Wo das Pferd beim Essen auf den Teller … guckt

Ist es wirklich interessant, Pferden beim Essen zuzuschauen? Nun ja, vielleicht ist die Frage auch nur missverständlich bzw. uneindeutig gestellt. Wagen wir also einen zweiten Versuch: Ist es wirklich interessant, beim Essen Pferden zuzuschauen? Warum nicht, solange sie nicht undeklariert auf den Teller kommen. Man muss übrigens kein Pferdefreund sein, um auf der schönen Insel Usedom gut zu essen, aber es könnte durchaus etwas helfen.

Usedom, Deutschlands sonnenscheinreichste Insel, lädt mittlerweile mit allerlei Attraktionen Urlauber und Erholungssuchende zu sich ein. Das ganze Brimborium ist für Naturliebhaber nicht unbedingt erforderlich, findet er doch in der Gegend selbst genug erkundens- und genießenswertes (noch). Die touristischen wie kulinarischen Hochburgen scheinen auf der südlichen Inselhälfte konzentriert zu sein, Heringsdorf, Ahlbeck, Bansin, Koserow werden gern und oft aufgezählt. Mitnichten! Auch der Norden bietet Labsal und Zerstreuung auf allerlei Niveau, wenn man nur rechtzeitig von der B111 nach links abbiegt, hat man die Insel über Wolgast erreicht.

Gängiger Punkt für dieses Abbiegen ist der Abzweig in Bannemin, wo einen die Straße schnurstracks nach Trassenheide leitet; aber auch schon der vorher liegende Abzweig nach Mölschow führt, dortselbst eine Modellbahnausstellung streifend, mitten in den Ort. Verlässt man diesen in nördlicher Richtung, wird man links der Straße eines Reiterhofes gewahr, der aber nicht nur Pferden Kost und Logis bietet, sondern auch Reitern und anderen Menschen, deren Versuch zu reiten den Tierschutz auf den Plan rufen könnte, dies zu unterbinden, Atzung und zeitweise Wohnung verheißt.

Das Hotel-Restaurant empfängt den Gast dreigeteilt. Hat man die Rezeption rechts hinter sich gelassen, wird man vom hellen und freundlichen Hauptraum erwartet, von dem ein etwas dunkler wirkender Gastraum und ein lichtdurchfluteter Wintergarten abzweigen, der naheliegenden Ausblick auf spielende Kinder und Pferde sowie weiterliegenden auf Landschaft ermöglicht. Das Erscheinen des Gastes bleibt vom Service nicht unbemerkt, so dass man zügig, aber ungehetzt, mit Speisekarte und Sitzplatz versorgt ist. Der Menüplan verspricht gutbürgerliches, die Online-Variante ist aber nicht aktuell.

Aufmerksamkeit ist eine der Qualitäten, die man dem Service positiv attestieren kann. Er hat sogar einen eigenen Charme, den man aber erlebt haben muss, um ihn wirklich zu begreifen, Worte allein reichen dafür nicht. Vor allem die Hotelgäste werden ihn spüren können, reine Restaurantgäste können ihn höchstens erahnen (die Gefahr für’s Missverstehen besteht). Lässt man sich drauf ein, macht es aber Spaß, so umsorgt zu werden. Leere Getränke wurden bemerkt und auf Nachfrage erneuert, Speisen wurden zielgenau abgesetzt.

Womit wir beim wichtigsten Thema wären. Die vorspeisliche Fischsuppe war lecker, die unvermeidliche Soljanka – diesmal in einer nichtsauren Variante – ebenso. Da fiel es nicht schwer, das leicht angealterte Salatblatt im Beilagendreierlei mit dem Tomatenachtel und der halber Gurkenscheibe zu übersehen. Zu den Hauptgerichten gab es Bratkartoffeln der etwas rustikaleren Art: gröber als gewohnt geschnitten, aber dadurch nicht minder wohlschmeckend, wenn sie einen Moment länger in einem geeigneten Bratwerkzeug mit weniger Fett verweilt hätten, um die angenehme Knusprigkeit zu erreichen, die ihnen eigen sein sollte, egal, wie sie geschnitten sind. Die selbstgemachten sauren Bratheringe können genauso empfohlen werden wie die Kutscherpfanne und die anderen auf der Karte vorhandenen Gerichte.

Während es bei anderen Restaurants ein Überfluss an Rucola gab, schwabbten hier zwei Ingredienzien – wenn auch nicht ganz so viel – über ein gutes Maß hinaus. Das Salatbouquet bekam einen so ordentlichen Schuss fruchtiges Dressing, dass Teile des Hauptgerichtes davon in Mitleidenschaft gezogen wurden. Was aber den Koch bewog, den Feldsalat beim Brathering auch noch mit einem Kaviar zu verzieren, wird sein Geheimnis bleiben, ging dieser unter der Vinaigrette geschmacklich völlig unter. Weniger ist eben doch manchmal mehr, das bezieht sich auch mal wieder auf die Menge der Sättigungsbeilage. Der zweite Überfluss lag in anderen schwarzen Kügelchen. Zur Würze sind Piment und Pfeffer sowohl bei Suppen als auch würzigen Bratheringen wichtig; auf des Gastes Teller bzw. in seiner Schüssel haben sie aber nichts zu suchen, kann ein unbeabsichtigter Biss darauf doch den gesamten Genuss vermiesen.

Aber dies waren auch nur Details, die den sehr angenehmen Gesamteindruck nur unmerklich verschlechterten. Zumal der Service DEN Abschlusstest mit Bravour bestand, fast ein wenig wider Erwarten, dafür aber zu umso größerer Freude. Die das Essen finalisierende Bestellung lautet: ein doppelter Espresso und ein Cappuccino. Klingt einfach, aber wirklich richtig bekommt man das nur selten. Im Reit- und Freizeithotel Friesenhof kurz hinter Trassenheide kam dieses stärkende Doppel in umfassender Perfektion auf den Tisch, nur die Schokolade an einem der beigelegten Kekse war ein wenig angeschmolzen. Irgendwodran muss man schließlich rumnörgeln. 😉

Trau keinem Navi

Es war einmal ein Samstag im Juni, die Sonne lacht, die Temperaturen waren angenehm, über den blauen Himmel trieben ein paar ungefährlich weiße Wölkchen. Genau das Wetter, um mal an seine Grenzen zu gehen (bzw. zu fahren), den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen und nicht nur das Leben, sondern auch die wunderschöne Gegend zu genießen. Der Weg führte nicht nur an diversen Seen der mecklenburgischen wie auch der Feldberger Seenlandschaft vorbei, sondern in Carwitz auch zu einem fruchtig-leckeren Blutorangeneis und einem Schoko-Vanille-Softeis, dass beim Schlecker wunderbarste Erinnerungen an seine Jugend auslöste.

Wer beim spontan vor Ort beschlossenen kulinarischen Ziel aber zum Navi greift, um es zu erreichen, wird sich des Eindruckes nicht erwehren können, dass mindestens ein Geländewagen notwendig wird, um später den Heimweg zu bewältigen. Glaubt man den elektronischen Orientierungshilfen zu viel, landet man auf diversen Waldwegen, die zwar auch dahin führen, wohin man will, aber doch Zweifel in eine baldige Rückkehr aufbauen. Deswegen rate ich zu den unten angegebenen Routentipps.

Ausblick

Diesen Ausblick hatte übrigens der Autor dieser Zeilen von seinem Sitzplatz aus. Wem jetzt ein Gedanke nach paradiesischen Verhältnissen durch den Kopf geht, der hat nicht völlig unrecht. Auf der Terrasse sitzt man wirklich sehr angenehm, Teile sind sogar überdacht. Und wen die Muße packt, der kann sich an das klare Wasser des Sees stellen, um Fische und Wasserwanderer beim Schwimmen zu beobachten. Der Ort ist wirklich so idyllisch, dass selbst Handynetze ihren Dienst versagen und man sich in aller Ruhe den leiblichen Genüssen widmen kann, nur begleitet durch das Zwitschern der Vögel, das Rauschen eines nahe gelegenen Wehrs und dem Klappern gelegentlich vorbei radelnder Touristen.

Ein großes Plus sei gleich zum Anfang dem Service ausgesprochen. Während man anderswo gern mal nach seinem ersten Getränk dann doch verdurstet, wurde hier der Gast aufmerksam umsorgt. Leere Gläser wurden sehr zügig bemerkt und auch auf Sonderwünsche wurde eingegangen. Der einzige kleine Schatten, der die Situation verdunkelte, scheint bei dem Bild fast ein Paradoxon zu sein, aber auch hier – wie leider in weiten Teilen der regionalen Gastronomie – hat es sich noch nicht herum gesprochen, dass zu dem guten Espresso, den es gab, eigentlich auch immer ein kleines Glas Wasser gereicht wird.

Wo wir gerade beim Wasser sind: Wenn man die klein geschnittenen Wurstreste des Frühstückbüfetts – zum Restaurant gehört auch ein kleiner Hotelbetrieb – mit heißem Wasser überbrüht, noch etwas Gemüse sowie saure Gurke reinschnippelt („Was die Säure angeht, schmeckte es nach reingekipptem Weckwasser des Gurkenglases.“ – der Esser) und alles aufkocht, wird das noch lange keine gute Soljanka. Nichts gegen die Wurstschnippel, aber „Hähnchenbrühe“ war noch nie die Basis einer guten Suppe. Da sollte am Rezept gefeilt werden. Und ob der Scampispieß mit Salatbouquet und Toast für 4,80 € wirklich in ein solches Restaurant gehört, bleibt auch eine offene Frage. Wobei, eigentlich nicht. Die Antwort lautet: Nein. Für den Preis kann man das Gericht – auch wenn es nur eine kleine Vorspeise ist – nicht in der Qualität anbieten, die dem Rest der Speisen zu eigen ist.

Wie definiert der geübte Kulinariker die perfekte Bratkartoffel? Knusprig in heißem Fett gebratene vorgekochte Kartoffelscheiben, mit etwas Zwiebel, Speck und ein paar Gewürzen verfeinert – dies sollte einer guten Beschreibung nahe kommen. In einer Zeit, in der auch bei mir die Genussreife noch nicht sehr ausgebildet war, versuchte ich mich mal an diesen Fast-Fertig-Bratkartoffeln, die in Alu-Tüten verpackt und vakumiert auf ihre Zubereitung warten. Bei diesen fiel mir ein Fehlaroma auf, dass ich ob seiner Herkunft bzw. seines Entstehens nicht genau einsortieren kann. Einen Hauch davon durchzog auch die gebratenen Erdäpfel auf meinem Teller, der ansonsten durchaus lecker gefüllt war. Aber man muss ja bei einem nächsten Besuch keine Bratkartoffeln nehmen. Der Reis als Beilage ist da durchaus besser.

Satt wird man aber auf jeden Fall. Das drückt sich auch in der sehr kurzen Dessertkarte aus, die wegen der Portionen des Hauptgerichtes nicht gebraucht wird. Da lässt man sich abschließend doch lieber den schon oben erwähnten Espresso oder einen Cappuccino kommen, die mit ihrem kräftigen Aroma und ihrem Koffein die Verdauung befördern und den Schwung auf einen kleinen Waldspaziergang mitbringen. Der führt übrigens u. a. an einem Grenzpfosten zwischen dem Großherzogtum Mecklenburg und Preußen vorbei, als kleines geschichtsträchtiges Schmankel. Grenze ist da übrigens heute noch, nur die Länder heißen anders.

Die Zufahrt zur „Krüseliner Mühle“/“Krüseliner Seeschänke“ sollte übrigens über mecklenburg-vorpommersches Gebiet erfolgen. Der brandenburgische Weg ist selbst und gerade für das Auto eher beschwerlich, wobei es im klassischen Sinn befestigte Straßen sowieso nicht gibt. Wer in sein Navi Koordinaten eingeben kann, nutze diese: 53.267189 N, 13.416102 E; die guten haben auch eine Gaststättenliste drin, die findet den naturnahen Ort auch. Aber achtet bei der Routenführung darauf, dass ihr über Orte namens Mechow oder das dann doch brandenburgische Beenz fahrt und nicht über Thomsdorf! Habt ihr einen Geländewagen, dürfte das aber dann auch egal bzw. eine Herausforderung sein. Frei nach dem Motto: Allradantrieb ist, wenn Du dort lang fährst kannst, wo Dich der ADAC nicht mehr retten kann.

Grünes Licht für gutes Essen

Die Situation könnte im Moment nicht eigentümlicher sein. Wobei, anderswo ist es völlig normal. Sehen wir uns zum Beispiel Berlin an. Um zum Beispiel von Spandau nach Schönefeld zu kommen, fährt man als erstes auf eine Bundesstraße, von dort auf eine Autobahn und dann wieder auf eine Bundesstraße, um ggf. anfangs und endlings diverse Nebenstraßen zu passieren. In einer mecklenburgischen Kleinstadt ist es zur Zeit recht ähnlich. Um zum Beispiel vom Neuen Markt zum Alten Markt zu kommen, fährt man eine Landstraße, eine Bundesstraße, eine Autobahn, wieder eine Bundesstraße und dann eine städtische Straße lang.

Aber das ist nicht das einzig besondere in diesem Ort. Touristisch recht gut erschlossen und entsprechend gut gelegen – die angesprochene städtische Straße führt praktisch über einen See – lohnt nicht nur der eine oder andere Spaziergang, auch die Einkehr lohnt durchaus. Dafür steht unter anderem ein italienisches Restaurant zur Verfügung, dass in vielerlei Hinsicht durchaus positiv aufzufallen weiß. Ein gefühlt vielköpfiges Team, vom Patrone bis zur Azubi(e)ne, kümmert sich aufmerksam und zuvorkommend um die Gäste. Das scheint sich aber schon herumgesprochen zu haben. Will man zu einer Zeit dort essen, wo andere auch gern essen gehen, empfiehlt sich eine Reservierung. Aber hier wird ermöglicht, was nur zu ermöglichen geht, und wenn der Patrone seinen Stammplatz verlassen muss, weil er – der Platz – für Gäste gebraucht wird.

In einer Zeit, wo man sich fast fragen kann, wie sie so schnell auf den Teller kam, stand die Vorspeise zusammen mit einem kleinen Gruß aus der Küche auf dem Tisch: Carpaccio. Zart und rosa, mit ebenso hauchdünn geschnittenen Champignonscheiben belegt, fand man das Rinderfilet unter einem Mount Rucola, der so hoch war, dass die Spitze beinahe vereist und beschneet aussah. Es waren dann aber doch „nur“ Hobelspäne Parmesans. Das Restaurant scheint über einer Rauke-Mine errichtet worden zu sein, huschten doch während des gesamten Essens ungezählte Salatschalen mit Rucola in den Gastraum. Eine davon konnte genauer untersucht werden und siehe da, unter dem Rucola fanden sich durchaus noch andere salatwürdige und ausgewiesen frische Zutaten.

Die Hauptgerichte entsprachen den Erwartungen, was in dem Zusammenhang als Positivum zu vermerken ist. Das Steak war auf dem gewünschten Punkt, die dazu gereichte Soße lecker und der – Hatte ich ihn schon mal erwähnt? – Rucolasalat knackig. Auf der anderen Seite erwiesen sich die Spagetti frutti di mare ebenfalls als besser als der bisher erlebte Durchschnitt. Was ebenfalls positiv auffiel: Im Gegensatz zu anderen Restaurants verdurstet man hier nicht. Oben schon einmal positiv erwähntes Serviceteam hatte auch die Augen auf den Gläsern, so dass hier, als vom Einblick her der Boden sichtbar wurde, die nachfraglich bestätigte Neufüllung erfolgte. Hier deutet sich aber auch das kleine Manko des Restaurants an: Die Getränkepreise scheinen sich eher an der oberen Grenze des Üblichen zu orientieren. Durstig sollte man also nicht hingehen. Hungrig geht schon: Ich weiß nicht, ob ich es schon erwähnt hatte, aber es gibt Berge von Rucola …

Bei den hoffentlich ansteigenden Temperaturen wird die Nutzung der Terrasse des Restaurants umso interessanter, hat man doch von dort einen schönen Blick über den Malchower See. Womit das Rätsel über die Stadt auch gelöst ist: Malchow. Durch eine Baumaßnahme an einer Drehbrücke hat die Umleitung zwischen Alt- und Neustadt die oben erzählte Form. Nähert man sich der Inselstadt von Waren aus, ist der Weg antscheiden unkomplizierter. Hinter der Tankstelle in Richtung Malchow abbiegen, das Kopfsteinpflaster und dann den Damm über den See genießen und spätestens an dessen Ende einen Parkplatz suchen, das „Don Camillo“ ist dann gleich das erste Haus auf der linken Seite.

Immer dem grünen Leuchten des Rucolas nach …

Mit der flotten Biene ins Ausflugslokal

Das klassische Ausflugslokal scheint doch eher ein Auslaufmodell zu sein. Das wundert nicht, ist doch das Geschäft mit dem Ausflug eher ein Saisongeschäft, von dem es sich schlecht leben lässt. Außerdem ist der Ausflug selbst auch nicht mehr das, was er mal war, was das Betreiben dazugehöriger Lokale auch wieder unwahrscheinlich werden lässt. Tuckerte man mit einem Dampfer zum Beispiel über den Tollensesee oder schwang sich auf den Drahtesel, war man in ein bis zwei Stunden in Nonnenhof, trank seine Brause, aß sein lauwarmes Würstchen, nahm einen Kaffee zu sich oder inhalierte noch ein Stück Kuchen. Man genoss noch ein wenig die Natur und machte sich wieder auf den Heimweg.

Heutzutage schwingt man sich eher mal in sein Auto, fährt ein bis zwei Stunden durch die Gegend und landet auch wieder am Wasser. Man stellt das Auto ab, vertritt sich ein wenig die Füße am sandigen Strand oder der Seebrücke, erkundet vielleicht auch noch den Ort, wo man dort ist, und kehrt dann in eine Gaststätte oder in ein Restaurant ein, dass einen in seinen Bann gelockt hat. Das hat dann mit „Ausflugslokal“ nichts mehr zu tun, auch die Zeit von Bockwurst mit Limo sind erfreulicherweise vorbei.

In angenehmer Atmosphäre wird man sehr freundlich empfangen, Tische stehen bereit, Stühle ebenso. Von den meisten kann man durch die großen Glasfenster auch wunderbar aufs Meer schauen. Die Speisekarte wird gereicht, und auch auf die Tagesgerichte – zwei Menüs und eine Suppe – wird verwiesen. Trotz angenehmer Übersichtlichkeit ist die Karte vielfältig, so findet man sicher was. Der Tipp: Als Vorspeise mal die Tagessuppe probieren. Ihr Vorteil scheint zu sein, dass sie frisch zubereitet wird. Im konkreten Fall war es eine Soljanka, deren Fleisch durch die fehlende Tiefkühllagerung nicht fasrig zerfroren war und dessen Gemüse noch Substanz hatte. Der zerkaute Piment enthielt seine geballte Würzigkeit.

Was die Vorsuppe andeutete, wurde im Hauptgericht bestätigt. Natürlich sind Nudeln mit Tomatensoße und Einlage oder Ofen-Lachs mit Stampfkartoffeln keine hohe Küche, aber auch sie wollen handwerklich korrekt zubereitet werden, was auf das vorzüglichste gelang. Nudeln al dente, Stampfkartoffeln lecker, das richtige Maß Soße mit dem richtigen Maß Würze, Garnelen weich ohne Anflug von Gummi, Lachs saftig und Service immer aufmerksam aber nicht aufdringlich. Was will man mehr?

Ein Wort auch noch zu den Portionen: Wenn der Gast nach Vorspeise und Hauptgericht ohne schlechtes Gewissen über ein Dessert nachdenkt, weil dies den guten Eindruck eigentlich nur noch abrunden kann, dann hat die Crew in der Küche ihre Aufgabe perfekt erledigt. Hier werden nicht unnötig mittelprächtige Voll- oder Halbconveniencen auf den Teller gehäuft, sondern gute Produkte zu einer angenehmen Mahlzeit vereint. Eigentlich hat das Restaurant des Hotels Seebrücke in Lubmin nur einen wesentlichen Nachteil: Man kann nicht pointiert drüber lästern.

Von allem ein bißchen zu viel (aktualisiert)

Die Story ist einfach und schnell erzählt: Wir fuhren in die andere Stadt, um gleich am Ortseingang griechisch essen zu gehen. Dort angekommen stellte sich heraus, dass es das Restaurant gar nicht mehr gab. Plan B lag aber auch schon bereit, und wurde eigentlich schon auf der Fahrt zu Plan A. Aber der Laden war, wie wir beim Ankommen enttäuscht feststellten, wegen Betriebsferien geschlossen. „Januar in Mecklenburgs Touristenhochburgen“ … so könnte man als Titel darüber schreiben.

Aber selbst in den sommerlichsten Zentren ist auch im Winter etwas Betrieb. So landeten wir letztendlich beinahe auf dem Allerwertesten, weil es am Eingang zum Steakhaus der letzten Wahl höllisch glatt war. Aber drinnen war es warm, trocken, nicht allzu voll, gemütlich und später auch beinahe sommerlich, als die Sonne über den Haussee durch die wintergartenartigen Fenster schien und die Gäste innerlich wie auch äußerlich erwärmte.

Wobei, so ganz ungetrübt war der Blick durchs Fenster nicht. Man sah die Rückseite eines bereits besuchten Restaurants. Das hätte ein Zeichen sein können. Wurde es aber nicht, zumindest nicht in den Sinne. Der Service im Restaurant war zuvorkommend, ging auf Kundenwünsche ein, bemerkte aber auch nicht jede „Unachtsamkeit“. Wenn ihr auch mal wieder essen seid und bestellt einen Salat als Vorspeise, lasst beim Abräumen die Gabel auf dem Teller und wartet, ob man euch zum Hauptgericht eine neue bringt. Im konkreten Fall sei gesagt: Gut, dass wir zu zweit an einem für vier Leute eingedeckten Tisch saßen.

Apropos Salat: Kommen wir zur Überschrift dieses kleinen Artikels. Bestellt ein Gast einen Salat und ein Hauptgericht, sollte doch davon ausgegangen werden können, dass er auch beides zu essen beabsichtigt. Aber nein: Der Teller, der auch gut als Unterlage für eine Familienpizza ausgereicht hätte, wurde berghoch mit – durchaus leckerem – Salat behäuft. Das vielzitierte afrikanische Eingeborenen-Dorf hätte davon sicher wieder wochenlang leben können. Dafür waren die dazugehörigen Fleischstreifen (=Fitzel) schön entwässend angewärmt worden. Knusprig wäre bei dem vielen Fleischwasser auch nicht möglich gewesen.

Es gab natürlich auch Suppen als Vorspeise. Damit man das nicht durcheinander bringt, stand auf der Tasse auch noch Suppe drauf, was mich an einen alten Witz erinnert.

Fragt der Tierladeninhaber die Kunden: „Soll auf den Napf noch ‚für den Hund‘ oder der Name des Hundes graviert werden?“
Meint die Kundin: „Nicht nötig. Mein Mann trinkt kein Wasser und der Hund kann nicht lesen.“

Die Suppe, obwohl recht wohlschmeckend, hätte so in den USA vermutlich nicht serviert werden können. Oder das Restaurant wäre wegen Körperverletzung zu Millionenentschädigungen verklagt worden („Heissssssssssssssss!“). Die weitere Qualität der Tasse war übrigens, diese Hitze längstmöglich zu halten.

Wenn man in ein Steakhaus geht, kann man ja auch mal Steak essen. Das taten wir, und so landeten ein Rip Eye- sowie ein Filetsteak auf den Tellern, begleitet von einer Backkartoffel mit SourCream und etwas Garnitur. HIer setzte sich das schon im Titel beschriebene Konzept vom „zu viel“ weiter fort: SourCream gab es reichlich (was allerdings positiv zu bewerten ist), das Rib Eye-Steak hatte zwei Augen und beim Filetsteak waren die Augen wohl größer als der Magen. Bis auf die Besonderlichkeiten war das Fleisch aber in Ordnung und handwerklich gut zubereitet. Zum Filetsteak sollte es zusätzlich ein paar angebratene Zwiebeln geben. Bei Verzehr der angebotenen Menge – und ich zitiere den Esser aus einem Facebook-Kommentar – hätte es hinterher „durchaus zur Vernichtung weiter Teile der Warener Innenstadt hätten führen können. Stichwort: Methangasexplosion“. Wenn man sich ein paar Röstzwiebeln auf ein Steak legt, sollte man es darunter doch noch sehen können.

Handwerklich gut zubereitet war übrigens auch die Getränkekarte, die als laminiertes Exemplar den Tischen und Gästen als Platzsets diente. WeinkartePassend vor allem die Symbolbilder. So festen Rotwein hatte ich lange nicht gesehen. Aber man lernt ja nie aus. Aber so passte die Getränkekarte vermutlich auch besser zum Speisenexemplar dieses argentinischen Steakhauses, dass neben passenden Gerichten auch Pizza u.ä.. feilbot. Aber man soll ja auch multikulturell eingestellt sein und so wollen wir es tolerieren, zumal die Bedienung sich m.E. herkunftstechnisch aus dem arabischen Raum in dieses Gesamtkunstwerk einreihte. So fehlte auf der Karte nur noch Chop Suey oder eine vergleichbare Gerichtspalette, wie ich es in einem anderen Steakhaus schon mal sah (oder war es ein Italiener mit argentinischen Steaks und Chop Suey auf der Karte? Ich weiß es nicht mehr.

Zurück zum aktuellen Fall. Ein zuviel war auch die Zeit danach, denn ich vergaß, mir den Namen der Einrichtung zu merken. Aber ich denke, die Warener Strandstraße hat wenige Steakhäuser mit Blick auf die Binnenmüritz. Das Steakhaus Mendoza in der Warener Strandstraße ist vor allem für ausgehungerte Gäste sehr zu empfehlen. Eine strapazierfähige Verdauung oder eine gute Auswahl der Speisen darf auch angeraten werden.