Ein Steak richtig gut zu braten, ist eine Wissenschaft für sich. Hier im Blog wurden bereits einige Varianten dargestellt, letztendlich waren es zwei. Die beiden Varianten, die ich meine, sind einerseits die reine Pfannenvariante, wo durch geschickte Wahl der Temperatur das Steak mit einmaligem Wenden zum einen schön gebräunt und zum anderen wunderbar rosa und saftig wieder aus dem Bratutensil kommt. Die zweite Möglichkeit ist das scharfe Anbraten in der Pfanne und das Nachgaren im Ofen bei niedriger Temperatur.
Warum eigentlich nicht mal andersrum? Mit einem bisschen Vorbereitung.

Auf den Drehteller für meinen Heißluftofen liegt etwas Backpapier (zum Schmutzfang) und ein kleines Gitter. Wichtig ist schließlich, dass die heiße Luft auch unter das Fleisch kommt. Wer das Rezept mit einem normalen Ofen (mit Heißluft) nachmacht, nimmt einfach den Rost. Darauf kommt das trocken getupfte Stück Fleisch. Ganz naturell.

Während dieser Vorbereitung heizt der Ofen vor. Wenn man das Erwärmen auf 90-100°C „vorheizen“ nennen möchte. Ist das Geschehen, verschwindet das Fleischstück für eine halbe Stunde darin zum Vorgaren. Genug Zeit für den nächsten Arbeitsschritt.
Bereiten wir also jetzt den Salat vor.

Nein, das ist kein komisch gewachsener Salat, das ist einfach nur ein Spitzkohl. Schließlich ist Winter. Eigentlich wollte ich ja mit Feldsalat arbeiten, aber den gab es beim Einkaufen nicht. Vom Kohl pelle ich ein paar der äußeren Blätter ab, der Rest freut sich auf die Verarbeitung in den nächsten Tagen. Die Blätter werden entstrunkt und dann fein geschnitten.

Dazu rührt man eine Vinaigrette nach Wunsch an, hier nahm ich Olivenöl, Senf, Salz, Zucker und Balsamico-Essig. Diese wird gut in das Kraut einmassiert, was durchaus wörtlich zu nehmen ist. Deswegen ist auch die Nutzung von Olivenöl so wichtig bei dieser Soße: Das Öl ist gut für die Haut der Hände …
Während der Salat durchzieht (das kann auch ruhig etwas länger dauern, wenn man Kohl als Basis nimmt), können wir langsam an das Vorheizen der Pfanne gehen. Dazu ist es wichtig, ein Bratgeschirr zu nehmen, dass so heiß wie möglich erhitzt werden kann. Immerhin ist das Steak, wenn man es aus dem Ofen nimmt, eigentlich fertig und medium gar. Es fehlen nur noch die Bratspuren mit dem entsprechenden Geschmack.

Während die Pfanne anheizt, kann sie auch gern zum Anrösten des Brötchens genutzt werden.

Dazu sollte man natürlich ein Brötchen gewählt haben, dass nicht krümelt. Was in der Pfanne bleibt, verbrennt und gibt unangenehme Aromen.
Aber nun ist alles fertig für den letzten Schritt.

Das Fleisch ist nur etwas dunkler geworden und fässt sich an, als ob eine leichte pergamentene Haut drumrum ist. Zur Hautpflege kommt etwas hocherhitzbares Öl drumrum.

Und dann geht es in die hocherhitzte Pfanne. Das kann ruhig etwas rauchen.

Die Bratrillen kamen vom kleinen Rost. Keine 30 Sekunden braucht das Fleisch in der Pfanne. Man muss nur aufpassen, dass es nicht verbrennt.
Und nebenher bereitet man das Brötchen vor.

Schön gleichmäßig gebräunt. So muss das sein.

Auf der Unterseite befindet sich etwas Grillsoße nach Wahl. Darauf kommt das Steak.

Darauf kommt jetzt der angemachte Krautsalat.

Wer mag, gibt noch etwas Grillsoße darauf.

Zuoberst kommt dann die zweite Brötchenhälfte und es kann serviert werden.

Natürlich sei, auch wenn er sich hinterher schlechter isst, der Burger auf seine Rosigkeit getestet. Also her mit dem großen Messer.

Kein weiterer Kommentar. Nur noch Genuss. Guten Appetit.
Monat: Februar 2014
Eintopf, Einpfann, Einform?
Die einfachsten Dinge sind manchmal doch die besten. Aber das ist ein Gedanke, der hier schon öfter durch die Artikel geisterte. Und sicher auch weiter geistern wird. Gute Grundzutaten, einfache Zubereitung, leckeres Gericht. Diesmal als vollwertige Mahlzeit zu einem anderen Gericht, dass neulich leider fotofrei geblieben ist.
Alles fängt an mit einer Auflaufform.

In diese geben wir ein paar halbierte rohe Kartoffeln.

Diese Kartoffeln werden mit Salz, Rosmarin, Pfeffer und ggf. anderen backofenfesten Gewürzen versehen.

Dann kommt etwas Rapsöl darüber und alles wird gut vermengt.

Wer hat, nimmt jetzt ein passendes Gitter, dass er über die Auflaufform legt. Wer sowas nicht hat, packt das nachfolgende im Ofen nicht darüber, sondern daneben.

Auf dieses Gitter kann geschickt eine Hähnchenkeule platziert werden.

Dann verrührt man etwas Öl mit Salz, Pfeffer, Paprika und ggf. anderen interessanten Gewürzen und pinselt die Keule damit ein.

Das alles kommt jetzt für ca. 35-40 Minuten in den auf 170°C aufgeheizten Heißluftofen. Spätestens, wenn man keinen Heißluftofen hat, sollte man bei Ober- und Unterhitze Kartoffeln und Hühnerbein wirklich nebeneinander legen. Heißluft geht aber sehr viel einfacher.
Dann muss eigentlich nur noch angerichtet werden. Zu den Backkartoffeln gibt es noch das hier schon erwähnte Tzatziki.

Guten Appetit.
Summer in the city … ähm … platter
Das Wetter heute Mittag war fast sommerlich, zumindest, wenn man es durch die geschlossenen Fenster beobachtete: Sonne satt und leicht mit Wölkchen bepuderter blauer Himmel. Da dachte ich, mach doch mal was sommerliches zu Mittag.

Scharfe Salami, ein paar Datteltomaten, eine spitzpaprika, eine Schalotte, ein paar Knoblauchzehen und natürlich die Pasta. Mehr braucht man fast gar nicht. Achso: Olivenöl, Salz (wenig), Pfeffer (mehr) und was man sonst noch so denkt, gehören natürlich auch noch so hinein.
Apropos Pasta. Dreimal dürft ihr raten, wann ich die geschenkt bekommen habe. Aber bitte dreimal! Nicht gleich beim ersten Mal rausbekommen. 😉

Kommen wir aber zur Zubereitung. In einer Pfanne wird das Olivenöl nachhaltig, aber nicht zu stark erhitzt.

Dann kommen die klein geschnittene Schalotte und der Knoblauch, auch zerkleinert, hinein.

Ein Stückchen von der scharfen Wurst wird in Würfel geschnitten und ebenfalls hinzu gegeben.

Der Paprika wird wird ebenfalls klein geschnitten und hinzu gegeben.

Auch die Tomaten (halbiert) dürfen nicht vergessen werden.

Alles wird einmal durchgerührt, dann die Hitze klein gestellt und der Deckel darauf gegeben.

Nun ist es Zeit, die Pasta nach Vorschrift zuzubereiten, sie sollte noch gut al dente sein, wenn sie aus dem Wasser kommt. In der Pfanne gart sie anschließend noch ein wenig nach. Denn dort kommt sie hinein.

Auch das wird alles nochmal durchgerührt, ohne die Nudeln zu zerstören.

Man könnte jetzt direkt aus der Pfanne essen. Probieren und abschmecken geht auf jeden Fall so. Kräuter, Parmesan oder ähnlichen können dem Essen auch noch beigegeben werden.

Man kann es aber einfach nur auf einem Teller anrichten und genießen. Guten Appetit. Ich hatte fast mit dem Gedanken gespielt, auf dem Balkon zu speisen … Das Thermometer meinte aber: „Du spinnst, wenn Du das machst.“
Sche…, ist das gut
Dass die einfachsten Gerichte eben doch die besten sind, wenn nur die Zutaten stimmen, habe ich hier schon öfter thematisiert. Aber manchmal gibt’s auch Fertigprodukte, mit denen das passieren kam. Diesmal ist es eine südeuropäische Variante von Pellkartoffeln mit Quark.
Wenn man durch die Kühlregale mit den Milchprodukten schweift, sollte man einen Moment beim Tzatziki verweilen. Dort gibt es eine Sorte, die laut Zutatenliste wirklich nur aus Naturjoghurt, Gurke, Knoblauch, Olivenöl und Salz besteht. Das ist der richtige, aber man braucht nochwas.
Festkochende Biokartoffeln werden gewaschen und geputzt, dann halbiert, mit etwas Rapsöl umhüllt, gesalzen und mit etwas Rosmarin bestreut. Das alles gibt man in eine Auflaufform oder ein anderes geeignetes Gefäß, mischt es dort drin ggf. auch durch und stellt es bei ca. 180°C in den Umluftofen, bis die Kartoffeln gar und leicht gebräunt sind. Das dauert je nach Dicke der Stücke etwa 30 Minuten.
Abschließend kommt ein Suppenlöffel zum Einsatz, der von der Spitze aus zu einem Drittel mit dem Tzatziki befüllt wird. Die Backkartoffel wird in mundgerechte Stücke zerteilt, eins davon kommt mit auf den Löffel. Im Mund abgeladen ergibt das eine Geschmacksexplosion sondersgleichen. Ich bin hin und weg. Deswegen gibt es nicht mal ein Bild. Wenn ich mal das Tzatziki selber mache, liefere ich ein Foto nach.
Schnelles Essen mit Convenience in gut
Die Frage ist nur, warum das Essen trotz Convenience so gut war. Die Antwort ist einfach: Selbst gemachtes Convenience. Alle Reste in eine Pfanne und gut ist’s.

Da das eigentlich nur schnell was für mich werden sollte, gibts auch keine weiteren Bilder. Und auch das einzig vorhandene erinnert mich daran, dass ich mal die Linse von meinem Handy putzen sollte.
Was kam hier alles zusammen? Die Nudeln sind unproblematisch nach Vorschrift gekocht (1 Person, 1 Liter Wasser, 100 g Pasta, 10 g Salz). Die Tomatensoße a la arrabiata ist hier schon mal erwähnt, der Fisch ist der übrig gebliebene Zander von hier. Die Filets habe ich auftauen lassen, abgetrocknet, etwas mit Stärke bestäubt und dann in etwas Fett in der Pfanne angebraten. Dann kam die Tomatensoße dazu und die Pasta. Alles nochmal durchgerührt und fertig.
Eigentlich sollte es ja ein Auflauf werden, aber da ich am Abend des Vortages noch nicht wusste, was ich am nächsten Tag koche, habe ich da schon mal den Käse aufgegessen …
Versteckter Seelachs arrabiata
Da lag doch noch ein Stück Seelachsfilet im Tiefkühler. Außerdem hatte ich neulich schon ein paar beinahe anderweitig zu entsorgender Gemüse verarbeitet und im Kühlschrank zu stehen. Beides zusammen sollte heute ein Essen ergeben. Und es wurde auch was. Da der Fisch erst auftauen musste, gab es Zeit, vorher etwas theoretisches nieder zu schreiben.
Heute fangen wir mal mit einer leeren Auflaufform an. Sie sollte nur wenig größer sein als das zu verarbeitende Fischfilet.

In diese kommt eine Schicht rotes Etwas.

Diese rote Paste habe ich neulich selber eingekocht. Es besteht im wesentlichen aus Tomaten, roten und gelben Paprika, einer Möhre, Tomatenmark, Salz, Pfeffer, Zucker, Chili, Sambal Olek u.a. Das ganze wird beim Kochvorgang frühstmöglich püriert und dann so lange gekocht, bis auch die Möhre weich ist. Ein Schuss Balsamico-Essig und Olivenöl schadet auch nicht, und wenn alles zu dickflüssig ist, gibt man noch etwas Wasser oder Tomatensaft dazu.
Auf diese Paste kommt das aufgetaute Fischfilet.

Je nach Aromatisierung der Tomatenmasse kann man das Filet noch würzen, im konkreten Fall erübrigt sich das. Auf den Fisch kommt auch och von der Paste.

Für’s Auge und den Geschmack Kommt noch etwas Käse oben drüber, hier habe ich etwas alten Gouda gehobelt.

Und damit auch noch was frisches dazu kommt, habe ich noch ein paar kleine Tomaten mit in die Auflauffarm gedrückt und angepiekt.

Dann kann alles auch schon in den Ofen. Der war mit 170°C Umluft beheizt. Durch die Soße braucht das Fischfilet auf jeden Fall länger zum Garen, als es auf der Packung steht. Eine Rouladennadel hilft bei der Einschätzung, ob der Fisch gar ist. Oder auch ein Fleischthermometer. Letztendlich hatte ich den Fisch wohl 20 Minuten im Ofen.

Der Käse ist geschmolzen, die Tomaten geplatzt, der Fisch bis ins tiefeste Innere gegart. Also kann serviert werden.

Wie man es aus der Auflaufform heraus hebt, bleibt als kleine Aufgabe für Euch, es geht aber. Und schön saftig war der Fisch auch. Und Arrabiata. Da war der Käse ein schöner Ausgleich.

Guten Appetit.
Fade vs. feines Aroma
Die Grenze ist fließend zwischen Gerichten, die einfach nur ein feines Aroma haben und Gerichten, die fade sind. In der Küchenliteratur und im Kochfernsehen gibt es verschiedene Strategien, solchen Ausgangsstoffen beizukommen. Ich habe schon einige Rezepte gelesen, die mit dem Gedanken anfingen, dass irgendetwas ruhig eine kräftige Würzung vertragen könne, da es selber kaum nach etwas schmecke. Hähnchenbrust ist eine von diesen Zutaten, auch bei Hackepeter habe ich es schon gelesen. Und selbst der eine oder andere Fisch wird als würzbedürftig bezeichnet.
So ganz verstehe ich diese Argumente nicht immer. Sind die Köche, die sowas schreiben, auf der Zunge und in der Nase schon so abgestumpft, dass sie die feinen Aromen nicht mehr mitbekommen? Oder haben sie die Kunst verlernt, Eigengeschmack herauszukitzeln und geschmackvoll auf den Teller zu bringen? Ein schönes Beispiel, das auch gerade in einem anderen Kochblog entsprechend behandelt wurde, ist Seelachs.
Wie ich schon mal in Verbindung mit Kartoffeln bemerkte, ist eine schöne Variante, um Aromen aus etwas heraus (und vielleicht auch noch ein paar hinein) zubekommen, das Dämpfen. Ob man das im Sieb im Topf über kochendem Wasser macht oder in entsprechenden Maschinen, bleibt zweitrangig.

Der Rührschlegel ist diesmal mit dabei, bei Verwendung eines Topfes erübrigt sich das, mehr dazu später. In den Topf kommt dann idealerweise ein Fischfond, ich hatte noch welchen übrig.

Salzwasser mit etwas Möhren, Lauch und Sellerie ist eine denkbare Alternative. Darauf kommt das Sieb.

Natürlich soll nicht nur Fisch gegart werden, etwas Beilage ist auch nicht schlecht und kann man ja auch dämpfen.

So kommen Kartoffeln und Möhren auf diese Siebebene. Da ist jetzt auch schon etwas Meersalz mit drauf, über die Möhren kann man auch etwas Zucker verteilen.

Die zweite Siebebene. Der Fisch braucht sicher nicht ganz so viel Hitze wie die Möhren.

Ein Stück Seelachsfilet thront zuoberst. Auch hier wird etwas gesalzen und gesäuert. Deckel drauf und dann kann es los gehen.

Hat man nur einen Topf und ein Siebeinsatz, legt man natürlich alles in das Sieb. Hier lohnt ggf. die Überlegung, einiges später ins Sieb zu legen als anderes, die Garzeiten können ja unterschiedlich sein.
Dann schmeißen wir den Laden mal an.

15 Minuten ab kalter Brühe. Hat man die schon vorgewärmt, gehts natürlich schneller. Wobei ich für die Kartoffeln noch eine kleine Verlängerung hinterher gegeben habe. Und der Fisch war ja auch noch halb gefroren.

So steht alles ca. 12 Minuten unter Dampf. Am Ende kann man noch mit etwas Salz, Pfeffer, ggf. Dill abschmecken und servieren.

Und wer sich jetzt fragt, wo denn plötzlich die weiße Soße her kommt, dem sei gesagt, dass man den Topfinhalt, also den gekochten und etwas reduzierten Fischfond, der den Gardampf geliefert hatte, mit einem Schuss Milch oder Sahne und etwas Mehlbutter oder ähnlichem binden und dann als willkommende Ergänzung servieren kann. Auch hier spielte Dill noch eine kleine Gastrolle. Guten Appetit.
Das Fischaroma wird wunderbar ergänzt durch die aromatischen Gemüse und die Dillnote in der Soße, die übrigens auch noch durch einen Spritzer Limette erfrischt wurde. Natürlich kann man den Fisch auch mit kräftigeren Gewürzen ergänzen, aber dann schmeckt man auch nur die. Ich habe da neulich eine sehr arrabiate Tomatensoße gekocht. Das wäre doch auch noch eine Idee, den Fisch darin zu garen. Viel Eigengeschmack hat er ja wirklich nicht … 😉
Dem Zaren sein Olivenhain
Da kann man doch so richtig schön in kulinarischen Phantasien schwelgen. Vertieft in geistreiche Gespräche lustwandelt der Genießer, vielleicht auch noch mit einem klaren kalten Wodka in der einen und einem passenden Amuse Gueule – ein luftgetrockneter Speck zum Beispiel – in der anderen Hand, durch einen russischen Olivenhain. Und wenn dann noch ein Braunbär mit einem Olivenzweig im Maul auftaucht, kommt irgendwie alles durcheinander. Die Vorstellung ist doch etwas holprig … Wenn dann noch eine in Kalk gegossene Figur eines Badejungen dekorativ im Hintergrund herumsteht, ist das Tohuwabohu perfekt. Aber irgendwo ist da auch das Ende eines roten Fadens zu sehen, an dem es jetzt zu ziehen gilt, um Ordung ins Chaos zu bekommen.
Ein kleiner Ausflug mit Freunden führte in eine der vielen touristischen Hochburgen des Landes, also weg aus Neubrandenburg. Uns zog es mal wieder ans Wasser, genauer auf ein von diesem Medium umflossenen Eiland.
Die größte heimische Insel lockte zu einem winterlichen Ausflug an die vereiste Ostseeküste, zu Seebrücke, Möwen, entfernten, aber im Dunst verschwundenen Kreidefelsen und vielfältiger Gastronomie. Es ist schon erstaunlich, dass in einer einzigen Straße so manchen Ostseebades mehr kulinarische Angebote zu finden sind als in manchen Oberzentren. Aber das soll nicht das Thema sein. Das Ostseebad Sellin – Rügenkenner haben es sicher schon am Foto erkannt – bietet da so mancherlei, auch außerhalb der internationalen Dreieinigkeit aus Pizzeria Mamma, Taverna Akropolis und Restaurant „Peking Pagode“. Und wenn man dann noch auf der Karte den Satz findet: „In unserem Restaurant verwenden wir grundsätzlich keine Fertig-Produkte. Unser gesamtes Speisenangebot wird in „Handarbeit“ von unserem … Koch und seinen Helfern zubereitet und frisch für Sie angerichtet.“, dann darf man durchaus gespannt sein.
Entsprechend übersichtlich war die Speisekarte. Aber, um es mal vorweg zu nehmen, es ist gut so. Kommt man zu einer nicht ganz üblichen Essenszeit, hat man die Chance, an einem der Tische Platz zu finden, die nicht mit Stühlen, sondern mit Couch und Sesseln bestückt sind. Es ist zwar nicht ganz einfach, auf diese Weise gut zu essen, aber so zu sitzen, mit einem Wodka oder einem Glas heißen grusinischen Tees bedacht, und durch die Weltgeschichte zu philosophieren, hat definitiv was. Von den weiten gedanklichen Reisen kommt man aber immer wieder gern ins Restaurant zurück, spätestens, um Getränke nachzuordern. Von allein kommen diese leider nicht.
Und dabei sind wir auch schon beim Service angekommen, der ist an sich sehr höflich und zuvorkommend, das eine oder andere nette Wort wechselte die Besitzer, und nach der ersten Getränkelieferung begann das kulinarische Abenteuer mit einem „за здоровье„, womit endgültig klar wird, dass es uns diesmal in ein russisches Restaurant verschlagen hat. In den Gläsern fand sich zu dem Zeitpunkt übrigens Kwas, was man durchaus mal trinken kann, wenn einem Roggenbier schmeckt. Freunde des Malzbieres werden sich ein wenig an dieses erinnert fühlen, das russische ist aber nicht so pappig süß wie das deutsche, was ein wenig wundert, erinnert man sich an den lieblichen Krim-Sekt. Aber die Krim ist ja auch Ukraine und nicht Russland. Aber ich schweife ab.
Der Ostseebesuch hatte uns doch ein wenig ausgekühlt, so freuten wir uns auf eine wärmende Suppe. Zweimal Fleischsoljanka und ein Borschtsch kamen wahrhaft dampfend auf den Tisch und schmeckten hervorragend. Der Eindruck, das oben wiedergegebene Zitat aus der Speisekarte stimme, verstärkte sich positiv. Der Borschtsch enthielt viel klein geschnittenes, aber nicht zerkochtes Gemüse und natürlich rote Beete. Die Soljanka wusste mit Oliven als Einlage zu überraschen, war aber vermutlich näher am imaginären Original als alles, was man sonst unter dem Namen angeboten bekommt.
Die Suppe im Bauch waren wir gerüstet für eines der russischsten Gerichte, das einem einfällt, wenn man an Essen in diesem großen östlichen Land denkt: Pelmeni. Jetzt könnte man darüber sinnieren, dass wohl irgendwie jede kulinarische Region so etwas im Angebot hat: schwäbische Maultaschen, italienische Ravioli, Wan Tan oder Dim sum im fernen Osten usw. usw. Man könnte aber auch sagen, dass diese kleinen saftigen Dinger, die man besser ungeschnitten essen sollte, da sonst die ganze Flüssigkeit aus dem Inneren verlustig geht, einfach nur lecker sind. Da muss man eher aufpassen, dass man sich nicht mit einer Unzahl den Magen vollstopft. Eine Idee wäre es, wenn nicht nur jeweils ein Dip dazu ausgewählt werden könnte, aber wenn man sich am Tisch einig ist und jeder bestellt einen anderen, gehts ja auch. Die Pelmeni kommen aber abgezählt auf Tellern zum Gast, so dass man, wenn man die kleine Portion nahm, durchaus noch Platz für ein Dessert hat. Bei dessen Bestellung konnten wir dann auch gleich noch Getränkenachschub ordern, wobei auch hier Sonderwünsche (ein beliebiger Saft aus der Karte als große Schorle) anstandslos geliefert wurden.
Das Dessert hieß übrigens genau so wie das Restaurant „Чай ковский“. Ob das jetzt nach dem Ort oder dem Komponisten passierte, wurde mit diesem Eisteller wunderbar beantwortet. Hochwertiges Erdbeereis, ungesüßte Schlagsahne und eine aus Sahneeis und mit Schokoladenauflage geformte Violine sprachen Bände und mundeten vorzüglich. So kann man das Restaurant „Tschai kowski“ in der Pension Tatjana im Ostseebad Sellin auf Rügen durchaus empfehlen, auch für mehrfache Besuche. Wenn man die Karte im Nachhinein liest, gibt es doch noch ein paar Gerichte, die man genießen möchte. Für Neulinge und Unentschlossene stehen übrigens auch zwei Menüs bereit, die zweimal quer durch die Karte führen. Zum Schluss gab es übrigens noch einen Wodka mit Birkensaft, aber da muss man aufpassen. Der geht nicht aufs Haus, sondern auf die Rechnung. Unüblich, aber angemessen.
Achja, eins noch: Der sogenannte Abschlusstest. Diesmal mit Russischer Schokolade und Tee aus dem Samowar? Oder doch ein Gläschen Krimskoje? Nein! Auf der Karte fand sich auch ein Espresso und nach dessen Bestellung hörte man einen Automaten Kaffeebohnen mahlen und mit Wasser und gehörigem Druck durchfeuchten. Selten habe ich meinen espressotrinkenden Gegenüber mit derart erstauntem Gesicht gesehen wie beim Servieren dieses italienischen Heißgetränkes. Das kam nämlich formvollendet in einer russisch anmutenden Espressotasse (mit Goldrand), und es gab ein kleines Schälchen Zucker sowie ein Gläschen Wasser dazu. Damit standen übrigens drei Behältnisse mit Zucker auf dem Tisch. Bereits zur Grundausstattung des Möbels gehörten Behältnisse mit weißem Würfelzucker und braunem Krümelkandis, jetzt kam noch weißer Kristallzucker dazu, am besten passend zum kleinen Schwarzen. Man merkt schon, dass das Tschai kowski auch ein Teehaus ist.
Wer also einen Ausflug auf Rügen plant, der sollte auch mal das russische Restaurant in Sellin besuchen. Es gibt eigentlich nur zwei Manko, ein kleines und ein großes. Das kleine: Wer nach dem ersten noch ein zweites Getränk möchte, muss selber aktiv werden und es bestellen. Das große: Bei allem Respekt, aber die Webseite ist grottig.
Wie lange darf die Zubereitung eines Salates dauern?

Natürlich darf er in der Zeit der Zubereitung nicht verwelken. Aber da gibt es Sorten, die für diesen Vorgang schon eine Weile brauchen. Stellt sich also die Frage nach einem anderen Orientierungspunkt zur Beantwortung. Und es ist so einfach: Die Zubereitung darf nur so lange dauern, bis das Steak aus der Pfanne kommt. 😉

Die Zeit läuft. Salat waschen, trocknen, Paprika klein schneiden. Dabei natürlich auch nicht das Fleisch in der Pfanne aus den Augen verlieren. Dressingzutaten zusammensuchen.

Jetzt wird es eng … Das Fleisch ist gedreht und sieht lecker aus. Also schnell das Dressing. Der Saft einer Limette wird mit Salz, Zucker und Pfeffer versetzt. In Anwesenheit von etwas Senf wird alles gut verrührt. Und wo wir gerade beim Rühren sind: Etwas Olivenöl kommt, wenn alles andere aufgelöst ist, auch noch hinzu, bis eine leicht cremige Soße entstanden ist. Noch etwas Pepp? Ein paar geröstete Paprikaflocken kommt auch noch mit hinzu. Rühren, rühren, rühren. Dann kommt auch gleich der Salat auf den Teller, garniert mit dem Paprikaringen.

Da fehlt jetzt nur noch das Steak drauf.

Auf das Fleisch kommt noch etwas Fleur de Sel und das Dressing auf den Salat.

Die einfachsten Sachen sind meistens doch die besten, wenn man etwas Wert auf gute Zutaten legt. Guten Appetit.
