Urlaub, Reste, auswärts essen

Für Sonntag suchte ich mal wieder etwas zum bekochen lassen. Eine Freundin und ich fahren manchmal durch unsere schöne Gegend, um dann irgendwo einzukehren. Natürlich wollen wir nicht auf blauen Dunst irgendwo hin, deswegen wird natürlich reserviert. Dafür suche ich – natürlich in diesem Internet – nach möglichen Essens-Reise-Zielen. Und wenn ich schon mal dabei bin, nutze ich angebotene Formulare auch gern für die Reservierung. Blöd nur, wenn man darauf dann keine Antwort bekommt. Natürlich könnte ich auch anrufen, aber meist suche ich zu Zeiten, wo dann keiner am anderen Ende abnehmen würde. Wenn die Betreiber aber keine Reservierung per E-Mail oder Formular machen wollen, sollen sie es daneben schreiben. Habe ich auch schon mal so vorgefunden und, weil ich das Restaurant trotzdem interessant fand, dann am kommenden Tag zu einer „christlichen Zeit“ angerufen. Aber einfach ignorieren … Finde ich blöd. Aber das schrieb ich wohl schon.

Die Woche (in Auszügen)

An einem Tag war ich mit Verwandtschaft zum Mittag verabredet und wir griffen beide beim Gericht von der Tageskarte zu. Das klang in mehrere Richtungen interessant.

Preistafel "Ossobuco vom Hirsch" mit Beilagen für 10 €Von der Bestellung zum Genuss dauerte es auch gar nicht lange.

Ossobuco vom Hirsch, mit Wurzelgemüse und Boullion-KartoffelnUnd ich muss sagen: Das kann man durchaus empfehlen. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal für 10 € so gut auswärts gegessen habe. Auch wenn es nicht so aussieht, aber es war ein Löffelgericht, wie ich es mag. Viel gute Soße und entsprechend geschnittene Beilagen. Und selbst die Hirschbeinscheiben ließen sich mit dem Löffel in mundgerechte Stücke teilen. Was will ich mehr?!

Apropos Löffelgericht. Aus der eigenen Küche kam nochmal Pasta auf den Tisch, ich erinnere an die selbstgekochte Tomatensoße, die noch portioniert zur Verfügung stand.

Pasta, Tomatensoße, GarnelenDiesmal aufgepeppt mit ein paar marinierten Garnelen (Knoblauch und Chili). Quasi übrigens ein One-Pott-Gericht. Nudeln al dente kochen, abgießen, Soße dazugeben, erwärmen, Garnelen dazugeben, erwärmen, fertig.

Irgendwann gab’s auch noch einen Salat zum Abendbrot. Ich hatte schönen Pflücksalat gesehen, ein paar Cherrytomaten noch im Haus und Lust, mal wieder Dressing selbst zu machen.

Pflücksalat, Minimozzarella, Tomaten, Dressing, ungeschütteltÜbrigens gilt bei Schüsseln etwas ähnliches wie bei Pfannen. Ein passender Deckel hilft bei vielen. Der gewaschene Salat, die halbierten Minimozzarella-Kugeln und die ebenfalls halbierten Cherrytomaten wurden mit der Soße ergänzt. Die hatte ich in einem Schraubglas (dichtschließend!!!) erschüttelt. 2x. Beim ersten Mal vermengte ich Senf, Zwiebelwürfeln, Zucker, Salz, Pfeffer und weißen Balsamico so, dass sich die löslichen Anteile lösten. Dann kam noch eine Mischung aus Raps- und Olivenöl dazu, wurde nochmal kräftig geschüttelt und fertig war das Dressing, das dann über den Salat gegeben wurde. Sogleich kam der Deckel auf die Schüssel und alles wurde nochmal sanft, aber nachhaltig bewegt.

Pflücksalat, Minimozzarella, Tomaten, Dressing, geschütteltDie Salateinlagen rutschten dann zwar nach unten, aber dazu gibt es Essbesteck, um da dann dran zu kommen. Erfrischend lecker. Vielleicht etwas zu viel Essig … Aber die Flasche war dann leer.

In Richtung Wochenende ging es dann auch darum, langsam verfallendes zu verarbeiten. Das führte dann zu einem Pfannengericht, dass gerade so keine Frittata oder irgendwas in Schmandsoße geworden ist.

Speck-Pak-Choi-Kartoffel-PfanneDurchwachsener Speck wurde in Streifen geschnitten, in ein wenig zusätzlichem Fett ausgelassen und ein wenig angebräunt. Dann kam das weiße von den Pak Choi dazu, da das etwas robuster ist als der Grünanteil. Deswegen wurde es auch grob („mundgerecht“) vorgeschnitten. Die Kartoffeln waren schon gar, wurden geviertelt/gesechstelt/geachtelt (je nach Größe) und dann in der Pfanne in Verbindung mit dem geschmacksgebenden Speck aufgewärmt (unter Deckel). Etwas Pfeffer kam auch noch dazu, Salz war entbehrlich. Zum Abschluss wurden noch die Grünteile des Pak Choi mit untergeschwenkt. Da der Becher Schmand noch bin in den November haltbar war, habe ich zum Glück drauf verzichtet, wobei: Etwas mehr „Soße“ wäre schon schön gewesen. Optisch war es ohne Schmand auf jeden Fall besser; und für eine ausgewachsene Frittata hatte ich nicht mehr genug Eier im Haus.

Sonntagmittag

Apropos „optisch“: Ich mag ja Essen mit schönem Ausblick. Und damit meine ich nicht unbedingt den Ausblick auf ein möglicherweise vorhandenes Dessert- oder Kuchenregal für den Nachtisch, sondern durchaus auch den Ausblick ins „Grüne“, dass jahreszeitbedingt eher das „bunte“ und „laute“ war.

Essensausblick am KreuzseeWobei der Weg dahin schon etwas bunter war als dann die Natur vor Ort. Das „laut“ bezog sich übrigens auf genauso zahlreichen wie unzähligen Wildgänse auf der Grünfläche links hinter dem Wald, die sich wortreich unterhielten. Wir sahen sie kurz vor der Ankunft.

Essensausblick am KreuzseeAber beim Fahren soll man ja keine Bilder machen. Unten rechts sehen wir den Ansatz einer Terrasse, die (aber nicht nur die) doch intensiv anregte, im späten Frühjahr doch nochmal den Weg an diesen Ort zu finden. Sie war mit Tischen und Stühlen versehen und lud förmlich dazu ein, draußen zu essen. Allein die Temperaturen sprachen doch dagegen.

Die Küche war eher klassisch, gutbürgerlich. Das Vorspeisendreierlei Soljanka, Backcamenbert und Würzfleisch spricht Bände. 😉 Es gibt aber auch tages- oder jahreszeitlich ergänzte (Vor-)Speisen. Ich wählte mir einen Restaurantklassiker aus, bei dessen Menüpunkt auch das Wort „hausgemacht“ vorkam:

Mecklenburgischer Backpflaumenbraten, Rotkohl, Klöße (selbstgemacht)Soooo viel Soße, wie das aussieht, ist es übrigens gar nicht. 😉 Sie hat gerade so für die beiden „hausgemachten Klöße“ gereicht. Das Rotkraut war ungewohnt grob und hatte eine leicht übertriebene Essignote, aber alles im Bereich „ungewohnt, aber lecker“. Unter der Orangenspalte verbirgt sich eine Scheibe Backpflaumenbraten, Schweinebraten mit Backpflaumenfüllung.

Mecklenburgischer Backpflaumenbraten, Rotkohl, Klöße (selbstgemacht)Alles in allem sehr lecker, und auch der Inhalt des Nachbartellers mit einem Gericht, das ich auch ins Auge gefasst hatte, sah sehr angenehm aus. Also: Die Reise im Frühjahr ist innerlich bereits gebucht, ich überlege sogar, die mögliche „Ferienwohnung“ mal zu nutzen. Da muss ich mich aber nochmal über die Preislage informieren.

Es ist noch Soße da

Soße ist wichtig, vor allem für uns Mecklenburger und Vorpommern. Ohne Soße geht gar nicht. Schön ist, dass die internationale Küche so viele Gerichte bereit hält, bei denen sich fast wie von allein Soße bildet. Schmorgerichte sind eine Kategorie, wo dergleichen passiert, wenn man nichts verkehrt macht. Inspiriert von einem italienischen Rezept und in Gedenken an einen früheren Versuch (noch ohne Bilder) sowie initiiert durch ein Angebot eines Fleischers habe ich mich versucht, dem Ossobuco weiter anzunähern.
Dreh- und Angelpunkt ist entgegen der rustikalen Variante keine Beinscheibe vom Rind, sondern vom Kalb. Genau das fand ich in einer Fleischtheke, erwarb es und bereitete es zu. Dazu gehörte zuerst ein Bemehlen und in wenig Öl anbraten.
Kalbsbeinscheibe anbraten
Nebenher wird diverses Wurzelgemüse und etwas durchwachsener Speck gewürfelt und nach und nach in die Pfanne gegeben.
Speck und Tomatenmark dazu
Hier habe ich mal mit Speck und Tomatenmark angefangen (Zwiebel und Paprika wäre auch noch eine Idee, aber wie wollen ja kein Gulasch herstellen). Sind Mark und Speck angeschwitzt, kommt das Gemüse dazu.
Gemüse dazu
Lauchstangen, Möhren, Petersilienwurzeln sind scheibliert und halbiert, werden mit angebraten und dann mit div. Gewürzen gewürzt.
Würzen
Salz, Pfeffer, Paprika, Kräuter der Provence und etwas Knoblauch kommen dazu, anschließend wird alles mit so viel Wasser abgelöscht, dass der Pfanneninhalt halbwegs bedeckt ist. Deckel drauf nicht vergessen.
Schmoren Start
Ein Umrühren vorher schadet übrigens nicht. Vorsicht nur, dass die Beinscheibe nicht zu stark strapaziert wird. Die Hitze wird auch herunter geregelt, so dass der Pfanneninhalt jetzt ein gutes Stündchen zart vor sich hin schmurgelt.
Zwischenstand
Irgednwann sieht derPfanneninhalt dann so aus, hier kann durchaus noch etwas Wasser oder eine andere geeignete Flüssigkeit (Brühe, Rotwein) nachgegossen werden.
Das Gemüse wird weich geschmort, das Fleisch fällt schon fast vom Knochen.
Schmoren, weiterer Zwischenstand
Mit einer Gabel kann man das Gemüse schon grob zerkleinern, später wird es sowieso noch weiter zerkleinert und ggf. auch püriert.
Fast fertig
Nachdem nochmal Wasser aufgegossen und alles gut durchgerührt wurde, wird abgeschmeckt. Dann entfernen wir nach Möglichkeit die Beinscheibe bzw. die Teile davon und lagern sie auf einem Teller aus.
Bei der Fertigstellung
Der Pfanneninhalt kann jetzt mit einem Kartoffelstampfer weiter zerkleinert werden, natürlich bieten sich auch ein Pürierstab oder ein anderer Mixer an. Ich habe nur gestampft und noch etwas saure Sahne untergerührt. Dann kann angerichtet werden.
Ossobuco
Ich gebe zu, es war etwas zu viel Soße. Aber dafür konnte das ganze Gericht mit dem Löffel gegessen werden. Das Fleisch war soooooo zart, man brauchte weder Gabel noch Messer. Natürlich könnte man auch etwas Pasta, Polenta oder ein paar Klöße dazu machen … Soße ist genug da.