Sonntag (Tag 90, 19.01.2020)

Klischees und Vorurteile – immer gern genutzt, sollen sie doch das Leben erleichtern. Nur zu fest manifestieren darf man sie nicht, muss man sie doch immer mal wieder umarbeiten; teils, weil sie nicht mehr stimmen, teils, weil man feststellt, dass sie noch nie gestimmt haben. Als empirisches Beispiel – doppelt hält besser – sei das heutige Mittagessen angeführt. Es gab gutbürgerliche, Mecklenburger Küche.Die Speisekarte bot allerlei an, Salate und Gemüse als Beilage inklusive. Wenn ich da im Vergleich an den letzten Sonntag denke, einige Klassen besser. Jahreszeitlich bedingt war es zwar meist Rotkohl, aber immerhin. Ich griff zu.Da der Kohl etwas höher aufgetürmt war als das Wildgulasch drumrum, sieht es nach recht wenig Gemüse aus, es war aber mehr, als es den Anschein hatte. Die Klöße waren Fabrikware – nobody is perfect.Parallel zum á la carte Geschäft gab es auch Büfett-Essen als Aktion. Aufgebaut war das große Eisbein-und-Haxen-Büfett und fand auch regen Zuspruch. Praktisch war, dass die Service-Kräfte beim Büfettaufbau an unserem Tisch vorbei mussten und ich sehen konnte, was geboten wurde. Und das war durchaus interessant. Wider eventueller Erwartungen fiel Vatterns Vorschlag, beim nächsten EuH-Büfett mitzumachen bei mir auf wohlwollenden Boden, um mal zwei Floskeln durcheinanderzubringen. Es stellte sich heraus, dass ich meine Ernährungs-Richtlinien wunderbar werde einhalten können. Und das an einem Eisbein-Büfett! Wenn das mal kein Widerspruch ist, zumindest, wenn die Klischees stimmen würden. Natürlich lagen auf dem Büfett Stücke herrlich fettem Eisbeins, aber da kann man ja drumrum essen und sich nur ein paar magere Fleischstücke raussuchen. Das gleiche gilt für die Haxen (ich konnte nicht genau erkennen, ob die wirklich gegrillt oder “nur” gebacken oder geschmort waren). Die liegen zwar im flüssigen Fett, dass aus ihnen ausgetreten ist, aber dadurch sind sie, wenn man sie abtropfen lässt, etwas angenehmer. Aber, was ganz wichtig war, waren die großen Warmhaltebehälter voller Mischgemüse, Rosenkohl und Sauerkraut, die ich sehr positiv bemerkt habe. So kann ich mir also, wenn es denn zum Termin kommen sollte, den Teller wunderbar voll Rosenkohl und Sauerkraut hauen, ein paar magere Fleischstückchen dazu und eine Kartoffel, um die Soßenreste vom Teller zu bekommen. Top.

Das Sonntagsabendbrot war eine Variante des Mittags am Sonnabend. Jedenfalls wurden im wesentlichen die gleichen Grundzutaten verwendet, nur anders zubereitet. In der nachfolgenden Schüssel befinden sich halbierte Datteltomaten, eine klein geschnittene Biotomate, je eine rote und weiße Spitzpaprika. Dazu eine kleingeschnittene Schalotte und in dem Fall etwas Knoblauchpulver. Salz und Pfeffer sind auch schon mit dabei. Die Gemüse sind alle etwas kleiner geschnitten als gestern.

Fehlt ein passendes Dressing. Dafür habe ich immer ein gut abschließendes Schraubglas im Hause.

Was hier noch etwas komisch aussieht ist Olivenöl, eine Mischung aus Raps-, Sonnenblumen- und Leinöl, Balsamicoessig, Senf, Salz, Pfeffer und eine Prise Zucker sowie etwas Wasser. Ist alles im Glas wird der Deckel geschlossen, dann überprüft, ob er auch wirklich noch dicht ist und dann kräftig geschüttelt.

Die fertige Emulsion sah dann so aus und schäumte auch ein wenig und fein. Das kommt dann über den Salat.

Und damit das ordentlich durchziehen kann, wird alles gut durchmischt.

Die Zeit, die dann die Kasslerhähnchenkeule im Heißluftofen rotiert (16 min. bei 170°C) hat dann der Salat zum Durchziehen.

Und so sah dann das Abendbrot aus. Keule mediterran. Eher was sommerliches. Aber die Sonne hat heute so ein bisschen geschienen. In der sommerlichen Variante würde ich kein Balsamicoessig nehmen. Da sind die Tomaten aromatischer und werden nur mit Salz, Pfeffer und Schalotte angemacht. Natürlich hätte man auch Mozzarella klein schneiden und in den Salat mischen können (also den mit Balsamico), dann wäre die Keule entbehrlich gewesen, aber einerseits musste die weg, andererseits möchte ich den sehen, der hier in der Provinz Sonntagabend nach 18:30 Uhr irgendwo Mozzarella kaufen kann … ;-) Im Hause hatte ich keinen.

Ein großes Problem hat übrigens meine Verpflegung von diesem Wochenende. Ich habe nichts für die Woche, was ich zum Mittag mitnehmen kann … Aber ich muss Montag sowieso einkaufen. Dann bin ich vermutlich ab Dienstag wieder auf Kurs.

Weihnachtsfeiertage (24.-26.12.2019)

Ja, ich weiß, dass der Tag des Heiligabends kein Weihnachtsfeiertag ist, irgendwo hörte ich mehrfach den Begriff “Heiligtag”, was ich für hanebüchenen Unsinn halte. Aber was weiß ich schon.

Der kulinarische Weihnachtsessenstaffellauf begann traditionell am 24.12. mittags mit …

… Spinat und Spiegelei. Für den naturalistischen Blattspinat habe ich noch vorher ein paar Würfelchen weißen Speck ausgelassen und ihn final mit Salz, Pfeffer, Muskat und etwas Knoblauch abgeschmeckt. Die Eier bekamen sofort nach dem Eintreffen in der Pfanne auch etwas Salz und Pfeffer mit, nachdem sich vorher etwas Butter im Kochgeschirr breitgemacht hatte.

Ach so, nicht wundern, dass die Küche plötzlich so anders aussieht, aber die nächsten Gerichte kommen aus Vatterns Küche.

Der heilige Abend

Botaniker werden es erkannt haben: Ein Weihnachtskarpfen. Frisch geschuppt und ausgenommen, gesalzen, gepfeffert, mit einer halbierten Zwiebel im Bauch und etwas Butter oben drüber und unten drunter. Das reicht. Zumindest für die Vorbereitung. Dann noch eine gute halbe Stunde in den Backofen.

So sieht der Fisch nach 35 Minuten aus. Das Baguette-Brot kam 10 Minuten vor Schluss mit hinein und hätte vielleicht noch etwas Hitze vertragen können. Aber der Fisch: zart und saftig! Und so einfach! Das sollte man öfter mal essen, auch unterm Jahr und nicht nur am Ende.

Der 1. Weihnachtsfeiertag

Über dem ersten Feiertag schwebte – vermutlich letztmalig – eine Jahresendflügelfigur in Form einer “kleinen” Ente. Am Vorabend haben wir sie geleert (es waren noch einige Innereien drin), geputzt, gesalzen, gepfeffert und wieder gefüllt, diesmal aber mit einem Boskop (geviertelt), einer Apfelsine (gedrittelt) und 3 kleinen Zwiebeln. Damit sie unten nicht ansetzt, habe ich auf dem Bräterboden drei der Länge nach halbierte Möhren gelegt, auf die dann die Ente kam. Die Innereien ergänzten den Topfinhalt und ein drittel Liter Wasser. Deckel drauf und wieder auf den kalten Balkon. Am nächsten Morgen gegen 8 Uhr kam dann die ganze Chose in den Ofen bei 100°C. Als ich dann gegen 11 Uhr dazu kam, stellte sich die Ente als fast gar, aber noch etwas blass heraus, also Deckel runter und den Grill angeschmissen. Nebenbei wurden die Semmelknödel (Convenience) und der Rosenkohl sehr naturalistisch zubereitet. Letztendlich kamen beide in eigene gesalzene Wässer zum Erhitzen und Garen. Für den Kohl wurden auch noch ein paar weiße Speckwürfel ausgelassen und sie letztendlich drin final geschwenkt. Daher die leichten Bratspuren.

Die Soße besteht im wesentlichen aus der teilentfetteten Flüssigkeit aus dem Entenbräter, etwas Rosenkohlkochwasser und einen großen Löffel Schmand. Etwas Zauberpulver half bei der Bindung.

Natürlich war die Ente viel zu groß für zwei. Deswegen wurde die Idee aufgebracht, nächstes Jahr zwei Entenbrüste zu braten. Mal sehen, wie sich die Gedanken entwickeln.

Am 2. Weihnachtsfeiertag gab’s dann traditionell Kochfisch, im aktuellen Fall wie meist Zander. Am Vorabend kochte ich schon allerlei Gemüse (Sellerie, Staudensellerie, Petersilienwurzel, Lauch, Möhre, …) aus, die sollten dann die Basis für eine gemüsige Soße werden. In der wurde dann der Fisch gegart. Abgeschmeckt und mit etwas Schmand gebunden diente sie als Beilage zu einigen Salzkartoffeln.

Zugegeben, die Soße macht mir immer noch ein wenig Probleme. Die kriege ich noch hin wie früher. Aber ich spüre, dass ich auf einem guten Weg bin (wobei die Vorlage gar nicht mit einer großartig ausgekochten Gemüsebrühe begann). Dafür war es ein ganzer Zander und das Kochwasser wurde dann als Basis genommen. Vielleicht ist die Verwendung von Fischfond eine Idee. Aber wenn ich mir die fertigen so ansehe, schüttelt es mich ein wenig (zumal sie wenig mit Zander zu tun haben). Naja, mal überlegen und weiter entwickeln.

Tag 7 (27.10.2019)

Sonntag. Gehört nicht zu jedem guten Regelwerk auch die Möglichkeit, ausnahmsweise gelegentlich auszubrechen? Okay, nach den letzten zwei Tagen klingt es eher wie ein dauernder Ausbruch. Aber sonntags kommt dann die Fremdbestimmung hinzu und man muss versuchen, das beste draus zu machen.

Fremdbestimmung heißt in dem Zusammenhang: Mittag mit Vattern. Und es heißt auch, 11:30 Uhr Mittag. Während das früher wirklich noch hieß, 11:30 Uhr Mittag, also haben alle 11:25 Uhr am Tisch zu sitzen, weil da das Mittag fertig war, sind wir heute etwas flexibler, da wir nur noch gelegentlich selbst kochen. Meist fahren wir irgendwo hin und lassen uns es gut gehen. Im städtischen Umfeld sitzen wird zwar noch immer meist um 11:30 Uhr am Tisch, aber dann wird erst bestellt. Führte der Weg nach außerhalb, verschiebt die Fahrzeit die Essensaufnahme.

Heute wurde selbst gekocht und ich durfte das “Kleine Convenium” ablegen. Vattern hatte sich eine fast fertige Ente schicken lassen und wollte die schnellstmöglich verzehren. Dazu gabs dann die dazugehörige Soße, Rotkohl aus dem Glas und Klöße aus dem Karton. Augen zu und durch.

Die relativ kleine Ente war mit Apfelwürfeln und Trockenpflaumen gefüllt und schmurgelte schon im Ofen, als ich die Szenerie betrat. Die Klöße waren auf dem Weg zum einmaligen Aufkochen und das Rotkraut war erwärmt. Nur die Soße träumte noch im Kühlschrank vor sich hin. Unplanmäßig. Denn die Ente und der Rotkohl waren quasi fertig, die Klöße mussten nur noch 10 Minuten ziehen, aber die wiederentdeckte Soße brauchte laut Beschreibung 30 Minuten im Wasserbad im Kochbeutel. Also wurde die Soße ihre Ummantelung beraubt und direkt unter ständigem Rühren im Topf erhitzt. Das gelang recht gut, nur die Soße selber wirkte doch etwas fad, und es war nicht das Salz, was fehlte. Da die Ente aber mit etwas Wasser in einen Bräter getan wurde, um sie zu reaktivieren und sich auch etwas Füllung außerhalb der Ente befand, sammelte das Wasser beim Erhitzen einige Aromen auf, die es dafür prädistinierten, der Soße noch etwas mitzugeben. Die Idee stellte sich als zielführend heraus und so konnte dann auch angerichtet werden.

Letztendlich doch auch einfach und auch lecker. Da weiß man, wie einige Gaststätten so arbeiten, die auch keine Köche im guten Sinne mehr haben sondern nur noch Aufwärmer.

Das Abendbrot des heutigen Tages hab ihr quasi schon mal gesehen. Es war nur nicht so nett auf dem Teller angerichtet, sondern kam aus einer Mikrowellenschüssel: Ente mit Rotkohl, Soße und einem Kloß. ;-) Die Ente war zwar relativ klein, es blieb aber nach dem Essen so viel übrig, dass sowohl Vattern als auch ich noch eine Portion einlagern konnten. Und da der heutige Tag sowieso schon querfeldein lief (gemessen an den Ernährungsregularien), gabs das zum Abendbrot, dann ist es wenigstens weg.

Langsam taste ich mich auch an ungesüßte warme und kalte Tees heran. Immer noch besser als stilles pures Wasser, aber wenn man die richtigen Sorten nimmt durchaus schmackhaft. Morgen Abend ist Termin mit der Ernährungsberaterin. Mal sehen, was sie sagt. Einige Punkte / Sünden sind mir durchaus bewusst. Aber man muss ja nicht nur seine Ernährung umbauen, sondern auch sein Einkaufsverhalten. Ich vermute mal folgende Punkte:

  • mehr Gemüse
  • mehr trinken (die guten Sachen)
  • weniger Fleisch
  • genauer auf die 3 Mahlzeiten achten
  • und vielleicht doch alles etwas lockerer sehen
  • und mit den Messungen anfangen

Für morgen habe ich schon eine Idee, wie ich mir eine etwas weißere Weste verpassen kann. Das geht zwar nicht mehr in die aktuelle Auswertung ein, aber vielleicht in die nächste. “Weiße Weste” heißt natürlich das Einhalten der Regeln. Und mindestens eine Mahlzeit wird sehr weiß sein.