln doch erstmal beiseite und nehmen nur den Rest. Da wird erstmal gehobelt, was das Zeug hält, natürlich in kleine Stifte.
Gurke gestiftelt
Die Gurkenstifte werden gesalzen und kurz ruhen gelassen. In der Zeit werden nach Gusto Knoblauchzehen geschält und klein gehackt. Das sich in der Zeit bildende Gurkenwasser wird abgeschüttet. Dann kommen Salz, Pfeffer, der Knoblauch und der Quark mit in die Schüssel. Alles wird gut umgerührt. Und da der Quark nicht gereicht hat, kam noch ein halbes Glas Joghurt dazu.
Doch ein Tzatziki
Das wird abgedeckt und kalt gestellt.
Kommen wir zu den Zwiebeln. Die werden grob zerkleinert und dann einer heißen und geölten Pfanne überantwortet.
Zwiebeln in die Pfanne
Auch hier wird gesalzen und alles gut angeschmurgelt. Später kommt noch ein walnussgroßes Stück Butter dazu und alles schmort noch weiter. Es kann auch leicht anbräunen. Auch eine kleine Prise Zucker schadet nicht.
Geschmorte Zwiebeln
Die Pfanne stellen wir beiseite und bereiten den Grill vor. Irgendwo fand sich noch ein Hüftsteak (nicht unbedingt erste Wahl, aber bis auf eine Knackwurst hatte ich nichts weiteres im Kühlschrank, die bot sich aber nicht unbedingt zur weiteren Verarbeitung an.
Steak auf dem Grill
Das wird fachgerecht zubereitet.
Steak optisch lecker
Die angeschmorten Zwiebeln werden aufgewärmt.
Zwiebeln und Steak auf dem Grill
Wo ihr jetzt noch eine gekochte oder gebackene Kartoffel her nehmt, weiß ich nicht. Irgendwie hat die sich bei meinem Kochen nebenbei auch noch zubereitet. Alles zusammen kommt dann auf einen hinreichend großen Teller.
Zwiebelrostbraten mit Backkartoffel und Tzatziki
Nennen wir es jetzt „Zwiebelrostbraten mit Backkartoffel und Tzatziki“. Guten Appetit.

Fast Food

Hier mal echtes, leckeres und gesundes Fastfood. Die Herstellung – ich habe mal extra nicht fotografiert, sonst wäre es nicht so schnell gewesen – nahm keine 10 Minuten in Anspruch, das genussvolle Essen dauerte länger. Die Herstellung ist denkbar einfach: Hüftsteak in der gewünschten Menge auf eine einheitliche Dicke plattieren, mit Salz und Pfeffer würzen und in einer Eisenpfanne mit etwas Öl braten. Nebenher Salatherz waschen und putzen sowie auseinandernehmen und auf den Teller legen. Aus Ölivenöl, Balsamico-Essig, Salz, Pfeffer und einem Klecks Senf ein Dressing verquirlen, auf dem Salat verteilen. Zwischendurch wird das Fleisch einmal umgedreht.
Fast food
Hat es den gewünschten Gargrad erreicht, kommt es mit auf den Teller und ruht dort noch ein paar Minuten. Dann kann angeschnitten und gegessen werden.
Lecker
Sieht das nicht lecker aus?!

Nicht ganz ein Steaksandwich

Während es bei anderen schon zur lieben Tradition geworden ist, das Sonntagsmittag im Blog zu veröffentlichen, scheint es sich hier einzubürgern, das sonntägliche Abendbrot abzulichten und ins Netz zu stellen. Nun, sei es so oder nur den Vorgaben von außen geschuldet, wir werden sehen. 😉
Ein argentinisches Hüftsteak musste heute fürs Abendbrot herhalten. Es stammt aus dem gleichen Einkauf wie das Roastbeaf von vor einer Woche, gut vakuumiert und mit Mindesthaltbarkeitsdatum noch in der Zukunft. Die Zubereitung geschah ähnlich, wenn ich es auch des Zieles wegen halbierte. Die beiden Stücke wurden gesalzen, geölt, gegrillt und gepfeffert (genau in der Reihenfolge).
Nebenher wurden 2-3 Teelöffel Cocktailsoße mit einem Teelöffel Senf (natürlich der gute aus Stavenhagen – mit Tutow im Namen) verquirlt, ein paar Feldsalate gewaschen und getrocknet sowie zwei Brötchen aufgeschnitten. Die fast verzehrsfertige Zusammenstellung sah dann, schnell mit dem Handy fotografiert, so aus:

Vor dem Essen wurde dann natürlich der Deckel des Brötchens obendrauf platziert und das ganze ein wenig flach gedrückt, damit es beim Abbeißen (mit nachfolgender Genusstonabgabe) nicht zu einer Maulsperre oder Unterkieferausrenkung kommt.