Alles Mist

Man kann sich sein Mittag natürlich auch freiwillig versauen, aber bei manchem Wetter ist das wohl zwangsläufig der Fall. Euch ist der Zusammenhang zu weit hergeholt? Mir auch. Aber egal. Bei einem solchen Sonntagswetter wird man gleichgültig.

Graues Wetter überm ViertelMir würde da her „November“ zur Beschreibung einfallen. Einfach grau in grau mit grau und (nicht sichtbar) Regen. Den ganzen Tag. Leider lässt sich die Qualität des Sonntagmittags nicht nur mit dem Wetter begründen, denn: Eingekauft wurde vorher, teilweise bei schönstem Sonnenschein; wenn ich mich noch richtig an die Einkäufe erinnere. Eine Zutat liegt schon etwas länger.

Wer macht eigentlich seinen Kartoffelsalat mit warmen und dann auch noch mehligkochenden Kartoffeln? Das muss man in der Aussage auseinandernehmen, denn mit warmen Kartoffeln ist es gar nicht so ungewöhnlich, wenn man eher in die Varianten mit Brühe oder/und Vinaigrette schaut, da soll ja auch noch was in die Erdäpfel eindringen. Bei den majonäsegestützten Salaten wird doch auf das Auskühlen der Hauptzutat gesetzt. Außerdem ist der Gemüseanteil geringer. Also der weitere Gemüseanteil, wenn man die Kartoffel mit in diese Gruppe einsortiert. Aber sowas kann man auch in warm gestalten, sind doch zumindest die gekauften Majonäsen recht hitzebeständig. Und wenn man dann noch die Soßen mitzählt, die zum Erhitzen gedacht sind, aber fälschlich unter Hollandaise verkauft werden …

Nun kann man über die korrekte Zubereitung von Majonäse und Hollandaise trefflich streiten, vor allem, wen es um die Feinheiten geht. Mehr oder weniger geschmacksgebende Zutaten sollen aber bei folgender Unterscheidung beider nicht mitbewertet werden. So dürften wir uns auf die grundlegende Basis einigen können, dass beide Soßen sehr verwandt sind, aber doch einen ganz entscheidenden Unterscheid aufweisen. Eigelb ist für beide essentiell, nur wird bei der Majonäse mit Öl, bei der Hollandaise mit flüssiger Butter aufgeschlagen. Leider ist das so nicht gesetzlich oder anderweitig geschützt, auch wenn grundsätzlich weitgehend Konsens darüber besteht. Nicht aber bei den Herstellern von Mainstreamsoßen zur Arbeits- und Genussverweigerung in der Küche. Schaut man sich da nämlich die Zutatenlisten von dem an, was da in (Kühl-)Regalen der Supermärkte und Discounter so angeboten wird, kommt man eher auf die Idee, dass die Bezeichnung auf dem Etikett meist Majonäse und nicht Hollandaise sein müsste. Und vermutlich dürften wir noch froh darüber sein, dass hier wenigstens Sonnenblumenöl und nicht Palmöl zur Herstellung verwendet wird. Dann gäbe es die Hollandaise vermutlich noch in Würfeln.

Sonntagmittag

Da fällt mir übrigens noch ein, dass die Soße nicht der einzige Zutat war, über den ich mich aufregen wollte. Auch in anderen Bereichen stellt sich immer mal wieder die Frage, warum es manche Produkte überhaupt gibt. Lachs zum Beispiel, wobei ich ausnahmsweise mal nicht den Fisch damit meine, sondern Schweinelachs. Am besten noch in seiner gepökelten Abart. Warum gibt es sowas? Ich verstehe es nicht.

Kasslerlachsscheibe, Salzkartoffeln, Sprossenbroccoli, HollandaiseWobei: der erste Eindruck ist vielversprechend. Sprossenbroccoli, begleitet von Salzkartoffeln, dazu ein Löffelchen Sauce Hollandaise und ein schön gebratenes Stückchen Fleisch. Da lacht das Auge. Und der Kindermund ruft: „Das Essen schmeckt schön.“ Erziehungs- und Sprachentwicklungsberechtigte korrigieren dann gern: „Das heißt: Das Essen schmeckt gut.“, kosten dann und wenden sich ein wenig ab …

Kasslerlachsscheibe, Salzkartoffeln, Sprossenbroccoli, HollandaiseDie Kartoffeln sind diesmal gedämpft. Nach dem Schälen, Schneiden und Abspülen habe ich sie schon ein wenig gewürzt und dann zwei Fingerbreit Wasser unter dem Dämpfeinsatz in meinem Kochtopf überlassen. Nach ca. 15 Minuten habe ich dann noch den Broccoli mit dazu geben, dass er sich auch dämpfend gare. Die Hollandaise/Majonäse aus dem kleinen Tetrapak kam kurz in die Mikrowelle zum Anwärmen, mehr war sie mir nicht wert.

Kasslerlachsscheibe, Salzkartoffeln, Sprossenbroccoli, HollandaiseDas Stückchen Fleisch wurde nur ein wenig bemehlt und gepfeffert, damit es anschließend in der genauso heißen Butter wie Pfanne leicht anbräunt. Groß sollte die Hitze nicht werden, damit es nicht noch schlechter wird. Auf der Packung stand was von „Kasseler Lachsscheibe“, die ich nicht durch allzugroße Hitzeeinwirkung völlig trocken bekommen wollte. Das ging aber wahrscheinlich auch nicht, da die hygroskopische Wirkung des enthaltenen Salzes viel Feuchtigkeit gebunden hat. So ist aber mein Salz- und vermutlich auch mein Nitratbedarf für die nächsten Tage gedeckt, was voraussetzt, dass der menschliche Körper überhaupt einen nennenswerten Nitratbedarf hat.

Erstaunlich: Als ich Reste der Soße mit Resten des Fleisches aufwischte, schmeckte die Kombination noch mit am besten. Der salzige Eindruck ging ein wenig zurück, dafür bekam die Soße etwas „Geschmack“, kam sie vorher doch eher etwas plörrig daher. Das ließe sich vermutlich auch damit erklären, dass deren Hauptzutat Wasser ist, was in eine richtige Hollandaise so gar nicht hineingehört. Aber was weiß ich schon …

Insofern ist da auf dem Teller also eher ein warmer Kartoffel-Broccoli-Salat mit Salatcreme, da es selbst für eine Majonäse nicht wirklich gereicht hat. Dazu völlig verpökeltes, ansonsten geschmackfreies Fleisch, dem nur etwas Roggenvollkornmehl in der Bestäubung zu etwas Farbe in der Pfanne verholfen hat.

„Das machen wir bestimmt nicht wieder.“

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