Quatsch mit Soße, einiges Inneres in wandernden Kontext

Nachdem ich im letzten Beitrag die etwas plörrige Soße alla Hollandaise eines bekannten Herstellers bemerkt hatte, griff ich bei einem der dieswöchigen Einkäufe mal ins Regal, um eine „normale“ Hollandaise des gleichen Herstellers zu ergreifen. Die letztwöchige war wohl „für Gemüse“ und war nicht das „“Original““*. Zwei Bemerkungen zum Vorgang im Supermarkt: 1. Ich stellte das Paket nach der Lektüre der Zutatenliste wieder ins Regal. 2. 😡🤬👹💣💥🤢🤮☠️

Es ist doch sehr bedauerlich, dass „Sauce Hollandaise“ offenbar durch keinerlei halbwegs verbindliches Regelwerk auf irgendeine Art für die Industrie definiert ist. Das wird der Grund dafür sein, dass uns deswegen unter dem Namen jeder mögliche Scheiß verkauft wird. Entschuldigt den etwas ausfallenden Ausdruck, aber was sich manche Firmen erlauben, den Leuten anzudrehen, läuft unter Betrug. 5% Eigelb und 15% Öl (was in einer Hollandaise nix, aber auch gar nix zu tun hat) sind die Anteile der wertgebenden Zutaten. Hinter den beiden Zutaten kam noch einiger (mengenmäßiger Kleinkram). Davor, und demzufolge mit mehr als 15% Anteil (schätzungsweise mind. 70% (in Worten: Siebzig Prozent)) eine Zutat, die in einer Hollandaise ebenfalls nix zu tun hat: Dihydrogenmonoxid. Hydrogenlauge. Oxyhydrogensäure. Vulgo: Wasser. Ich nehme mir mal diese „“Hollandaise““ als Maßstab für die Qualität der anderen Produkte unter der gleichen Marke, was einer Aufnahme in meine Not-To-Buy-Liste gleichkommt. Pfui.

Sonntagmittag

Das o.g. und einige andere Aspekte brachten mich dann dazu, am Sonntag eine Art von Soße selbst zu ziehen. Es vereinfachte die Sache, dass ich mir doch mal wieder Stampfkartoffeln gönnte, eine Begleitung, die in meiner Welt Soße in größeren Mengen überflüssig macht. Ich hätte das Gemüse also auch grillen können, es hätte genauso gepasst. Aber die Protein- und Nährstoffquelle wurde schon gebraten, da durfte das gesunde Zeuch ein wenig aromatisch baden.

Stampfkartoffeln, Paprikagemüse, LeberLeber vom Schwein, Paprikagemüse und die 2432. Version von Stampfkartoffeln, diesmal auf eine Art, die ich so noch nie gemacht hatte, mit einem ganz neuen Ergebnis. Durchaus empfehlenswert. Wobei auch die Leber eine kleine Neuheit ist für mich, da ich sie sonst noch nie zubereitet hatte, wenngleich auch schon öfter mit Genuss gegessen.

Stampfkartoffeln, Paprikagemüse, LeberDie Scheibe Schweineleber wurde vor dem Braten ein wenig gesalzen, gepfeffert und bemehlt und dann sanft, aber nicht allzu sanft, in einer Pfanne mit Butter und Öl gebraten. Für’s nächste Mal werde ich sie vermutlich in Tranchen schneiden und dann als „Medaillons“ braten, dann sind sie wenigstens überall gleich dick. Wobei die unterschiedlichen Dicken auch ihren Vorteil haben. Während in den zentralen Regionen eine gute Saftigkeit vorhanden ist, wird es in den Außenbereichen etwas bissfester, was durchaus auch seinen kulinarischen Reiz hat.

Stampfkartoffeln, Paprikagemüse, LeberFür’s Paprikagemüse habe ich nur je eine rote, orange und gelbe Paprika geputzt und klein geschnitten. Im Topf kamen mit etwas Olivenöl noch zwei kleingewürftelte Schalotten zum glasig werden, dann die Paprikawürfel dazu, ein wenig Salz und Pfeffer kam auch in den Topf, alles wurde durchgerührt, gut bedeckelt und ab und zu im Topf gewendet. Ein wenig „Mehlschwitze“ kam dann auch noch dazu, um die sich bildende Flüssigkeit ein wenig zu bändigen, das Bild zeigt, dass das nicht ganz gelang. Was will man auch schon von einem Produkt, dass irgendwie nach Vogelfutter aussieht, auch schon erwarten? 😉

Bei den Stampfkartoffeln habe ich mich von einem am Vormittag gelesenen Artikel über Ofenkartoffeln inspirieren lassen. So habe ich ein paar mehligkochende Erdäpfel gut gewaschen und bei 190°C für eine dreiviertel Stunde (die Kartoffeln waren nicht so groß wie klassische Ofenkartoffeln) in den Ofen bei Umluft gelegt. So zumindest der Plan. Etwa 3 Minuten vor Ablauf der Zeit knallte es erstaunlich laut im Ofen – eine der Kartoffeln war förmlich explodiert. Die Schale lag fast völlig entleert auf dem Gitter, etwas zerzaust war ihr Inneres aber im wesentlichen zusammen geblieben. Aber nur im wesentlichen. Ein Teil hatte sich im gesamten Ofen verteilt, was eine kleine Putzorgie auslöste. Aber man soll sich eben doch daran halten, was in dem Artikel steht: „Stich rundherum ein paar Löcher in die Kartoffeln. So kann beim Backen Dampf entweichen und sie platzen nicht auf.“ Also das nächste Mal mit Löchern in der Schale.

Da die Kartoffeln aber auch gar waren, habe ich sie aus dem Ofen genommen, entpellt und dann nur mit einem Löffel mit Butter vermengt. Am Ende kam dann noch Petersilie dazu. Achja, und gesalzen habe ich sie bei der Butterzugabe auch noch. Diese doch sehr weichen und sehr trockenen Kartoffeln sogen die Butter auf wie nix und es ergab sich ein sehr, sehr feines Püree ohne Kartoffelpresse u.ä. Hilfsmittel. Allein durch das Einrühren der Butter. Milch/Sahne habe ich mal weggelassen, wären aber sich auch denkbar gewesen. Aber ich brauch ja noch Weiterentwicklungsmöglichkeiten für’s nächste Mal. Und das wirds geben!

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*) Doppelte Anführungszeichen, weil ja selbst das „Original“ nix mit dem Original zu tun hat.

Alles Mist

Man kann sich sein Mittag natürlich auch freiwillig versauen, aber bei manchem Wetter ist das wohl zwangsläufig der Fall. Euch ist der Zusammenhang zu weit hergeholt? Mir auch. Aber egal. Bei einem solchen Sonntagswetter wird man gleichgültig.

Graues Wetter überm ViertelMir würde da her „November“ zur Beschreibung einfallen. Einfach grau in grau mit grau und (nicht sichtbar) Regen. Den ganzen Tag. Leider lässt sich die Qualität des Sonntagmittags nicht nur mit dem Wetter begründen, denn: Eingekauft wurde vorher, teilweise bei schönstem Sonnenschein; wenn ich mich noch richtig an die Einkäufe erinnere. Eine Zutat liegt schon etwas länger.

Wer macht eigentlich seinen Kartoffelsalat mit warmen und dann auch noch mehligkochenden Kartoffeln? Das muss man in der Aussage auseinandernehmen, denn mit warmen Kartoffeln ist es gar nicht so ungewöhnlich, wenn man eher in die Varianten mit Brühe oder/und Vinaigrette schaut, da soll ja auch noch was in die Erdäpfel eindringen. Bei den majonäsegestützten Salaten wird doch auf das Auskühlen der Hauptzutat gesetzt. Außerdem ist der Gemüseanteil geringer. Also der weitere Gemüseanteil, wenn man die Kartoffel mit in diese Gruppe einsortiert. Aber sowas kann man auch in warm gestalten, sind doch zumindest die gekauften Majonäsen recht hitzebeständig. Und wenn man dann noch die Soßen mitzählt, die zum Erhitzen gedacht sind, aber fälschlich unter Hollandaise verkauft werden …

Nun kann man über die korrekte Zubereitung von Majonäse und Hollandaise trefflich streiten, vor allem, wen es um die Feinheiten geht. Mehr oder weniger geschmacksgebende Zutaten sollen aber bei folgender Unterscheidung beider nicht mitbewertet werden. So dürften wir uns auf die grundlegende Basis einigen können, dass beide Soßen sehr verwandt sind, aber doch einen ganz entscheidenden Unterscheid aufweisen. Eigelb ist für beide essentiell, nur wird bei der Majonäse mit Öl, bei der Hollandaise mit flüssiger Butter aufgeschlagen. Leider ist das so nicht gesetzlich oder anderweitig geschützt, auch wenn grundsätzlich weitgehend Konsens darüber besteht. Nicht aber bei den Herstellern von Mainstreamsoßen zur Arbeits- und Genussverweigerung in der Küche. Schaut man sich da nämlich die Zutatenlisten von dem an, was da in (Kühl-)Regalen der Supermärkte und Discounter so angeboten wird, kommt man eher auf die Idee, dass die Bezeichnung auf dem Etikett meist Majonäse und nicht Hollandaise sein müsste. Und vermutlich dürften wir noch froh darüber sein, dass hier wenigstens Sonnenblumenöl und nicht Palmöl zur Herstellung verwendet wird. Dann gäbe es die Hollandaise vermutlich noch in Würfeln.

Sonntagmittag

Da fällt mir übrigens noch ein, dass die Soße nicht der einzige Zutat war, über den ich mich aufregen wollte. Auch in anderen Bereichen stellt sich immer mal wieder die Frage, warum es manche Produkte überhaupt gibt. Lachs zum Beispiel, wobei ich ausnahmsweise mal nicht den Fisch damit meine, sondern Schweinelachs. Am besten noch in seiner gepökelten Abart. Warum gibt es sowas? Ich verstehe es nicht.

Kasslerlachsscheibe, Salzkartoffeln, Sprossenbroccoli, HollandaiseWobei: der erste Eindruck ist vielversprechend. Sprossenbroccoli, begleitet von Salzkartoffeln, dazu ein Löffelchen Sauce Hollandaise und ein schön gebratenes Stückchen Fleisch. Da lacht das Auge. Und der Kindermund ruft: „Das Essen schmeckt schön.“ Erziehungs- und Sprachentwicklungsberechtigte korrigieren dann gern: „Das heißt: Das Essen schmeckt gut.“, kosten dann und wenden sich ein wenig ab …

Kasslerlachsscheibe, Salzkartoffeln, Sprossenbroccoli, HollandaiseDie Kartoffeln sind diesmal gedämpft. Nach dem Schälen, Schneiden und Abspülen habe ich sie schon ein wenig gewürzt und dann zwei Fingerbreit Wasser unter dem Dämpfeinsatz in meinem Kochtopf überlassen. Nach ca. 15 Minuten habe ich dann noch den Broccoli mit dazu geben, dass er sich auch dämpfend gare. Die Hollandaise/Majonäse aus dem kleinen Tetrapak kam kurz in die Mikrowelle zum Anwärmen, mehr war sie mir nicht wert.

Kasslerlachsscheibe, Salzkartoffeln, Sprossenbroccoli, HollandaiseDas Stückchen Fleisch wurde nur ein wenig bemehlt und gepfeffert, damit es anschließend in der genauso heißen Butter wie Pfanne leicht anbräunt. Groß sollte die Hitze nicht werden, damit es nicht noch schlechter wird. Auf der Packung stand was von „Kasseler Lachsscheibe“, die ich nicht durch allzugroße Hitzeeinwirkung völlig trocken bekommen wollte. Das ging aber wahrscheinlich auch nicht, da die hygroskopische Wirkung des enthaltenen Salzes viel Feuchtigkeit gebunden hat. So ist aber mein Salz- und vermutlich auch mein Nitratbedarf für die nächsten Tage gedeckt, was voraussetzt, dass der menschliche Körper überhaupt einen nennenswerten Nitratbedarf hat.

Erstaunlich: Als ich Reste der Soße mit Resten des Fleisches aufwischte, schmeckte die Kombination noch mit am besten. Der salzige Eindruck ging ein wenig zurück, dafür bekam die Soße etwas „Geschmack“, kam sie vorher doch eher etwas plörrig daher. Das ließe sich vermutlich auch damit erklären, dass deren Hauptzutat Wasser ist, was in eine richtige Hollandaise so gar nicht hineingehört. Aber was weiß ich schon …

Insofern ist da auf dem Teller also eher ein warmer Kartoffel-Broccoli-Salat mit Salatcreme, da es selbst für eine Majonäse nicht wirklich gereicht hat. Dazu völlig verpökeltes, ansonsten geschmackfreies Fleisch, dem nur etwas Roggenvollkornmehl in der Bestäubung zu etwas Farbe in der Pfanne verholfen hat.

„Das machen wir bestimmt nicht wieder.“